Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen!


Motto des Tages


01. Editorial: „Patientensicherheit und Risikomanagement“ versus „Qualitätsmanagement“. Hauptsache, es bleibt alles beim Alten! Oder etwa doch nicht?

- Aktualisierte Fassung -

Zunächst ist – angesichts des in Deutschland gewohnten Mehltaus – über einen Lichtstrahl zu berichten, was die Entwicklung zu einem wirksameren und kostengünstigeren Gesundheitswesen betrifft. Das mittlerweile 8. Forum Patientensicherheit und Risikomanagement. Organisiert von einer Handvoll von Enthusiasten unter der Leitung der unermüdlichen Dr. Brigitte Sens im ZQ der Ärztekammer Niedersachsen („…will Patientensicherheit im Krankenhaus verbessern“ – Deutsches Ärzteblatt). Mit einem höchst anregenden Programm, das diesmal auch britische Referenten aus zwei preisgekrönten NHS-Trusts (Luton & Dunstable Hospital NHS Foundation Trust und Salford Royal NHS Foundation Trust) schmückten. (Die Vorträge sollen später auf die ZQ-Website gestellt werden).

Schon bei der Lektüre der Ankündigung (und später auch bei der Begrüßung) glaubte man zu beobachten, wie ein Stein vom Herzen plumpste: „… und sie bewegt sich doch: Patientensicherheit“. In Deutschland leider nach wie vor eher im Tempo des John-Cage-Orgelprojekts in Halberstadt: Gaaaanz langsam! Wenn auch mit gänzlich anders lautenden öffentlichen Verlautbarungen an Selbstlob. Das hat leider mit Galileo Galileis „Und sie bewegt sich doch!“ nicht das Geringste zu tun. Die Erde bewegt sich wirklich. Und hierzulande wird die Bewegung, massiv schlagwortgestützt, zumeist doch nur behauptet.

In einem ersten Programmteil berichteten Briten aus zwei NHS-Trusts, belegt durch Aufzeichnungen von zeitlichen Verläufen stolz, was sie im Rahmen der britischen Kampagne Patients First!nach dem Motto „Making safety of patients everyone’s priority” als Pioniere in Teilbereichen an punktuellen Verbesserungen tatsächlich erreicht hatten. Hilfreich auch der Hinweis auf QIPP.

Persönlich-nostalgische Gefühle weckte ein begeisterter Vortrag eines veritablen deutschen Geschäftsführers einer Krankenhausgruppe (Prof. Dr. med. Andreas Becker, Clinotel), der anhand des Beispiels der Patient Safety Leadership WalkRounds™ des amerikanischen IHI bestätigte, tatsächlich vor Ort gesehen zu haben, was die Briten da behaupteten. Und dass man aus den USA Manches lernen könne. Und davon überzeugt zu sein, Ähnliches auch in Deutschland publik zu machen. Na endlich!

Das erinnerte sehr an die eigene, in den USA gut 25 Jahre früher vor Ort gespürte Begeisterung über erste Ergebnisse kontinuierlicher Verbesserungsbemühungen (Continuous Quality Improvement – CQI bzw. Total Quality Management). Alle Versuche, dafür (z.B. via f&w – im Archiv in den 80er Jahren blättern; damals gab es noch kein Internet) auch in Deutschland Interesse zu wecken, schlugen gründlich fehl. Damit konnten mangels Interesses auch die Kooperationsangebote von US-Praktikern in Deutschland nicht wahrgenommen werden. (Leser des bisher letzten Buches des Autors „Das bessere Krankenhaus“, Erstauflage 1999, finden dort etliche IHI-Beispiele; auch das half nichts). 25 Jahre früher Routine bei Pionieren in den USA: Eine ganze Generation vor den britischen Pionieren!

Noch eine Generation später (also etwa im Jahre 2.036), hatte man angesichts der Folgevorträge den Eindruck, mag man auch in Deutschlands Gesundheitswesen die Phase der (oft eindrucksvollen) Einzelkämpfer und der heißen Luft in Sachen „Patientensicherheit und Risikomanagement“ / „Qualitätsmanagement“ überwunden haben. Und damit etwa 50 Jahre später dort sein, wo das Messen und Auswerten von Verbesserungen schon im Gange war: Mitte der 80er Jahre in den USA.

Traurig? Traurig! Weniger für einen selbst als für die Menschen im Lande, die für eine (vermutlich, Genaueres ist mangels einer hinreichenden Transparenz von Prozessen und Ergebnissen unbekannt) viel zu fehlerbehaftete Krankenbehandlung viel zu viel Geld zu bezahlen haben!

