Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen!


Motto des Tages

Most people struggle with life balance simply because they haven't paid the price to decide what is really important to them.

(Stephen Covey)

Quelle: Baptist Health Care Leadership Group

 


01. Editorial: Wunschzettel: Zur Rolle des Arztes in der Gesellschaft der Zukunft

Ein jüngst in h&hn erschienener Artikel („Physician Alignment“) gab den Anstoß zu diesem Text. Wenn auch für die Vertreter der hiesigen (und der österreichischen und der schweizerischen) Ärzteschaft alles klar sein mag. Ärzte, die bestimmen, wo es langgeht“ im Gesundheitswesen, sind „Freiberufler“ - selbst als Angestellte - und haben haben ein sozusagen natürliches Recht auf vergleichsweise höchsten Einkommen. Ihre Qualität ist stets erstklassig. Und einer (externen) Kontrolle hat ihr Handeln – ebenfalls naturrechtlich – schon gar nicht zu unterliegen. Das wird nicht überall in der Welt so gesehen. Und die internationalen Trends sprechen klar dagegen.

  • Auch der Arzt der Zukunft hat selbstverständlich eine Schüsselrolle – und damit auch eine Schlüsselverantwortung – allerdings nicht gegenüber dem einzelnen Patienten, sondern auch für die Gesundheit und das Wohlergehen der Gesellschaft. Der Arzt hat die Schüsselrolle nicht nur für die Behandlung, sondern auch für ein Erzielen des bestmöglichen Ergebnisses – auch was die Wertschöpfung für den Patienten angeht („Ergebnis fürs Geld“).
  • Der Arzt der Zukunft ist nicht länger ‚Einzelkämpfer‘. Doch auch als ‚Team Player‘ ist er in einer Schüsselrolle in einem ergebnisorientiert möglichst optimierten, kontinuierlich weiter verbesserten und damit zunehmend standardisierten, hochgradig arbeitsteiligen Prozess.
  • Der Arzt unterwirft sich freiwillig der Verbindlichkeit eines solchermaßen als (aktuell) bestmöglich erkannten Prozesses (= Behandlungspfades) und weicht davon nur ab, wenn ihm dies im wohlverstandenen Patientenwohl geboten erscheint. Dafür steht er auch gerade.
  • Der Arzt der Zukunft hält sich als fachlich hervorgehobener, weil anordnender ‚Health Professional‘ (um eine in Österreich verbreitete Bezeichnung aufzugreifen) persönlich und fachlich stets a jour – weit jenseits der jeweiligen Fortbildungsordnung.
  • Der Arzt der Zukunft macht die eigenen Behandlungsentscheidungen und -ergebnisse (unter selbstverständlicher Wahrung der Persönlichkeitssphäre des Patienten) stets transparent für jedermann, nachvollziehbar und vergleichbar.
  • Der Arzt der Zukunft ‚erzieht‘ – wenn nötig – den Patienten und empfiehlt keinerlei Untersuchungen und / oder Behandlungen, deren Nutzen bzw. Wertschöpfung für den Patienten zweifelhaft ist oder die sogar mit zusätzlichen Gefahren / Schäden verbunden sind.
  • Der Arzt der Zukunft klammert sich nicht an Zuständigkeits-‚Besitzstände‘ und Privilegien, wenn die Angehörigen anderer Berufsgruppen bestimmte Aufgaben ebenso gut und kostengünstiger erfüllen können. Er versteckt nie – nie! – die eigenen Interessen hinter vermeintlichen Patienteninteressen.
  • Das ärztliche Einkommen darf nicht länger allein von der Leistungsmenge abhängen, sondern von deren nachweislicher Notwendigkeit und Wirksamkeit und vor allem natürlich von den tatsächlich wirtschaftlich erzielten Behandlungsergebnissen. Auch Ärzte haben kein Naturrecht auf unbegründete Privilegien!
  • Dass auch der Arzt der Zukunft sehr gut bezahlt werden muss, steht außer Frage. (Dabei sollte politisch alles daran gesetzt werden, nicht mit der Art der Honorierung falsche Anreize zu schaffen!) Ob Ärzte künftig besser angestellt oder beruflich selbständig ein sollen, sollte ihrer eigenen Entscheidung überlassen bleiben.

