Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

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26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

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Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

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Motto des Tages

„Patientenpfade konnten sich in den letzten Jahren auf dem Markt etablieren. Die unterschiedlichen methodischen Ansätze haben jedoch alle eines gemeinsam: Der Grad der Umsetzung entspricht, vorsichtig ausgedrückt, nicht den Erwartungen".

 

Quelle: Seyfarth-Metzger/Vogel/Krabbe-Berndt, Neue Herausforderungen an das Qualitätsmanagement: Wirtschaftlichkeit und Patientensicherheit, dk 9/2005, S. 757ff.

 

So ist es wohl. Die Autoren hätten nur noch hinzufügen müssen: „In Deutschland"! Anderswo in der Welt ist man da schon weniger verschnarcht.


01. Editorial: Warum spielt die Elektronische Krankenakte in Deutschland nach wie vor keine größere Rolle?

Why are real electronic medical records (EMRs) almost nonexistent by now in Germany?

 

Wer sich – wie der Autor – schon sehr lange mikroökonomisch mit (Ergebnis-)Verbesserungen im Gesundheitswesen befasst, ist sich fast ebenso lange der Bedeutung einer integrierten klinischen Datenverarbeitung bewußt. Dreh- und Angelpunkt eines solchen IT-Ansatzes ist selbstverständlich eine patientenbezogene Datenbasis (electronic medical record – EMR), in der Patientendaten „von der Wiege bis zur Bahre“ gehalten und einzelne Behandlungsphasen (z.B. ein Krankenhausaufenthalt) als Episoden abgegrenzt werden. Doch weder frühe Veröffentlichungen zum Thema (seit den 70er Jahren) fanden die rechte Resonanz noch waren Initiativen erfolgreich, hier praxiserprobte Anwendungssoftware aus den USA zu implementieren. Seitdem sind Jahrzehnte ins Land gegangen, in denen sich auf diesem Gebiete erstaunlich wenig getan hat.

 

Mittlerweile behauptet zwar fast jeder deutsche Softwareanbieter, „selbstverständlich“ über eine Elektronische Krankenakte zu verfügen. Kaum ein Softwareentwickler hat noch nicht von HL7 gehört. Doch mehr als allerlei Ansätze, Patientendaten medizinischen Inhalts – speziell für Abrechnungs- (G-DRGs) und Meldezwecke (§ 301 SGB V) – zu speichern, hat der Autor bisher noch nicht gefunden. Eine komplette – die traditionelle Papierdokumentation ersetzende – Dokumentation von Verlauf und Ergebnis der Behandlung aller Patienten eines Krankenhauses (oder gar einer ganzen Region) als Rückgrat einer IT-gestützten krankheitsartenbezogenen klinischen Ablauforganisation scheint es hierzulande immer noch nicht zu geben. Selbst in den USA haben sich frühe (von uns in etlichen Exemplaren vor Ort angesehene) Ansätze nicht so schnell verbreitet, wie dies eigentlich nahe gelegen hätte. So hatte das IOM dort beispielsweise 1991, 1997 und 2001 mit diesen Begründungen ausdrücklich auf den Nutzen von electronic medical records systems hingewiesen*:

 

  • Ein schneller und bequemer Zugang zu organisierten, gut lesbaren Patientendaten für Berechtigte
  • Eine Verbindung zu relevanten Literaturquellen
  • Ein automatisches Generieren von Warnhinweisen, Erinnerungen und Empfehlungen, sobald von (Qualitäts-)Standards der Behandlung abgewichen wird
  • Die Analyse von populationsbezogenen Datenbeständen für Zwecke der klinischen Forschung, epidemiologischer Auswertungen, Qualitäts- und Ergebnismessungen
  • Niedrigere Gestehungskosten
  • Eine bessere Unterstützung von Leistungserbringern und Patienten

 

Paul Clayton*, langjähriger IT-Chef der HMO Intermountain Healthcare (IHC), hat kürzlich sehr schön zusammengefasst, wo die Hindernisse selbst in den USA zu liegen scheinen:

 

  • „Weiter oben“ in der Hierarchie fehlt es oft am notwendigen Einsatz sowie an Investitionsmitteln
  • An der Basis mangelt es an Engineering, Funktionalität und technischen Erfordernissen

 

Als größtes Hindernis glaubt Clayton angesichts der – mindest ein Jahrzehnt erfordernden Aufgabe – den Mangel an institutionellem Engagement ausgemacht zu haben. Das kann er natürlich umso leichter äußern, als seine eigene Einrichtung seit Jahrzehnten (nicht nur hier) zu den weltweiten Pionieren gehört.

