Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

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210 - 27.09.05 - Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net.


Motto des Tages

"Eine strenge Orientierung an der Wochenstundenzahl ist gerade im Arztberuf nicht möglich, weil die Behandlung der Patienten nicht planbar ist"

Anmerkung: Nur in anderen Ländern?

 

"Was die Qualitätskontrolle in öffentlichen Krankenhäusern angeht, befindet sich Deutschland nach Meinung mancher Experten im Steinzeitalter"

Anmerkung: "nur öffentlicher?

 

Quelle: "Krankenhausärzte in Not - stimmt das? FAS 7. August 2005"

 


01. Editorial

“Medizinische Ergebnisqualität deutscher Kliniken erstmals vergleichbar"

 

Results of Medical Performance of German Hospitals Comparable for the First Time

 

„Mehr Transparenz im Klinikmarkt: Kooperation 3M und HELIOS Kliniken GmbH“. Unter dieser verlockenden Überschrift kündigten das 3M Health Information Services Institut und die HELIOS Kliniken GmbH in diesen Tagen in einer Presserklärung mit dem "3M Quality Report" eine neue Dienstleistung an, in „dem erstmals die standardisierte Messung und Vergleichbarkeit der medizinischen Ergebnisqualität in Deutschen Krankenhäusern“ möglich sei. „Der 3M Quality Report .. nutzt die routinemäßig erhobenen Daten nach § 21 Krankenhausentgeltgesetz* zur Gewinnung wichtiger Erkenntnisse über die tatsächliche Behandlungsqualität und die Patientensicherheit und zwar ohne jeglichen zusätzlichen Erfassungs- und Dokumentationsaufwand“.

 

Diese Initiative ist angesichts der allgemeinen Entwicklung der Qualitätstransparenz im deutschen Gesundheitswesen als ein richtiger Schritt in die richtige Richtung ausdrücklich zu begrüßen! Nicht zuletzt auch wegen ihres Kontrasts zu den nunmehr „amtlichen“ deutschen Qualitätsberichten, zu deren behaupteter Qualitätstransparenz die Verantwortlichen – allen voran das BMGS, gefolgt von der Selbstverwaltung sowie den deren vollmundige Verlautbarungen kritiklos übernehmenden Medien – das Blaue vom Himmel herunterflunkern. So werden die Bürger als Steuer- / Beitragszahler / (potentielle) Patienten hierzulande  gründlich an der Nase herumgeführt. Und keiner wehrt sich.

 

Dass wir auch die Orientierung des Ansatzes an den – längst aus dem Internet abrufbaren – Vorarbeiten der AHRQ erfreulich finden, ist klar. Sonst hätten wir nicht seit langer Zeit immer wieder darauf hingewiesen. Etwas irritierend ist, dass aus der Pressemitteilung nicht ganz genau erkennbar ist, um welche Daten es sich denn genau handelt. Zum Teilkomplex der Patientensicherheit allein verwendet die AHRG bezogen auf den Leistungserbringer und dessen Einzugsbereich aktuell 29 Elemente (PSIs):


Patient Safety Indicators - Provider

1.      Complications of Anesthesia

2.      Death in Low-Mortality DRGs

3.      Decubitus Ulcer

4.      Failure to Rescue

5.      Foreign Body Left During Procedure

6.      Iatrogenic Pneumothorax

7.      Selected Infections Due to Medical Care

8.      Postoperative Hip Fracture

9.      Postoperative Hemorrhage or Hematoma

10.  Postoperative Physiologic and Metabolic Derangements

11.  Postoperative Respiratory Failure

12.  Postoperative Pulmonary Embolism or Deep Vein Thrombosis

13.  Postoperative Sepsis

14.  Postoperative Wound Dehiscence

15.  Accidental Puncture or Laceration

16.  Transfusion Reaction

17.  Birth Trauma – Injury to Neonate

18.  Obstetric Trauma – Vaginal with Instrument

19.  Obstetric Trauma – Vaginal without Instrument

20.  Obstetric Trauma – Cesarean Delivery (

27.  Obstetric Trauma with 3rd Degree Lacerations – Vaginal with Instrument

28.  Obstetric Trauma with 3rd Degree Lacerations – Vaginal without Instrument

29.  Obstetric Trauma with 3rd Degree Lacerations – Cesarean Delivery

 

