Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

375 - 24.03.2009 - Wir begrüßen Sie mit einem neuen Newsletter. Zwischendurch finden Sie aktuelle Nachrichten, Kommentare und Vorabveröffentlichungen zu späteren Newslettern auf unserer Website www.hmanage.net.


Motto des Tages

"People are only young once, but they can be immature forever"

(Dero Saunders, editor, Forbes magazine, 1914 - 2002)

Quelle: Baptist Health Care Leadership Group


01. Editorial: Impressionen vom International Forum on Quality and Safety in Health Care 2009

Zunächst einmal muss man wissen, dass diese Veranstaltung von IHI und BMJ mit 1600 Teilnehmern die größte und wichtigste zu diesem Kernthema der Krankenbehandlung ist, die es in der Welt gibt (außerhalb der USA; das 20. US-Forum 2008 hatte allein über 6000 Teilnehmer).

Entsprechend groß war die Zahl der Länder, aus denen Teilnehmer nach Berlin gefunden hatten: Albanien, Argentinien, Armenien, Australien, Österreich, Bahrein, Belgien, Brasilien, Kanada, China, Kroatien, Zypern, Dänemark, Ägypten, Eritrea, Finnland, Frankreich, Deutschland (93 von rund 1800 Teilnehmern), Ghana, Griechenland, Hongkong, Island, Indien, Irak, Irland, Israel, Italien, Japan, Jordanien, Kuweit, Libanon, Litauen, Luxemburg, Malawi, Malaysia, Mexiko, Mongolei, Marokko, Nepal, Niederlande (137, 16 Millionen Einwohner!), Neuseeland, Nigeria, Norwegen (95, gut 4 Millionen Einwohner!), Oman, Pakistan, Polen, Portugal, Qatar, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Singapur (33, gut 4 Millionen Einwohner!), Slowenien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden (170, 9 Millionen Einwohner!), Schweiz, Taiwan, Thailand, Tunesien, Türkei, Uganda, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien (597, gut 50 Millionen Einwohner!) und USA.

 

Obwohl sich mit dem Veranstaltungsort die einmalige Chance geboten hätte, ein (außerhalb der USA) wirklich einmaliges Angebot an internationalen Anregungen einmal im eigenen Lande zu erleben, wurde diese – wen wundert das eigentlich wirklich? – gründlich vertan. Trotz Sonderkonditionen. Auch fast alle, die sich hierzulande als Qualitätsexperten gebärden, glänzten auf dieser Veranstaltung durch Abwesenheit. Die wenigen deutschen unter den vielen hundert Fachvorträgen auf dem Kongress hatten – soweit erkennbar – nichts wirklich Handfestes zu bieten.

 

Josef Siebig vom G-BA verwendete in seinen Begrüßungsworten auch noch den (andernorts seit 20 Jahren veralteten, weil viel zu kurz greifenden) Begriff „Quality Assurance“. „Improvement“ ist hierzulande als Notwendigkeit noch nicht einmal erkannt. Oder wegen der hohen deutschen Qualität nicht ernsthaft zu erwägen.

Günther Jonitz von der Berliner Ärztekammer zählte unter der komischen Überschrift „Medical success leads to medical error: how health professionals accept responsibilitiy for safety“ vor allem auf, welche schönen Beschlüsse ärztliche Gremien (wie der Deutsche Ärztetag 2005 „einstimmig!“) in Deutschland schon zum Thema getroffen haben – und dass man sich als geschädigter Patient „schon seit 30 Jahren“ bei der zuständigen Ärztekammer beschweren kann. Peinlich, peinlich. Das Handfesteste in seinem Vortrag war noch der Hinweis auf „ungefähr 1000 Sicherheitsprojekte der Haftpflichtversicherer in 400 Krankenhäusern“. Und das Outing in der Bildzeitung: „Ich habe schon einmal einen Fehler gemacht. Als Arzt!“ Er sieht sich und Deutschlands Ärzte gleichwohl auf einem guten Weg: „Yes. We can!“ Illustriert mit Obama-Foto. Und Hillary.

Glücklicherweise waren nicht alle deutschen Präsentationen von diesem Kaliber. Dass auch in Deutschland durchaus schon ernsthaft gemessen und ausgewertet wird, zeigte z.B. ein Poster von Helios. Was andere deutsche Referenten zu  den Themen Governance, „Benchmarking“, Patient Participation, Training und Incident Reporting vorzutragen hatten, konnte der Berichter leider nicht mithören. Kaum anzunehmen, dass hier neue Erkenntnisse vermittelt wurden.