 

In Deutschland dürfte es mit dem Engagement ähnlich stehen. Lieber behauptet man hier einfach, man verfüge längst über eine Elektronische Krankenakte, ein MIS und was auch immer. Das hört sich gut an. Und wer soll da schon das Gegenteil beweisen wollen?

 

Eine strategische IT-Planung erfordert Phantasie, Durchsetzungskraft und Stehvermögen, zumal es Investitionsmittel umzulenken gilt, die von vielen Klinikern “schon immer“ als Besitzstand verstanden und nach dem Prinzip der „Sozialen Gerechtigkeit für Chefärzte“ verteilt werden. Außerdem werden Investitionen, die sich erst nach etlichen Jahren (im Sinne einer angemessenen Verzinsung des eingesetzten Kapitals) rentieren, hierzulande bisher höchstens von privaten Trägern angegangen. Von einem entsprechend offensiven IT-Einsatz war allerdings bisher nichts zu hören.

 

Hinzu kommt, dass sich der finanzielle Nutzen einer ganzheitlichen klinischen IT erst nach etlichen Jahren und auch nur dann einstellt, wenn die notwendigen organisatorischen Konsequenzen getroffen werden. Eine bloße „Computerisierung des (vermeintlich krankenhausspezifischen) Ist-Zustandes“ erhöht garantiert die Kosten! Den größten ökonomischen Nutzen hätten auch eher die Krankenkassen (und damit die Versicherten) und weniger die Verantwortlichen vor Ort.

 

Ein schwerwiegendes nichttechnisches Hindernis sieht Clayton im Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, welche die Organisation der klinischen Praxis verstehen, sowohl ein professionelles Projektmanagement als auch die neuzeitliche Softwaretechnologie beherrschen und zugleich eine strategische Vision mit Erfahrung und Klugheit verbinden. (Leitende) Mitarbeiter, die nicht nur die Medizinische Informatik beherrschen, sondern zugleich auch ökonomische Aspekte der Krankenbehandlung (also nicht nur das Hantieren mit DRGs und den Umgang mit zugehörigen Budgets). Dieser Mangel dürfte hierzulande noch weitaus größer sein.

 

Die Kompatibilität von Patientendaten in größeren Zeitspannen und im Zusammenspiel mehrer beteiligter Institutionen ist ein weiteres, weniger technisches als sozusagen soziologisches Schnittstellenproblem. Die trotz aller Querelen in absehbarer Zeit hoffentlich einheitliche Patienten-Identifikation via Gesundheitskarte in Deutschland sollte dieses jahrzehntelang ungelöste Problem hier endlich auf rein technische Aspekte zurückführen: Der dadurch ausgelöste Entwicklungsschub ist geradezu mit Händen greifbar! Gleichwohl werden wohl Schnittstellenprobleme zwischen IT-Systemen deren Zusammenspiel (interoperability) behindern, so lange sich die IT-Anbieter nicht freiwillig an Konventionen wie die der weltweit gültigen HL7 halten – auch an jene, die internetbasierte Anwendungen via CCOW zu verknüpfen gestatten. (IHC beschäftigt 22 Mitarbeiter für nichts anderes als die Pflege ihrer über 60 Interfaces; jährliche IT-Investitionen insgesamt 3,9% vom Bruttoumsatz!)

