Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

356 - 04.11.2008 - In eigener Sache: Wir begrüßen Sie heute mit einem neuen Newsletter. Zwischen den wöchentlichen Erscheinungsterminen finden Sie aktuelle Nachrichten und Kommentare sowie Vorabveröffentlichungen zu späteren Newslettern auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"I can give you a six-word formula for success: Think things through -- then follow through."

Captain Edward V. Rickenbacker

Quelle: BHCLI

 


01. Editorial. IGES-Kongress Innovation und Gerechtigkeit

Hier ist über einen verdienstvollen (und dabei auch noch kostenlosen) 6. Innovationskongress zu berichten, den IGES am 23. Oktober 2008 in Berlin-Mitte abgehalten hat.

Diesmal zum wunderbaren (Tarn-)Thema „Innovation und Gerechtigkeit“. Mitveranstalter Pfizer, TK und Spectrum | K (BKK). Bei genauerem Hinsehen: Viel Innovation und wenig Gerechtigkeit. Zu Recht.

Nach Grußworten der Veranstalter fand Franz Knieps vom BMG urige Worte zur deutschen Krankheit des Klagens, wo die Leichen vor der Tür liegen. Hier ging‘s ums Klagen über den Gesundheitsfonds. Aber „sie können noch so viel den Mond anbellen. Das wird die Politik nicht beeindrucken“. Denn der Gesundheitsfonds macht alles besser. Und gerechter. Und er schafft Wettbewerb. Und „international versteht man unser Gejammer nicht … Unser System ist innovativ. Vor allem im Vergleich zu anderen Ländern … Beispiel Managed Care ... Einheitliche Krankenversicherung kommt …“. Also das Übliche.

 

Der Eröffnungsvortrag von Friedrich Breyer, Uni Konstanz, machte wieder einmal deutlich, wie wenig es trotz aller Mühen möglich ist, angesichts der stets begrenzten Ressourcen bei medizinischen Innovationen im Sinne des Rechts auf Herstellung eines vergleichbaren Ergebnisses „Gerechtigkeit“ walten zu lassen. Hier ging es auch um die Unterschiede von Verfahrensgerechtigkeit und materieller Gerechtigkeit. Und darum, wer denn über die Gerechtigkeit zu befinden habe. Das Kollektiv oder der Einzelne. Betroffene oder Nicht-Betroffene. Störend: Die angeblich immer nötige „Zuteilung“ durch den Staat. Dabei verteilt der doch auch nur (nach Abzug der Verwaltungskosten) das Geld, das er seinen Bürgern einschließlich späterer Generationen aus der Tasche gezogen hat. Gleichwohl interessant.

Es folgten vier gut ausgesuchte Vorträge zu verschiedenen Aspekten der Innovation: Zunächst über die möglichen Vorzüge der Protonen-Therapie und deren Finanzierung (Volker Budach, DEGRO). Es folgte das unerschöpfliche Thema „Volkskrankheit Hypertonie: Ende des Fortschritts?“ (Martin Middeke). Kurzweilig – mit einem ernsthaften Blick in die Zukunft: „Pflegeroboter - Hilfsmittel der Zukunft?“ (Rüdiger Dillmann). Schließlich das Wachstumsthema „Hilfsmittelversorgung – Inkontinenz“ (Klaus-Peter Jünemann, Kontinenz-Gesellschaft). Damit wurde den Teilnehmern wohl mehr als deutlich, was so alles unter Innovation zu zählen und ggf. zu bezahlen sein wird.

Komischerweise war keine Innovation dabei, die das Gesundheitswesen im Sinne der Gleichung [Value = (Outcomes / Costs)] billiger machen würde. Die Kosten spielten auch nur insoweit eine Rolle als immer wieder gefragt wurde, wer sie „trägt“ und nie, ob sie auch wirklich lohnen. Das sollte bestenfalls erst einmal herausgefunden werden. Das mag daran liegen, dass eine Senkung der Systemkosten bei gleichbleibender oder gar höherer Qualität hierzulande wohl immer noch (wie auch noch ein Kurzgespräch mit Gastgeber Bertram Häusler dem Berichterstatter verdeutlichte) ein ‚blinder Fleck‘ ist! (Dafür fänden sich sicher auch weniger Sponsoren).

