Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen!


Motto des Tages

„Mit dem ethischen Diskurs in Deutschland verhält es sich so: Diejenigen, die ihn fordern, benutzen ihn als Chiffre für den Satz ‚Das wollen wir nicht‘“
(Ursula Weidenfeld)
Quelle: Der Tagesspiegel, Ein Zwischenruf zu … : …Technik und Ethik


01. Editorial: Krankenhaus-Management 2.0 - Fünf Elemente der Führung aus der Finanzierungskrise

Das Geld wird schleichend knapper.

Immer weniger Menschen müssen eine immer teurere Krankenbehandlung schultern. Deutschlands Gesundheitswesen droht in die Unbezahlbarkeit zu schliddern. Langsam, aber sicher. Allen voran die Krankenhäuser. Schon 2011 sind die Gesundheitsausgaben – wie das Statistische Bundesamt erst jetzt zusammengerechnet hat – auf 293,8 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 3.590 Euro je Einwohner. Auf die Krankenhäuser entfielen allein 76,84 Milliarden Euro. Die Lösung des Problems, wenn man den Verlautbarungen der Offiziellen landauf landab glauben will: Noch mehr Geld! Vor Wahlen gibt es gesetzmäßig  einen Nachschlag. Und in den Medien – wie gerade wieder in der „Zeit“ vom 4. April 2013, N0 13, Seite 27 – wird den Lesern vorgerechnet, dass der „selbstverständlich“ nicht ausreiche. Dabei wäre es mit weniger (Zeit-)Verschwendung durchaus möglich, eine Krankenbehandlung hoher Qualität noch lange bezahlbar zu halten. Dafür zu sorgen, wäre doch eigentlich das Kerngeschäft der Krankenhausverantwortlichen. Oder?

Hinter dem heutigen – auf Mengen- und Umsatzsteigerungen fixierten - Tun verbirgt sich ein statisches Denken, das jedes Privatunternehmen schon nach wenigen Jahren in die Pleite getrieben hätte: Es hat alles so zu bleiben, wie es schon immer war! Und wenn das – überwiegend von den Krankenkassen für die Behandlung fließende – Geld trotz Fallzahlsteigerung und (abrechnungstechnisch) immer kränkerer Patienten nicht ausreicht, muss „gespart“ werden. Koste es an Qualität der Krankenbehandlung und / oder der Arbeitszufriedenheit und der Bezahlung der Akteure vor Ort, was es wolle! Hauptsache, der „Besitzstand“ jener bleibt unangetastet, die ihre Interessen am ehesten durchsetzen können.

Oft lassen sich auf diese konventionelle Weise auch noch Mittel für diese oder jene Investition freischaufeln, vor deren pflichtgemäßer Finanzierung nach KHG sich der Staat schon seit langem drückt. Und „Private“ fahren mit vergleichbaren Fallerlösen Jahr für Jahr satte Gewinne ein. In der Politik wird über die Art weiterer Zuschüsse diskutiert und nicht über die Sinnhaftigkeit des heutigen Kostenniveaus. Das ist hierzulande laut OECD – insgesamt gesehen – Jahr für Jahr nahezu Weltspitze. Wie viel Gesundheit dafür produziert wird, weiß niemand. Mehr als woanders für weniger Geld ganz sicher nicht! Doch die Verschwendung scheint Niemanden so recht zu interessieren. Auf eine höhere Alimentierung zu pochen, ist ja auch bequemer! Kaum anzunehmen, dass das auf die Dauer hilft.

Auf ein „Business as usual “ sollte man sich auf die Dauer nicht verlassen.

Auch wenn die Interessenvertreter der Krankenhausszene noch so laut klagen, lassen sich die Fakten bis heute nicht wegdiskutieren: Was die Krankenhäuser als Produktqualität (= „Ergebnisqualität“) zum Festpreis einer G-DRG produzieren, ist bis heute überwiegend unbekannt. Alles andere sind unbewiesene Behauptungen. Inklusive der „Spitzenmedizin“ der Universitätsklinika. Bis zu einem Gesundheitsunternehmen mit transparenten Ergebnissen, auf die seine Beschäftigten stolz sein können, ist es trotz aller rosigen Selbsteinschätzung noch ein weiter Weg.

