Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen!


Motto des Tages

"It's not that some people have willpower and some don't. It's that some people are ready to change and others are not."
(James Gordon, MD)
Quelle: ASQ


01. Editorial

Patientensicherheit: Hype oder Shitstorm

Das neue Jahr 2014 geht gleich gut los. Anlässlich der Vorstellung ihres – unten besprochenen – Krankenhaus-Reports 2014 greift die AOK mächtig in die Tasten. Ihre Presseerklärung steht unter der Überschrift: „Mehr Qualität und weniger Risiken: Krankenhauslandschaft modernisieren“. Sie stößt trotz einer Fülle anderer wichtiger Nachrichten auf eine breite zustimmende Medienresonanz.

Die abwehrende Reaktion der Ärzte- und Krankenhauslobby darauf lässt nicht lange auf sich warten: Man muss sich – scheint es – ja schließlich gegen Unterstellungen wehren, irgendetwas nicht richtig zu tun. Die DKG posaunt hinaus: „Krankenhäuser so sicher wie nie!“. Die Krankenhausverantwortlichen wissen, dass sie dies in keiner Hinsicht mit Fakten beweisen können.

Und sie legt nach einigem Überlegen nach: „Krankenhäuser erwarten Entschuldigung der AOK“. Als ob die AOK etwas Beleidigendes von sich gegeben hätte. Auch der Vergleich der im Krankenhaus verursachten Schäden mit Todesfolge mit der Zahl der Verkehrstoten ist weder falsch noch sonderlich originell. Damit werden anderswo auf der Welt  schon seit gut einem Jahrzehnt die – erfolgreichen – Aktivitäten begründet, die  Qualität und die Patientensicherheit zu steigern. (Die Leser des hmanage Newsletters kennen ebenso lange die Fakten).

In einer Pressemitteilung der Bundesärztekammer „Montgomery: „Wir lernen aus Fehlern‘“ wird so getan, als ginge es der AOK nur um politische Winkelzüge. Ansonsten bedient sich Herr Montgomery des Tricks einer schon seit Beginn der hiesigen Qualitätsdiskussion am Beginn der 90er Jahre geübten Praxis der Funktionäre, in Sachen Qualitätstransparenz und Patientensicherheit mit einer Flut von  Scheinaktivitäten so zu tun als ob. Und zwar mit dem Anspruch, Vorbild zu sein. Damit wurde (nicht nur) hierzulande eine ernsthafte Offenlegung der Kausalität ärztlichen Handelns und der damit (nicht) erzielten Ergebnisse lange höchst erfolgreich verzögert. Damit wurde in Deutschland offiziell ein sogenanntes „Qualitätsmanagement“ geschaffen, das die Qualität der Behandlungsprozesse weitaus überwiegend genau so im Dunklen lässt wie vor 25 Jahren. (Der Autor hat praktisch von Beginn an hautnah miterlebt, wie das geht).

Und der Verband der Krankenhausdirektoren findet: „Versicherte sollten prüfen, ob sie noch in der richtigen Krankenkasse sind“. Da muss man sich schon besorgt fragen, was Verbandsfunktionäre zu solchen Wutausbrüchen treibt, dass sie nicht mehr ernsthaft darüber nachzudenken scheinen, was sie da so von sich geben. Im höchsten Maße „unseriös“ ist, was hier zu den Quellen der Autoren jener Teile des Krankenhaus-Reports behauptet wird, die hier offensichtlich allein eines Blickes gewürdigt und reflexartig zurückgewiesen wurden, ohne ihnen ernsthaft nachzugehen. So könnte es an Zitaten aus Erklärungen der Vertreter der Leistungserbringer nahezu beliebig weitergehen.

Die Abwehrhaltung ist total. Die einen stellen nicht nachprüfbare (Gegen-)Behauptungen auf. Das ist durchaus branchentypisch. Doch die können hier nicht unwidersprochen bleiben. Die anderen hauen mit unsinnigen, Äpfel und Birnen wild verwechselnden Gegenbehauptungen blind dagegen, die mit dem Thema – und dem Tenor („Es besteht noch Verbesserungspotential“) – des Buches rasch nichts mehr zu tun haben. Ein Shitstorm ist blind.

Prägnanter als in dieser Auseinandersetzung lässt sich in kurzer Zeit kaum illustrieren, woran das deutsche Gesundheitswesen immer noch krankt: An einer oft erschreckenden Intransparenz und einer massiven Selbstbeweihräucherung mit jeder Menge unbelegter Behauptungen. Gepaart mit einem eingefleischten Unwillen, diesen Zustand zum Besseren zu wenden.