Patient Safety Indicators - Area

21.   Foreign Body Left During Procedure

22.   Iatrogenic Pneumothorax

23.   Selected Infections Due to Medical Care

24.   Postoperative Wound Dehiscence

25.   Accidental Puncture or Laceration

26.   Transfusion Reaction

 

Damit haben unsere Leser also ohne große Internet-Recherche gleich eine Übersicht, was sich hinter den amerikanischen Indikatoren verbirgt. In der Pressenotiz steht: „In Zusammenarbeit mit der Hochschule Niederrhein hat 3M die Qualitätsindikatoren .. auf deutsche Verhältnisse übertragen.“ Was das konkret bedeutet, wurde leider nicht gemeldet. Immerhin ist es doch Teil der „deutschen Verhältnisse“, dass etliche der aufgeführten Indikatoren doch gar nicht überall routinemäßig erfasst, ausgewertet oder gar für Vergleichszwecke krankenhausbezogen publiziert werden! Will Helios das verbindlich einführen (und künftig krankenhausbezogen veröffentlichen)? Das wäre immerhin ein gehöriges Stück an Qualitätstransparenz unerwünschter Ergebnisse. (Man sollte die Inhalte „höheren Orts“ unverzüglich mit einer  amtlichen Empfehlung versehen und die 3M-Lösung beschaffen und unverzüglich als Public Domain zu Verfügung stellen! Dann könnten wenigstens sich jene Krankenhäuser, die sich ernsthaft auf einen Qualitätspfad begeben, von jenen vielen unterscheiden, die den Interessenten lieber inhaltslose „Qualitätsberichte“ zumuten). Mit welcher Erfolgsrate behandlungsartenbezogen gearbeitet wird, bliebe gleichwohl weiterhin offen. Und damit wäre auch die Überschrift leicht übertrieben – eine allerdings angesichts der Übertreibungen im Zusammenhang mit den „Qualitätsberichten“ – fast – ‚lässliche Sünde’!

 

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* Wortlaut des § 21 Übermittlung und Nutzung von DRG-Daten. Folgende Daten sind zu liefern (für eine Qualitätsberichterstattung relevante Teile durch Unterstreichen hervorgehoben):

„1. je Übermittlung einen Datensatz mit folgenden Strukturdaten

  • a) Institutionskennzeichen des Krankenhauses, Art des Krankenhauses und der Trägerschaft sowie Anzahl der aufgestellten Betten,
  • b) Merkmale für die Vereinbarung von Zu- und Abschlägen nach § 17b Abs. 1 Satz 4 und 9 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes, einschließlich der Angabe, ob eine Teilnahme an der stationären Notfallversorgung erfolgt,
  • c) Anzahl der Ausbildungsplätze, Höhe der Personal- und Gesamtkosten sowie Anzahl der Ausbildenden und Auszubildenden, jeweils gegliedert nach Berufsbezeichnung nach § 2 Nr. 1a des Krankenhausfinanzierungsgesetzes; die Anzahl der Auszubildenden nach Berufsbezeichnungen zusätzlich gegliedert nach jeweiligem Ausbildungsjahr,
  • d) Summe der vereinbarten und abgerechneten DRG-Fälle, der vereinbarten und abgerechneten Summe der Bewertungsrelationen sowie der Ausgleichsbeträge nach § 3 Abs. 6 oder § 4 Abs. 9, jeweils für das vorangegangene Kalenderjahr;