Zurück zur Veranstaltung: Aufschlussreich & nützlich ein Vortrag von Dr. phil. Constanze Lessing, Institut für Patientensicherheit (IfPS) der Universität Bonn über den aktuellen Stand der Aktivitäten beim Aktionsbündnis Patientensicherheit und - interessanter - im jungen, bisher wohl eher schwachbrüstig finanzierten Institut: Sowohl was viele Sitzungen unbezahlter Enthusiasten zur Produktion von Broschüren / Faltblättern betrifft, als auch kleinere Forschungsvorhaben. Doch von Umsetzung in die Praxis oder gar von nachweislichen Verbesserungen wie bei den Briten keine Spur! (Das bestätigt leider alle frühere Kritk an den fehlenden bzw. viel zu kurz gesteckten und damit ins Leere laufenden Ergebniszielen).

Über den nächsten Vortrag zur „Entwicklung einer Fehler- und Sicherheitskultur im Krankenhaus“ sei lieber der Mantel der Barmherzigkeit gebreitet. Der war eher ein Beweis dafür, was engagierten jungen Leuten wohl an Hanebüchenem zum Thema heutzutage so vermittelt zu werden scheint und durch diese dann auch noch multipliziert wird. Schade um die Leute. Und um die Sache! „Fehler- und Sicherheitskultur“? Fehlanzeige! Da hilft nur ein grundsätzliches Überdenken des bisherigen Tuns. Schlagworte sind kein QM/RM oder was auch immer!

Fernsehreif und inhaltlich von der ganzen Veranstaltung mit Abstand am schwergewichtigsten die nächste Präsentation von Dr. med. Marcus Rall („Wir lernen Teamarbeit nicht per Osmose!“) zur Arbeit des Tübinger Patienten-Sicherheits- und Simulationszentrums (TüPASS) am Universitätsklinikum Tübingen. Hier kann man live erleben, welchen segensreichen Einfluss die Luftfahrt auf die Krankenbehandlung haben könnte, wenn man denn nur wollte: Lernen durch Üben. Lernen im Team, ohne dass – wie bisher – beim (selbstverständlich nötigen) Lernen Patienten zu Schaden kommen. Und das noch durch einen großartigen Präsentator! Leider bleibt auch diese vorbildliche Arbeit, gemessen am Ganzen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wohlgemerkt im Jahre des Herrn 2011, während woanders… Man mag gar nicht daran denken, was da an möglichen Entwicklungen zum Besseren aus Ignoranz oder auch Borniertheit verschlafen wird! Ein eindrucksvolles Beispiel, woran es im deutschen Gesundheitswesen gründlich mangelt: An einem wohlüberlegt strukturiertem Vorgehen. Und an einer eindeutigen Zuordnung von Verantwortung für die Folgen! Zur zielführenden Problemlösung FOR-DEC, ein probates, in der Luftfahrt verbreitetes Werkzeugmit den Schritten:

  • Facts                        Welche Situation liegt vor?
  • Options                    Welche Handlungsoptionen bieten sich an?
  • Risks & Benefits       Welche Risiken / Vorteile sind mit den Handlungsoptionen verbunden?
  • Decision                   Welche Handlungsoption wird gewählt?
  • Execution                 Ausführung der ausgewählten Handlungsoption.
  • Check                       Führt der eingeschlagene Weg zum gewünschten Ziel?

Stattdessen wird von offizieller Seite die Qualität einfach als gegeben behauptet und lieber – Sammelbüchsen her! – eine „Gratifikationskrise“ für Deutschlands Ärzte an die Wand gemalt: Es ist eben alles eine Sache der Prioritäten!

Praktisch ebenso eindrucksvoll die Präsentation von Dr. med. Guido Schmiemann, MPH, von der MHH zum Thema „Polypharmakotherapie“ und deren bislang haarsträubende Realität. Erstaunlich, mit welcher Ruhe deutsche Ärzte Patienten gefährden oder gar zu Schaden kommen lassen! Man kann ihm und seinem Institut (wie selbstverständlich auch TüPASS) nur wünschen, möglichst bald durchgreifende Missionserfolge zu haben! Auch hier gilt das für TüPASS Gesagte.

