Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen!


Motto des Tages

“Patient experience defines quality of care”
(Gary S. Kaplan)

Quelle: Hospital Impact


01. Editorial

„Ethik versus Monetik“: Wider die falschen Propheten

„Der Zeitgeist in der modernen Medizin weht heute eindeutig in Richtung Messbarkeit, in Richtung Naturwissenschaft, in Richtung Machbarkeit. All das, was wir früher als humanistisch bezeichnet haben, scheint heute obsolet geworden zu sein“. (Giovanni Mayo im diesmal in hmanage Newsletter besprochenen Buch)

Wer das Pech hat, persönlich mit einer Krankheit geschlagen zu sein, deren Behandlung die –zeitweilige – Mutation zum stationären Patienten erfordert, erwartet im Jahre des Herrn 2014 kaum noch „humanistischen“ Weihrauch. Auch wenn die besänftigende, gelegentlich gar heilende Wirkung von Ritualen keineswegs kleingeredet werden soll. Noch weniger ein Mindestmaß an erlebtem Respekt. Oder gar eine – vom Patienten als solche erlebte – Empathie. Davon wird der Kassenpatient, wie die Erfahrung nachhaltig lehrt, in der Praxis heute nicht allzu viel erleben. Sicher nicht wegen zu viel Naturwissenschaft. Im Gegenteil!

Evidence Based Medicine

Zum Patienten geworden, erwartet der aufgeklärte Zeitgenosse heute in erster Linie, im Krankenhaus wieder gesund zu werden. Soweit eine Heilung nach dem Stand der Erkenntnis nachweislich möglich ist. Evidence based. Und nicht nur vorgegaukelt. Um ein solches Vorgehen zu bieten, kann man wissenschaftliche Beweise  daher mit Fug und Recht als Mindesterfordernis bezeichnen, wenn die Ethik kein Lippenbekenntnis bleiben soll. Und wo solche – wie häufig – fehlen, dies auch offen sagen. Gleiches gilt für die begrenzte eigene Erfahrung damit. Behauptungen über die Wirkung einer vorgeschlagenen – invasiven oder konservativen – Therapie sind anekdotisch!

Doch eine nachweisliche Evidence der Therapie – oder auch nur das Bemühen darum – ist in einem Lande noch mehr als selten, in dem gewohnheitsmäßig alles Mögliche behauptet wird und die Fragen nach Belegen für die Wirksamkeit Unwillen hervorruft. Und Ausreden. Handfeste Nachweise für einen guten Behandlungserfolg des vorgeschlagenen Vorgehens („Klinische Qualität“) wären glaubwürdiger! Am besten ergänzt durch das behandlungsbezogene Urteil eines jeden Patienten. Auch was das Drumherum der Behandlung betrifft („Service-Qualität“).

Geldverschwendung ist unethisch

„Monetik“ nannten Ärzte zu Zeiten des Kostendeckungsprinzips ein besonders „einnehmendes“ Verhalten einiger ihrer Kollegen. (Eine weniger offenkundige Affinität zum Geld galt dagegen bereits als „ethisch“). Der Begriff „Monetik“ ist heutzutage etwas aus der Mode geraten. Stattdessen führt man nicht nur in Ärztekreisen landauf landab– negativ besetzt – eine „Ökonomisierung“ im Munde. Getrieben angeblich durch „die Ökonomen“. Und fordert in dieser Logik die Zurückverlagerung der Entscheidungsgewalt über die finanziellen Mittel in ärztliche Hände.

Das klingt allerdings stark nach dem sprichwörtlichen „Haltet den Dieb!“ Ob das Patienteninteresse mit einer Verlagerung der Entscheidungsgewalt über die Finanzen bei Medizinern besser aufgehoben wäre, ist allerdings eher zu bezweifeln. Auch die Ethik selbst ist ärztlichem Handeln keineswegs ein zwangsläufig immanentes Prinzip. Besonders bei jenen Standes- (= Interessen-)Vertretern, die  nicht nur von einer angeblich nötigen Rationierung / Priorisierung reden, sondern angeben, auch so zu handeln. (Wenn auch stets nur ganz allgemein und ohne konkrete Belege). Welche verheerenden Vertrauensschäden sie damit anrichten, scheint ihnen gleichgültig zu sein.