 

Die große Linie (und einen knappen historischen Abriss) zeichnete das internationale „Qualitäts-Urgestein“ Donald M. Berwick, IHI,  mit seinen „Bekenntnissen eines Extremisten“ im ersten Plenarvortrag vor: „What patienten-centered care really means“. Nicht nur ein Lippenbekenntnis zur Patientenorientierung (oder die diesbezüglichen KTQ-Inhalte), sondern eine völlige Umkehr – weg von einem arztgetriebenen und hin zu einem patientengetriebenen System. Für jeden einzelnen Patienten.

Leider fanden auf diesem Kongress wie häufig viel zu viele interessante Sessions parallel statt. Also war eine – nicht immer einfache – sorgfältige Auswahl geboten. (Über Einzelheiten zu einzelnen Präsentationen wird später einmal ausführlicher berichtet).

 

Als erstes ist von einem handfesten Beispiel zur Einführung eines verbindlichen Behandlungspfads zu berichten, dem Keystone Project im gesamten Staat Michigan (Präsentation A5). Kurz gesagt geht es um Folgendes (Die hier hinterlegte Dia-Sequenz ist mit Teilen des Vortrags nahezu identisch): In Michigan haben 122 Intensivstationen (ICUs) ihr Procedere auf der Grundlage eines „proven evidence-based“ Vorgehens zur Vermeidung einer Lungenentzündung bei künstlicher Beatmung checklistengestützt standardisiert und alle Beteiligten in allen Einrichtungen dazu gebracht, sich tatsächlich an ihre neue Routine zu halten. Was sich in Michigan zur Fehlervermeidung und zur Infektionsverhütung als durchschlagend erfolgreich erwiesen hat, soll in den nächsten Jahren – beginnend mit einer Handvoll weiterer Bundesstaaten – schrittweise aufs ganze Land ausgeweitet werden. Das „Erfolgsgeheimnis“: Eine dynamische Leitung, eine Art „Bandwagon Effect“, die aktive Einbeziehung der Ärzte, ein enger Informationsaustausch, die Anwendung des Prinzips von Stock und Mohrrübe sowie die Verlockung, an einem Pioniervorhaben teilzunehmen.

 

Als nächstes (M1 Improving flow improves everything) folgte – sozusagen „high density, high-speed“ – ein halbtägiger simulationsgestützter Minicourse britischer Referenten, um sowohl Warteschlangen als auch „no value adding costs = waste“ durch das Vorhalten von Überkapazitäten zu vermeiden. Deren Sinn erschließt sich natürlich erst jenen Zeitgenossen, die es für durchaus denkbar halten, dass „in einem der besten Gesundheitswesen der Welt“ nicht nur mehr Geld nötig ist, sondern sich durchaus mit weniger Geld auskommen ließe. Das kann jeder selbst ausprobieren, wenn er die Beispiele der Referenten am Rechner durchspielt. Nützlich, aber derzeit zumindest bei jenen, die derzeit in Deutschlands Gesundheitswesen das Sagen haben, völlig „praxisfern!“

 

Enttäuschend – zumindest für den Berichterstatter, der etwas weitaus Anspruchsvolleres erwartet hatte – die nächste Sequenz von Präsentationen zum wichtigen Thema „D3 How is quality improvement being taught to health professionals in training“. Dort wurde aus drei europäischen Ländern (England, Italien, Deutschland) wahrhaftig nur vorgetragen, wie zum Generalthema eigens entwickelte (und im branchenübergreifenden Weltvergleich inhaltlich viel zu kurz greifende) Curricula geplant und (dann doch nicht) realisiert wurden.

 

Ungleich interessanter – zumindest für den Berichterstatter – ein faktenreicher, mit vielen Beispielen gespickter Minicourse „M6 Simplifying the selection and use of statistical process control (SPC) methods“ dreier Referenten aus den USA, aus Kanada und aus Großbritannien zur Auswahl der jeweils richtigen Methode der statistischen Verlaufsauswertung mittels Run Chart und / oder Varianten eines Control Chart unter strikter Beachtung der Unterschiede von Signalabweichung vs. Standardabweichung im Sinne von W. Edwards Deming („If I had to reduce my message for management to just a few words, I’d say it all had to do with reducing variation“).