Die organisatorische Ausgestaltung der Behandlungsprozesse ist für den Patienten – trotz neuester Medikamente und Technik – eher vorsintflutlich. Oder dessen, was man reichlich übertrieben als „Prozesse“ bezeichnet. Kein Wunder also, dass es mit der Zufriedenheit der Mitarbeiter alles andere als zum Besten steht. Was die Geldseite des Krankenhausgeschehens hierzulande betrifft, changiert das Geschehen oft noch zwischen der verdrucksten Verdammung einer vermeintlich überbordenden „Ökonomisierung“ (und nicht etwa diesbezüglicher Fehlhandlungen in Klinik und Verwaltung) und einer dreisten Selbstbedienungsmentalität. Selbstverständlich stets „zum Wohle der Patienten!“ Kosmetische Korrekturen reichen für eine Heilung dieses Zustands schon lange nicht mehr: „Graduelle Veränderungen können nicht funktionieren. Es muss einen totalen Bruch mit der Vergangenheit geben – wie traumatisch der auch ausfallen mag" (Peter F. Drucker).

Das ganze Gesundheitsunternehmen neu denken.

Das bedarf schon, auch wenn das noch so schwer fallen mag, eines strategischen Neuanfangs. Eingebettet und abgestimmt im regionalen Gesundheitswesen. Mit diesen fünf Elementen (Abb. 1[1]):

  • „Value-based Management“: Mehr Patientennutzen!
    Die heute reine Orientierung am wirtschaftlichen Erfolg, gepaart mit Blindheit, was die Qualität des überwiegenden Teils der stationären Behandlung betrifft, muss endlich dem strategischen Ziel einer Maximierung des Patientennutzens [Value = (Medical outcomes + Service outcomes) / Cost outcomes] weichen. Also einer messbar optimalen Ergebnisqualität zu minimalen Kosten.
  • Kulturelle DNA 2.0: Qualitätskultur:
    Das Ganze wird nur gelingen mit einer Veränderung in den Köpfen: Weg von einem  auf das eigene Metier und seine Rolle fixierten Handeln und hin zu einer – von Teamgeist und Bereitschaft zur Transparenz geprägten – gemeinschaftlichen Ausrichtung aller Beteiligten auf eine nachweisliche Maximierung des individuellen Patientennutzens (Kulturelle DNA 2.0).
  • Qualitätsorganisation: Prozesse und Strukturen:
    Konkrete Ergebnisziele hinsichtlich der Ergebnisqualität und der Kosten erfordern darauf optimal ausgerichtete Behandlungs- und Support-Prozesse einschließlich diese tragender krankheits- und nicht länger ausschließlich fächerbezogener  Organisationsstrukturen. Inklusive der zielführend zuverlässigen Bereitstellung der dafür erforderlichen personellen und materiellen Ressourcen. Ohne jedes weitere willkürliche „Sparen“!
  • Die Arbeitsfreude mehren:
    Derartige Veränderungen lassen sich nicht einfach „von Oben“ anordnen. Auch die Hinzuziehung externer Berater wird scheitern, wenn der neue Kurs nicht von den – hier exemplarisch für alle Beschäftigten genannten – Ärzten und Pflegekräften gewollt und aktiv mitgestaltet wird. Dazu ist unter den (im doppelten Wortsinn) Betroffenen zumeist erst einmal wieder glaubwürdig Vertrauen herzustellen. Ergänzt um eine massive Unterstützung.
  • Die Profitabilität steigern:
    Hinsichtlich der ökonomischen Aspekte des klinischen Geschehens herrschen in den hiesigen Krankenhäusern und in der Politik noch wirre Vorstellungen: Die einen glauben intern unter Druck Budgetkürzungen vornehmen zu können, ohne dass die negative Folgen für die Patienten und den Ruf des Hauses haben. Die anderen verwechseln schon den Gedanken an einen Abbau von Verschwendung mit einem blinden „Sparen“ am Programm. Und die Politik glaubt, an –ursprünglich überwiegend kostendeckend kalkulierten - Erlösen aus G-DRGs wetterfahnenmäßig mutwillig Kürzungen und Zuschläge vornehmen zu können. Dabei kommt es immer darauf an, auf nachweislich faire Weise vermeidbare Kosten herauszukehren und bestehende Kapazitäten optimal auszulasten. Und damit einen maximalen Gewinn zu erzielen. Ideologiefrei.