Methoden und Unternehmenskultur

Weitaus besser ist es für den Patienten zweifellos, wenn Leute mit Organisationssachverstand – speziell auf dem Gebiet des Systems Engineering – der Klinik dabei helfen, einen regelbasiert verbindlichen Handlungsrahmen zu schaffen, sich ergebnisorientiert umzuorganisieren (Systems Engineering). Im freiwilligen Schulterschluss der Health Professionals. Um auf diese Weise das Behandlungsziel medizinisch und ökonomisch auf die bestmögliche Weise zu erreichen, d.h. ohne vermeidbare Um- und Irrwege. Ohne jedes „Sparen“ zu Lasten des Patienten. Auf welche Weise auch immer.

Was sich wiederum nicht ohne ein systematisches Herausharken jedweder – auch jeder medizinisch unnützen – Verschwendung realisieren lässt. Selbst wenn dies zusätzliches Geld in die Kassen spülte. Idealerweise mittels Toyota Production Management. Nicht nur hinsichtlich der Methoden, sondern auch in der Unternehmenskultur und -organisation. Basierend auf einem Engagement und Verhalten jedes Einzelnen, das auf gemeinsamen ethischen Grundprinzipien des Krankenhauses fußt. (Festgemacht z.B. in einem weniger wolkigen Leitbild, als es heute hierzulande zumeist üblich ist). Mit diesen Kernelementen:

  • Curing & Caring für eine Maximierung des Patientennutzens
  • Shared Decision Making: Kein Handeln über die Köpfe der Patienten hinweg
  • Evidence Based Medicine: Keine falschen Versprechen!
  • Hilfsbereitschaft und Empathie. Als Regelverhalten
  • Keine hausgemachten Schäden (Hospital acquired injuries - HAI)
  • No Waste! Keinerlei Verschwendung, auch nicht bei der Behandlung
  • Keinerlei falsche Rationierung / Priorisierung („Unterversorgung“)
  • Keinerlei „Überversorgung“ mit Dingen, die der Patient nicht braucht

Das betrifft das Verhalten des Einzelnen und den Umgang mit Dritten gleichermaßen. Es ist also zu fordern:

  • Ein patientenzentriertes Verhalten, besonders in Grenzsituationen:
    -- Keine Therapieänderung gegen den erklärten Patientenwillen
    -- Umgang mit Sterbewunsch
    -- Umgang mit künstlicher Ernährung (z.B. in der Pflege)
    -- genetische pränatale Diagnostik in der Geburtshilfe
    -- Organspende / Organtransplantation
    -- Rollenkonflikte des gleichzeitig forschenden Arztes
    -- etc.
  •  Ein fairer Umgang mit den Kollegen
    -- im Team
    -- aus anderen Berufsgruppen
    -- als eigene Mitarbeiter oder Vorgesetzte
    -- etc.
  • Ein fairer Umgang mit Externen
    -- Zuweisern
    -- Krankenkassen, MDK
    -- Lieferanten und anderen Geschäftspartnern
    -- Nachbarn in der Community
    -- Staat und Gesellschaft
    -- etc.

Dabei hat der Arzt mit seiner spezifischen Fachkompetenz und Erfahrung zweifellos eine Schlüsselfunktion. Auch der Beitrag der Pflegekraft für den Behandlungserfolg ist weitaus höher, als deren Stellung heute in der Wertschätzungshierarchie suggeriert. Doch die für die (Über-)Erfüllung der berechtigten Erwartungen des Patienten – jedes Patienten! – ausschlaggebende Rolle spielt ein Management, das die medizinische und ökonomische Fachkompetenz zielführend zusammenwirken lässt. Schon angesichts begrenzter Ressourcen. In dieser Reihenfolge.

Ethisches Handeln in die Routine verweben

Es geht vielmehr um die Ausrichtung (Alignment) aller hausbezogenen Aktivitäten unter den Auspizien der Ethik. Dann ist eine – wie auch immer geartete – hausinterne Rationierung / Priorisierung zu Lasten eines Patienten ausgeschlossen. Schon die Forderung danach ist angesichts eines der bestfinanzierten Gesundheitswesen der Welt höchst unethisch! Fast ebenso unethisch ist allerdings angesichts immer zu knapper Mittel auch jedwede Verschwendung. Auch im Zuge mancher Behandlung:

