Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

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26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

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Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen!


Motto des Tages

"It is our responsibilities, not ourselves, that we should take seriously"

(Peter Ustinov - 1921–2004)

Quelle: ASQ


01. Editorial: Evidenzbasierte Medizin – aus der Sicht eines potentiellen ‚Opfers‘

Die Zeit rast. Als ich in einer Seminarreihe britischer Mediziner zur „Effectiveness & Efficiency“ ärztlichen Handelns erstmals mit der Forderung nach handfesten Ergebnisnachweisen in der Krankenbehandlung konfrontiert wurde, musste ich (als promovierter Ingenieur und Betriebswirt) davon nicht extra überzeugt werden. Das war doch selbstverständlich! Dachte ich. Doch ich war eben kein Mediziner!

  • Es geschah an der FU Berlin. Man schrieb das Jahr 1971.

Doch damals hatte ich noch keineswegs bemerkt, welch in der Medizin offensichtlich gänzlich ungewöhnliche Einsicht ich da zu hören bekam. So wichtig, dass man das damals vorgestellte (und in einer von mir und meinem ‚Mitstreiter‘ Edgar Kloss mit vielen Anmerkungen verzierten Kopie in meinem Besitz befindliche) Werk noch heute käuflich erwerben kann. Als x-ten Nachdruck. Sein Titel: „Effectiveness & Efficiency. Random Reflections on Health Services“.

  • Der Autor: A.L. Cochrane.

Das Thema hat mich seitdem nicht losgelassen. Ich habe das Werk immer wieder in die Hand genommen und es erstmals am 13.05.02 auch im hmanage Newsletter 53 vorgestellt. Eine erweiterte Fassung der Besprechung findet sich im  hmanage Newsletter 393 vom 04.08.2009.  1996 stieß ich in den USA auf David L. Sacketts „Evidence-Based Medicine, How to Practice and Teach EBM“ und las es dort schon ein erstes Mal vollständig durch. Es ist noch heute in englischer Sprache erhältlich, während die deutsche Übersetzung aus dem Jahre 1999 nun schon seit vielen Jahren vergriffen ist.

Da die „Evidence-Based Medicine“ dort seit bald anderthalb Jahrzehnten die Diskussion zum Health Care Management und zur Organisationsgestaltung mitgeprägt hat, habe ich mir angewöhnt, die englischsprachige Bezeichnung zu verwenden. Denn wenn der Doktor in Deutschland sagt, etwas sei für ihn „evident“, kann man doch nur daraus schließen: Er glaubt scheinbar daran! Eine hübsche standesinterne Auseinandersetzung mit der mehr als zögerlichen Aufnahme der „Evidence-Based Medicine“ (oder wie man mittlerweile dort sagt: der Evidenzbasierten Medizin – EbM) in deutschen Ärztekreisen findet sich in den beiden Texten

Beide Texte finden sich auf der – verdienstvollen, wenngleich ausschließlich den eigenen Stand adressierenden – Website des nun auch schon 10-jährigen und – gemessen daran wohl nicht ganz so erfolgreichen - Deutschen Netzwerks für evidenzbasierte Medizin, wie es sich selbst feiert. Man kann den Akteuren gleichwohl auch als Nichtmediziner im Eigeninteresse nur die Daumen drücken!

Auch wenn es um noch so viel Geld geht, das den Bürgern als Beitrags-, Steuerzahlern und zusätzlichen „Zuzahlern“ offensichtlich noch möglichst unbehelligt aus der Tasche gezogen werden soll: Der – wohl höchst interessengeprägte – Streit über die richtige Anlage von Studien kann am Ende nur zugunsten der Position von Cochrane (siehe oben!) entschieden werden. Auch hierzulande. Denn am Ende zählt nur das Ergebnis. Ein überwältigendes Ergebnis einer möglichst großen Zahl nachvollziehbarer Vergleichsuntersuchungen, die es gestattet, störende Einflüsse auf die Aussagen zu relativieren.