Fazit:

Eine Rückbesinnung auf die eigentliche Aufgabe des Krankenhauses ist überfällig. Weg von einem Denken in Fallzahlen und -erlösen („Tonnendenken“) und hin zu einer Maximierung der Qualität und des Patientennutzens! Auf gut amerikanisch: A „transition from volume to value“.

Anmerkung:

Auf jedes der genannten fünf gegenseitig voneinander abhängigen  Elemente werden wir in den nächsten Monaten etwas intensiver eingehen. Als Teile eines größeren Projekts.


[1] Die Abbildung zum Editorial des hmanage Newsletters 459 finden Sie auf unserer Website www.hmanage.net unter „Bilder“!


02. (HealthLeaders Media) Patientensicherheit: Werkzeug zur Identifizierung von Behandlungsfehlern

“Patient Safety Tool Helps ID Hospital Errors”

Mehr


03. (Kevin MD) Sind Ärzte wirklich so etwas Besonderes?

"Are physicians really that special?"

Mehr


04. (Commonwealth Fund) Medical Center: Reduktion der Wiederaufnahmerate bei Herzerkrankungen

„University of California, San Francisco Medical Center (UCSF): Reducing Readmissions Through Heart Failure Care Management”

Mehr


05. (H&HN) Wie Führungskräfte selbst die Patientenzufriedenheit steigern können

"Unified Vision + Right Culture = Improved HCAHPS"

Mehr


06. (Mayo Clinic Proceedings) Das Lean-Prinzip in der Krankenbehandlung

“The Promise of Lean in Health Care”

Mehr

Anmerkung:
Sehr schöner Übersichtstext als Anregung für eigene Initiativen!


07. (JAMIA) Steigern von Patientensicherheit und Qualität durch eine besser handhabbare Elektronische Krankenakte

"Enhancing patient safety and quality of care by improving the usability of electronic health record systems: recommendations from AMIA"

Mehr


08. (Health Leaders Media) Wie ein Krankenhaus seinen hohen Infektionsraten erfolgreich zu Leibe gerückt ist

How One Hospital Zapped Infection Rates

Mehr

Anmerkung:
Warum begnügt man sich eigentlich hierzulande immer noch mit dem Aufhängen bunter Plakate und - wenn es hoch kommt - mit der Messung des Desinfektionsmittelverbrauchs sowie der Verteilung von Orden für die Sieger? In Tateinheit mit dem Verschweigen vorhandener Messdaten und der Forderung nach noch mehr Geld?

 

(The Boston Globe) Warum fällt es Ärzten so schwer, sich zu entschuldigen?

Medical malpractice: Why is it so hard for doctors to apologize?

Mehr


09. Zwei Buchbesprechungen

Leana Wen, Joshua Kosowsky, When Doctors don’t Listen, Ho to Avoid Misdiagnoses and Unnecessary Tests, New York 2012

“It’s just Common Sense!” (S. 169)

Wer die Chancen des Managements auszuloten sucht, den Patientennutzen im Krankenhaus zu maximieren, kommt (als Ingenieur und Betriebswirt wie der Rezensent) nicht darum herum, sich jenseits des eigenen Erfahrungshintergrundes tiefer ins klinische Geschehen und seine Hintergründe einzuarbeiten. Et vice versa. Möglichst auf internationalem Niveau. Das geschieht erfahrungsgemäß immer noch ebenso selten wie zu Zeiten, als Klinik und Verwaltung noch säuberlich voneinander getrennt waren. Vor allem in den Köpfen. Angesichts der standespolitischen Mischung aus Selbstgewissheit und Verschwiegenheit der deutschen Medizin wird man auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten vor allem bei internationalen Quellen fündig. So auch hier.