Ökonomisches Handeln ist ethisch

Ökonomisches Handeln gehört schon deshalb auch zu den Dienstpflichten eines jeden Mitarbeiters! Die Verschwendung erfolgt nach aller Erfahrung weniger durch den Einzelnen als im Zusammenspiel. Das führt zwangsläufig zu mehr Veränderungsdruck bei den Prozessen und Strukturen. Auch bei der Zahl der Mitarbeiter. Und der Zusammensetzung nach Berufsgruppen: Ein Festhalten am Gewohnten gefährdet nicht nur den angestrebten Patientennutzen, sondern auch die Existenz des Hauses. Zumindest mittelfristig. Insoweit greifen auch die „Stellungnahme der Zentralen Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten (Zentrale Ethikkommission) bei der Bundesärztekammer zur Priorisierung medizinischer Leistungen im System der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) - Zusammenfassung - (September 2007)“ sowie die „Gesundheitspolitische(n) Leitsätze der Ärzteschaft -- Ulmer Papier -- Beschluss des 111. Deutschen Ärztetages 2008“deutlich zu kurz! Ein Umdenken wäre dringend zu empfehlen.

Fazit

Ethik sollte nicht auf Deklarationen beschränkt sein, mit denen man im Zweifelsfall wedeln kann. Auch nicht auf bestimmte, wenn auch wichtige Berufsgruppen im Krankenhaus. Also auf einen einzigen – sich trotz Abschaffung des Ständestaats immer noch als solchen empfindenden – Stand. Ethik sollte auch nicht – wie zuvor fälschlich bei der Qualität – als Zusatzaufgabe missverstanden werden, die man an eine(n) Zuständige(n) „delegieren“ (= abschieben) kann. Ethik sollte vielmehr zum vertrauensbildenden Handlungsprinzip im und für das Krankenhaus erklärt werden. Verbindlich. Für alle Angehörigen des eigenen Hauses. Auf allen hierarchischen Ebenen. In allen Berufsgruppen. Verbunden mit einer Einbeziehung in alle Arbeitsanweisungen und in jedes Feedback.


02. (HealthLeaders Media) Wie Krankenhäuser sich neu erfinden

How Hospitals Are Reinventing Themselves


03. (Fierce Healthcare) 90% Einhaltung der Vorschriften zur Händehygiene

Maryland hospital employees washed hands 90% of the time


04. (New Statesman) Großbritannien: Von der Zivilluftfahrt lernen!

How mistakes can save lives: one man’s mission to revolutionise the NHS


05. (Pennsylvania Patient Safety Authority) Ablenkungen im OP

Distractions in the Operating Room


06. (Fierce Healthcare) „Patienten sind durch vermeidbare Fehler nicht weniger gefährdet als vor 15 Jahren“: Eindrucksvolle Statements vor einem US-Senatsausschuss

Patients remain in danger from preventable Errors


07. (HealthLeaders Media) 10% der US-Krankenhäuser benutzen in der Chirurgie keine Checklisten

Surgical Checklists Unused in 10% of Hospitals, CMS Data Shows


08. (IQWiG) „IQWiG wird 10 Jahre alt“

Presseerklärung

Dazu: Umstrittene Jubiläumsbroschüre "Sehr lesenswert!"

Dazu: Bibliomed-Kommentar

Anmerkung:
Der Vorgang zeigt, wie schwer es hierzulande ist, Tatsachen unverfälscht von Interessen in die Öffentlichkeit zu bringen.


09. Buchbesprechung

Wilfried von Eiff (Hrsg.), Ethik und Ökonomie in der Medizin, Heidelberg 2014

Bravo! Dieses verdienstvolle Buch des branchenerfahrenen Herausgebers sollte für jeden eine Pflichtlektüre sein, der sich ernsthafter mit Managementfragen im Gesundheitswesen befasst. Weniger als Handlungsanleitung, denn als Übersicht darüber, womit man sich  hierzulande bislang nur zu befassen scheint, wenn es um das Thema geht: Mit theoretischen Erörterungen auf der einen Seite und mit einem undifferenzierten Lamento auf der anderen. Das muss sich ändern.