Auch die hier vorgetragenen Feinheiten werden in Deutschland erst dann eine Rolle spielen, wenn sich auch bis irgendwann (ein holländischer Chefarzt im Small Talk: „In dreißig Jahren!“) auch hierzulande einmal herumgesprochen haben wird, dass eine Krankenbehandlung ohne das kontinuierliche Messen, Aggregieren und Auswerten von Ergebnissen (und nicht nur von Durchschnittswerten) für jeden einzelnen Patienten eine Fahrt ins Blaus bleiben muss: Vielleicht von „hoher Qualität!“, vielleicht auch überhaupt nicht. Und Prozessverbesserungen kann man so überhaupt nicht erkennen!

 

Für den – in diesem Punkt bereits sehr gut vorbereiteten – Berichterstatter der absolute Höhepunkt des gesamten Kongresses war am dritten Tag der Minicourse „M14 Applying the Toyota production system to medicine: the Virginia Mason production system“, in gut drei Stunden souverän vermittelt von Gary Kaplan MD, Chairman and CEO der in Seattle, Washington, ansässigen und mit der weltbekannten Group Health Cooperative Puget Sound verbundenen Gruppe von Gesundheitseinrichtungen und Charleen Tachibana, RN, MN, Senior Vice President, Hospital Administrator & CNO. Mit dieser Präsentation der Prinzipien, Methoden, daraus abgeleiteter konkreter Beispiele für jederzeitige Prozessverbesserungen mit dem Ziel von Wertsteigerungen und jeder Menge Beispiele für erzielte Verbesserungen wurde sicher auch dem letzten Anwesenden klar, dass das “the people are no cars-thing” absoluter Unsinn ist, bestenfalls eine Schutzbehauptung all jener Ärzte, die eine Veränderung zum Besseren offensichtlich wie der Teufel das Weihwasser fürchten. Das Ganze hat auch einen geschützten Namen: Virgina Mason’s Patient Safety Alert SystemTM Zitate: Für jeden einzelnen Patienten sind nur Null Fehler gut genug! Best practice every time! Das alte ärztliche Selbstbild reicht heute wirklich nicht mehr! „Guidelines sind nur optional und darum keineswegs ausreichend! Das Einhalten … verbindlicher Pfade … ist eine Grundvoraussetzung, den Arbeitsplatz zu erhalten! Weg von einer arztgetriebenen und hin zu einer patientengetriebenen Organisation!  Es gilt – so Dr. Kaplan – im diesem Sinne den Geist der Medizin zu verändern („Keep moving!“):

  • Weg vom „Arzt im Mittelpunkt“ und hin zum „Patient im Mittelpunkt“
  • Weg vom „Warten ist akzeptabel“ und hin zum „Warten ist schlecht“
  • Weg vom „Fehler sind möglich“ und hin zur „Fehlerfreien Medizin“
  • Weg von einer „unklaren Verantwortlichkeit“ und hin zu „rigoroser persönlicher Verantwortung“
  • Weg von „immer mehr Ressourcen“ und hin zu „keinen neuen Ressourcen“
  • Weg von einem „Reduzieren von Kosten “ und hin zu einer „Reduktion von Verschwendung“
  • Weg von einer „retrospektiven Qualitätssicherung“ und hin zur „Qualitätssicherung real-time“
  • Weg von einem „Management ganz oben“ und hin zu einem „Management vor Ort“
  • Weg von einem „Wir haben Zeit“ und hin zu einem „Wir haben keine Zeit“

"If you are dreaming about it ... you can do it" (Sensei Chihiro Nakao)

Danach konnte der von Maureen Bisognano, IHI,  abgespulte Vortrag “I1 From Good to great: how some created systems for rapid and effective change leider nur noch blass wirken. Er wirkte – in Berlin durchaus angebracht, aber die deutschen Zuhörer waren ja fast nicht da – nur noch wie eine Anfängervorlesung, gänzlich ohne das Feuer des Buches von Jim Collins, dessen Buchtitel hier (ohne dies zu erwähnen) entlehnt wurde.