Ich habe schon vor mehr als 25 Jahren in den USA erstmals einen anderen, für bereits bestehende Methoden weitaus wirksameren Ansatz kennengelernt, vor dem man sich in Deutschland so zu drücken scheint wie der Teufel vor dem Weihwasser. Aus durchsichtigen Gründen: Eine IT-gestützt standardisierte Verlaufs- und Ergebnisdokumentation aller Patienten, deren Einzeldaten – selbstverständlich pseudonymisiert – für Auswertungszwecke in Datenbanken gespeichert werden. Einschließlich der zugehörigen Zeit- und Kostenaspekte.

  • Routinemäßige Verlaufs- und Ergebnisdaten gezielt auswerten

Dann würden gezielte retrograde Auswertungen (z.B. durch das IQWiG) schon bald genauer erkennen lassen, welche Behandlungen mit welcher Wahrscheinlichkeit tatsächlich wirken und welche eher nicht. Das würde gute RCTs nicht überflüssig machen, sondern sinnvoll ergänzen. Und die Erforschung von Neuland erfordert sie allemal!

Bis dahin werden die Patienten landauf landab weiter so behandelt werden müssen, wie es dem einzelnen Doktor gerade so einfällt. Die Therapiefreiheit ist ein wichtiges Gut. Auch bei unklarer Faktenlage. Bislang übliche Behandlungen mögen oft gar nicht einmal so falsch sein. Effizient oder gar effektiv sind sie ganz sicher nicht! Da wird Geld verbrannt, das dann für wichtigere Dinge fehlt. Das könnte von den Verantwortlichen an der Spitze einzelner Gesundheitsinstitutionen schon heute gezielt geändert werden.

Die denken bislang allein in Kosten und Erlösen, ohne die Qualität ihrer „Produkte“ auch nur andeutungsweise zu kennen. Eigentlich eigenartig – oder? Natürlich machen solche Scheuklappen die Krankenbehandlung (auch) unnötig teuer. Genauer gesagt eine Krankenbehandlung reichlich unbekannter Qualität. Daran ändert auch die in vielen Jahren z.B. mittels BQS erzielte bescheidene Qualitätstransparenz nicht allzu viel. Und was von der in Zertifikaten und Qualitätsberichten „dargelegten“ Qualität zu halten ist, wurde hier oft genug geäußert: (Fast) nichts!

  • Und die Politik redet – sozusagen im Tiefschlaf – allein über die Finanzierung

Das kann einen Zwangs-Beitragszahler und potentiellen Kunden des „Systems“ nicht sonderlich fröhlich stimmen – ob die Ärzte den Begriff EbM nun weiter ablehnen oder nicht. Denn das wird völlig unnötigerweise in einer Unbezahlbarkeit münden. Sehenden Auges!

Auf der Website des Deutschen Netzwerks für evidenzbasierte Medizin habe ich noch eine Prise Galgenhumor aus dem Jahre 2002 gefunden, deren Genuss ich gerade Nichtmedizinern unter den Verantwortlichen in Gesundheitsinstitutionen nur wärmstens empfehlen kann: Köbberling J, Wehner M., Alternativen zur evidenzbasierten Medizin.

Die Stichworte zum Appetitmachen: „Vehemenzbasierte Medizin, Eminenzbasierte Medizin, Eloquenzbasierte Medizin, Konfidenzbasierte Medizin, Providenzbasierte Medizin, Konsensbasierte Medizin, Ignoranzbasierte Medizin, Diffidenzbasierte Medizin, Flexibilitätsbasierte Medizin und Akzeptanzbasierte Medizin“ (Erläuterungen dort).

  • Gesundheit!

Glücklicherweise kann ein Patient heutzutage ja immer noch beruhigt sein, der den - Leonardo da Vinci zugesprochenen - Satz stets vor Augen hat: „Die Kunst des Arztes besteht darin, den Patienten bei Laune zu halten, während die Natur ihre Arbeit tut“.