Wie das Beispiel ein weiteres Mal zeigt, fehlt es – von  Ausnahmen abgesehen – an der Bereitschaft zum Zuhören. Und zur selbstkritischen Reflexion des eigenen Tuns. Sowie an nahezu jeglichem offenen Diskurs. „Konstruktive Kritik“ ist in einem solchen Milieu ein Fremdwort. Kritikern wird a priori böser Wille unterstellt. Und die Ablehnung anderer Meinungen – und Fakten, die nicht zwischen die eigenen Scheuklappen passen – erfolgt mit erheblicher Lautstärke. In einem lobbygeprägten Milieu, in dem die Politik mit immer neuen Schnellschuss-Reformlösungen das Knäuel immer weiter verwirrt. (Danke an Herrn Baum, der kürzlich für den Autor hilfreich erläuterte, was in dieser Hinsicht als nächstes zu befürchten ist!)

Und der – letztlich die einen und die anderen bezahlende – Patient, der dumme Lackel, wird weiter an der Nase herumgeführt. Und hofft, dass er im Falle einer ernsten Erkrankung dank der vielen, vielen Krankenhausmitarbeiter aus x Berufsgruppen, die mit „Fachkompetenz und Integrität“ (Zitat aus dem kritisierten Buch) tagtäglich engagiert ihre Arbeit tun, das Schlachtgetümmel doch irgendwie überlebt. Trotz einer alles andere als erheiternden Realität.

An dieser Entwicklung haben beide Seiten ihren gehörigen Anteil. Wer das Buch genauer liest, dem wird rasch deutlich: Diesmal hat die Krankenkassen-Bank im G-BA nach Punkten klar die Nase vorn. Doch sie hat anteilig mitzuvertreten, dass auch im Jahre 2014 nicht absehbar ist, wann im deutschen Krankenhaus die Transparenz hergestellt sein wird, Streitpunkte wie den angesprochenen – auf das gleiche Ziel verpflichtet – schlüssig zu klären:

In einem reichen Land wie dem unseren eine Krankenbehandlung nachweislich hoher Qualität (= beste Ergebnisse) bezahlbar zu halten. Ohne Wenn und Aber. Für jedermann. Damit hat man hierzulande noch nicht einmal angefangen. Dafür müssen allerdings noch ein paar heilige Kühe geschlachtet werden. Etliche QM-Alibis inklusive. Vor allem aber das absolut unverdiente Privileg, Behauptungen nicht beweisen zu müssen. Eminenzbasiert. Wie das Privileg, selbstherrlich darüber zu befinden, was man als Qualität (und Patientensicherheit etc.) und / oder als Geldverschwendung bezeichnen darf und was nicht. Es geht auch anders, wie immer mehr internationale Beispiele zeigen.

 


02. (H&HN) Eine Krankenhausgruppe auf dem Weg zum Null-Fehler-Prinzip. Leider nicht in Deutschland

Engineering a Fail-Safe Health System

Anmerkung:
Mit etlichen Beispielen. Sehr lesenswert!


03. (The Wallstreet Journal) Intermountain Healthcare weitet seinen IT-gestützten Ansatz zur Kostenreduzierung hoher Qualität weiter aus

Here's What Your Operation Will Really Cost

Anmerkung:
Die persönlichen Erfahrungen dort haben seinerzeit sehr beeindruckt. Dort kann man geradezu mit den Händen greifen, wie die Führung eines integrierten  Gesundheitsunternehmens patientenzentriert auszusehen hat. (Der seinerzeitige Bericht darüber in f&w war - wie nicht anders zu erwarten - nahezu resonanzlos.


04. (HealthLeaders Media) Qualitätsvergleiche haben ihre Tücken: Nicht nur US-Vergleiche

"What's Wrong With Healthcare Quality Measures? Part I

Anmerkung:
Solch nachdenkliche und selbstkritische Texte – und dahinter stehende Grundhaltungen – wünschte man sich auch hierzulande anstelle der verbreiteten Großmäuligkeit angesichts der vermeintlich hohen Qualität. Zugleich eine probate Übersicht über US-Qualitätsvergleiche!

"What's Wrong With Healthcare Quality Measures? Part II”


05. (Fierce Healthcare) Ergebnisauswertungen allein bringen noch lange keine Verbesserungen

New research shows performance feedback may not improve outcomes

Anmerkung:
Soviel auch zu all jenen, die irgendwelche Maßnahmen schon als hinreichenden Qualitätsnachweis betrachten. Allein das erzielte Ergebnis zählt!