 

Der weltläufige Australier Ross McL Wilson schaffte es mit seiner videogestützten Schlusspräsentation „The quality and safety movement: everyone, everywhere and altogether?” am Ende auch noch, den Bogen vom Individuum zum weltweiten Geschehen zu schlagen, ohne dabei auch nur im Geringsten kitschig zu wirken. Das war anrührend und ein großer Abschluss!

 

Das Fazit: Die Teilnahme hat mehr als gelohnt. Es gab genügend nützliche Inhalte. Die Randgespräche mit Teinehmern buchstäblich aus allen Kontinenten waren schon allein den Beitrag wert. Das Gastgeberland hat sich in Sachen nachweislicher Qulaitätsverbesserungen so präsentiert, wie der Realität entspricht: Rückständig. Das macht nur noch deutlicher, als es dem interessierten Zeitgenossen ohnehin ist: Es ist eine Schande, dass man es unter Deutschlands selbstzufriedenen Health Professionals – allen voran unter den Funktionären der deutschen Ärzte - nach wie vor nicht für nötig hält, sich in der Materie auch nur sachkundig zu machen, geschweige denn sich hier ernsthaft zu engagieren. So haben wir gegenüber unseren ausländischen Gästen leider ein betrübliches Bild abgegeben. Gut insofern, dass auch die deutschen Medien nichts von der Veranstaltung gemerkt haben – weder lokal noch überregional. Sie spiegeln nur die Leere wieder. Es bleibt noch unendlich viel zu tun. Wir werden weiterbohren!


02. (NQF) Sichere Methoden für eine bessere Krankenbehandlung – Update 2009

NQF NATIONAL QUALITY FORUM, Safe Practices for Better Healthcare – 2009 Update. A CONSENSUS REPORT...

 …Mehr


03. (H&HN) Einen eigenen Stamm an Pflegekräften entwickeln

Growing a Nursing Staff Rather than recruit, a Louisiana medical center decides to sponsor a group of students earning their associate degrees.

West Jefferson Medical Center in Marrero, La., faced the usual shortages in its nursing staff. Overseas and agency nurses filled the gaps...

Mehr


04. (NYT) Was macht einen guten Arzt aus? Übung, Übung, Übung – und eine Menge Fehler!

Accepting the Risks in Creating Confident Doctors

What does it take to make a medical expert? Practice, practice, practice. And, unfortunately, some error along the way...

Mehr


05. (H&HN) Sichern & Aufrechterhalten einer kundenorientierten Arztqualifikation nach Joint Commission

The Physician Profile: A Culinary Approach

Follow this detailed recipe for meeting the Joint Commission’s standard for OPPE...

Mehr


06. (H&HN) Patientennutzen durch Elektronische Krankenakte steigern

Getting the Facts Right

A well-designed EMR system can avoid the problem exemplified by the game Telephone...

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09. Buchbesprechung

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Langbein, Kurt, Verschlusssache Medizin: Wie sie uns krank macht, wer davon profitiert und wie Sie das System überleben, Salzburg 2009, ISBN-10: 3902404736, ISBN-13: 978-3902404732, AMAZON

„Wer die Wahrheit nicht kennt, ist bloß ein Dummkopf. Wer sie aber kennt und eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher“ (Bertold Brecht)

Wer nur eine spannende Lektüre und knackige Formulierungen sucht, liegt bei diesem brandneuen Sachbuch zweifellos richtig. Besonders wenn er selbst im Gesundheitswesen arbeitet. Wer danach allerdings selbst in die missliche Lage gerät, die Dienste des Medizinbetriebs in Anspruch nehmen zu müssen, wird sich das – solange er sich noch wehren kann – lieber zweimal überlegen. Nicht nur in Österreich, dem Schauplatz des zitierten Geschehens. Was Kurt Langbein („Bittere Pillen“) unter dem obigen Leitspruch an haarsträubenden Praxisbeispielen in fünf Abteilungen zusammengetragen hat, verschlägt auch einem erfahrenen Kenner schon den Atem.