Wenn eine Heilung denn überhaupt möglich ist. (Nicht nur) die Ärzte werden sich in Deutschland wohl noch lange weiter streiten. Und das Geld wird sicher immer knapper. Vielleicht wacht die Öffentlichkeit deshalb ja doch einmal auf! Oder? Ganz nebenbei: Wer sich als Leistungserbringer in einer solchen Situation schon bald auf den richtigen Kurs begäbe, könnte sich einen lange konkurrenzlosen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Und das auch noch mit einer ungleich höheren Qualität und sicher niedrigeren Kosten!

Herzlichst

Prof. Dr. Rolf Hildebrand


02. (Washinton Post) Wofür die ganzen Laboruntersuchungen?

A Battery Of Tests. For What?

For years I've heard friends describe experiences of being caught in a web of excessive and unnecessary medical testing. Their doctors ordered test Z to investigate a seemingly incidental finding on test Y, which had come about because of a borderline abnormality on test X...

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03. (H+HN) Steuerfinanzierte klinische Forschung

Your Tax Dollars at Work

Research serves a pivotal role in health care, providing critical information that can move both clinical and structural efforts forward

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04. (Washington Post) Amerikaner (und Deutsche) sterben früher einen vermeidbaren Tod als Bürger in anderen reichen Ländern

U.S. Losing Ground on Preventable Deaths

Despite High Medical Spending, Results Trail Other Wealthy Countries.

As Congress presses forward with landmark legislation to revamp the nation's health-care system, lawmakers are grappling with a troubling question …

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05. (NYT) Warum waschen Ärzte zu selten ihre Hände?

Why Don’t Doctors Wash Their Hands More?

Like most medical and nursing students, my introduction to operating began not with scalpels and sutures but with scrub sinks and sterile gloves...

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06. (H+HN) Ärzte auf Kurs bringen

Physician Alignment

Long-running trend intensifies because of recession, reform fears.

Methodist Medical Center of Peoria, Ill., and its cross-town rival, OSF St. Francis Medical Center, already employ most of the primary care physicians in their market.…

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07. (PSA Pennsylvania) Probleme im Umgang mit kritischen Laborwerten

Safe Patient Outcomes Occur with Timely, Standardized Communication of Critical Values

A critical value is defined as an imminent life-threatening laboratory result requiring immediate physician notification...

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08. Links

Die guten alten Killerphrasen. Sehr lesenswert:

Missverständnisse zur EbM (Teil 1)

Missverstandnisse zur EbM (Teil 2)

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2010 National Patient Safety Goals

Putting safety on the curriculum

Ernst Bruckenberger: Herzbericht 2008 mit Transplantationschirurgie

Staatspreis Unternehmensqualität 2009: Unternehmen aus Gesundheitsbranche räumen ab

Joint Commission Online - October 7, 2009 Issue

Verwirrt nach der OP

2010 National Patient Safety Goals (NPSGs)

Joint Commission: Posting of prepublication versions of the 2010 standards

Hospiz-Stiftung: Deutschland ist bei Fürsorge Entwicklungsland

HQA data preview period underway

In Hawaii’s Health System, Lessons for Lawmakers

Eckpunktepapier der Ärzteschaft für eine patientengerechte Gesundheitsversorgung

Patienteneinschätzung - Score-Systeme


09. Buchbesprechung

Wiederholung der Buchbesprechung im hmanage Newsletter 237, 306:

Tague, Nancy R., Quality Toolbox, Second Edition, Milwaukee, WI, 2005, ISBN 0873896394, Bestellung

Manchmal wundert man sich, warum bestimmte fremdsprachige Bücher nicht schon längst ins Deutsche übersetzt worden sind. Dazu gehört auch dieses branchenunabhänige Standardwerk der American Society for Quality Management (ASQ) zum Qualitätsmanagement, dessen erste Auflage im Jahre 1995 zum ersten Mal erschienen ist. Hier gilt es, die zweite, erweiterte zu besprechen.