2. je Krankenhausfall einen Datensatz mit folgenden Leistungsdaten

  • a) krankenhausinternes Kennzeichen des Behandlungsfalles
  • b) Institutionskennzeichen des Krankenhauses
  • c) Institutionskennzeichen der Krankenkasse
  • d) Geburtsjahr und Geschlecht des Patienten sowie die um die letzten zwei Ziffern verkürzte Postleitzahl des Wohnorts des Patienten, bei Kindern bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres außerdem der Geburtsmonat
  • e) Aufnahmedatum, Aufnahmegrund und –anlass, aufnehmende Fachabteilung, bei Verlegung, die der weiterbehandelnden Fachabteilungen, Entlassungs- oder Verlegungsdatum, Entlassungs- oder Verlegungsgrund, bei Kindern bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres außerdem das Aufnahmegewicht in Gramm,
  • f) Haupt- und Nebendiagnosen sowie Operationen und Prozeduren nach den jeweils gültigen Fassungen der Schlüssel nach § 301 Abs. 2 Satz 1 und 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch, einschließlich der Angabe der jeweiligen Versionen, bei Beatmungsfällen die Beatmungszeit in Stunden entsprechend der Kodierregeln nach § 17b Abs. 5 Nr. 1 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes und Angabe, ob durch Belegoperateur, -anästhesist oder Beleghebamme erbracht,
  • g) Art der im einzelnen Behandlungsfall insgesamt abgerechneten Entgelte, der DRG-Fallpauschale, der Zusatzentgelte, der Zu- und Abschläge, der sonstigen Entgelte nach § 6,Höhe der im einzelnen Behandlungsfall insgesamt abgerechneten Entgelte, der DRGs, Fallpauschale, der Zusatzentgelte, der Zu- und Abschläge, der sonstigen Entgelte nach § 6.

 


02. (Most Wired) Wie man am schnellsten verschiedene IT-Systeme miteinander vernetzt

EMPIs: The Fastest, Safest Route to Interoperability

“Once hospitals and health systems adopt EHRs, the next challenge is facilitating data exchange. An enterprise master person index is less expensive and more efficient than a national health identifier. …”

Weiter

EMPI = enterprise master person index

EHR = Electronic health record

Anmerkung: In den USA arbeitet man akut am landesweiten ‚master person index’.


03. (AHA) 13 Schritte der JCAHO zu eigenen Notfallregeln

JCAHO issues emergency planning guide

The Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organizations today issued a step-by-step guide to help small, rural and suburban communities plan for natural disasters and terror attacks...


04. (AHA) Für den Notfall: "Krankenakte für die Brieftasche"

CDC posts 'Keep It With You' medical record for care during disasters

The Centers for Disease Control and Prevention has developed a "Keep It With You" personal medical information form for people who need care during disasters and similar situations...


05. (AHA) Kodierung von Hurrican-Folgen

Guide helps professionals assign diagnosis codes for Katrina-related care

The organizations that develop the official guidelines for ICD-9-CM coding (the AHA, American Health Information Management Association, Centers for Medicare & Medicaid Services, and National Center for Health Statistics) have developed and approved a guide to help coding professionals assign diagnosis codes for health care services provided to individuals affected by Hurricane Katrina.

 


06. (IHI) Eigene Teams fürs schnelle Reagieren

Rapid Response Teams: The Case for Early Intervention

...The nurse caring for the patient recognized these changes as early signs of a potential downward spiral, and called in the hospital’s Rapid Response Team, a group of critical care specialists available to rush to the bedside of any patient who seems to be heading for trouble...

Mehr 


07. (JCAHO) Vorgabe von Regeln zur Vorbereitung auf Großschadensereignisse

JCAHO Guide urges attention to community initiatives to plan for and respond to catastrophic events

Patientenfragebogen der KBV

"The Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organizations today issued the step-by-step guide, "Standing Together: An Emergency Planning Guide for America's Communities," for small, rural and suburban communities to both prepare for and successfully respond to major local and regional emergencies – whether they be hurricanes, floods, terrorist attacks, major infectious outbreaks, hazardous materials spills, or other catastrophic occurrences..."