Das – u.a. von Bernard Lown (siehe die zweite Besprechung) wärmstens empfohlene – Buch zweier gestandener Mediziner sendet schon mit seinem Titel eine klare Botschaft: „Wie es zu Fehldiagnosen und unnötigen Untersuchungen kommt, wenn Ärzte nicht zuhören“. Und Therapien, muss man hinzufügen. Das Buch richtet sich ausdrücklich an zwei Lesergruppen: An den Arzt, der noch bessere Arbeit leisten möchte, und an den Patienten, der bereit ist, seinen Arzt von Fehlern dadurch abzuhalten, indem er proaktiv kultiviert, wovon hierzulande immer so viel geredet wird: Das Arzt-Patienten-Verhältnis. Im 21. Jahrhundert, in dem die bevormundende Verabreichung geheimen Wissens an einen unmündig Gehaltenen endlich auf den Müll der Geschichte gehört.

Hier – wie üblich – eine sinngemäße Übersetzung der den Inhalt gut beschreibenden Gliederung:

  • Einführung
  • Teil I: Wie wir hierhergekommen sind
    Eins – Vom Schamanentum bis zur Blackbox
    Zwei – Tue was ich sage, tue was ich tue
  • Teil II: Kochbuch-Medizin – Live aus der Rettungsstelle
    Drei – Der Automechaniker mit der Muskelzerrung
    Vier – Mutter von zwei Kindern mit Atemnot
    Fünf – Der College-Student mit den bösen Kopfschmerzen
    Sechs – Die Frau, die vom Anblick eines Sandwichs blass wurde
  • Teil III: Die Fundamente der Vermeidung von Fehldiagnosen
    Sieben – Ein Crash-Kurs in Diagnostik
    Acht – Ganz vorn beginnen
    Neun – Worum geht es genau?
    Zehn – Was ist die Bedeutung?
    Elf – Helfen Sie mir, Ihnen zu helfen
    Zwölf – Alles nur gesunder Menschenverstand
  • Teil IV: Wie man zur richtigen Diagnose kommt
    Dreizehn – Die 8 Grundpfeiler einer besseren Diagnose
    Vierzehn – Rezept für die Patienten
    Fünfzehn – Ergebnisse der Kochbuch-Medizin: Ein Blick zurück
  • Teil V: Rezept für eine Reform
    Sechzehn – Eine Diagnose fürs ganze System
    Siebzehn – Antworten auf die Skeptiker
  • Folgerungen
    Anhang 1: Rezepte für Leistungserbringer
    Anhang 2: Übungen für bessere Diagnosen
    Anhang 3: Vorbereitungsblatt für die eigene Diagnose
    Anhang 4: Glossar von Schlüsselbegriffen
  • Fußnoten
  • Index

Dieses Buch ist wieder eins von den amerikanischen Publikationen ohne deutschsprachiges Gegenstück, die dem Arzt und dem medizinischen Laien in einer verständlichen Sprache gleichermaßen verdeutlichen, was auf dem Wege zu einer zutreffenden Diagnose (Und damit auch zu einer aussichtsreichen Behandlung) alles schief laufen kann. Beide können aus dem Buch spielerisch, anhand konkreter Fallbeispiele gleichermaßen lernen, wie man gemeinsam rascher zum Ziel gelangt. Ohne erhobenen Zeigefinger, doch mit einer klaren Grundhaltung als Kernbotschaft des Buches: Nicht den Patienten bevormundend nach eigenem Gutdünken zu traktieren, sondern ihn aktiv mitdenkend in die Diagnosefindung einzubeziehen. Wenn die das denn wollen und dazu auch in der Lage sind (S. 274). (Siehe dazu den Link zur skeptischen Besprechung des Buches in der New York Times!). Und dabei zugleich Auswüchse einer – in den USA möglichweise weiter als hierzulande verbreitete Kochbuch-Mentalität – vor allem zur Ausschluss-Diagnostik zu vermeiden: „Error in diagnosis is by far the largest component of medical error“ (S. 5).