 

Nach der Mittagspause schätzte es auch Norbert Klusen, Chef der TK, so ein, dass es Innovationen mit dem (von ihm nach wie vor schlecht gefundenen) Gesundheitsfonds wohl zunächst schwerer haben werden. Doch das werde sich wohl schon einrenken, wenn erst „alle Zusatzbeiträge erheben werden“. Es handele sich schließlich um den „Wachstumsmotor Gesundheitsmarkt“! Mit der zunehmenden Emanzipation des Patienten werde auch die Qualität wichtiger. Dann gälte nicht mehr, was Herr Seehofer (lauf Klusen) einmal gesagt haben soll. Die Kassen sollten sich nicht um die Qualität kümmern. „Die Qualität machen die Ärzte sowieso!“ Na also!

Der Hausherr (Bertram Häusler) stellte anschließend das Konzept einer eigenen Innovationsversicherung vor, damit der Patient „so wenig Schaden wie möglich durch die Gesundheitsreform“ erleide. Das fand allerdings auf dem Podium wenig Unterstützung. Christian Weber (WIP) sieht eine wachsende Rolle der PKV als Innovationsmotor, während Klaus Jakobs (WIdO) sich naturgemäß dafür stark macht, Innovationen in der GKV zu halten.

Am Spätnachmittag begeisterte sich Michael Schaaf von der Kassenfirma Spectrum |K dafür, mit sehr viel mehr IT ein der Privatwirtschaft entlehntes CRM-Konzept auf die Krankenkassen zu übertragen: „HealthCare Relationship Management (HRM) als kundenorientiertes Führungs- und Managementkonzept“. Das klang reichlich blauäugig, zumal Patientendaten im Sinne eines Personal Health Record (PHR) im Vortrag ebenso wenig vorkamen wie die deutschen Datenschützer. Der im Programm angekündigte Rüdiger Strehl vom Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD) erschien nicht. Stattdessen begründete dessen Kollege Ralph Heyder, weshalb aus der Sicht des VUD wenig für eine weitere Privatisierung von Universitätsklinika spreche. Als der im Programm angekündigte NN entpuppte sich der bewährte Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. Günter Stock, der nicht über die Gerechtigkeit sprach, sondern eine bessere öffentliche Forschungsfinanzierung forderte. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung!

(Vorabveröffentlichung als Nachricht am 24.10.08)


02. (AHA) US-Amerikaner nutzen Qualitätsinformationen fürs Gesundheitswesen erst wenig

Poll: Much of public not using health care quality information

Only 30% of Americans saw information this year comparing the quality of health plans, hospitals or doctors, according to a new Kaiser Family Foundation poll...

…[Mehr]

 


03. (NQF) Messen und Berichten zur Qualität kultureller Kompetenz: Entwurf

NQF issues draft cultural competency standards

The National Quality Forum is accepting comments on its draft report on national voluntary consensus standards for measuring and reporting cultural competency...

…Hier der Entwurf 


05. (M&K) Unterschätzte Wahrnehmung: Sepsis – Herausforderung für Krankenhaus und Forschung

Trotz aller Fortschritte der modernen klinischen Medizin und in der Aufklärung der molekularbiologischen Grundlagen dieser Erkrankung stellt die Sepsis weltweit immer noch eine der größten Herausforderungen für die Ärzte und das Gesundheitssystem dar. Im Gegensatz zu kardiologischen und onkologischen Erkrankungen ist die (fach)öffentliche Wahrnehmung für die Sepsis jedoch gering, weil mehr die Infektionsursache (Pneumonie, Peritonitis, Weichteil- und Gelenksinfektion, Harnwegsinfektion, Meningitis etc.) (fach)öffentlich verbreitet und bekannt wird, als die letztlich weltweit auf Intensivstationen zum Tode führende Komplikation dieser Infektionen: das septische Multiorganversagen...

…[Mehr

Anmerkung:
Schon in der Septemberausgabe von M&K, doch ein trotzdem nach wie vor lesenswerter Text!


06. (IHI) Strammer Kurs auf Null vermeidbare Infektionen – und bei uns?

What Zero Looks Like: Eliminating Hospital-Acquired Infections

As much as public awareness of the problem has grown, most patients might still be surprised to learn that infections contracted during a hospital stay are a significant cause of death in the US. Medical professionals already know this sobering truth...