...Mehr, besonders "View Complete Press Kit" mit einer ganzen Menge Anregungen, die auch für die eigenen Vorbereitungen von Nutzen sein könnten.


08. Links

www.arznei-telegramm.de Das arznei-telegramm informiert unabhängig über Arzneimittel und Therapieversuche.

 

Ärztezeitung: Infektionen können Kalkulation beeinträchtigen.

 

US-Patientenbroschüre

 

Patientenratgeber der TK

 

http://www.ahima.org/convention/2005/index.asp 77th AHIMA Convention

 

JCAHO Official Comments on New Patient Flow Standard; New Standard on Managing Patient Flow for Hospitals promoting More Efficient Patient Movement

 

Immer mehr Patienten melden Verdachtsfälle von Behandlungsfehlern 

www.cochrane.de Die Cochrane Collaboration ist ein weltweites Netz von Wissenschaftlern und Ärzten. Sie erstellt und verbreitet systematische Übersichtsarbeiten zur Bewertung von Therapien  und hält diese aktuell. Das Deutsche Cochrane Zentrum befindet sich an der Universität Freiburg.

 

www.di-em.de Das privatwirtschaftliche DieM Institut für evidenzbasierte Medizin bewertet die Qualität medizinischer Literatur, übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in die ärztliche Praxis und bietet Seminare zur Patientenschulung an.

 

www.dimdi.de Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information in Köln veröffentlicht jährlich ~15 Berichte im Internet, in denen mittels Health Technology Assessment (HTA) medizinische Verfahren bewertet werden. Jeder Interessierte kann Fragestellungen für künftige Berichte kann vorschlagen.

 

www.ffgz.de/ Feministisches Frauengesundheitszentrum (Berlin)

 

www.g-qb.de "Qualitätsberichte" - oder was die Selbstverwaltung der Öffentlichkeit als solche zumuten zu können glaubt.

 

www.med.uni-heidelberg.de/sdgc/de/home.html Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie an der Universitätsklinik Heidelberg. Es unterstützt Chirurgen aller Disziplinen bei Fragen zur Planung, Durchführung und Auswertung von klinischen Studien, nimmt Ideen für Studien entgegen und führt eigene Studien durch.

 

www.iqwig.de Das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität in der Medizin in Köln bewertet medikamentöse und nicht medikamentöse Therapieversuche.

 

www.gesundheit.uni-hamburg.de Mitarbeiter der Fachrichtung Gesundheit der Universität Hamburg kommentieren den Effekt von Medikamenten und Vorsorgeprogrammen.

 

www.arzt-auskunft.de Arzt-Auskunft der Stiftung Gesundheit (Hamburg)

 

webmm.ahrq.gov/ AHRQ Morbidity & Mortality Rounds on the Web

 

www.ncqa.org/index.htm National Committee for Quality Assurance (NCQA) - "the premier source for information about the quality of the nation’s managed care plans".

 

Erste Hilfe: Eine schöne kleine Gebrauchsanweisung zum Herunterladen

 

www.aamc.org/ Association of American Medical Colleges

 


09. Buchbesprechung

Book Review

 

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Woran erkennt man eine gute Arztpraxis, Checkliste für Patientinnen und Patienten, Herausgeber Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Gemeinsames Institut von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, Berlin 5. Juli 2005-09-2005, aus dem Internet herunterladbar

 

How to Know Quality Care – the German Version

 

Nach der Besprechung der BMGS-Qualitätsbroschüre im Editorial des hmanage Newsletters 209 haben wir uns die offizielle Checkliste „für Patientinnen und Patienten“ der (verfassten) Ärzteschaft noch einmal genauer angesehen (und mit dem zufällig etwa zur gleichen Zeit erschienenen) „Guide to Health Care Quality” der US-Bundesregierung verglichen: „How to Know It When You See It“). Die englischsprachigen Passagen sind Originalzitate daraus.