Der letzte Vortrag eines niedergelassenen Arztes (Dr. med. Johannes Herzog, auf Krücken am Werk!) zum Thema „Aus Fehlern lernen – Neues aus der Lüneburger Heide – macht wieder einmal auf erfreuliche Weise deutlich, dass es auch hierzulande an der Basis jede Menge Leute gibt, die die Dinge aus eigenem Antrieb verbessern wollen. Leider etwas sehr leise, sodass angesichts der beispielhaften Ausführungen nicht immer die gewünschte Aufmerksamkeit möglich war.

Das Fazit: Die Reise nach Hannover hat sich sehr gelohnt! Damit ist auch die erstaunte Frage etlicher Teilnehmer an den Autor beantwortet, warum er dafür extra aus Berlin angereist sei. Das zweite Fazit: Man darf sich nichts vormachen: Hier traf sich nur „eine kleine radikale Minderheit“. Der Mainstream ist wohl weiter, wo er sich hierzulande besonders wohlzufühlen scheint: Unter Mehltau.

Daran ändert es auch nichts, wenn statt einer Bestandsaufnahme und Transparentmachung und eines kontinuierlichen Verbesserung der Behandlungsqualität und ihres Nutzen-Kosten-Verhältnisses alle paar Jahre mit neuen Schlagworten eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Ob die nun „externe Qualitätssicherung“, „Zertifizierung“ oder „Patientensicherheit und Risikomanagement“ genannt wird, ist bei genauerem Hinsehen völlig gleich. Es geht immer um dieselbe Sache: Um das Patientenwohl. Sollte es zumindest. Darum ist es - der Schlafmützigkeit der Akteure sei's gedankt - trotz des vielen Geldes, das jährlich ins Gesundheitswesen gepumpt wird, leider tendenziell immer schlechter bestellt. Wie gesagt: Es ist alles eine Sache der Prioritäten! Doch die lassen sich ändern.

Let’s stop accepting the unacceptable!“ (NHS)


02. (IHI) WHO-Checkliste für den OP wird in Nevada Gesetz

Patient Safety Checklists Become Law in Nevada…

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Anmerkung:
Ob es bei uns auch einmal so etwas geben wird? Gesetzliche Vorschriften für Ärzte, die Patientensicherheit zu steigern? Oder bleibt ärztliches Handeln hierzulande dauerhaft eine Sache eines frei(beruflich)en Künstlertums, wobei man sich zu seiner vermeintlichen Spitzenqualität selbst auf die Schulter klopft?

Wo man sich damit genügt, selbstgerecht zu behaupten, selbstverständlich "nach Leitlinien" (und heute "nach Checklisten") zu arbeiten, ohne dass es auch nur die Andeutung einer vermehrten Qualitätstransparenz oder gar ihrer Verbesserung gäbe. Da wirken Nachrichten wie diese "Nicht alle Krankenhäuser nutzen Checklisten und Fehlermeldesysteme" schon eher komisch.


03. (Modern Healthcare) Wie man mit einem standardisierten Vorgehen die Qualität verbessert: Beispiele aus einer Auswertung von Thomson Reuters

Web-exclusive: The process of improvement

Thomson Reuters' annual 10 Top Health Systems study shows how organizations are taking a variety of routes to boost quality, patient safety…

Mehr

Anmerkung:
Nützliche Einzelheiten! Sowohl zu Einzelergebnissen als zu Qualitätsvergleichen zwischen Krankenhausgruppen! (Der Begriff "Standardisiert" wird hier schon deshalb gern übernommen, weil sich dadurch so viele Künstler provoziert fühlen. Auch in der Medzin kann und muss man Prozesse standardisieren!


04. (OregonLive) Weiter Verwechslungen im OP - trotz neuer Protokolle

Wrong body part, wrong patient surgeries continue despite new procedures…

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Anmerkung:
Und wie es mit der Fehlerhäufigkeit dort stehen dürfte, wo man Checklisten nicht einmal für nötig hält, wagt man sich gar nicht auszudenken.


05. (H&HN) IT-gestützt die Sektorengrenzen erweitern – in eigener Initiative!

Extending the Reach of Care Systems, Part 1…

Mehr

Extending the Reach of Care Systems, Part 2…

Mehr

Anmerkung:
Das ist auch hierzulande die Zukunft. Wenn auch, wie gewohnt, etwas später, aber an der Spitze des Fortschritts!


06. (BAIN) Das Ende des Gesundheitswesens wie wir es kennen?

BAIN: The end of Healthcare... as we know it?