06. (Fierce Healthcare) Bündelung der Kräfte verschiedener Krankenhäuser spart Millionen.

Hospital systems share resources, save millions

Anmerkung:
Dazu muss man nicht extra von Dritten gekauft werden.


07. (The New York Times) Daten zur Verringerung des Mortalitätsrisikos im Krankenhaus

To Make Hospitals less Deadly, a Dose of Data


08. (Hospital Impact) Gary S. Kaplan: Die Zeit für einen strukturierten Systemansatz ist überfällig

It's time for a structured systems approach to delivering care

Anmerkung:
Was der renommierte Chef der Virginia-Mason-Gruppe in Seattle zu sagen hat, hat allemal Hand und Fuß.


09. Buchbesprechungen

Klauber / Geraedts / Friedrich / Wasem, Krankenhaus-Report 2014, Schwerpunkt: Patientensicherheit, Stuttgart 2014, ISBN: 978-3-7945-2972-8

Der Krankenhaus -Report ist eine Institution, um deren Kenntnisnahme niemand herumkommt. Mit seinem Schwerpunkt „Patientensicherheit“ hat er 2014 wieder einmal ins Schwarze getroffen (siehe Editorial). Auch wenn ihn zum Zeitpunkt ihres Protests wohl keiner der Kritiker daran ernsthaft in die Hand genommen haben dürfte. Sonst hätte wenigstens irgendeiner von ihnen gemerkt, dass er auf einen Pappkameraden schießt.

Wie gewohnt hat der Herausgeberkreis neben etlichen jüngeren einen Großteil jener Autoren um sich geschart, die (oder deren Institutionen) sich in den letzten Jahren öffentlich – im engeren und weiteren Sinne – zum Thema geäußert haben. Insgesamt 43! Die haben viele Teilaspekte des Themas deskriptiv angesprochen, wenn auch keineswegs alle. Das Ganze ist in der vom Verlag bekannten Weise professionell aufbereitet, mit wenigen ergänzenden Texten („Zur Diskussion“), um eine – immer wieder erschreckende –  „Krankenhauspolitische Chronik“) ergänzt und mit einem nützlichen Datenteil abgerundet.

Inhaltlich scheinbar nicht immer gänzlich abgestimmt. Und von den Herausgebern auch nicht zusammenfassend bewertet. Mit Zugriffscode zu elektronisch verfügbaren Informationen. Hier eine Übersicht über die Gliederung:

  • Einführung
  • Teil I Schwerpunktthema Patientensicherheit
  • 1 Das Krankenhaus als Risikofaktor
  • 2 Patientengefährdung durch Fehlanreize – die Folge des Vergütungssystems?
  • 3 Patientenrechte und ihr Beitrag zur Patientensicherheit
  • 4 Die Haftung für Fehler im Krankenhaus
  • 5 Sicherheitskultur und Berichts- und Lernsysteme
  • 6 Sozialkapital und Patientensicherheit aus der Sicht ärztlicher Direktoren
  • 7 Fehlermanagement durch Notfallsimulation …
  • 8 Patientensicherheit und Personal
  • 9 Krankenhaushygiene und Infektionsvermeidung
  • 10 Patientensicherheit und Innovation
  • 11 Der Regress von Medizinprodukteschäden
  • 12 Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus
  • 13 Der Beitrag von Qualitätsindikatoren der externen … Qualitätssicherung …
  • 14 Innovationsbegleitung und Frühwarnsystem … Versorgungsregister ….
  • Teil II Zur Diskussion
  • 15 Krankenhausprivatisierung …
  • 16 Zusammenhang von Behandlungshäufigkeit und -ergebnis in der Hüftendoprothetik
  • Teil III Krankenhauspolitische Chronik
  • 17 Krankenhauspolitische Chronik
  • Teil IV Daten und Analysen
  • 18 Krankenhausbudgets 2011 und 2012 im Vergleich
  • 19 Statistische Krankenhausdaten: Grund- und Kostendaten … 2011
  • 20 Statistische Krankenhausdaten: Diagnosedaten … 2011
  • 21 Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik: Diagnosen und Prozeduren …
  • Teil V Krankenhaus-Directory
  • 22 Krankenhaus-Directory 2012 …
  • Der Krankenhaus -Report im Internet
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Unabhängig von der Diskussion einzelner Kapitel ist es das große Verdienst dieses Reports, den Stand der Entwicklung dieses Themas (und des Qualitätsmanagements) in Deutschland zu präsentieren. Mit dem Gesamt-Fazit: Alles in allem hat man zwar scheinbar die Wichtigkeit der Patientensicherheit erkannt, kann aber über die Realität der diesbezüglichen Routineprozesse und Ergebnisse herzlich wenig sagen. Genauer gesagt nichts. (Dass der VKD diesen – von seinen eigenen Mitgliedern mitzuverantwortenden – Zustand der Datenarmut geißelt, ist daher eher komisch).