 

Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Hindernis ist eine Erfassung aller im Zusammenhang mit der Krankenbehandlung an medizintechnischen Geräten und Einrichtungen von Infusionspumpen bis zur Intensivüberwachung anfallenden Untersuchungs- und Behandlungsdaten ohne menschliches Zutun zum Entstehungszeitpunkt am Entstehungsort. Dies sollte in der einzelnen Gesundheitseinrichtung geschehen, zumindest bei bestimmten Patientengruppen wie Chronikern aber auch zu Hause. Zudem wäre es hilfreich, die tatsächliche Medikamenteneinnahme in geeigneter Weise zu überwachen. Mit anderen Worten: Wenn es gelänge, den von den Beteiligten zunehmend beklagten „Papierkrieg“ in den Griff zu bekommen, würden der Elektronischen Krankenakte wesentliche Inhalte fehlen. Doch dort – siehe Marburger Bund – sieht man die Lösung des Problems immer noch eher in einer Personalvermehrung (und in einer höheren Bezahlung der Krankenhausärzte).

 

Gelänge es, dieses Problem mit Hilfe einer geeigneten Technik zufriedenstellend technisch zu lösen, könnten abrechnungsrelevante oder gesetzlich meldepflichtige Daten als „Abfallprodukt“ automatisch bereitgestellt werden. Das würde schon heute viel unbefriedigende Arbeit beseitigen helfen. Und es wäre sichergestellt, dass eine zusätzliche arbeitsintensive manuelle Datenerfassung zum Füllen der Elektronischen Krankenakte gar nicht erst anfiele. (Und es könnte die Personalkosten reduzieren). Zugleich ließe sich mit sehr viel höherer Sicherheit gewährleisten, dass alle Daten völlig fehlerfrei sind – auch jene, die in die Abrechnung einfließen. Das scheint noch niemanden außer den Patienten so recht zu interessieren. Doch die wissen nichts davon. Bei den in den Institutionen Handelnden und den dort Verantwortlichen fehlt dafür bisher jedenfalls der nötige „Qualitätsdruck“.

 

Auch wenn dies schon anders wäre, verbliebe die Aufgabe, an der Schnittstelle Mensch – Maschine eine Optimierung der Konvertierung einer erheblichen Restmenge einhergehend mit der Krankenbehandlung anfallenden Informationen in Daten zu unterstützen – sei es durch den Einsatz von Textbausteinen, die Spracheingabe, den Ersatz der Tastatur durch Touchscreen und nicht zuletzt mittels Reduktion der einzugebenden Datenmenge durch eine intelligente Nutzerführung im Bildschirmdialog. Manches davon ist verfügbar. Vieles gibt es noch nicht – zumindest (soweit bekannt) nicht in Deutschland.

 

Ein zwar wohl technisch, nicht aber „politisch“ abschließend gelöstes Problem ist die Frage  der im Falle der Berechtigung sicheren Identifizierung aller jeweils an der Krankenbehandlung des einzelnen Patienten Beteiligten, also der behandelnden Ärzte, der beteiligten Pflegekräfte, MTAs, Physiotherapeuten, Apotheker und anderer und nicht zuletzt der Patienten (und ggf. der unter Umständen zugangsberechtigten Angehörigen) selbst. Auch hier dürfte im Zusammenhang mit der Gesundheitskarte eine Einigung erfolgen. Die Konsequenzen wurden schon angesprochen. IHC-intern hat man das Problem der Berechtigung laut Clayton beispielsweise mit Hilfe dieser Kriterien gelöst.

 

  • Eine etablierte persönliche Arzt-Patientenbeziehung
  • Andere an der Behandlung dieses Patienten Beteiligte
  • Patient an einem zugriffsberechtigten Ort in der Einrichtung
  • Betreuende Person an einem zugriffsberechtigten Ort in der Einrichtung
  • Die konkrete Rolle des an der Krankenbehandlung Beteiligten

 

Zum anderen werden mit einem Logging-Verfahren etwaige Zugriffsverletzungen mit dem Ziele untersucht, Wiederholungen auszuschließen.