So würde der Arzt der Zukunft sicher rasch wieder zu dem Ansehen gelangen, das heutzutage aus guten Gründen rapide bröckelt. Vor allem bei besser informierten Zeitgenossen. Solch eine Entwicklung wäre ganz sicher im Sinne eines wirklich vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses. Und damit im Interesse von jedermann.


02. (h&hn) Ärztliches Know-how – richtig eingesetzt

Physician Alignment. Long-running trend intensifies because of recession, reform fears.

Methodist Medical Center of Peoria, Ill., and its cross-town rival, OSF St. Francis Medical Center, already employ most of the primary care physicians in their market...

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03. (Wallstreet Journal) Patienten in Massachusetts können bei Problemen mit einer raschen Reaktion rechnen.

Patients Get Power of Fast Response

Recovering from chest surgery, 15-year-old Lewis Blackman began showing telltale signs of distress early on a Sunday morning: severe abdominal pain, a drop in temperature, paleness and a cold sweat...

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04. (Caring.com) Medikationsfehler können tödlich sein

Medication Mistakes That Can Kill Ten common but preventable errors

The numbers are simply staggering: Every year 1.5 million people are sickened or severely injured by medication mistakes, and 100,000 die...

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05. (h&hn) Ein strategischer Blick in die Zukunft aus der Sicht der US-Krankenhäuser

2010 AHA Environmental Scan

The American Hospital Association's 2010 Environmental Scan provides insight and information about market forces that have a high probability of affecting the health care field...

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06. (Washington Post) Man sollte das Tempo von Behandlungsentscheidungen zugunsten einer wichtigen Methode verringern: Sich Zeit nehmen.

Maybe It's Time to Slow Down the Pace of Medical Treatment

"This felt more like a tea party than a doctor's appointment," a patient observed as we wrapped up our first clinic visit...

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07. (Joint Commission) US-Spitzenkrankenhäuser wollen Händewasch-Problem organisatorisch lösen

Joint Commission Center for Transforming Healthcare Takes Aim at Patient Safety Failures. Top U.S. Hospitals Identify Causes, Develop Targeted Solutions to Save Lives...

For more information about the Center, please visit www.centerfortransforminghealthcare.org.


08. Links

Wiener Erklärung 

In Deutschland wird zu viel operiert

List of 100 Initial Priority Topics for Comparative Effectiveness Research

"Eklatante Mängel in deutschen Krankenhäusern" (BQS-Daten aus der Sicht der „Welt“. G-BA verkündet das Gegenteil. Und beide haben Recht. Nur wer verbessern will, weist auf die Mängel hin. Und wer beschönigt, beschönigt halt. Das letztere ist hierzulande leider die Regel!)

Vereinbarung zur Qualitätssicherung nach §137 SGB V für 2010 

Cost-Effectiveness Analysis (CEA) Registry. The Center for the Evaluation of Value and Risk in Health (CEVR): Cost-utility analyses (CUAs)

OECD-GESUNDHEITSDATEN 2009: Deutschland im Vergleich

Öffentlichkeitsarbeit und Markenbildung in Kliniken (pdf)

Schöne Präsentation einer SWOT-Analyse aus Routinedaten

Commenting Tool for PSO Common Formats Version 1.0 Now Available

Programm zur Qualitätssicherungskonferenz des Gemeinsamen Bundesausschusses 2009 

Positioning Your Hospital for Brighter Days

SVR Gesundheit: Koordination und Integration − Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens (pdf)

Health Reform Data Note Examines Americans' Satisfaction With Insurance Coverage

Der Mediziner - Eine Standortbestimmung“ – reichlich eng aus der Sicht der Akteure und nicht so sehr aus der Sache heraus!