Konkretere Zahlen zum Stand der Patientensicherheit gibt es nur aus dem Ausland. Die werden hier nur punktuell gestreift. Dortige Erfahrungen kommen nicht vor. Man schmort national lieber im eigenen Saft. Wie beim QM. Also geht es – neben allgemeinen Ausführungen zum Stand und der Beschreibung des Umfelds – auch im Buch vor allem um die hierzulande gängigen Vermutungen und Meinungen. Dazu einige Anmerkungen:

  • Zur Einführung:
    „... die Herausgeber (stellen) den Patienten in den Mittelpunkt der Betrachtung. Mit welchem Ziel und welcher Botschaft, steht hier nicht. Auch nirgendwo später. Nämlich die Fehlerwahrscheinlichkeit zu minimieren. „Dabei ist klar, dass im Krankenhaus Fehler geschehen“. Dafür finden sich hier Kurzzusammenfassungen der im Übrigen eigenständigen – zumeist von Autorenkollektiven verantworteten – Beiträge.
  • Zu 1 Das Krankenhaus als Risikofaktor:
    Eine faktenreiche, vorzüglich quellengestützte Bestandsaufnahme des bescheidenen Status quo in Deutschland, verbunden mit dem vorsichtigen Hinweis, dass da noch große Verbesserungschancen schlummern, die „bei weitem (jene) vieler neuer Therapieverfahren … übersteigen“. Sehr wahr! Zur Reaktion auf diese Ausführungen siehe das heutige Editorial.
  • Zu 2 Patientengefährdung durch Fehlanreize – die Folge des Vergütungssystems? :
    „Der Patient als Spielball von Vergütungssystemen?“ Hier finden sich leider nur die bekannten Spekulationen zu vermeintlichen Fehlanreizen. Die haben – in Nebensätzen eingeflickt – auch irgendwie Einfluss auf die Patientensicherheit. Doch „eine tatsächliche Patientengefährdung … ist jedoch empirisch bisher nicht feststellbar…“. Konkreteres zur „Patientengefährdung“ findet sich hier leider nicht. Wozu dann das Ganze? Eher ärgerlich.
  • Zu 3 Patientenrechte und ihr Beitrag zur Patientensicherheit:
    Kritische Bewertung der Unzulänglichkeiten des „homöopathischen“ Patientenrechtegesetzes. Informativ, aber ohne erkennbaren Zusammenhang zum Thema. Wie sollte man das Recht auf eine angemessene Patientensicherheit sichern?
  • Zu 4 Die Haftung für Fehler im Krankenhaus:
    Haftungsrecht, Schadensentwicklung … „Ein strukturierter Umgang mit eigenen Schäden als Teil des Risikomanagements ist notwendig …“. Na ja! Aber wie?
  • Zu 5 Sicherheitskultur und Berichts- und Lernsysteme:
    Kursorisch weit ausholend, was die Zusammenhänge und theoretischen Möglichkeiten betrifft, mit Beschreibung des Berliner Vorgehens. Doch himmelweit entfernt von Hinweisen auf Wege, wie man im Krankenhaus zu einer „High Reliability Organization (HRO)“ gelangen könnte. Leider nichts Konkretes zum Zusammenhang mit der Patientensicherheit. Von bereits erzielten, gar als Verbesserungen messbaren Ergebnissen der eigenen Bemühungen ganz zu schweigen!
  • Zu 6 Sozialkapital und Patientensicherheit aus der Sicht ärztlicher Direktoren:
    Meinungsäußerungen leitender Mediziner als Ergebnis einer Befragung mit akribischer statistischer Auswertung mittels linearen Regressionsmodells mit dem Ergebnis: Je mehr Sozialkapital seitens der Ärztlichen Direktoren im Krankenhaus wahrgenommen wird, desto höher schätzen sie die Sicherheit der Krankenhauspatienten ein“. Aha! Und was ist konkret zu tun, um das Sozialkapital zu steigern? Nicht nur aus der subjektiven Sicht einer kleinen Gruppe?
  • Zu 7 Fehlermanagement durch Notfallsimulation …:
    Ein sehr nützliches Beispiel für eine präventive Steigerung der Patientensicherheit durch eine sachgerechte Ausbildung und ständiges Üben mittels förmlichem „Crisis Resource Management (CRM)“ wie in der Zivilluftfahrt, ohne das Wort dabei überhaupt in den Mund zu nehmen.
  • Zu 8 Patientensicherheit und Personal:
    Mehr (Pflege-)Personal = mehr Patientensicherheit? Auch wenn dies „internationale Studien“ zu signalisieren scheinen, gibt es bislang in Deutschland keine Belege für einen kausalen Zusammenhang. Dass der – hier wieder einmal eindrücklich in die Erinnerung gerufene – Personalabbau die Patientensicherheit in Deutschland nicht gerade gefördert hat, ist auch so klar. (Der Effekt der Zunahme der Zahl der Ärzte in der Vergleichszeit steht in den Sternen). Die persönliche Befindlichkeit lässt noch Raum für Verbesserungen.