 

Schließlich muß man sich klar machen, dass eine simple „Elektronifizierung“ bestehender , vergleichsweise ungeordneter Behandlungs- und Aufzeichnungsgepflogenheiten die schlechteste aller Lösungen für eine Elektronische Krankenakte wäre. Erst krankheitsartenweise standardisierte arbeitsteilige Behandlungsabläufe (= klinische Pfade) auf der Grundlage von best practice würden eine reibungslose IT-gestützte Zusammenarbeit aller Beteiligten gestatten und damit zum Wohle der Patienten am Ende bei minimalen Kosten eine per saldo ungeahnte Qualitätssteigerung gestatten – evidence based. An einer derartigen Wissensbasis problemspezifischer Standards wird z.B. in den USA intensiv gearbeitet, wobei die IHC sicher zu den Pionieren zu zählen ist. Von diesem Ansatz ist man hierzulande noch himmelweit entfernt, auch wenn sich in den letzten Jahren zumindest in Sachen Leitlinien sowie evidence based medicine allerlei Aktivitäten entwickelt haben.

 

 

 

 

The HL7 CCOW (Clinical Context Object Workgroup) Standard is vendor independent and allows clinical applications to share information at the point of care.

 

--------------

* vgl. Paul D. Clayton, Obstacles to the Implementation and Acceptance of Electronic Medical Record Systems, in National Academy of Engineering and Institute of Medicine of the National Academies, Building a Better Delivery System: A New Engineering/Health Care Partnership, Washington 2005, von uns frei ins Deutsche übersetzt.

 


02. Fragen zur Weiterverbereitung des Gedankens von Excellence

Baldridge Research Being Conducted

Zurzeit werden die Bewerber um den Malcolm Baldridge National Quality Award (MBNQA) befragt, auf welche Weise man den Ansatz am besten weiter verbreiten kann. In Deutschland müsste sich die Befragung auf den Ansatz des EFQM-Modells für Excellence beziehen. Hier der Fragebogen.

Wir haben die gestellten Fragen für Sie – weil auch hier nützlich – ins Deutsche übersetzt:

  1. Was wäre am hilfreichsten, um die Leistung Ihrer Organisation auf die nächste Stufe zu heben?
  2. Welche Geschäftsprobleme halten Ihre oberste Führung „nachts wach"?
  3. Welche Hindernisse oder Herausforderungen hat Ihre Organisation überwunden? Wie wurden sie überwunden?
  4. Was wäre die treibende Kraft, die Kriterien der Performance Excellence* anzuwenden? Welche anderen Alternativen wurden berücksichtigt?
  5. Auf welche Weise wenden Sie die Kriterien der Performance Excellence auf Ihre Organisation an?
  6. Wie erfolgreich ist Ihre Organisation beim Anwenden der Kriterien für Kriterien der Performance Excellence bezogen auf eine Skala von 1 bis 10?
  7. Was hat gut funktioniert?
  8. Was funktionierte nicht so gut?
  9. Welche bedeutsamen Verbesserungen haben Sie erzielt? Handfest? Immateriell?
  10. Wenn Sie im Wissen von heute neu beginnen sollten, was würden Sie anders machen?
  11. Welche Unterstützung, wenn überhaupt, brauchen Sie zu Beginn, um Ihre Organisation bei der Anwendung der Kriterien der Performance Excellence erfolgreich zu machen?
  12. Welche anderen Fragen, Kommentare oder Vorschläge haben Sie?

 

* Sinngemäß: Excellence von Leistung und Ergebnissen

Anmerkung:
Wenn man doch endlich auch bei uns im Gesundheitswesen begänne, das hier leider eingerissene "Qualitätsmanagement" samt seinen fast immer inhaltlsleeren "Zertifikaten" ersatzlos in den Müll zu werfen und stattdessen ähnliche Fragen zu stellen!


03. (AHA) Nachschubkosten begrifflich festgelegt

Definition marks first step toward "supply expense" benchmarking tool

The Association for Healthcare Resource & Materials Management, with support from the Healthcare Financial Management Association, has developed a standard definition for supply expense that health care organizations can use to compare their supply costs to others in the field and look for ways to improve the care they provide to the communities they serve...