Fürs eigene Handeln finden sich hier wenige Anregungen. Eher ist dies eine Zusammenstellung vieler Gedanken, die sich in einem Minenfeld von Interessen – das Wort fehlt übrigens in den Texten –  weit mehr Beteiligte, als im Autorenverzeichnis stehen, zu dem wichtigen Thema gemacht haben. Allen voran der Herausgeber selbst. Teils – auch hinsichtlich der Prämissen – arg hypothetisch, teils durchaus praxisnah. Die sollte man zumindest kennen, bevor sich die eigene Meinung dazu allzu sehr verfestigt. Allerdings nicht nur die allein!

Mit einem Standard-Begleitwort des rührigen Chefs der Bundesärztekammer, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Der erinnert, ohne auf den Inhalt des Buches einzugehen, an die Deklaration von Genf, fordert aber von seinen Standesgenossen leider auch hier nicht ein, deren Inhalt nicht nur zu deklamieren, sondern die Einhaltung nachvollziehbar zu dokumentieren: „Vertrauen ist gut…“.

http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/genf.pdf

Hier die – ggf. knapp kommentierte – Gliederung des Buches:

  • 1  Medizin-Ethik und Ökonomie: Die Grundsatzdiskussion
    -- 1.1  Ziele einer medizinischen, ökonomischen und ethischen Reflektion (?)
    Sehr breit angelegt, mit einer Menge nützlicher Denkanstöße. Inhaltlich nahezu 100% daccord. Leider fehlen hier – wie auch sonst wo im Buch – konkrete Belege für eine tatsächliche „Rationierung / Priorisierung durch einen Arzt.
    -- 1.2  Zunehmende Industrialisierung in der Medinzin
    Nicht nachvollziehbar, was – verbreitet – im Kopf etlicher leitender Mediziner so vor sich geht: Da wird als „Ideologische Industrialisierung“ ein Pappkamerad aufgebaut, der nur in ihren Köpfen existiert. Im Unterschied zu Gedankenlosigkeit und / oder auch bloßer „Geldgier“ (Zitat aus einer Sitzung leitender Ärzte). Immerhin wird im Text anerkannt, dass es auch Ansatzpunkte gebe, mit weniger Geld auszukommen. Allerdings nur in patientenfernen Bereichen. Nicht aber – meint der Autor – bei den patientennahen Prozessen. Da irrt der Doktor! Gerade hier befindet sich das größte Potential, die Qualität zu steigern und gleichwohl die Kosten nachhaltig zu senken!
    -- 1.3  Zur Notwendigkeit der ethischen Bewertung von Innovationen: das Beispiel der Chancen und Risiken einer „Individualisierten Medizin“ für das System der Gesundheitsversorgung in Deutschland
    Eine Bewertung tut selbstverständlich not. Doch „dieser Beitrag kann eine solche Bewertung nicht vornehmen“. Leider! Immerhin ein Denkanstoß. Mit ganz vielen Quellen.
  • 2  Ethik und Recht
    -- 2.1  Das ethische Spannungsfeld einer ökonomisierten Medizin aus juristischer Sicht
    Im Unterschied zur Überschrift ein ganz vernünftiger – und damit lesenswerter Artikel zum Stand der Rechtsprechung in Deutschland. Und der durch diese aufgezeigten Konflikte.
    -- 2.2  MDK-Prüfung und Compliance-Management: MDK-Prüfverfahren als Auslöser für ethische Reflektionen (?)
    Ein paar praktische Beispiele, verbunden mit plausiblen Anregungen, die bestehende unsinnige Praxis zu verbessern. Wie wäre es mit einem Überdenken des Zusammenspiels? Das erforderte zur Vertrauensbildung im Krankenhaus allerdings mehr als eine etwas sorgfältigere Dokumentation.
  • 3  Ökonomische Ethik
    -- 3.1  Organspenderegelung: eine ökonomisch-ethische Reflektion (?)
    Kluge Gedanken. Am Ende ein (plausibler) praktischer Vorschlag für die Regulierer.
    -- 3.2  Ökonomische Ethik – Grundlagen und Empfehlungen
    Es wird ein „Spannungsfeld Ethik – Wirtschaftlichkeit“ konstruiert.  Daraus zieht der Autor seine Folgerungen. Akademisch.
    -- 3.3  Zielvereinbarungen und Bonizahlungen: die ethische Grenze ökonomisch-industrieller Instrumente zur Leistungssteuerung
    Professoraler Grundlagentext mit einem Fazit, dem der Rezensent so nicht gänzlich zu folgen vermag: Es gibt auch ökonomische Anreize, Verschwendung einzudämmen und nicht am falschen Ende zu sparen!
  • 4  Ethische Entscheidungen im klinischen Alltag: Hilfe durch Instrumente und Organisationsformen
    -- 4.1  Ethisches Bewusstsein und Fehler in der Chirurgie: Wie weit geht die Fehlertoleranz?
    Viel Allgemeines zu Methoden, die heute eigentlich jedem bekannt sein müssten. Folgerungen für die Praxis eher schwammig.
    -- 4.2  Klinische Ethikberatung und der Umgang mit knappen Ressourcen im Krankenhaus
    Was macht man in der MHH?
    -- 4.3  Ethik-Liaisondienst und Ethikvisiten Das „Marburger Modell“ präventiver Ethikberatung
    Allgemeine Ausführungen (Vortrag). Gute Übersicht.
  • 5  Geschäfts-Ethik: Ethische Maxime in betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozessen
    -- 5.1  Ethisches Entscheidungsverhalten in M&A Transaktionen Medizinische Ethik und ökonomische Handlungsmaxime im Konflikt