  • Zu 9 Krankenhaushygiene und Infektionsvermeidung:
    Mehr Krankenhaushygiene = Mehr Infektionsvermeidung. Das überzeugt. Und wie erreicht man das jenseits der Forderung nach mehr Personal praktisch? Sehr gute Einführung in die Materie, aber auch nur die immer wieder gehörten allgemeinen Überlegungen darüber, wie die Hygiene aufgewertet werden könnte. Das Fazit: „Die Krankenhäuser und ihre Mitarbeiter müssen sich (auf kritischere Patienten) einstellen“. Da hätte man sich zur Steigerung der Patientensicherheit aus berufenem Munde schon etwas stringentere Forderungen erhofft.
  • Zu 10 Patientensicherheit und Innovation:
    Erstere wird durch eine blinde Einführung weiterer (Beispiele „TAVI“ und „Mitraclip“) nachweislich gefährdet. Dagegen muss man dringend etwas tun. Von oben. Und bis dahin? Hier fehlt eine deutliche Aufforderung zu einem etwas verantwortungsbewussteren Vorgehen vor Ort. Der heutige Umgang mit dem Wort „Innovation“ ist unethisch!
  • Zu 11 Der Regress von Medizinprodukteschäden:
    sachkundige und informative Diskussion der aktuellen Debatte um dem Patienten als Versuchskaninchen ohne ausdrückliche Nennung des Begriffs. Samt Aufforderung zu schärferen gesetzlichen Regeln. Auch hier fehlt ein deutlicherer Hinweis auf die Verantwortung vor Ort, was die Patientensicherheit betrifft.
  • Zu 12 Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus:
    Höchst Informatives zum Stand der – verspäteten – deutschen Diskussion und Umsetzung. Lesenswert! (CPOE war schon Baustein eines DV-Projekts des Rezensenten, dessen Implementierung von der Politik gestoppt wurde. In der ersten Hälfte der 80er Jahre). „Arzneimitteltherapiesicherheit muss ein erklärtes Ziel aller Akteure im Gesundheitswesen werden (!) ... und die erforderlichen Mittel müssen bereitgestellt werden“
  • Zu 13 Der Beitrag von Qualitätsindikatoren der externen ... Qualitätssicherung ...:
    Das eine hat nachweislich mit dem anderen zu tun. „Weitere Voraussetzungen müssen erfüllt werden“. Doch angeblich „ist insgesamt davon auszugehen, dass die (von AQUA betreuten) Indikatoren der externen stationären Qualitätssicherung einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Patientensicherheit im deutschen Gesundheitswesen zu erhalten und zu verbessern“. Wer’s glaubt?
  • Zu 14 Innovationsbegleitung und Frühwarnsystem ... Versorgungsregister ...:
    Bericht über eine sehr sinnvolle Aktivität im Zusammenhang mit der Einführung zweier verbindlicher Register. Wieso kommt hierzulande eigentlich kein Mensch auf die Idee, aus eigenem Erkenntnisinteresse vor Ort mit derartigen Aktivitäten zu beginnen?
  • Zu 15 Krankenhausprivatisierung ...:
    Private Krankenhäuser sind wirtschaftlicher und qualitativ nicht schlechter, wobei für beide Aspekte „kein Zielkonflikt ... sondern ... Zielharmonie“ besteht. Informativ.
  • Zu 16 Zusammenhang von Behandlungshäufigkeit und -ergebnis in der Hüftendoprothetik:
    Die Signale eines Zusammenhangs werden bei gründlicher Auswertung stärker. Doch eine Blackbox wird auch nicht durch Schütteln transparenter.
  • Zu 17 Krankenhauspolitische Chronik:
    Eine wichtige – zugleich erschreckende - Chronik der deutschen Micromanagement-Manie, welche die Akteure vor Ort zuverlässig davon abhält, mit den verfügbaren – hohen – Mitteln eigenverantwortlich für eine Krankenbehandlung nachweislich hoher Qualität zu sorgen.
  • Zu 18 Krankenhausbudgets 2011 und 2012 im Vergleich:
    Mengenentwicklung im Vergleich zur Preisentwicklung ausschlaggebend für den Budgetanstieg um insgesamt 4 %.
  • Zu 19 – 21 Statistische Krankenhausdaten:
    In erster Linie nützlich als Nachschlagewerk
  • Zu 22 Krankenhaus-Directory 2012 …:
    Dito.