Hier eine Zusammenfassung der Gliederung:

  • Prolog
  • Die kranken Häuser
  • Zimpfers Fall
  • Forschung zwischen Monetik und Ethik
  • Medizin der Aktionäre
  • Notaufnahme – das System
  • Anstelle eines Nachwortes

Dazu einige Stichworte:

 

Prolog
Der Medizinbetrieb „produziert … im Übermaß an seinem Geschäftszweck vorbei. … und wie viel Heilung (die Patienten) tatsächlich erreichen, ja ob sie überhaupt erreicht wird, wird geheim gehalten. … die Gruppe der Mitarbeiter … die wissen will, was die Folgen des Handelns tatsächlich sind, wird größer“

 

Die kranken Häuser
Eine Flut konkreter Beispiele dafür, was falsche ökonomische Anreize (hier die österreichischen MEL-Punkte) an menschenverachtendem Fehlverhalten geradezu zwangsläufig nach sich ziehen. Einschließlich des systematischen Vertuschens der Konsequenzen, wenn doch etwas davon ans Tageslicht zu geraten droht: Unnötige, aber abrechenbare Zusatzleistungen, ‚Mut‘ auch zur seltensten und gefährlichsten Operationen, die Behauptung von Leistungen, die gar nicht erbracht wurden, sowie von Vorgehensweisen wie einem „vorbildlichen Risikomanagement“, die bei genauerem Hinsehen gar nicht existieren, Weiterarbeiten trotz Übermüdung, schlechte Zahlen im internationalen Vergleich, „Pfründe-Mediziner … veraltete Hierarchien … Chefeinschübe (in den OP-Plan) … ungeplante Re-Eingriffe … abstruse Einwände der Datenschutzkommission … Ignoranz nach Fehlern … nicht codierte Wiedereingriffe … Verschleiern, Verzögern, Mauern, … geschönte Leistungsberichte…“. Alles Kapitel für Kapitel mit Quellen belegt. Die Beispiele stammen zwar ‚nur‘ aus Österreich, ließen sich aber mit Sicherheit auch durch jede Menge deutsche ergänzen. In Österreich konnte Langbein schon auf mancherlei punktuelle – wenn auch offensichtlich nicht immer freiwillige – Transparenz aus Detailerhebungen (Beispiel Franz Stöger) zurückgreifen, wie sie hierzulande, von BQS und einzelnen nicht vertuschbaren „Skandalen“ abgesehen, bislang nicht hergestellt wurde. Soweit intern überhaupt Aufzeichnungen geführt werden, geraten sie nicht in die Öffentlichkeit.

 

Zimpfers Fall
Hier wird ein besonders herausragendes Beispiel für eine ärztliche Selbstherrlichkeit, die offensichtlich keine Grenzen kennt, genauer dargestellt, zu dem einem auch spontan gleich deutsche Beispiele einfallen. Mit vielen Quellen.

 

Forschung zwischen Monetik und Ethik
In diesem Kapitel wird anschaulich die Kehrseite der in der Branche als Qualitätsausweis missverstandene Einwerbung möglichst vieler Drittmittel bei gleichzeitiger Kürzung öffentlicher Mittel verdeutlicht: Wes Brot ich ess… Langbein konstatiert eine „üble Melange von Intrigantentum und Intransparenz“. Die dafür herangezogenen Beispiele und Quelle sprechen für sich.

 

Medizin der Aktionäre
Hier werden – nicht immer neu – die bekannten Prioritäten der Pharmahersteller gegeißelt. Dass dort Marketing („Kerngeschäft der Pharmabranche“) Vorrang vor der Forschung zu haben scheint, hat man schon woanders gelesen. Doch das will man eigentlich gar nicht glauben, wenn es nicht so viele Belege dafür gäbe: „…Einsatzgebiete werden maximal ausgedehnt, die Risiken verharmlost … Schein-Innovationen … wir machen uns die Patienten selbst … Schmerz durch Schmerzmittel … sie therapieren uns zu Tode … fort ist die Bildung … das Dilemma mit den Leitlinien … kleine Geschenke erhalten die Freundschaft … und große steigern den Umsatz … die Therapie der öffentlichen Meinung ...“. Auch hierzu eine gehörige Zahl von Beispielen und Quellen.