    Wie wird man den nicht mehr gebrauchten Chef los? Und ist die Finanzierung des Kapitaldienstes ethisch? Fazit: Auch bei M&A ethisch handeln!
    -- 5.2  Geschäfts-Ethik und Corporate Compliance
    Lesenswert, leider beschränkt auf die Korruptionsprävention.
    -- 5.3  Möglichkeit und Grenzen der Berücksichtigung ethischer Leitlinien in der Pharmaindustrie
    Rein deskriptive Ausführungen zu Anspruchsgruppen sowie zur geltenden Rechtslage. Gibt es da wirklich keine Probleme?
    -- 5.4  Beschaffungsmanagement und ethisches Handeln: Patientenorientierung und Nachhaltigkeit im Krankenhauseinkauf
    Als Zusammenhangs-Darstellung nützlich, aber hinsichtlich der Ethik wenig plausibel. Selbst bei der Wiederaufbereitung von Einwegprodukten und deren „Lebenszyklus“.
  • 6  Rationierung und Priorisierung
    -- 6.1  Rationierung im klinischen Betrieb. Wahrnehmung von Klinikärzten und Praxisempfehlungen
    Auch wenn es hier wieder einmal steht: Die DRGs haben keinerlei „Verknappung der verfügbaren Mittel ….. induziert“! Wo schon die Prämissen nicht stimmen, können die Folgerungen nicht besser sein. Die hier vorgestellten Erkenntnisse entstammen „Umfragestudien“. Sie spiegeln also stimmungsgeprägte Behauptungen wider und keine harten Fakten: „Bei der Rationierung handelt es sich um ein weit verbreitetes, aber offenbar (noch) nicht sehr häufiges Phänomen“. Gleichwohl plädiert der Autor für eine „Ethikberatung bei Rationierungsfragen“.
    -- 6.2  Priorisierung im Medizinbetrieb: Konzeptansätze und nordeuropäische Erfahrungen
    Der ‚Nordeuropafachmann‘ Preusker umreißt zunächst, wie üblich, präzise, worum es ihm bei der Behandlung von „Priorisierung“ und „Rationierung“ begrifflich geht: Um eine – plausible, wenn auch angreifbare – Begrenzung staatlich finanzierter Leistungen.
  • 7  Ethische Entscheidungen in der Forschung
    -- 7.1  Wenn Experimente empfohlen werden: Beeinträchtigt der $ 6(1) der Vereinbarung zur Kinderonkologie des Gemeinsamen Bundesausschusses die  Patientenautonomie?
    Ein Beispiel zu erfrischend offenen Überlegungen im klinischen Vorfeld von Evidence, in dem man, was die Kausalität therapeutischer Maßnahmen betrifft, heute noch im Nebel stochert. Stichwort „Therapieoptimierungsstudien = TOS“).
    -- 7.2  Was nutzen Therapieoptimierungsstudien? Eine Analyse des Nutzenbegriffs im Kontext pädiatrischer Versorgungsforschung
    Fortsetzung und Konkretisierung des Themas auf der Grenze von ärztlicher und Forschungsethik in der Versorgungsforschung. Mit einer ausführlichen Diskussion der „Nutzendimensionen“ in der pädiatrischen Versorgungsforschung. Inklusive ethischer Zulässigkeit klinischer Studien (Equipoise).
  • 8  Ethik, Effizienz, Gerechtigkeit
    -- 8.1  Gesundheitsgerechtigkeit – eine Einführung aus ethischer Sicht
    Ein Versuch, das Dauerthema „Gerechtigkeit“ zu systematisieren. Wobei – wie üblich – Korrelationen dazu dienen, soziale Unterschiede im Gesundheitszustand (wie im Falle zweier Stadtteile von Glasgow) zu konstatieren, eine Kausalität aber im Dunklen lassen. Eine nützliche Lektüre, denn vor den damit aufzuwerfenden Fragen darf man sich nicht drücken. Politisch.
    -- 8.2  Vertrauen zwischen Arzt und Patient und Ressourcenallokation
    Eine – lesenswerte - Konkretisierung des Themas. Zu Beginn und am Ende allerdings arg ‚theoretisch‘. Mit einem Beispiel für eine Finanzierungsentscheidung durch den G-BA. Man wüsste gleichwohl gern, inwieweit die unterschiedlichen Therapieeffekte dort durch harte Fakten belegt oder eher – wie hierzulande noch verbreitet – anekdotischer Natur sind! Die „billigere“ sollte nie der Arzt allein entscheiden müssen! Sonst braucht man über ein „Vertrauensverhältnis“ gar nicht mehr zu reden.
    -- 8.3  Gesundheitsreform, Prekarisierung, Entsolidarisierung: Politik und medizinische Ethik im Spannungsfeld
    Aus hoher Warte weit ausgeholt. Inhaltlich und geschichtlich. Meinungsstark. Wobei allerlei Zusammenhänge genannt, aber kaum plausibel begründet werden. Der Forderung nach einem „Lernziel Solidarität“ kann man nur zustimmen. Beginnend bei sich selbst.
    -- 8.4  Vom Verlust des Ärztlichen in einer ökonomisierten Medizin
    Wortgewaltig und meinungsstark. Voll von Hypothesen wie dieser: „Meine Grundthese lautet, dass die Krise der modernen Medizin in einem Zusammenhang damit steht, dass sie sich heute mehr als Markt und weniger als Errungenschaft, als Caritas versteht“. Es folgen in rascher Folge Kurztexte mit den gewohnten Reizworten. „Standardisierung“ (negativ), „Beschleunigung“ (negativ), „Abwertung der Beziehung“ (negativ), „Ersatz der Vertrauensbeziehung durch eine Vertragsbeziehung“ (negativ). Daraus folgt messerscharf, „was eine humane Medizin sein müsste“: Aufmerksam, kommunikativ und zuwendend. Was sonst? Und wer hindert den Doktor daran? Und wodurch wird das belegt?
  • Stichwortverzeichnis
  • Herausgeber- und Autorenverzeichnis