Der Gesamteindruck: Ein Sammelsurium deskriptiv abgehandelter Einzelaspekte, ohne erkennbare Stoßrichtung versammelt in Texten unterschiedlicher Qualität. Auch was ihren Beitrag zum Thema des Buches („Patientensicherheit“) betrifft. Zu Fragen wie diesen bekommt man bestenfalls unbefriedigende Antworten:

  • Was ist „Patientensicherheit“?
  • Wie stellt man die am besten sicher?
  • Wie steht es damit in der Realität?
  • Was kann man von Dritten lernen?
  • Was lernen wir daraus?
  • Aktionsprogramm

Im Übrigen hätte man sich irgendwo eine ordentliche Definition solcher Begriffe wie „Fehler“, „Risiko“ und „Wahrscheinlichkeit“ gewünscht. Am besten in einer erläuternden Zusammenstellung. Formulierungen wie „Das Krankenhaus als Risikofaktor“ in der Einführung signalisieren – vorsichtig gesagt – noch eine gewisse gedankliche Unschärfe. Gleichwohl ist der „Krankenhaus-Report 2014 Patientensicherheit“ als Zustandsbeschreibung unentbehrlich. Und insgesamt eine wichtige Anregung für jeden, der auf diesem Feld weiterkommen will. (+++)

 

 

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Monzer; Michael, Case Management, Grundlagen, Case Management in der Praxis, Heidelberg 2013

„Case Management liegt zugleich quer zu Trends, die in einer immer weiter fortschreitenden Verbetriebswirtschaftlichung des Sozial- und Gesundheitssektors liegen“ (Prof. Dr. Thomas Klie)

Case Management: Mit diesem Thema muss sich zwingend auseinandersetzen, wer sich mit den Möglichkeiten einer besser organisierten Krankenbehandlung befasst. Nicht zufällig habe ich deshalb bereits im Jahre 2001 im hmanage Newsletter 31 den Titel Ewers, Michael, Schaeffer, Doris (Hrsg.), Case Management“ empfohlen. Darin ist – gestützt auf ältere Texte – aufs Vorzüglichste dargestellt, worum es beim Case Management in der gesundheitlichen und sozialen Betreuung von Cases wirklich geht. Auch betriebswirtschaftlich: Um eine gezielte Steigerung des individuellen Patientennutzens. Umso interessierter war ich, mir den hier zu besprechenden Titel zu besorgen.

Mein vitales Interesse wurde jäh gebremst, als ich schon im Geleitwort die obigen Zeilen lesen musste: Ideologischer Qualm? Solche Sprüche disqualifizieren. Das konnte nur die gründliche Lektüre des – 375 Seiten starken, solide aufgemachten, sicher sehr arbeitsaufwendigen – Buches erweisen. Hier eine Übersicht seiner Grundstruktur:

  • „Geleitwort
  • Vorwort
  • 1 Case Management – Das Handlungskonzept
  • 2 Konzepte, Begriffe und Sprache im Case Management
  • 3 Die Klärungsphase – die passenden Fälle für das Case Management
  • 4 Das Assessment – die Fälle richtig einschätzen
  • 5 Serviceplanung – Strategieentwicklung für den Fall
  • 6 Linking – Vermittlung und Vernetzung von Unterstützungsangeboten
  • 7 Monitoring, Abschluss und Langzeithilfen
  • 8 Evaluation – den Fallablauf rückblickend verstehen und bewerten
  • 9 Systemsteuerung im Case Management
  • Literatur
  • Stichwortverzeichnis
  • Autorenverzeichnis“

Schon eine erste Durchsicht lässt erkennen: Der Inhalt fällt deutlich hinter den weit gesteckten Rahmen des zuvor zitierten Buches – vor allem den Text von Karen Zander – zurück. Während es schon dort vor allem darum geht, die medizinische, pflegerische und soziale Betreuung menschlich zu organisieren, kreist das hier zu besprechende Buch mit großer  Akribie um die – vor allem soziale – Betreuung des Einzelfalls. Als Unikat („… ein Spezialverfahren für besonders systemkritische Fälle“ – S. 59).