Die ASQ schreibt (Hervorhebung durch uns): “The Quality Toolbox gives quality practitioners a choice of a variety tools for dealing with the wide variety of situations that occur on the road to continuous improvement. It includes a variety of matrices and flowcharts, data collection and analysis tools, tools for planning, tools for analyzing processes and discovering root causes, and different forms of brainstorming and other tools for generating, organizing, and evaluating ideas. In short, the means to accomplish change.

In updating this book, Tague has added 34 tools and 18 variations. The "Quality Improvement Stories" chapter has been expanded to include detailed case studies from three Baldrige Award winners. An entirely new chapter, "Mega-Tools: Quality Management Systems," puts the tools into two contexts: the historical evolution of quality improvement and the quality management systems within which the tools are used”. Die – von uns gekürzte und kurz kommentierte – Gliederung auf Deutsch:

  • Vorsprüche
  • Kapitel 1 Wie man dieses Buch benutzt
    Eine sehr schöne Vorgehensweise zur Vermittlung des neuesten Stands der Inhalte der verschiedenen Werkzeuge und des Zusammenhangs zwischen ihnen
  • Kapitel 2 „Mega-Tools“ – Generelle QM-Ansätze
    Eine vorzügliche Übersicht über die generellen internationalen Ansätze vor dem Hintergrund einer sehr nützlichen, weil knappen Übersicht der Historie
  • Kapitel 3 Der Qualitätsverbesserungsprozess
    Eine außerordentlich nützliche Darstellung der Vorgehensweise – jenseits eines (hierzulande im Gesundheitswesen oft auch noch falsch verstandenen) PDCA-Ansatzes
  • Kapitel 4 Einige Fallstudien zur Verdeutlichung
    Darunter auch die eines Gewinners des Malcolm Baldridge National Quality Awards (MBNQA) aus dem Gesundheitswesen
  • Kapitel 5 Die Werkzeuge
  • Hier werden 85 Werkzeuge (plus Ausdifferenzierungen und Varianten) so beschrieben, dass man damit anschließend zumeist gleich arbeiten kann.
  • Anhang
  • Stichwortverzeichnis

Das ist das umfangreichste Nachschlagewerk zum Thema, das wir bis heute in der Hand gehabt haben. Dessen Umfang ist genau so nützlich wie der damit „eingefangene“ aktuelle internationale Erkenntnisstand. Die Neuauflage ergänzt allein 34 Methoden und 18 Varianten. Die Art der Darstellung erleichtert ganz außerordentlich die Auswahl des jeweils richtigen Werkzeugs. Das Buch bietet nicht nur eine erstklassige Hilfe für alle QM-Profis, sondern dazu auch noch (speziell mit seinem 2. Kapitel) eine vorzügliche Zusammenhangsdarstellung der verschiedenen Ansätze, die Zukunft zu gestalten. Pflichtlektüre: (+++)

 

 

Anmerkung: Hier werden in erster Linie Bücher und Texte besprochen, die aus fachlicher Einschätzung fürs Arbeiten im Gesundheitsunternehmen nützlich sind. Nur gelegentlich finden sich hier auch Besprechungen ärgerlicher Veröffentlichungen, deren Kauf und Lektüre man sich besser sparen sollte.

Bewertung:
(+++) = Sehr gut
(++) = Gut
(+) = Lesenswert
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(-) = Nicht empfehlenswert.

Alle entsprechend gekennzeichneten Titel können Sie durch Anklicken von AMAZON aus der Buchbesprechung heraus bestellen. 


10. Fortgang der Arbeiten an unserer Website

Wir sind bei der Seite "Qualitätsmanagement" geblieben. Sie finden dort jetzt zusätzlich allgemeine Ausführungen zum Thema "Zertifizierung" sowie zur Zertifizierung im Sinne der Normenfamilie DIN EN ISO 9000, zur Accreditation durch die Joint Commission International JCI sowie zu KTQ®.