For more on the AHRMM benchmarking project and definition, visit the AHRMM Web site ...


04. (AHA) Wie US-Krankenhäuser mit Unversicherten umgehen

Balancing Margin and Mission: Hospitals Alter Billing and Collection Practices for Uninsured Patients...

...Mehr


05. (Most Wired) Lean Management in der IT

Health IT through the Lean Lens

By applying production principles from the auto industry, health care can realize the full potential of information technology...

Der ganze Text 


06. (AHA) Neue WHO-Richtlinien: Hände waschen!

WHO issues draft international guidelines for hand hygiene in health care

The World Health Organization .. released draft guidelines for hand hygiene in health care settings as part of a new campaign to reduce health care-associated infections worldwide, noting that the emergence of life-threatening infections such as severe acute respiratory syndrome and the risk of a new flu pandemic "highlight the urgent need for efficient infection control practices in health care."...


07. (AHRQ) Ein Schritt zu größerer Selbstbestimmung des Patienten

New Publication Helps Consumers Find Information and Support After a Diagnosis

AHRQ released a new publication, Next Steps After Your Diagnosis: Finding Information and Support, to help consumers who have been diagnosed with an illness learn more about their condition and treatment options...

Select to read our press release and select to read Next Steps After Your Diagnosis. An article about the booklet appeared in Parade magazine last Sunday and we have received over 11,000 requests...

 


08. Links

http://www.qualitymeasures.ahrq.gov/ National Quality Measures Clearinghouse™ (NQMC)

 

http://www.sqconline.com/ "Here at SQC Online we use the power of the Internet to help you apply Statistical Quality Control (SQC) and Statistical Process Control (SPC) tools and software in your own work environment. And it's all FREE!"

 

Link Erste Hilfe

 

Frankfurter Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausärzte

 

http://www.drfoster.com/hp/index.asp Dr Foster Solutions. "We provide innovative information products and services designed to engage clinicians and patients and to help improve clinical outcomes" (NHS UK).

 

Building a Better Delivery System: A New Engineering/Health Care Partnership (2005) - Zu unserer Meldung im hmanage-Newsletter 205

 

Deutsches Gesundheitsportal

 

Schweizerisches Gesundheitsportal

 

"Blindflug in der Notfallaufnahme"

 

Patientensicherheit: Häufige Diagnose- und Therapiefehler in der Onkologie

 

JCR: Free Emergency Management Tips

 

"Mehr Transparenz, aber noch kein echter Leistungsvergleich": Zu deutschen "Qualitätsberichten"

 

http://www.stat-help.com/ Free Statistical Consulting Over the Internet - (formerly Statistics Explained - providing free statistics help since 1998)


09. Buchbesprechung

Book Review

 

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

QEP - Qualitätsziel-Katalog kompakt, Köln 2005, ISBN 3-7691-3258-0

 

Schon vor längerer Zeit wurden wir gebeten, zum – quasi offiziellen – Qualitätssicherungskatalog der deutschen Ärzteschaft für den ambulanten Bereich Stellung zu nehmen. Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen. Mittlerweile haben wir schon auf mancherlei Aktivität (und Publikation) hingewiesen, die sich mit der (vermeintlichen) Qualität der ambulanten Versorgung befasst. Hier soll also endlich die QEP-„Gebrauchsanweisung“ besprochen werden, für die nun allenthalben geworben wird. Die erforderlichen Informationen gibt es – im Unterschied zu mancherlei anderen Texten zu diesem Spezialthema – leider nicht gratis, sondern nur für „gutes Geld“: „QEP – Qualitätsmanagement mit System“. Nur eine Demo-Version gibt es gratis. Wir nutzen diese Buchbesprechung zur kritischen Auseinandersetzung mit QEP.