  • Zu Kapitel 1 „Case Management – Das Handlungskonzept“ sowie 2 „Konzepte, Begriffe und Sprache im Case Management“:

Nach einer (überabstrakten) Definition des Begriffs werden – lehrbuchgerecht ausführlich – aus der eingeschränkten Sicht des Autors Sachverhalte und Zusammenhänge beschrieben. Dabei ist die möglichst strukturierte Vorgehensweise zum Vermeiden von Verschwendung ein offensichtlicher blinder Fleck. Beim Ökonomischen geht es dem Autor trotz der Verwendung der Floskel „effektiv und effizient“ scheinbar ausschließlich um die Mittel-Allokation und damit verbundenen „Gefahren“. „Standardisiert und zertifiziert“ soll nur die Ausbildung werden. Manchmal werden dazu auch Begriffe neu erfunden, z.B. die individuelle Unterscheidung zwischen „Care Management“ und „Case Management“. Auch die Unterscheidung von „Case Management“ und „Behandlungspfaden“ entspricht nicht der internationalen Praxis. Das – vom Autor entwickelte (?) – „Case Managementmodell“ ist die Grundlage der weiteren Gliederung des Buches: alles hängt irgendwie mit allem zusammen (S. 69). Wozu man dafür eingedeutschte englischsprachig klingende Begriffe (wie Handy) erfinden muss, bleibt unklar. Ergebnisse als angestrebte (Mindest-)Ziele und deren Bestätigung mittels Feedback gibt es nicht. Dafür aber eine „Evaluation“. In jedem Einzelfall:

  • Mit dem Kapitel 3 „Die Klärungsphase – die passenden Fälle für das Case Management“ herausfischen. Und was geschieht mit dem Rest?
  • Mit dem Kapitel 4 „Das Assessment – die Fälle richtig einschätzen“.
  • Mit dem Kapitel 5 „Serviceplanung – Strategieentwicklung für den Fall“.
  • Mit dem Kapitel 6 „Linking – Vermittlung und Vernetzung von Unterstützungsangeboten“.
  • Mit dem Kapitel 7 „Monitoring, Abschluss und Langzeithilfen“.
  • Mit Kapitel 8 „Evaluation – den Fallablauf rückblickend verstehen und bewerten“.

Damit mag die einzelfallbezogene Sozialarbeit vom Grundgedanken her durchaus strukturierter ablaufen. Wobei ein Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Klienten gleichwohl zu kurz kommt. Doch das Ganze ähnelt – ohne (Ergebnis-)Zielklarheit und irgendeine Art von Messung der Zielerreichung oder gar daraus resultierender neuer Erkenntnisse für eine fortan bessere Betreuung – doch sehr an eine Kette beschäftigungstherapeutischer Übungen für „Projektmanager und Sozialplaner“ im Sozialamt. Wobei die Lektüre vieler Details durchaus lehrreich ist.

  • Zu 9 „Systemsteuerung im Case Management“: Alles hängt irgendwie mit allem zusammen. „Organisationsintern und -extern“. Auf der „Mikro-, Meso- und Makroebene“. Auch die Probleme.

Gleichwohl verharrt das (Lehr-)Buch zum weitaus größten Teil milieubezogen beim Einzelfall des Sozialarbeiters. Dazu werden viele Aspekte sachlich (und nicht ideologisch eingefärbt) beschrieben und mit einer großen Zahl von Grafiken („Quelle: Eigene Darstellung“) visualisiert. Zu einer zielführenden Gestaltung der Organisation der prozessualen Betreuung einer Mehrzahl von – in Grenzen vergleichbaren – Fällen (= Cases) findet sich hier nichts. Auch nichts zum integrierten Zusammenwirken der Angehörigen verschiedener Berufsgruppen, z.B. von Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern in arbeitsteiligen Prozessen. Im Krankenhaus und darüber hinaus. Für diese ist der Erkenntnisgewinn des Buches auch deshalb gering, weil der Autor den Anspruch seiner eigenen Definition des Begriffs nicht erfüllt. Ein Hinweis auf die mit dem Buch angedachte Zielgruppe wäre hilfreich gewesen.  (0)

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden in erster Linie Bücher und Texte besprochen, die aus fachlicher Sicht fürs Management im Gesundheitsunternehmen nützlich sind. Entsprechend positiv ist die Grundhaltung, mit der die Bewertungen entstehen. Das sollte sich jeder Leser auch bei naturgemäß knappen Formulierungen stets bewusst machen, die man vielleicht positiv oder negativ auslegen kann. Es gilt stets die positve Auslegung!