Das Buch verbindet mit seiner Betonung von „How?“ (= Wie?) und „Why“? (= Warum?) (S.131) – für jedermann gut lesbar – auf eindringliche Weise beispielhaft konkrete Krankengeschichten mit individuellen Einschätzungen der beiden Autoren a) zu konkreten Handlungshinweisen („Action Tips“) und b) zu einer schlagwortartigen Zusammenfassung („Review“) jedes der 17 Kapitel. Plausibel auch die häufigen Zitate aus Werken von Sir Conan Doyle. „Ist eine Differentialdiagnose immer nötig? Absolut!“ (S. 155)

Das Buch betont deutlich die ärztliche Erfahrung. Nicht pauschal, sondern speziell im Umgang mit individuellen Symptomen, die erst bei einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung zutage treten und / oder aus gezielt erfragten Auskünften aus der Vorgeschichte ableitbar sind. Mit entsprechenden Konsequenzen für die – heute zu schematische – ärztliche Ausbildung. Und eine Rückbesinnung auf das, wem die Medizin zu dienen hat: Den Patienten und der Gesellschaft (S. 45).

Sehr nachdenkenswert ist ein Nachvollzug der 4 Phasen der Entwicklung der Medizin (S. 11f):

  • Ära des spirituellen Heilens und des magischen Denkens
  • Ära der frühen Empirie und der Klassifikation von Krankheiten
  • Goldenes Zeitalter der medizinischen Diagnose
  • Ära der entpersonalisierten Medizin

Hier die 8 Grundpfeiler einer besseren Diagnose (S. 193-224):

  • Erzählen Sie die ganze Geschichte
  • Machen Sie sich die Gedankenkette des Arztes klar
  • Beteiligen Sie sich an ihrer körperlichen Untersuchung
  • Machen Sie die Differentialdiagnose zu einem Gemeinschaftswerk
  • Beteiligen Sie sich am Entscheidungsprozess
  • Machen Sie rationalen Gebrauch von aller weiteren Diagnostik
  • Nutzen Sie gesunden Menschenverstand zur Bestätigung der Arbeitsdiagnose
  • Integrieren Sie die Diagnose in den Heilungsprozess

Als wichtige Botschaft des Buches sollte jedermann als Patient die Aufforderung für sich mitnehmen, den Arzt zu fragen, bis dessen Antworten rational nachvollziehbar sind (S. 226f). Auch hinsichtlich der Risiken. Und der Anordnung weiterer Untersuchungen. Und ihn nicht aus seiner Pflicht zu entlassen, den Patienten als Partner zu akzeptieren.

Die knappen Hinweise auf die politischen Konsequenzen zielen auf das US-Gesundheitssystem („Healthcare in the United States isn’t the best, but it sure is the fattest“), gelten aber sinngemäß durchaus auch für Deutschland (S. 254). Das gilt besonders auch für die Einwände (S. 263f). Die könnten – abgesehen von einer geringen Spur Lokalkolorit – auch komplett von hier stammen. Die dazu gegebenen Antworten gelten komplett auch hier.

Das Fazit (S. 275):

  • „Unser individualisierter patientenzentrierter diagnostischer Ansatz spart dem Patienten und dem Arzt Zeit. Er resultiert aus einem überlegten Einsatz von Technik, einem besseren Verständnis des Patienten und einem verringerten Risiko ärztlichen Fehlhandelns.
  • In diesem Ansatz ist Platz für Checklisten, Pathways, Regeln und Algorithmen. Der Kampf gilt der Kochbuch-Mentalität und der Kochbuch-Praxis“.

Ab der Seite 276 bis zur Seite 306 finden sich die Gebrauchsanweisungen für eine Umsetzung in der Praxis für den Leistungserbringer und den Patienten. Das Glossar verwendet US-Begriffe. Auch die Fußnoten sind durchaus lesenswert. Insgesamt wieder einmal eine sehr nützliche Lektüre! (+++)

 

++++++++++++++

 

Lown, Bernard, The Lost Art of Healing: Practicing Compassion in Medicine, Practicing Compassion in Medicine, New York 1999, ISBN 0345425979, Geringfügig modifizierte Wiederholung der Besprechung im hmanage Newsletter 270, (Taschenbuchversion, mittlerweile auch auf Deutsch: Die verlorene Kunst des Heilens. Anleitung zum Umdenken, Suhrkamp (und nicht etwa einer der ärztlichen Fachverlage), 6. Auflage 2004.

„This book has an informative, important and highly civilized message. But that is only part of its claim. It is completely interesting to read, fully accessible without simplification to all”

Dieses Buch des emeritierten Harvard-Mediziners und Nobelpreisträgers hatte ich mir vor ein paar Jahren aus der Stanford-Buchhandlung mitgebracht. Schon vorher war mir im Gespräch mit Ärzten immer deutlicher geworden: Die Krankenbehandlung ist krank (auch wenn Ärztefunktionäre nicht nur hierzulande gebetsmühlenartig das Gegenteil behaupten und nach mehr Geld rufen).