Dazu die Pressenachricht: BAIN-Studie zum Gesundheitsmarkt 2020

Anmerkung 1:
Für langjährige Besucher unserer Website bietet auch BAIN keine sonderlich überraschenden Nachrichten. Gleichwohl ist die Studie als Ganzes sehr lesenswert.

Dazu titelt das deutsche Ärzteblatt:

„Gesundheitssystemen DROHT tiefgreifender Umbau

Eine Chance wird darin offensichtlich nicht gesehen.

Anmerkung 2:
Nur die Rolle der Ärzte sehen wir etwas differenzierter als BAIN. Natürlich ist auch die Krankenbehandlung der Zukunft vollständig arztgetrieben. Der einzige Unterschied: Die Therapiefreiheit endet, wo die Ergebnisse der Wissenschaft die Grenzen ziehen. Hokuspokus ist dann wohl nicht mehr möglich. Die eminenzbasierte Medizin wird seltener. Desgleichen (hoffentlich) eine "Monetik anstelle von Ethik".


07. (CARF) Prozessdarstellung mittels Workflow und Swimlane zur Qualitätsverbesserung

Go with the flow: How workflows and swimlanes can improve your organization’s services…

Mehr

Anmerkung:
Dabei ist zu beachten, dass die Prozessdarstellung nicht zu oberflächlich ist (der häufigste Fehler!), aber bei Nebensächlichkeiten auch nicht zu detailliert (der zweithäufigste Fehler!). Vielleicht sollte man zur Abwechslung einmal die Prozessschritte hervorheben, die einen signifikanten Beitrag zum Prozessergebnis leisten. Oder - Stichwort Risikomanagement - auch verhindern.


08. (BMJ Quality & Safety) Peter J Pronovost: Qualitätsverbesserungen nicht ohne eine professionelle Anpassung des Ist-Zustandes

Navigating adaptive challenges in quality improvement…

Mehr

Anmerkung:
Ein wichtiger Text eines erfahrenen Praktikers, was die nötigen Verhaltensänderungen von Ärzten angeht, wenn Qualitätsverbesserungen erfolgreich gelingen sollen!


09. Zwei Buchbesprechungen

Gigerenzer, Gert, Muir Gray, J.A. (ed.), Better Doctors, Better Patients, Better Decisions, Cambridge, Massachusetts 2011, ISBN-10: 0262016036, ISBN-13: 978-0262016032, 391 Seiten Hochglanzpapier

„Better care is possible for less money“.

Mit diesem (leider nur in englischer Sprache erhältlichen) Buch haben die beiden, jeder für sich, nicht nur in Deutschland bzw. in Großbritannien, sondern international renommierten Herausgeber mit Hilfe einer Reihe von – mehr oder weniger aktiven – „Mitstreitern“ und der Förderung durch eine private deutsche Stiftung sowie die DFG einen großen Wurf geleistet:

Einen klaren Nachweis der – im hmanage Newsletter schon lange vertretenen – These, für eine bessere Krankenbehandlung fehle es im Gesundheitswesen der Industriestaaten nicht etwa an Geld, sondern an dessen zielführendem Einsatz. Dabei beschränkt sich das Buch auf einen – äußerst wichtigen – Teilaspekt: Den Mangel an Faktenwissen. Sowohl hinsichtlich der wissenschaftlich gesicherten Behandlungen als auch der Risikowahrscheinlichkeit. (Die – wohl ebenso gewichtigen – Organisationsdefizite in der Krankenbehandlung werden hier allerdings nicht abgehandelt).

Sowohl die Ärzte – so die wohlbegründete These – als auch die Patienten seien im Umgang mit medizinischem Wissen „Analphabeten“ („illiterates“). In den USA und in Europa. Infolgedessen informierten Ärzte schlecht, und Patienten hätten falsche Erwartungen. Auf dieser Grundlage würde heutzutage munter vor sich hin therapiert. (Letzeres wird im Buch allerdings „wissenschaftlicher“ formuliert. Schon in den ersten Zeilen wird überdeutlich ausgeführt, an welchen „Sünden“ das liegt: An Voreingenommenheit („biased“). Mit anderen Worten an einem (hier frei übersetzten) Brett vor dem Kopf:

  • Voreingenommenheit bei der Finanzierung („biased funding“)
  • Eine voreingenommene Berichterstattung in medizinischen Fachzeitschriften („biased reporting in medical journals“)
  • Voreingenommenheit in Patientenbroschüren („biased patient pamphlets“)
  • Voreingenommenheit in der Berichterstattung der Medien („biased reporting in the media“)
  • Interessenkonflikte („conflict of interest“)
  • Defensivmedizin („defensive medicine“)
  • Ärztliches Analphabetentum in Sachen Statistik („medical curricula that fail to teach doctors how to comprehend health statistics“)
  • Die Konsequenz: Fehlinformierte Patienten. Iatrogen* fehlinformierte Patienten!