Nur sehr selten finden sich hier auch Besprechungen ärgerlicher Veröffentlichungen, deren Kauf und Lektüre man sich besser sparen sollte.

Als neutrale Entscheidungshilfe werden die Texte bewußt prägnant formuliert, auch wenn dass gelegentlich zu Irritationen führen mag.

Bewertung (soweit vorhanden):
(+++) = Sehr gut (= großer Nutzen)
(++) = Gut (= als Lektüre auch nützlich)
(+) = Lesenswert, aber nicht zwingend nötig
(0) = Neutral (= keine positive / negative Bewertung)
(-) = Nicht empfehlenswert.


10. Links

Deutschsprachige Links

 

(Verein für Socialpolitik) „Ethikkodex

 

(Bibliomed) „Ärzte wollen Nutzenbewertung fortsetzen

 

(Telepolis) „Ein Theaterstück namens Gesundheitswesen

 

(WDR) „Fehler im System Krankenhaus?

 

(AOK) „Mehr Qualität und weniger Risiken: Krankenhauslandschaft modernisieren

 

(WAZ) „Patienten klagen über schlechte Behandlung im Krankenhaus

 

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Englischsprachige Links

 

US-Cartoon (1) „Sie haben alles, außer einer Krankenversicherung

 

US-Cartoon (2) „Obamacare: Was der US-Bürger wirklich wünscht?

 

US-Cartoon (3) „Schöne neue Welt – Tag für Tag

 

US-Cartoon (4) „Schöne neue Welt – beim hoffnungsvollen Nachwuchs

 

US-Cartoon (5) „Wortspiel

 

US-Cartoon (6) “Amerikanische Verhältnisse

 

US-Cartoon (7) „Obamacare ist lebensgefährlich!

 

US-Cartoon (8) „Wie man Gesundheitsexperte wird

 

(HealthLeaders Media) “IT's Key Role in Lean Healthcare

 

(Hospital Impact)  Think 'just like me' to improve patient experience

 

(HealthLeaders Media) “Top Healthcare Quality Issues for 2014, Part 2

 

(Fierce Healthcare)“Nobel laureate: Hospitals must reduce overtreatment

Dazu das Lown-Interview

 

(Fierce EMR)“IOM model helps hospitals evaluate return on investment of EHRs

Dazu das IOM-Entwurfs-Papier

 

(Fierce Healthcare) “U.S. News to tweak hospital-ranking methodology

 

(Fierce Health IT) “Health system turns to RFID to slash infection rates

 

(HealthLeaders Media) “HL20: Charles Ornstein — Pushing Healthcare Transparency for the Public Good

 

(Hospital Impact) “Connect with employees to drive hospital performance

 

(Fierce Healthcare) “AHA: Hospitals provided $45.9B in uncompensated care

 

(AHRQ) “Wellness and Health Promotion Programs Use Financial Incentives To Motivate Employees

 

(Fierce Healthcare) “Hospitals reduce parking fees to improve patient experience

 

(Fierce Healthcare) “Wisconsin hospitals reduce readmissions by 22 percent, save $34M

 

(Fierce Healthcare) Großbritannien: “UK nursing initiative focuses on compassion in all aspects of care

 

(Blogridge) “2013 Award Winner: The Highest Presidential Honor in Texas

 

(Fierce Healthcare)  3 ways realignment can help hospitals

 

(The New York Times) “Patients’ Costs Skyrocket; Specialists’ Incomes Soar

 

(JAMA) “Evidence-Based Medicine—An Oral History

 

(LinkedIn) “The Day of the Passive Patient is Over

 

(Forbes) “This 15-Year-Old Absolutely Nails What 'Patient Centered' Is - And Isn't” (Video)

 

(Fierce Health IT)Healthcare needs a 'Henry Ford' moment for big data

 

(HealthLeaders Media) “Dirty Scrubs and Other Disease-Spreading Attire

 

(Fierce EMR) “EHR snooping costs hospital employees their jobs