 


09. Buchbesprechung

Unschuld, Paul U.: Ware Gesundheit. Das Ende der klassischen Medizin. München 2009, , AMAZON

„Ärzte glauben, sie würden … eine künstlerische Berufsfreiheit genießen, und geraten angesichts der sichtbar werdenden Realität in eine Sinnkrise, die auch mit 50% Gehaltszuschlag nicht behoben werden würde“ (Eugen Münch, zitiert auf Seite 68)

Auf dieses Büchlein machte uns dankenswerterweise eine Besprechung aufmerksam: „ Die Entmündigung der Ärzteschaft in der ‚Gesundheitswirtschaft‘“. Die weckte die Neugier. Mehr Lobendes schrieb jemand bei AMAZON. Da ließen Bestellen und Lesen nicht lange auf sich warten. Unser Eindruck war deutlich anders. Wir hätten auf eine Besprechung am liebsten gänzlich verzichtet. Doch Unschulds Ausführungen erschienen uns so exemplarisch für traditionsverhaftete Teile der Ärzteschaft, dass eine Auseinandersetzung damit zwingend geboten erscheint. Hier zunächst die Gliederung des – nur gut 120 Seiten starken – Bändchens:

  • Vorwort
  • 1. Der Sinn der Medizin
  • 2. Gesundheitsstreben vom Altertum bis in die Neuzeit
  • 3. Die Gesundheit als Mittel zum Zweck im 18. Jahrhundert
  • 4. Der deutsche Sonderweg
  • 5. Public Health
  • 6. Apotheker und Ärzte: Der Verlust der Unabhängigkeit
    ->Apotheker
    ->Ärzte
    ->Fallpauschalen
    ->Rabattverträge
    ->Der wertvolle Kranke und die Beliebigkeitsheilkunde
  • 7. Lebensqualität, Wellness, Life Enhancement
  • 8. Grenzerfahrung, Grenzüberschreitung
  • 9. Ausblick: Produkt Mensch
  • Anmerkungen
  • Register

Der Gesamteindruck nach dem ersten Durchlesen: Ein wildes Pamphlet und keine ernst zu nehmende wissenschaftliche Arbeit. Dazu enthalten die Ausführungen zu viele unbewiesene Behauptungen, Gedankensprünge und brüchige, gar widersprüchliche Kausalketten. Doch bei genauerem Hinsehen finden sich doch allerlei lesenswerte Gedanken – auch zur Frühgeschichte von Heilkunde und Medizin (welche der Autor beide fein säuberlich trennt). Hier ein paar Beispiele:

„Die Mehrzahl funktionaler Erkrankungen des Menschen, so ist zu vermuten, heilt während, nicht wegen eines heilkundlichen Eingriffs“ (Vorwort, Seite 14). Konkurrierende Aspekte von „Individualmedizin“ und „Volksgesundheit“ werden zwar aufgezeigt, aber nicht mit dem ärztlichen Selbstverständnis in Verbindung gebracht (Kapitel 3, Seite 38).Unschuld streift die fürchterliche geistige Verwirrung unter Deutschlands Medizinern, die im Nationalsozialismus endete (Kapitel 4.). Und er lobt vorbildliche US-Entwicklungen, was man hierzulande selten erlebt (Kapitel 5).

Dann aber wird’s fürchterlich. Das Ganze gerät zur Verschwörungstheorie. In Unschulds Vorstellung zielt die Entwicklung – gesteuert durch dunkle Mächte, die dem Ärztestand an den Kragen wollen – nur noch auf dies: „Ziel ist die Rendite und somit Gewinnmaximierung der Investoren“ (Kapitel 6, Seite 61). Dafür brauche man „gesunde Werktätige“. Schließlich werde auch Krankheit „ökonomisch“ ausgebeutet: „…der Kranke ist ebenso wertvoll wie der Gesunde“ (Kapitel 5, Seite 54). Wobei Unschuld Ökonomie – sozusagen ex cathedra – mit Gewinnmaximierung gleichsetzt. Beweise für derlei Behauptungen bleibt der Autor schuldig. Die liegen für ihn wohl (‚evident‘) auf der Hand.