 

Der Qualitätszielkatalog „Qualität und Entwicklung in Arztpraxen“ ist in der KBV unter Einbeziehung von mehr als 40 „Mitstreitern“ entwickelt und in über 60 Arztpraxen und Gruppenpraxen ausprobiert worden – darunter vielen bekannten Namen. Prof. Selbmann aus Tübingen – wer sonst? – vollzog die Evaluation der Pilotphase. Die KBV informiert breit über ihr „Werk“. QEP® ist das eingetragene Markenzeichen. QEP als Ware? Beim ersten Durchsehen ist klar: 1. Hier wurde (z.B. im Unterschied zur – leider bis heute nicht ernsthaft nachgebesserten – Wurstelei bei KTQ®) solide Arbeit geleistet. 2. Der Katalog hat insgesamt viel mit den Voraussetzungen für Qualität zu tun. 3. Ergebnisse kommen (ebenso wie bei anderen bundesdeutschen Erfindungen zum Thema) leider auch hier nicht vor.

 

QEP wird den Doktoren, die ja schon heute über den „Papierkrieg“ klagen, eine Menge Zusatzarbeit bescheren. Insoweit wird kritisch zu prüfen sein, ob der Nutzen von QEP den Aufwand rechtfertigt und ein QEP-Zertifikat der Arztpraxis zu Recht Qualität bescheinigte. Hier zunächst die Gliederung (in Klammern die jeweilige Seitenzahl):

 

1. Patientenversorgung

1.1.      Zugang zur ambulanten Versorgung (5)
Leistungsspektrum, Anmeldung, Terminvergabe, Telefonische Anfragen, Hausbesuche, Erreichbarkeit

1.2.      Untersuchung und Diagnostik (4)
Anamnese, Körperliche Untersuchung und psychosoziale Erhebung, Diagnostik, Externe Befunde und Konsile

1.3.      Therapie und Versorgung (8)
Therapieentscheidung und -planung, Verordnungen, Eigenständige Leistungen und Eingriffe, Behandlungspfade, Leitlinien und Evidenzbasierte Medizin, Erkrankungsspezifische Information, Beratung und Schulung

1.4.      Patientenunterlagen und Dokumentation (1)
Führen der Patientenakte
1.5.      Kontinuität der Versorgung (4)
Sicherung des Therapieerfolgs, Praxisinterne Kooperation und Kommunikation, Neue Versorgungsformen

1.6.      Prävention und Gesundheitsförderung (2)
Prävention, Gesundheitsförderung

1.7.      Notfallmanagement (2)
Identifikation und Versorgung von Notfällen, Notfallausstattung

 

2. Patientenrechte und Patientensicherheit

2.1.      Patientenorientierung und Patientensicherheit (7)
Aufklärung und Einwilligung der Patienten (informed consent), Patientenorientierung, Einsichtnahme in die Patientenakte, Patientensicherheit, Risiko- und Fehlermanagement, Teilnahme an Studien, Umgang mit Patienteneigentum

2.2.      Vertraulichkeit und Schweigepflicht (2)
Wahrung der Intimsphäre in der Praxis, Schweigepflicht und Datenschutz

 

3. Mitarbeiter und Fortbildung

3.1.      Mitarbeiterorientierung und Personelle Ressourcen (6)
Personalplanung und –entwicklung, Stellenbeschreibungen / Verantwortlichkeiten, Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter, Mitarbeiterinformation und -kommunikation, Gesundheit der Mitarbeiter

3.2.      Aus-, Fort- und Weiterbildung (5)
Ausbildung von Arzthelferinnen, Fortbildung und Qualifizierung, Weiterbildung von Assistenzärzten, Veranstaltungen des kollegialen Lernens (Peer Review)

 

4. Praxisführung und -organisation

4.1.      Praxisführung (4)
Praxisführung und Planung, Organisationsstruktur, Vertragliche Vorgaben, relevante Normen und Gesetze

4.2.      Räumliche und materielle Ressourcen (7)
Infrastruktur und Praxisausstattung, Geräteanwendung, Instandhaltung und Wartung, Beschaffung und Lagerung

4.3.      Arbeitsschutz und Hygiene (6)
Arbeitsumgebung und Arbeitssicherheit, Entsorgung und Umweltschutz, Hygiene und Reinigung