 

„Diese Checkliste richtet sich an alle Patientinnen und Patienten, die sich darüber informieren wollen, was einen guten Arzt und eine gute Arztpraxis ausmacht .. (Die) Broschüre (hat – so das Vorwort) Qualitätskriterien zusammengestellt, die Patienten dabei helfen, einen guten Arzt auszuwählen“. Die Checkliste wurde von der ÄZQ* und dem Patientenforum gemeinsam erstellt, einem „Zusammenschluss großer Selbsthilfedachverbände wie der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe e.V., dem Forum chronisch kranker und behinderter Menschen im PARITÄTISCHEN – Gesamtverband, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. sowie der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Und sie wurde – wie besprochen – in den „Rechenschaftsbericht“ des BMGS zur vermeintlichen „Sicherung der Qualität im Gesundheitswesen“ eingebaut.

 

Den Autoren sei unterstellt, dass sie ernsthaft produzieren wollten, was im Titel geschrieben steht: Checklisten für die Abschätzung der Qualität einer Arztpraxis. Die von ihnen zusammengestellten (von uns durchnummerierten) Fragen („Checkliste im Überblick“) seien hier andiskutiert:

 

  1. Nimmt der Arzt mich und mein spezielles gesundheitliches Problem ernst?“
    Glaubt wirklich irgendjemand, dass es dem Patienten beim Arztbesuch vor allem darauf ankommt, ernst genommen zu werden? Hat er keine Fragen zu seiner Krankheit und deren Behandlung? Den Rest wird der Doktor schon (sowieso besser) wissen?
  2. Erhalte ich eine umfassende und verständliche Aufklärung?
    Versteht der Patient überhaupt, was unter “ Aufklärung“ zu verstehen ist? Das ist Jargon, den nicht einmal die Ärzte in der Praxis einheitlich interpretieren! (“Ask your doctor what the scientific evidence has to say about your condition”. Die US-Broschüre enthält etliche Anregungen für sinnvolle allgemeine und spezielle Patientenfragen).
  3. Erhalte ich von meinem Arzt weiterführendes Informationsmaterial und Informationen über Hilfsangebote?
    Hoffentlich keine IGEL-Leistungen! Ist “der Arzt” im übrigen immer noch die einzige legitime Informationsquelle? (“Do your homework; go online or to the library to find out more information about your condition. Find and use quality information in making health care choices. Be sure the information comes from a reliable source”).
  4. Kann ich gemeinsam mit meinem Arzt über die Art meiner Behandlung entscheiden, bzw. unterstützt mein Arzt mich darin eine Entscheidung zur Behandlung treffen zu können?
    Das setzte doch voraus, dass der Arzt dem Patienten erst einmal die jeweiligen Alternativen und deren unterschiedliche Folgen nachvollziehbar aufzeigte!
  5. Werde ich von Arzt und Praxispersonal freundlich und respektvoll behandelt?
    Das ist doch eine Nebenfrage. Wer nicht zufrieden ist, geht woanders hin! Was wäre z.B. mit der Anregung „Ask your doctor what the scientific evidence has to say about your condition“?
  6. Erhalte ich ohne Probleme Zugang zu meinen Patientenunterlagen?
    Die Frage ist albern. Dazu ist der Arzt rechtlich verpflichtet. Er würde sich bei einer Weigerung ins Unrecht setzen. Da er aber – so die eigene Beobachtung – oft selbst nicht mehr lesen kann, was er da dokumentiert hat, wäre die Frage in der Praxis ohnehin müßig.
  7. Akzeptiert mein Arzt, dass ich im Zweifelsfall eine zweite Meinung einholen möchte?
    O.K. Und was passiert, wenn der Arzt das nicht „akzeptiert“?
  8. Wird in der Praxis meine Intimsphäre gewahrt?
    Fragen Sie einmal doch die nächsten 100 Patienten eines x-beliebigen Arztes, was sie unter „Intimsphäre“ verstehen! Was wäre mit „Schutz der Persönlichkeitssphäre“. Hierher gehörten die Begriffe „Respekt“ und „Rücksichtnahme“!
  9. Wird in der Praxis der Schutz meiner persönlichen Daten gewahrt?
    Was würde der misstrauische Patient denn tun können, wenn die Antwort “Ja” lautet?
  10. Bietet mein Arzt eine Praxisorganisation, die mir den Arztbesuch erleichtert?
    Viel zu abstrakt! Die Frage versteht doch nur der Patient, der ein Organisationsstudium hat!
  11. Sind Qualitätsmaßnahmen in der Praxis meines Arztes für mich als Patient erkennbar?”
    Die Frage ist unsinnig. Soll da als Antwort QEP oder KTQ stehen? Was hat der Patient davon? Zur Abschätzung von Qualität sind ganz andere Klärungen wie diese erforderlich: „Doing the right thing (getting the health care services you need). At the right time (when you need them). In the right way (using the appropriate test or procedure). To achieve the best possible results”. Außerdem: “Avoiding underuse (for example, not screening a person for high blood pressure). Avoiding overuse (for example, performing tests that a patient doesn't need). Eliminating misuse (for example, providing medications that may have dangerous interactions)”. Doch darauf ist man hierzulande wohl immer noch nicht gekommen. Oder will man nicht?