Der allererste Satz des Buches: “Medicine in the United States is widely regarded as the best in the world”. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor? Wir brauchen keineswegs „mehr Geld im System“, sondern einen Neuanfang: „… medicine has lost its way, if not its soul“. Und das haben keineswegs „die Politiker“ verursacht oder eine – als „gefährlich“ empfundene – „Technisierung und Computerisierung“ (siehe Punkt 10 dieses Newsletters), sondern hat zu tun mit einer ärztlichen Grundhaltung. „Heilen“ – so Lown – wurde weithin durch „Behandeln“ ersetzt. Hier der (sinngemäß ins Deutsche übersetzte) Inhalt des Buches:

  • I. Vorsprüche
  • I. Auf den Patienten hören: Die Kunst der Diagnose
  • 1. Die Wissenschaft der Anamnese-Erhebung und die Kunst des Zuhörens
  • 2. Zuhören durch Berühren
  • 3. Herz und Verstand
  • 4. Das Münchhausen-Syndrom
  • II. Den Patienten heilen: die Kunst des ärztlichen Handelns
  • 5. Worte, die verstümmeln
  • 6. Worte, die heilen
  • 7. Dunkelheit des Herzens, erhellende Worte
  • 8. Die Kraft, sicher zu sein
  • 9. Außerordentliche Praktiken des Heilens
  • 10. Behandlungsfehler korrumpieren das Heilen
  • III. Den Patienten heilen: Wissenschaft
  • 11. Digitalis: Der Preis von Erfindungen
  • 12. Eine neue Tradition der Medizin
  • 13. Der Schock, der heilt: Gleichstrom und Defibrillator
  • 14. Die Kardiologische Abteilung
  • 15. Die ventrikulare Extrasystole: Herzschlag oder Vorbote?
  • IV. Grenzen der Behandlung
  • 16. Die Behandlung Älterer - Probleme und Herausforderungen
  • 17. Tod und Sterben
  • V. Der Lohn, Arzt zu sein
  • 18. Eine moderne biblische Geschichte
  • VI. Die Kunst, Patient zu sein
  • 19. Die Ärzte zum Zuhören bringen
  • Stichwortverzeichnis

Der spätere Friedensnobelpreisträger Lown schreibt sinngemäß: Zu viele gut aus- und weitergebildete Ärzte haben ‚Caring“ durch ‚Managing’ ersetzt. Sie erheben keine sorgfältige Krankengeschichte, machen zu viel Gebrauch von Medizintechnik. Sie verschreiben in exzessiver Weise Medikamente, und sie verursachen damit nicht selten den Tod oder bleibende Schäden. Sie hören nicht zu, und sie verwenden eine Sprache, die die Patienten erschreckt". Er belegt seine Aussagen mit eindrucksvollen Beispielen aus dem eigenen Erleben. Kunstfehlerprozesse sind für Lown (plausibel) keine Ursache für die Krankheit des Systems, sondern eine Folge eigenen Handelns.

Lown schreibt – und das auch noch als ‚klassischer’ Schulmediziner! – Ärzte müssten viel mehr auf den individuellen emotionalen Stress bei den Patienten achten. Sie müssten offen sein für alternative Formen der Krankenbehandlung, wie sie beispielsweise mit der Akupunktur aus China hierher gekommen sind. Sie müssten das unterschiedliche Lebensalter ihrer Patienten bei ihren Einschätzungen und Entscheidungen im Auge behalten. Und sie müssten auch wieder lernen, mit der Würde des Alters und des Sterbens umzugehen. Das Buch endet – auch wenn es in erster Linie (Krankenhaus-) Ärzte anspricht, mit einer Aufforderung an die Patienten, ihre Ärzte zum Zuhören zu bringen. Und das Ganze ist auch noch so kurzweilig geschrieben, dass man bei der Lektüre gar nicht so recht mitbekommt, dass man hier eine Streitschrift liest. (+++)

 