Den vorletzten Punkt hat Gigerenzer Deutschlands Ärzteschaft schon länger vorgehalten. Hier – wie üblich – eine frei übersetzte Übersicht des Inhalts aus Beiträgen einer Vielzahl unterschiedlicher Autoren, ggf. mit knapper Kommentierung (kursiv):

  • Das Ernst Strüngmann Forum (Der Veranstalter / Hauptsponsor)
  • Teilnehmer (44, aus etlichen Ländern, vornehmlich aber aus den USA und Deutschland)

    Ist der Patient am medizinischen Analphabetismus schuld?
  • 1. Das Jahrhundert des Patienten starten (Dieser Schlüsseltext der beiden Herausgeber allein ist schon den Kauf des Buches wert)
  • 2. Wenn fehlinformierte Patienten Entscheidungen zu beeinflussen suchen (Beispiele für Statistik-Analphabetismus)
  • 3. Reduktion unerwünschter Abweichungen durch Unterstützung von Klinikern und Patienten bei der Entscheidungsfindung (Koautor Wennberg, „die informierte Patientenentscheidung zum Standard (!) machen“)
  • 4. Wünschen Patienten eine Beteiligung und wie wird die gemessen? (Was wollen die Patienten und wie kann man die Präferenz messen?)
  • Medizinischer Analphabetismus: Wurzeln in der Forschung
  • 5. Schwerpunkte der klinischen Forschung und ihre Finanzierung (Beispiel USA)
  • 6. Forschungsberichterstattung: Werden wir 2020 ein besseres Gesundheitswesen haben? (Koautor Gert Antes, einige Erfolge, aber es bleibt noch viel zu tun)
  • 7. Medizinische Fachzeitschriften können weniger vorurteilsbehaftet sein (Unbedingt strukturierte Protokolle verwenden!)
  • 8. Was braucht man für ein besseres Gesundheitswesen: Bessere Systeme, bessere Patienten oder beides? (Diskussion verschiedener Vorgehensweisen)
  • Medizinischer Analphabetismus: Verbreitung in der Öffentlichkeit
  • 9. Statistik- Analphabetismus bei Ärzten (Das ließe sich mit wenig Aufwand ändern und würde sehr viel Geld für Fehlentscheidungen sparen)
  • 10. Statistik-Analphabetismus im Journalismus: Sind dessen Tage gezählt? (Es bleibt noch viel zu tun)
  • 11. Medizinjournalismus verbessern (dito)
  • 12. Hindernisse für Gesundheitsinformationen und deren Überwindung (individuelle und Systemveränderungen nötig)
  • Gesundheitswesen 2020
  • 13. Wie kann die Evidenz gesteigert werden? (Bias verringern!)
  • 14. Die „Drug Fact Box“: Wie werden bei der Medikation bessere Entscheidungsinformationen möglich? (Eine interessante strukturierte Darstellung der wichtigsten Fakten)
  • 15. Reengineering der Medizinerausbildung (Teil US-Realität, teils konzeptionelle Weiterentwicklung)
  • 16. Die Lücke zwischen Evidenz und Praxis: Ausmaß, Ursachen und Lösungsansätze (Hoffnungsvolles zur Schließung der Riesenlücke zwischen medizinischer Evidenz und der klinischen Praxis aus Großbritannien)
  • 17. Die Zukunft der Diagnostik: Vom Optimierungsversuch zu einer hinreichenden Sicherung der Therapie („Satisficing“) (Zusammenwirken biologischer und sozialer Systeme)
  • 18. Konsumentenwerbung bei Medikamenten (Forschung zum umstrittenen Thema)
  • 19. Wie werden Health Care Professionals und Patienten 2020 zusammenarbeiten? Ein Manifest für den Wandel (Wie lässt sich der Wandel beispielhaft beschleunigen, obwohl es dafür keine einfachen Lösungen geben kann?)
  • Abkürzungen
  • Glossar
  • Bibliographie
  • Stichwortverzeichnis

Das Buch adressiert ähnliche Probleme in den USA und in Europa, bei genauerem Hinsehen in allen Industriestaaten. Es dürfte für viele Interessenten der unterschiedlichsten Professionen inhaltlich äußerst nützlich sein. Zudem ist es sehr verständlich geschrieben und liebevoll produziert. Mit hübschen Fotos aller Teilnehmer – auch der im Text stumm gebliebenen!