 

Notaufnahme – das System
Das Kapitel zeigt für den ganzen überteuerten Medizinbetrieb die „Ambivalenz zwischen Ethik und Profit“ auf. Es zerpflückt einmal mehr die „Mythen“, Medizin sorge für ein langes Leben und wer länger lebe, brauche mehr Medizin. Es regt an, etwas gegen die Versäumnisse „Übergewicht und Bewegungsmangel“ sowie die Überforderung des Immunsystems zu tun. Doch dagegen stünden starke Interessen („Geld und Medizinerwelt“): „Es ist tatsächlich so, dass jeder Dienstleister im Medizinbetrieb für sich wirtschaftlich sinnvoll handelt, wenn er einfach die Kosten in die Höhe treibt“. Wir lesen auch: „Die Spitals-Last: zur Hälfte unnötig“ usw. usw. Dass es zu viel Diagnostik gibt, viele überflüssige Eingriffe erfolgen, sinnlose ‚Denkmäler‘ errichtet werden, Patienten zu häufig und zu lange in Intensivstationen festgehalten werden, weil dies zusätzliches Geld bringt, wird durchaus plausibel anhand von Beispielen belegt. Die ärztliche Standesvertretung ist in Österreich genau so einfallsreich und innovativ wie in Deutschland, wenn es darum geht, die elektronische Krankenakte noch möglichst lange hinauszuzögern und dafür die Art der sinnlosen Qualitätsberichte aufs Höchste zu loben: „Niemand käme auf die Idee, die Qualität und den Preis einer Zeitung an der Zahl der verbrauchten Bleistifte bei der Herstellung zu messen und daraus zu schließen, dass ein möglichst hoher Papieraufwand besonders qualitätssteigernd und preiswürdig wäre“. Dass es auch anders ginge, sollen skandinavische Beispiele belegen: „Transparenz als Gegengift zur Desinformation … bessere Medizin ist nicht teurer“. Auch hierzu ein paar Seiten Quellenhinweise.

 

Ob es einem engagierten und ehrlichen Leistungserbringer in Österreich möglich wäre, auch gegen den Strom dem Patienteninteresse zu dienen, kann aus der Ferne nicht beurteilt werden. In Deutschland wäre dies durchaus möglich. Umso dringlicher ist es, sich erst einmal über die notwendigen Veränderungen klar zu werden. Dafür bietet die Lektüre dieses Buches jede Menge nützliches Anschauungsmaterial: Unbedingt lesen! (+++)

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

Liste der bisher besprochenen Bücher


10. In eigener Sache: Website „hmanage 2.0“

Sie können nun bald mit dem – schon seit längerem angekündigten – grundlegenden Relaunch unserer Website rechnen. Auf dem Wege dorthin wird praktisch kein Stein auf dem anderen bleiben. Das schließt es leider auch aus, frühere Links zu erhalten. Wer also auf der bestehenden Website noch etwas nachlesen möchte, sollte das bald tun. Nur die bisherigen hmanage Newsletter und die Nachrichten werden völlig übernommen und endlich wieder gemeinsam recherchierbar. „hmanage 2.0“ wird sich im Laufe der Zeit stärker ändern als „hmanage 1.0“. Über die Einbeziehung von Interaktionsmöglichkeiten wird noch nachgedacht. Zur Stärkung der „Zweisprachigkeit“ werden wir noch stärker als bisher wichtige Sachverhalte und Zusammenhänge in die jeweils andere Sprache übersetzen.

Die neue Website „hmanage 2.0“ wird weit stärker als bisher auf einen ganzheitlichen Ansatz ausgerichtet sein, den Beitrag des eigenen Gesundheitsunternehmens zum Wertzuwachs für seine Stakeholder zu identifizieren, transparent zu machen und dann systematisch weiter zu steigern: Zur Gesundheit jedes einzelnen Patienten und im Einzugsbereich insgesamt, zur wirtschaftlichen Stabilisierung des eigenen Unternehmens, zu einem immer erfreulicheren Ort zu lernen und zu arbeiten. Im Sinne eines guten Nachbarn insgesamt (Corporate Social Responsibility).

Dabei wird noch weit stärker als bisher auf eine systematische Aufbereitung des international verfügbaren Wissens und daraus gewonnener Praxiserfahrungen geachtet werden. Dazu gibt es weiter – wo immer dies sinnvoll erscheint – eine Verlinkung zu weitergehenden Inhalten. An abrufbarem Know-how gibt es schon heute jede Menge. Das wollen wir aus seiner Rolle als „Geheimwissenschaft“ herausholen. Und dafür muss auch niemand extra bezahlen. Unsere herausragende Expertise können Sie bei Bedarf (und bei wirklichem Veränderungsinteresse) weiterhin gern zusätzlich „einkaufen“.


09. Buchbesprechung