Anmerkung: Bei den von Lown angesprochenen Problemen dürfte es sich um die wohl wichtigste Ursache dafür handeln, dass unser Gesundheitswesen finanziell aus dem Ruder zu laufen droht (und unseren großartigen Politikern dazu nichts Besseres einfällt, als es hier und da eher willkürlich zu beschneiden und den Bürgern dafür ansonsten nur noch mehr Geld abzupressen). Das zu ändern bedarf schon eines Mindestmaßes an Selbsterkenntnis. Nur die Ärzte könnten hier wirklich für einen Wandel sorgen. Doch die Politik könnte dafür die richtigen Anreize setzen. Und die im Gesundheitswesen Verantwortlichen könnten in ihren eigenen Organisationen damit beginnen – wenn sie dies denn wollten.

 

 

 

Anmerkung: Hier werden in erster Linie Bücher und Texte besprochen, die aus fachlicher Sicht fürs Management im Gesundheitsunternehmen nützlich sind. Entsprechend positiv ist die Grundhaltung, mit der die Bewertungen entstehen. Das sollte sich jeder Leser auch bei naturgemäß knappen Formulierungen stets bewusst machen, die man vielleicht positiv oder negativ auslegen kann. Es gilt stets die positve Auslegung!

Nur sehr selten finden sich hier auch Besprechungen ärgerlicher Veröffentlichungen, deren Kauf und Lektüre man sich besser sparen sollte.

Als neutrale Entscheidungshilfe werden die Texte bewußt prägnant formuliert, auch wenn dass gelegentlich zu Irritationen führen mag.

Bewertung (soweit vorhanden):
(+++) = Sehr gut (= großer Nutzen)
(++) = Gut (= als Lektüre auch nützlich)
(+) = Lesenswert, aber nicht zwingend nötig
(0) = Neutral (= keine positive / negative Bewertung)
(-) = Nicht empfehlenswert.

(John Kenneth Galbraith)


10. Links

Deutschsprachige Links

 

Statistisches Bundesamt - Gesundheitsausgaben 2011: 3590 Euro je Einwohner. 293,8 Milliarden Euro insgesamt. Krankenhäuser 76,84 Milliarden Euro.

(Avenir Suisse) D A CH-Reformbarometer für 2011/2012

(Handelsblatt) Gesundheit als Planwirtschaft: Der Blick auf die Insel lohnt sich nicht

http://www.klinik-hygiene.de/ Nützlich!

(WIP) Rationierung und Versorgungsunterschiede in Gesundheitssystemen - Ein internationaler Überblick

(SR Online.de) Kliniken sollen Patienten wertschätzen
Dazu: (aerzteblatt.de) Gesundheitswesen: Ärztliche Hilfe als Geschäftsmodell?

(aerzteblatt.de) Sechs Stunden als Notfallpatient: Ein Betrieb, der krank macht

(KPMG) Qualität und Wirtschaftlichkeit im deutschen Gesundheitssystem

(aerzteblatt.de) Weiterbildung für die Generation Y: Sie fordern, was alle immer wollten

(Wiwo) Mangelnde Klinik-Hygiene kann tödlich enden

(Bibliomed) Defizitäres Schmerzmanagement in Europas Altenheimen

(Frankfurter Rundschau) Die verlorene Kunst der Chirurgie

(IQWiG) Offener Brief: Zur Pressemitteilung der DGHO anlässlich der DGHO-Frühjahrstagung vom 7./8. März 2013

(Universität Witten-Herdecke) Viele unnötige Untersuchungen vor kleinen Operationen

(RP online) Remigius-Klinik verbessert ihr Fehler-Management

(DGKCH) Blinddarm entfernen oft unnötig. Blinddarmentzündung bei Kindern richtig behandeln

(Cicero) An deutschen Kliniken regiert die Profitgier

(Spiegel Online) Ärztelatein-Quiz: Wenn Herr Doktor nicht verstanden werden will

(Spiegel Online) Krankenhausbehandlungen: Weltmeister im künstlichen Hüftgelenk

 

+++++++++++++++

 

Englischsprachige Links

 

US-Cartoon (1)

US-Cartoon (2)

US_Cartoon (3)

US-Cartoon (4)

US-Cartoon (5)

US-Cartoon (6)