Das Buch ist – wie schon eingangs ausgeführt – zu loben. Macht es sich doch die (vermutlich erhebliche) Mühe zusammenzustellen, was man hierzulande in der Branche so zum Thema denkt. Vielleicht hätte der Herausgeber noch sein eigenes Fazit beisteuern können? Mit einer zusammenfassenden Wertung und einem Blick in die Zukunft. So hängen die Einzelbeiträge ein wenig in der Luft. Das ist schon alles an Kritik. Da mag man fast gar nicht darauf hinweisen, dass die Beschriftung in den Abbildungen infolge zu starker Verkleinerung oft kaum lesbar ist, besonders wenn es sich um Tabellen handelt. Gleichwohl ist die Lektüre eine Bereicherung. (+++)

 

 

 

Anmerkung: Hier werden in erster Linie Bücher und Texte besprochen, die aus fachlicher Sicht fürs Management im Gesundheitsunternehmen nützlich sind. Entsprechend positiv ist die Grundhaltung, mit der die Bewertungen entstehen. Das sollte sich jeder Leser auch bei naturgemäß knappen Formulierungen stets bewusst machen, die man vielleicht positiv oder negativ auslegen kann. Es gilt stets die positve Auslegung!

Nur sehr selten finden sich hier auch Besprechungen ärgerlicher Veröffentlichungen, deren Kauf und Lektüre man sich besser sparen sollte.