Damit liegt hier wieder einmal eine bedingungslose Pflichtlektüre vor, die jeder, der sich wirklich ernsthaft mit der Entwicklung im Gesundheitswesen und speziell mit dem Management seiner Institutionen befasst, absolviert haben sollte! (+++)

_________

* Der Begriff wird im Buch allerdings nicht verwendet.

 

 

Straub, Silvia, Sperling, Martin, Controlling und Businessplan, Konkrete Entscheidungshilfen für Krankenhaus und Gesundheitsunternehmen, Berlin 2011, ISBN-10: 3941468170, ISBN-13: 978-3941468177

Das betriebswirtschaftliche Instrumentarium fürs Krankenhaus hat sich in den letzten 40 Jahren sehr langsam entwickelt: Von der Kameralistik – zumindest beim öffentlichen Träger – zur Überwachung von Haushaltsstellen über eine kaufmännische Buchführung plus (Vollkosten-)Betriebsabrechnung, bei der Konten & Kostenstellen oft wie umgetaufte Haushaltsstellen betrachtet wurden, zu einem bei Planung und Bewertung zunehmend professionell gehandhabten Rechnungswesen. Damit zog auch das Controlling im Krankenhaus ein. Und – oft organisatorisch getrennt – das Medizincontrolling. (Zur Abgrenzung siehe z.B. Krankenhauscontrolling und Medizincontrolling – Eine systematische Schnittstellenanalyse). Und damit folgten auch zögerlich weitergehende Werkzeuge. Die führen – so die Autoren – noch ein „Schattendasein“.

Insoweit trifft es sich gut, dass zu diesem komplexen Thema ein neues Buch auf den Markt gekommen ist, das dieses auf dem aktuellen Stand der Erkenntnis, durch viele Grafiken und Beispiele aufgelockert, als vorzügliches Lehr- und Nachschlagewerk professionell darstellt. Hier eine Gliederungsübersicht:

  • 1 Einführung: Problemstellung und Zielsetzung
  • 2 Besonderheiten medizinischer Einrichtungen und Gesundheitsleistungen (S. 3-6)
    (Zielsystem, Umfeld und Versorgungsauftrag, Finanzierungssystem, Unstofflichkeit von Gesundheitsleistungen)
  • 3 Controlling (S. 7-154)
    (Grundlagen des Controllings und Begriffsklärung, Controlling-Kontext-Fit: Das passende Controlling zum Krankenhaus, Institutionelle Ausgestaltung des Controllings, Strategisches versus operatives Controlling, Der Controllingwürfel – Anregung zur Ausgestaltung des Controllings, Überblick über die Instrumente des Controllings, Analysetechniken und Entscheidungshilfen der strategischen Planung, Methoden der Systembeschreibung, Methoden der Alternativensuche, Methode der strategischen Planung, Umsetzung und Kontrolle - Balanced Scorecard, Methoden der Planung und Kontrolle, Methoden der Koordination, Methoden zur Leistungsmessung und Optimierung, Methoden zur Informationsbeschaffung und -übermittlung)
  • 4 Der Businessplan als Werkzeug für das Management und Controlling (S. 155-193)
    (Zielsetzung und Anwendungsbereiche des Businessplans, Die Erstellung eines Businessplans in einem medizinischen Versorgungszentrum – Hinweise für eine praktische Umsetzung, Die Erstellung eines Businessplans – allgemeine Hinweise für die praktische Umsetzung, Aufbau und Inhalte eines Businessplans, Businessplan und Bankgespräch, Häufige Fehler und Lösungsansätze)
  • 5 Fallbeispiel: Businessplan medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) (S. 195-217)
    (Management Summary, Businessplan Zahlenbeispiel, Ergebnisse und Schlussfolgerungen des Businessplans)
  • Zusammenfassung und Ausblick (219-220)
  • Literaturverzeichnis
    Die Autoren,
    Der Herausgeber

Dazu, soweit erforderlich, ein paar Anmerkungen:

  • Zu 3 Controlling:
    Zunächst über viele Seiten eine präzise, gut nachvollziehbare Methodenbeschreibung, allerdings fast ohne Bezug zum Gesundheitsunternehmen. Das macht sich beim Punkt „Analysetechniken“, Unterpunkt „Value-Chain-Analyse“, besonders bemerkbar, der (wie praktisch alle deutschsprachigen Texte zu Krankenhausmanagement) viel zu allgemein gehalten ist, obwohl hier ökonomisch die weitaus meisten Gestaltungsmöglichkeiten & Überwachungserfordernisse liegen. Gemessen daran sind die Beispiele, z.B. zum OP, etwas „schwachbrüstig“. Dazu geht der Unterpunkt „Methoden der Systembeschreibung“ stärker ins methodische Detail, statt die Sinnhaftigkeit im Krankenhaus-Kontext zu verdeutlichen. Die Balanced Scorecard wird zwar ausführlich beschrieben. Diesmal erfreulicherweise samt Kausalität der Perspektiven. Doch zum 397. Mal in der deutschen Krankenhausliteratur wird auch hier nicht erkennbar, wie mit den gewählten Beispielen – siehe Strategy Map auf S. 81 – signifikante strategische Veränderungen möglich sind. Das wirkt etwas oberflächlich angelesen und wurde offensichtlich nicht zu Ende gedacht. Unter „Fallstudie“ steht nur, dass eine Fallstudie gemacht werden soll. Die „Methoden der Planung und Kontrolle“ haben wiederum großenteils fast keinen Krankenhausbezug. Bei der Kostenträgerrechnung fehlt praktisch jeder Hinweis auf die „krankenhausspezifischen“ Kostenträger G-DRGs sowie die diesbezügliche InEK-Kalkulation. Der (einzige) Hinweis auf „3 DRGs“ signalisiert eher Informationslücken. Damit hängt auch der Punkt „Prozesskostenrechnung“ etwas in der Luft. Außerdem fehlt eine kritische Einordnung der krankenhausspezifisch krankheitsartenbezogenen „Prozesse“, die eine eher stochastische Ähnlichkeit aufweisen, die nichts mit der Krankheit des Patienten zu tun hat. Erfreulich der Punkt „Target Costing“: Dort gibt es wenigstens die – nützliche – Andeutung eines Zusammenhangs zum Krankenhausgeschehen. Im Rest des Kapitels Kurzdarstellungen der Basics, die schon deshalb nützlich sein dürften, weil sie wohl kaum allen Lesern bekannt (oder erinnerlich) sind.
  • Zu 4 Der Businessplan als Werkzeug für das Management und Controlling:
    (Auch dies eine gute Kurzdarstellung, wenn auch praktisch ohne Krankenhausbezug).
  • Zu 5 Fallbeispiel: Businessplan medizinisches Versorgungszentrum (MVZ):
    Bei der „Schlosstor Klink Schöndorf“ scheint es sich um ein fiktives Beispiel zu handeln, das – soweit erkennbar – für ein MVZ plausibel und nützlich ist. Leider fehlt ein - künftig vermutlich weit wichtigeres - Beispiel fürs Krankenhaus. Außerdem gibt es weder für das Eine noch das Andere ein Beispiel für das Controlling, von dem doch der größte Teil des Buches eigentlich handelt.

Trotz der aufgeführten kleineren Mängel – oder sagen wir besser Grenzen bzw. Verbesserungsmöglichkeiten – ist das Buch vorzüglich geschrieben und damit sowohl zum Einlesen in die Materie als zum Nachschlagen gut geeignet: Auch wenn für Letzteres leider ein Stichwortverzeichnis fehlt. (++)

 

 

Anmerkung: Hier werden in erster Linie Bücher und Texte besprochen, die aus fachlicher Einschätzung fürs Arbeiten im Gesundheitsunternehmen nützlich sind. Nur gelegentlich finden sich hier auch Besprechungen ärgerlicher Veröffentlichungen, deren Kauf und Lektüre man sich besser sparen sollte.

Bewertung:
(+++) = Sehr gut
(++) = Gut
(+) = Lesenswert
(0) = Neutral
(-) = Nicht empfehlenswert.

Alle entsprechend gekennzeichneten Titel können Sie durch Anklicken von AMAZON aus der Buchbesprechung heraus bestellen.


10. Links

Deutschsprachige Links

 

(Der Spiegel) Vorsicht, Medizin!

(Die Zeit) Flachforscher. Medizinische Doktorarbeiten haben in der Wissenschaft einen besonders schlechten Ruf – leider zu Recht. Jetzt reagieren die Universitäten.