Die Entwicklung führe – wenn man dem Autor folgt – zu einer „offensichtlich nützlichen Marginalisierung der Freiberufler“ (Seite 62), indem der Einfluss der „Ärzte und Apotheker … als (alleinige) Entscheidungsträger“ zum Verschwinden gebracht werde (Seite 7). In Klartext: Unschuld klagt, der einzelne Arzt könne nicht länger völlig nach eigenem Gutdünken handeln. Ohne Beachtung der Wirksamkeit und der Kosten. Er „geht von der These aus, dass Krankheit in der Bevölkerung erstmals in der Geschichte rein ökonomisch betrachtet“ werde. Von Dritten, nicht etwa vom Arzt, die auf eine „Verdrängung von Ärzten und Apothekern aus dem Zentrum der Entscheidungsträger“ zielten. Die „existenzielle Selbstbestimmung“ des Arztes sei das A und O der Medizin, nicht „eine ganz andere existenzielle Sinngebung“ (Seite 8).

[Wir haben die „Sinngebung“ der Behandlung immer darin gesehen, Krankheiten zuverlässig zu heilen und zu lindern und dies auch noch lange bezahlbar zu halten. Wenn daran – daran! – von Ärzten und Investoren auch noch gut verdient wird, schadet das der Sache nicht. Weniger zumindest, als wenn das Geld in miserablen Strukturen versickert. Doch auf ein solch profanes Niveau begibt sich der Autor nicht. Er findet kein Wort zu der – nach wie vor mangelhaften – Transparenz der Wirksamkeit der Behandlung und der damit möglicherweise verbundenen Geldverschwendung].

Wir lesen: „…die Abhängigkeit von numinösen Mächten wurde nicht durch eine Selbstbestimmung eines jeden (ärztlichen) Individuums ersetzt, sonder gegen eine neue Form der Abhängigkeit von säkularen Kräften eingetauscht, die Länge und Güte menschlicher Lebenszeit aus wohldefinierten wirtschaftspolitischen Interessen beeinflussen“. Solche Mächte gibt es sicher, auch die damit verbundenen Gefahren. Doch deren Motivation wird im Buch einfach gedankenlos unterstellt!

Unschuld beschreibt die „…Befreiung des Menschen aus der Bevormundung durch religiöses Denken“ (Kapitel 1, Seite 16) und erwähnt mit keiner Silbe, dass die Bevormundung des Patienten sich bis heute fortsetzt. Und zwar durch den Arzt (und das nichtärztliche Hilfspersonal). Sie beginnt erst allmählich aufzubrechen– nicht durch böse „ökonomische“ Mächte, sondern durch

  • eine angelsächsisch moderne Ausprägung einer evidence based medicine
  • das Transparentmachen von Ursache und (Nicht-)Wirkung in der Krankenbehandlung
  • das Messen, Aggregieren und Auswerten von Prozessen und Ergebnissen

Doch mit der Beschimpfung des „Ökonomischen“ schwimmt der Autor durchaus im Mainstream ärztlicher Verlautbarungen, die stets das Wohl des Patienten im Munde führen und doch vor allem das eigene meinen! „Die Medizin ist von Anfang an elitär“ (Kapitel 2., Seite 21). Und „in der Medizin sind die Ärzte die Priester … Der Arzt … der Interpret des natürlichen Wirkens“ (Seite 22). Nicht auf der Grundlage nachweisbarer Fakten. Die gehen den Laien nichts an; der hat nur zu zahlen für einen höheren Zweck. Der Arzt handelt als unerschrockener Ritter im Kampf mit dunklen Mächten, die die „Steuerung der Gesellschaft über die Schwächen eines jeden einzelnen Menschen“ zu betreiben suchen (Seite 62) gut und edel. Da verwechselt der Autor wohl gründlich Anspruch und Wirklichkeit!

Bei der „Übertragung der Leitungskompetenz im Gesundheitswesen“ mache Ulla Schmidt, „hervorgegangen aus der Ideenwelt des Kommunistischen Bundes Westdeutschland“ (Seite 55) bei der Nutzung ökonomischen Verwertbarkeit gemeinsame Sache mit „Investoren“ und „Herstellerindustrien“ (Seite 64). Auch hier werden munter Fakten(-behauptungen) mit blanken Zielunterstellungen vermengt: Frau Schmidt versucht als demokratisch gewählte Repräsentantin  – sozialdemokratisch-bevormundend – ‚Gerechtigkeit‘ in System zu bringen. Zu ihren Werkzeugen gehören die gesetzlichen Krankenkassen, aber keineswegs die Privatwirtschaft!