Als neutrale Entscheidungshilfe werden die Texte bewußt prägnant formuliert, auch wenn das gelegentlich zu Irritationen führen mag.

Bewertung (soweit vorhanden):
(+++) = Sehr gut (= großer Nutzen)
(++) = Gut (= als Lektüre auch nützlich)
(+) = Lesenswert, aber nicht zwingend nötig
(0) = Neutral (= keine positive / negative Bewertung)


10. Weitere Links

Deutschsprachige Links

(Zeit.de) „Jens Baas: ‚Angst ist das Hauptproblem‘

EUROPÄISCHE CHARTA DER PATIENTENRECHTE

(DAZ) „Medikationsmanagement. Stationsapotheker unterstützt Klinik

(Börse Online) „Fresenius-Aktie: Chef will von eigenen Krankenhäusern 15 Prozent Rendite

(DKI) „Entlassmanagement im Krankenhaus. Abschlussbericht der DKI-Krankenhausbefragung im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)“

(Süddeutsche) „Notfallmedizin. Lotterie des Überlebens

(VUD) „Sonderrolle der Universitätsklinika - acht Beispiele

Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit

 

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Englischsprachige Links

 

US-Cartoon (1): 'Prescribed Viewing?'
Quelle: KHN

(PCAST) “REPORT TO THE PRESIDENT. BETTER HEALTH CARE AND LOWER COSTS: ACCELERATING IMPROVEMENT THROUGH SYSTEMS ENGINEERING

(NAE/IOM) “Bringing a Systems Approach to Health

(Fierce Health IT) “Analytics help hospital cut readmissions by 25%. California facility focuses care coordination on highest-risk patients”

(HealthLeaders Media) “The New Quality Equation: Measuring Success and Eliminating Waste

(Hospital Impact) “Beliefs important to future of healthcare leadership

(Fierce Health IT) “Analytics help hospital cut readmissions by 25%. California facility focuses care coordination on highest-risk patients”

Dazu der Bericht

Medical Errors. A report by the staff of U.S. Senator Barbara Boxer

(CMS) Partnership for Patients

(Fierce Health Finance) „Wyoming hospital embarks on bold initiative to cut costs

(Yahoo News) „How a team of doctors at one hospital boosted hand washing, cut infections and created a culture of safety

(Fierce Healthcare) “Hospital elevator buttons carry more bacteria than toilet surfaces

(The New York Times) „After Lapses, C.D.C. Admits a Lax Culture at Labs

(Hospital Impact) “Human-like robots create patient-centered healthcare environment

(Fierce Healthcare) “Patients remain in danger from preventable errors

(USA Today) „With health care, if we waste less, we pay less

(Fierce Healthcare) „Busiest emergency departments have lowest mortality rates

(Leapfrog) “Hospital Safety Score Reveals Hospitals Becoming Safer, but Dangers to Patients Lurk

(HealthLeaders Media) “Mayo Tops U.S. News Best Hospitals Rankings

Siehe dazu: http://health.usnews.com/best-hospitals

(The Wall Street Journal) „Doctors Upset Over Skill Reviews

(The Denver Post) “Prefab approach shaves time, money off construction of new hospital

Evidence based medicine: a movement in crisis?

(BMJ) “Evidence based medicine: a movement in crisis?

(IHI) Blog zur ‘Real evidence based medicine

(Hospital Impact) “Who should run a hospital: Doctors or nurses?

(HealthLeaders Media) “Roundtable: To Arrest HAIs, Culture Trumps Campaigns

(HealthLeaders Media) “Surgical Checklists Unused in 10% of Hospitals, CMS Data Shows

(HealthLeaders Media) “3 Insider Tips on Cutting Costs without Strangling Growth

(NIHCR) „Hospital Experiences Using Electronic Health Records to Support Medication Reconciliation

(Fierce Health IT) “Google ventures further into healthcare realm

(The New York Times) “Adventures in ‘Prior Authorization’

 (Modern Healthcare) “Cerner: Siemens health IT unit positions company for move beyond EHR

(Fierce Health IT) “Can drones improve healthcare in remote regions?

(Fierce Health Finance) “5 penny-pinching tips for hospitals

(Fierce Healthcare) „Gains from pay-for-performance don't last

(Hospital Impact) “10 considerations for a more innovative hospital culture

(USA Today) „The Kaiser Way: Lesson for U.S. health care?“ (Video)