 

Es fällt auf, dass nicht einmal die deutlich präziseren Inhalte des – ebenfalls der Website der ÄZQ entnehmbaren Patientenfragebogens abgedeckt sind. Dort fänden sich Einschätzungen zur Qualität der ärztlichen Arbeit, die in der Checkliste völlig fehlen. Absicht?

 

Die Einzelerläuterungen zu den Fragen, die den größten Teil der Gesamtbroschüre ausmachen, Korrigieren den schlechten ersten Eindruck leider nicht. Davon kann sich – wie gesagt – jeder selbst überzeugen! Insgesamt überwiegt der Eindruck, dass die Frage 4, die einen mündigen mitdenkenden Patienten voraussetzt (den es ja zumindest gelegentlich geben soll) nur ein Lippenbekenntnis ist. Soll nach eigentlich wichtigen Dingen wie diesen gar nicht gefragt werden?

 

  • Verhält sich der Arzt einfühlsam? Kann er sich in meine besondere Situation glaubwürdig hineinversetzen? Ermutigt er mich, für eine Heilung zu kämpfen?
  • Ist die empfohlene (z.B. invasive) Diagnostik / Therapie überhaupt wissenschaftlich oder aus belegter Erfahrung bewiesen oder eher „eminenzbasiert“ / pekuniär begründet?
  • Welche Belege gibt es für den Erfolg? Welche Risiken sind damit verbunden? Wie wahrscheinlich sind diese? Was passiert, wenn die Maßnahme unterbleibt?
  • Traue ich dem Arzt nach dem mir vermittelten Gesamteindruck eine professionelle Behandlung nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis überhaupt zu?

 

Insgesamt lässt sich also sagen: „Thema verfehlt!“ Mit der Beantwortung der in der Broschüre zusammengestellten Fragen erkennt man eine gute Arztpraxis sicher nicht. Man kann also nur hoffen, dass die für Juli 2006 angekündigte Überarbeitung zu einem neuen, besseren Anlauf kommt. Wir sehen sowohl in dem zitierten Fragebogen als auch vor allem im AHRQ-Papier nützliche Anregungen. Mit diesem Text wird die ÄZQ ihrem eigenen Anspruch gegenüber den – „Gender Mainstream“ statt Qualität – „Patienten und Patientinnen“ nicht gerecht! Haben die Beteiligten, besonders die Vertreter der Selbsthilfedachverbände bei der Erstellung geschlafen? So ist das Papier jedenfalls ungeeignet! (-)

 

* Die ÄZQ gibt für Patienten und Verbraucher auch den Patienteninformationsdienst  heraus, in dem – so die Selbstdarstellung – „verlässliche Patienteninformationen zusammengestellt und auf ihre Qualität geprüft“ werden.

 

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Training

Öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Inhouse-Trainings weiter im Programm.


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