(NotRuf 113) Ethische Perspektiven der Privatisierung von Krankenhäusern

Vorbildlich: door to balloon Zeiten bei akutem Myokardinfarkt im Herzzentrum / Uniklinik Leipzig

Krankenhauskeimen geht es an den Kragen“. Mit Gesetzen?

Warum ist das US-Ausbildungssystem so gut?
(Warum fällt dem jungen Doktor dort wohl auf, was ihm – zu Recht – auffällt?)

Stiftung Warentest: Leitfaden e-Learning

(Deutsches Ärzteblatt) Qualitätssicherung: Mindestmengen vor dem Aus

(Deutsches Ärzteblatt) Initiative gegen überflüssige Operationen: Zweitgutachten per Fernberatung

(Deutsches Ärzteblatt) „Nicht alle Krankenhäuser nutzen Checklisten und Fehlermeldesysteme“ – Schön wär’s, wenn diese Nachricht stimmte!

Risikoanalyse. Schneller auf Krisen reagieren

Krankenhauscontrolling und Medizincontrolling - Eine systematische Schnittstellenanalyse

NZZ: „Heikle Priorisierung in der Medizin. Limitierte Ressourcen verlangen nach ethisch schwierigen Entscheiden“

Ärzte Zeitung: „Jetzt kommt die evidenzbasierte Medizin in die Klinik“. Jetzt schon!

BMG Daten des Gesundheitswesens 2011

Tübinger Patientensicherheits- und Simulationszentrum TüPASS. Unsere Vision:
Medizin als High Reliability Organisation mit hoher Sicherheitskultur

 

Englischsprachige Links

 

Starting from GROUND ZERO . Ten years after 9/11, how have the survivors healed—and what wounds still remain?

Eine US-Karikatur

Eine zweite US-Karikatur

Accountable care organization (ACOs)

(Commonwealth Fund) Key Design Elements of Shared-Savings Payment Arrangements

(AHRQ) Nursing Home Survey on Patient Safety Culture

Emergency Department Troughput

Online Health Records, Medical Devices Face IT Security Risks

Filing bankruptcy the newest hospital business strategy

Use of Health Management Consultants Draws Fire

Hospital overhauls patient safety plan after serious breach

Building the Business Case for Health Information Exchange

Bending the Cost Curve. Supply chain innovations bring Geisinger Health System $20 million in savings — and counting

Low Health Literacy, High Health Costs

Trade Commission Challenges a Hospital Merger

Many readmissions not preventable, study says

Statewide infection rates drop with insurance pressure

Itty-Bitty Medicine. Microscopic designs can address colossal problems

Promoting Safety and Quality Through Human Resource Practices

Taking Care of Caregivers

Simple, improved discharge care cuts readmissions

Transitional care winning battle against readmissions

Hospital costs 39% higher with OR delays

7 secrets to successful executive succession planning

The interests of doctors and patients sometimes conflict

Safety checklists offer tenfold return on investment

Connecting Leaders to the Mission

Hospitals Slash Door-to-Balloon Time. Most heart attack patients who need angioplasty are treated within the recommended time.

Hospital or hospitality: Ritz-Carlton provides hospitals customer service lessons

Now + forever: Designing space for the high-tech patient room

Top 10 musts for your hospital visit

Converting a practice to a no insurance accepted model

Why patients flock to alternative medicine providers

A Bacteria-Busting Oil Behind a Popular Spice

Leading hospitals forgo managed care, burdened by requirements

Mayo, Cleveland Clinic launch practice affiliations

MAP issues draft strategies for aligning quality measures

Longer hospital stays increase chances of infection

Hospital workers comply with hand hygiene signs about patients, not themselves

60% hospital uniforms filled with dangerous bacteria

Data and Value: The Future of Physician Performance (Video)

Hospital marketing isn't working

10 tips from 10 years sick

Dallas hospitals to pay $1.4M, settle upcoding investigation

Joint Commission Advanced Certification for Palliative Care Programs

Patient Safety at the Luton and Dunstable Hospital

UK Patient Safety Week 2011

Canadian Patient Safety Week

NPSF Patient Safety Awareness Week

http://www.npsf.org/hp/psaw/

FORDEC oder FOR-DEC

Natural language processing in electronic

How shopping for an EHR is like buying a car (1)

Tips for doctors looking for the right EHR (2)

The CSI effect and high tech medicine are driving up tests

Aktuelle Web M&M: http://webmm.ahrq.gov/