Auch der Arzt wird (mit oder ohne Ulla Schmidt) lernen müssen, mit knappen finanziellen Mitteln sorgsam umzugehen – vor allem dann, wenn es nicht die eigenen sind. Genügend nachdenkliche Ärzte tun dies ja auch. Nicht so unser Autor. Der mischt weiter munter Tatsachenbehauptungen mit glatten Unterstellungen: „… seit den 1980er Jahren fanden schließlich betriebswirtschaftliche Kriterien Eingang auch in das Krankenhausmanagement… Hintanstellung ärztlicher Kriterien“ (Seite 59). Was darunter zu verstehen ist, kann man nur ahnen. Realität ist das nicht!

Die Geschichte der Reformgesetze der Krankenhausfinanzierung ist ein (überwiegend vergeblicher) Versuch, Verschwendung einzudämmen, um die Bezahlbarkeit der Krankenbehandlung für alle weiter zu sichern, Und nicht irgendjemanden zu gängeln. Dazu findet sich in Unschulds betriebswirtschaftlich völlig laienhaften Interpretationen kein Wort.

Im Zuge der Lektüre wird klarer, worum es dem Autor (durchaus im Einklang mit den einschlägigen Verlautbarungen Deutscher Ärztetage) allein zu gehen scheint: Um den Erhalt und/oder die Wiederherstellung ungeprüfter Privilegien von „geschützten Standesberufen… (und um) ein angemessenes Einkommen“ in Mitteleuropa – was darunter auch immer zu verstehen sei (Seite 59). Die Existenzberechtigung hat er in seinem geschichtlichen Abriss naheliegenderweise nicht begründen können. Dass im Laufe der Zeit der Glaube der Akteure (und der Patienten) an überirdische Mächte durch den Glauben an die – bis heute nur in engen Grenzen entschlüsselte – Natur ersetzt wurde, kann ja als Rechtfertigung kaum herhalten! Eine Kausalität von Behandlung und Ergebnis erzielt man – Placebos und Nocebos mitbedacht – auf diese Weise sicher nicht!

Jetzt „…bleibt der (priesterliche) Arzt als letztes Hemmnis einer rationalisierten Marktwirtschaft“ (Seite 63). Unschuld kritisiert, dass „…Aufgaben im Gesundheitswesen zunehmend durch nichtärzliche Kräfte“ ersetzt werden sollen“, was bislang real kaum geschieht. (Was wäre daran – eine qualifizierte Ausbildung unterstellt – eigentlich schlecht?) Das sei – schreibt er – eine „…für das Selbstbewusstsein der Ärzte negative Entwicklung“, die „sich nicht zuletzt an deren gesunkenen finanziellen Einnahmen ablesen“ ließe (Seite 67), was falsch ist.

Ist Rationalisierung etwa schlecht? Wäre Geldverschwendung besser? Auch eine, die einfache Aufgaben durch teure Akademiker erledigen lässt, obwohl diese von weniger teuren Health Professionals genau so gut für weitaus weniger Geld erfüllt werden können? Cui bono? Dass – wie in allen anderen Bereichen der gesellschaftlichen Güterbereitstellung - mehr „Marktwirtschaft“ auch im Gesundheitswesen für den Bürger von Nutzen sein könnte, lässt sich leicht begründen. Und belegen. Wettbewerb sollte allerdings nicht primär (wie Ulla Schmidt meint) fern von der eigentlichen Behandlung unter Krankenkassen stattfinden, sonder an der Patientenfront. Das bedürfte allerdings erst einmal einer hinreichenden Methoden- und Ergebnistransparenz. Und da mauern die Ärzte.