4.4.      Rechnungswesen und Controlling (3)
Buchführung und Abrechnung, Finanzplanung und Controlling

4.5.      Informationsmanagement (2)
Informationstechnologie, Datenschutz und Datensicherheit

 

Qualitätsentwicklung

5.1       Qualitätsmanagement (8)
Qualitätspolitik, Qualitätsmanagementsystem (QMS), Qualitätsziele, Messung und Analyse, Qualitätsverbesserung, QM-Handbuch

 

 

Die gewählte Struktur erscheint plausibel, die Gewichtung des jeweils eingeräumten Raums weniger: Zu wenig „Kerngeschäft“, viel zu viel „Verwaltung“! Gleich zu Beginn lesen wir sinngemäß: „QEP ersetzt nicht die bestehenden Vorschriften!“ Hätte man diesen Satz wirklich ernst genommen, hätte man sich wohl eine Menge Arbeit sparen können, ohne dass dadurch die Gesamtaussage verwässert worden wäre. Doch zu viel Stoff und Wiederholungen (z.B. zum Arbeitsschutz oder zur Medikamentenaufbewahrung) machen zwar mehr Arbeit, sind aber ansonsten nicht unbedingt schädlich! Manche hier verwendete Begriffe sind ungewohnt („Praxisleitung“ statt „Arzt“). Sei’s drum. Wenn’s der Wahrheitsfindung dient? Andere Begriffe kommen einem bekannt vor (siehe EFQM, KTQ, speziell bis in die Detailregeln hinein JCAHO; dass man diese alle als „Krabbelkiste“ verwendet, ist überhaupt nicht zu kritisieren)*. Nur manchmal stutzt man: Z.B. bei „Nachweis / Indikator“, weil bei den „Nachweisen“ gar keine Indikatoren verwendet werden! Die JCI spricht von „Measurable Elements“. Doch dafür sind die Inhalte hier oft zu allgemein gehalten.

 

Jedes der Kapitel 1. – 5. enthält am Anfang noch einmal die zugehörige Feingliederung. Darunter folgt eine Kurzerläuterung, worum es hier geht. Für jedes der übergeordneten Ziele 1.1. - .. 5.1. wird in allgemeinen Worten formuliert, um welches Teilziel es jeweils geht.  Dabei geht es leider kaum – wie man erwarten sollte – um Ziele im Sinne von geplanten Ergebnissen, sondern um zugehörige (im Allgemeinen a durchaus ls qualitätsrelevant nachvollziehbare) Maßnahmen. Vieles ist allerdings eher vage gehalten. Das wirkt wie eine Ausformulierung der Überschrift, gelegentlich wie „mit der heißen Nadel genäht“. Doch das sollte sich ja noch ändern lassen.

 

Hinter jedem übergeordneten Ziel folgt die Gliederungsstufe 1.1.1. - ... 5.1.6. mit mehreren durchnummerierten Zielen, von denen einige (vielleicht nach JCI-Vorbild, dann aber ohne weitere Erklärung) als „Kernziele“ bezeichnet werden. (Externe Befunde und Konsile zählen danach beispielsweise nicht zu den „Kernzielen“). Auch diese Ziele werden nicht als Ergebnis, sondern als Maßnahme formuliert: Ziel erreicht, wenn man was konkret gemacht hat? Da sollte man sich noch einmal die „Measurable Elements“ der JCI ansehen!

 

Als „Nachweis / Indikator“ Nr. 1. bis Nr. n. bezeichnete Kurztexte erläutern dazu von den Autoren als wichtig erachtete Teilaspekte. Ergebnisziele und zugehörige Indikatoren – das sei als Mangel ausdrücklich wiederholt – fehlen. Zu jedem Punkt finden sich neben der Erläuterung Anregungen unter der Überschrift „Das sollten Sie fragen“. Am Ende jedes Zielkapitels findet sich schließlich eine mehr oder weniger lange „Kurzerläuterung“, die fast immer hinreichend verdeutlicht, was sich die Autoren bei dem Ziel gedacht haben. Nicht immer findet sich allerdings in den Unterpunkten, was die Ziele konkretisieren könnte, zum  Beispiel bei: „Die Praxis fördert die Mitwirkung der Patienten bei der Behandlung und langfristigen Betreuung“. (Einzelheiten würden den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Sie lassen sich bei Interesse auch ohne Kauf des Buches mit den obigen Links erlangen).