(H&HN) Fiscal Fitness series

(Fierce EMR) Cerner, McKesson and other EMR rivals form interoperability partnership

(KHN) EHR 'Information Overload' Can Mean Doctors Overlook Key Test Results

(HealthLeaders Media) Better Care is the Key to Super-Utilizer Costs

(Fierce Healthcare) Healthcare mergers don't improve quality, experts warn

(Jamia) Reduction in medication errors in hospitals due to adoption of computerized provider order entry systems

(KHN) Across The Nation, C-Section Rates Show Wide Variation

(AHRQ) Making Health Care Safer II

(Modern Healthcare) More knowledgeable patients cost less to treat: study

(Couric K. Katie) Medical Mistakes. TV-Videos

(Fierce Healthcare) CDC urges hospital action to stop deadly bacteria

(KHN) Hospitals Crack Down On Tirades By Angry Doctors

(Kevin MD) Learning about costs: A gross failure in medical education

(Hospital Impact) Finding common ground between hospital leadership and staff

(Hospital Impact) Build patient loyalty with personalized service recovery

(H&HN) Hospitals Wise Up When Adding Physician Practices

(American Journal of Medical Quality) Do Patients “Like” Good Care? Measuring Hospital Quality via Facebook

(Joint Commission) Framework for Conducting a Root Cause Analysis and Action Plan

(Hospital Impact) Build patient loyalty with personalized service recovery

(Hospital Impact) Rethink healthcare marketing to foster patient engagement

(H&HN) Creating a Culture of Patient Satisfaction

(KHN) Operating Rooms, Hospitals Face Challenges In Eliminating Risks, Delivering High Quality Of Care

(Health Leaders Media) How One Hospital Zapped Infection Rates

(The New York Times) After the Caregiving Ends

(AHRQ) Making Health Care Safer II. An Updated Critical Analysis of the Evidence for Patient Safety Practices

(HealthLeaders Media) Patient Safety Programs Ineffective, Most Nurses Say

(Hospital Impact) What do patients really want ... and do docs care?

(HealthLeaders Media) Readmissions Prevention Begins at Admission

(Kevin MD) ACP: 5 excuses physicians and patients should question

(KHN) Database Offers National Overview Of Hospital Violation Reports

(HealthLeaders Media) Upend the Hospital Hierarchy

(HealthLeaders Media) Intermountain Shares Tech Goodies, Big Data Plans

(KHN) Hospital Ratings Are In The Eye Of The Beholder

(HealthLeaders Media) Berwick: Quest Program Results 'A Breakthrough

(Fierce Healthcare) Study: NICU understaffing leads to higher infection rates

(USA Today) What surgeons leave behind costs some patients dearly - Video

(Fierce Healthcare / JAMA) Physicians' lack of financial management skills lead to waste, overbilling

(Hospital Impact) Reaffirming our commitment to serve patients

(Hospital Impact) Gary S. Kaplan: The pathway to higher quality and lower costs is the same

(New America Foundation) Health CEOs for Health Reform

(HealthLeaders Media) Less Than 1% of Health Plan Premiums Spent on Quality

(KHN) Score Can Predict Risk For Hospital Readmission

(Fierce Health IT) IOM: Integrated records, evidence-based treatment vital to veteran care

(Fierce Healthcare) Intermountain's Brent James: Patient-centeredness drives quality, savings. Chief quality officer on how the organization shifted focus from revenue to patients

(AHRQ) Healing the hospital hierarchy

(The New York Times) The face of future healthcare

(HealthLeaders Media) Q&A: Lucian Leape Wants Tougher Patient Safety Regs

(Joint Commission) The Power of Zero: Steps Toward High Reliability Healthcare

(Joint Commission) Leading Practice Library. An online library of solutions to help with health care safety.

(Fierce Health IT) Securing health data from hackers requires a holistic approach

(HealthLeaders Media) Where All the Hospitals Are Above Average

(The Atlantic) “The Robot Will See You Now

(Modern Healthcare) “Intermountain to pay $25.5 million to settle Stark case

(Fierce Healthcare) Legal problems force Pacific Health hospital closures
Pacific Health Care und Asklepios: Die Verbindung

(Fierce Healthcare) Legal problems force Pacific Health hospital closures