Das ist dem Autor keines Wortes wert. Absurd ist es allerdings schon, wenn er ausgerechnet die „Gewinnmaximierung“ der gesetzlichen Krankenkassen als Körperschaften öffentlichen Rechts gebetsmühlenhaft geißelt, die per saldo gesetzlich gar keine Gewinne machen dürfen! Und Gewinne privater Krankenhausträger sind keineswegs unmoralischer als die Geldverschwendung ihrer öffentlichen Vorgänger, die erst zum Verkauf gezwungen hat. Nicht – wie behauptet – wegen der (schließlich auf Istkosten-Basis kalkulierten) DRGs. Dazu Originalton Unschuld: „Diese Einführung einer rationalen Form der Medizin in der Behandlung von individuellen Organismen, die in ihrem Kranksein (offensichtlich nur in Deutschland) nur in geringem Maß einem wohldefinierten Standardablauf folgen, hat die Medizin in eine tiefe Krise gestürzt“ (Seite 74). Ins Bild passt, dass ärztliches Fehlverhalten beim Kodieren und Aufteilen zusammengehöriger stationärer Aufenthalte im Umgang mit den G-DRGs in relativ wenigen Einzelfällen als aufgezwungen hingestellt wird (Seite 75f).

Kein Wunder also, dass bei einer solchen Haltung die (reichlich hilflosen) Rabattverträge der Krankenkassen als Teufelswerk denunziert werden, die den Arzt zur Aufgabe des behaupteten „Monopol(s) auf das medizinische und pharmazeutische Fachwissen“ am menschenfreundlichen Therapieren hinderten (Seite 79f). Das Ganze gipfelt in der absurden Behauptung, es gäbe „wertvoll Kranke und … (eine) Beliebigkeitsheilkunde“ (Seite 83). Der Begriff scheint dem Autor zu gefallen. Denn er wird in einer kurzen Textpassage gleich vielfach wiederholt. Natürlich taucht auch hier das Kundengespenst auf: Schon angehende Mediziner würden gezwungen, den Patienten als Kunden zu bezeichnen (Seite 84). Und international ginge es ähnlich schrecklich zu (S 88f).

Auf den Seiten 68/69 lesen wir etwas sehr Interessantes: „Zu einem vollkommenen Standesberuf gehören drei Merkmale:

  • Erstens, die Mitglieder … schaffen ihr Wissen selbst… 
  • Zweitens, sie entscheiden selbständig über die Anwendung ihres Wissens …
  • Drittens, sie können auch selbständig darüber verfügen, welche Entlohnung sie für ihre ärztliche Tätigkeit erhalten“.

Das muss man kaum sich auf der Zunge zergehe lassen. Hier scheint jemand zu argumentieren, dessen Weltbild in Kapitel 2. seines Buches steckengeblieben zu sein scheint: Im frühen Mittelalter: „Der Arzt mit seiner herkömmlichen Ethik findet sich in diesem System nicht wieder und reagiert verstört“ (Seite 71). Solche Ärzte wird es neben dem Autor wohl noch geben. Doch auch in Deutschland sehen das mittlerweile jede Menge Ärzte anders. Im Ausland sowieso.

Über die Folgekapitel verkneifen wir uns weitere Anmerkungen. Da wird plötzlich das Thema gewechselt. Das Schlusskapitel „9. Ausblick: Produkt Mensch“ bringt noch einmal alles Mögliche, z.B. Seitenhiebe auf die „pseudowissenschaftlich verbrämte … Bioethik“ (Seite 104), überlässt den Leser aber ansonsten seiner Ratlosigkeit. Das Buch lässt sich schwer fassen. Zum einen ist die Lektüre eine Zumutung, die man sich besser ersparen sollte. Zum anderen muss man natürlich wissen, welch eigensüchtiges Gebräu noch in manchen Köpfen brodelt. Als Trost bleibt: So denken (und handeln) zwar Ärzte, aber immer glücklicherweise weniger! (Keine Bewertung).

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden in erster Linie Bücher und Texte besprochen, die aus fachlicher Einschätzung fürs Arbeiten im Gesundheitsunternehmen nützlich sind. Nur gelegentlich finden sich hier auch Besprechungen ärgerlicher Veröffentlichungen, deren Kauf und Lektüre man sich besser sparen sollte.

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