 

Insgesamt handelt es sich hier um eine umfangreiche, sorgfältige Arbeit, der sich jede Menge Anregungen entnehmen lassen, was es in einer Arztpraxis alles zu beachten und ggf. schriftlich zu regeln gäbe. Etliche der Regeln wirken allerdings ohne für die Behauptungen geforderte Belege ziemlich trivial („Diagnostische Maßnahmen werden gezielt veranlasst“). Andere sind viel zu schwammig. Beispiel: „Die Therapieentscheidung und -planung erfolgen unter Berücksichtigung individueller, medizinischer und wirtschaftlicher Aspekte durch die Ärzte/Psychotherapeuten“. Wie ist bei konkurrierenden Zielen zu verfahren?

 

Doch selbst die besten Regeln besagen nichts, wenn sie nicht auch eingehalten werden. Wo es in der Krankenbehandlung konkret würde, findet sich bei QEP leider nichts. Beispiel: Wie wird – von der Erstuntersuchung und Anamnese bis zum Behandlungsabschluss –der Weg der Behandlung einer jeden Krankheit und deren Ergebnis – allgemein und für jeden Patienten (samt Einhaltung der wohlgemeinten QEP-Vorgaben) – im Einzelfall nachvollziehbar gemacht? Da ist bei QEP ein Loch. Wird auch so gearbeitet? Die Forderung nach „schriftlichen .. Informationsmaterialien“ besagt nichts, wenn diese nicht selbst von – zu spezifizierender – Mindestqualität sind. So lassen sich beliebige Pappkameraden aufbauen. Des öfteren werden Regeln für „5 .. Maßnahmen“ gefordert. Warum gerade diese Zahl? Warum nicht 3 oder 6?

 

Schon das Durcharbeiten des QEP-Qualitätsziel-Katalogs ist mit richtiger Arbeit verbunden. Einen Teil des Inhalts – speziell was die „Verwaltung“ angeht – sollte man bei der Weiterentwicklung besser straffen. Manches wie „Neue Versorgungsformen (1.5.4.) wirkt angeflickt. Ob in QEP vom Umfang her alle ärztlich wichtigen Inhalte hinreichend qualifiziert abgehandelt worden sind, vermögen wir nicht zu beurteilen. Uns gehen sie – was die Kausalkette „Behandlungsergebnisse <- Behandlungsschritte / sonstige Maßnahmen <- Regeln, Strukturen“ angeht – zu wenig in die Tiefe. Allgemein ist jeder gut! Auf jeden Fall fehlen Ergebnisindikatoren und Messungen. Das ist – wenn es um die Qualität für die Patienten geht – ein ernsthafter Mangel.

 

Immerhin werden Punkte (wie z.B. die Fehlervermeidung) in einer Klarheit angesprochen, die bisher nicht gerade zu den Tugenden der deutschen Ärzteschaft gehörte. Bravo! So wie das hier niedergeschrieben wurde, ist es das weitaus Konkreteste, was wir bisher in Deutschland zum Thema gelesen haben. Davon könnte sich KTQ manche Scheibe abschneiden. Gleichwohl würden wir es nicht für sinnvoll halten, die Arztpraxen damit in der vorliegenden Form pflichtgemäß zu überziehen. So ist das Ganze noch zu bürokratielastig und oft noch viel zu wenig konkret. Vielmehr sollte rasch an einer gründlichen Weiterentwicklung gearbeitet werden, wozu wir u.a. die Lektüre des in der Fußnote genannten Textes empfehlen. (+)

 

 

* Die Joint Commission International (JCI) Accreditation Standards for Ambulatory Care werden wir an dieser Stelle in Kürze ebenfalls besprechen.

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Training

Öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Inhouse-Trainings weiter im Programm.