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07. (QSHC online) Wie man Qualitätsverbesserungen korrekt berichtet: Leitlinie

The SQUIRE (Standards for QUality Improvement Reporting Excellence) guidelines for quality improvement reporting: explanation and elaboration...

…[Mehr]


09. Buchbesprechung

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Ludwig, Udo, Tatort Krankenhaus: Wie Patienten zu Opfern werden, München 2008, ISBN-10: 3421043868, ISBN-13: 978-3421043863, AMAZON, knapp 280 Seiten.

 

„Keine andere Nation in Europa gibt insgesamt mehr Geld für Gesundheit aus als die deutsche, rund 250 Milliarden Euro werden es voraussichtlich in diesem Jahr sein“.

Hier hat ein erfahrener Spiegel-Journalist mit Sachverstand und großem Aufwand wieder einmal anhand einer Unzahl persönlicher Schicksale aufbereitet, was jeder Insider selbstverständlich weiß: Im deutschen Krankenhaus werden jede Menge Fehler vertuscht. Doch allmählich beginnt man, auch hierzulande darüber zu reden. Wenn auch zumeist nur abstrakt. Und auch einige, wenn auch noch zu wenige Vorschläge zu machen, wie man die Dinge anders, besser machen könne. Daher ist zu hoffen, dass das sachlich geschriebene, doch die Dinge auch beim Namen nennende Buch dazu beiträgt, eine breite, aber unaufgeregte Diskussion des Themas loszutreten. Hier eine grobe Inhaltsübersicht:

  • Einleitung
  • 1 Tatort Krankenhaus – die Fehler in der Diagnose und bei der Behandlung
  • 2 Warum immer wieder Patienten leiden müssen – Quellen systematischer Behandlungsfehler
  • 3 Patienten als Opfer von Geld- und Geltungsgier
  • 4 Die Tragödie danach – der Umgang mit den Opfern von Schadensfällen
  • 5 Was sich ändern muss
  • 6 Juristische Modelle für mehr Gerechtigkeit und schnellere Entscheidungen
  • Dank
    Editorische Notiz
    Anhang
    - Urteile
    - Literatur
    - Internetadressen

Zu 1 Tatort Krankenhaus – die Fehler in der Diagnose und bei der Behandlung:
In den USA kursiert ein Vergleich schon seit vielen Jahren: Praktisch alle gefahrengeneigten beruflichen und privaten Situationen bergen weitaus geringere Risiken, einen Schaden zu erleiden, als der Aufenthalt in einem Krankenhaus. Das kann man dort auch belegen. Denn es gibt Daten. Und das trotz einer ähnlichen Neigung der Akteure zum Vertuschen von Fehlern wie hier schon seit etlichen Jahren. Das unterscheidet das Land grundsätzlich von unserem. Doch Ludwigs Beispiele zeigen deutlich genug, woran das hiesige Gesundheitswesen krankt: „… in der Hochrisikozone Krankenhaus … gibt es noch keine umfassenden Strategie für die Vorbeugung von Fehlern“. Man sollte ergänzen: Nicht einmal fürs Transparentmachen! BQS wird im Buch angesprochen, aber hinsichtlich seiner Reichweite und Wirkung offensichtlich maßlos überschätzt. Damit wird nur ein Bruchteil der stationären Behandlungen erfasst. Und dies auch noch großenteils mit Hilfe von Indikatoren, die Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung überhaupt nicht erkennen lassen.

Der Mangel beginnt schon bei der Diagnosefindung. Dafür liefert das Buch schlagende Beispiele. Wer die richtige, weil zielführende Indikation zu spät oder gar nicht findet, kann am Patienten so viel wie er will herumdiagnostizierungen und -therapieren: Er wird dessen Krankheit nicht heilen oder auch nur lindern. Es sei denn, die Natur hilft sich auch so. Das muss nicht sein: „Eines ist sicher, die weitaus meisten Fehler ließen sich einfach ausschalten, wenn Organisation und Kommunikation im Klinikalltag besser wären“. Das schreit nach einem Minimum an Respekt vor der Persönlichkeit des Patienten. Das schreit nach (anteiliger) persönlicher Verantwortung und Haftung. Das schreit auch in der Krankenbehandlung (was Ludwig nicht schreibt) nach einem höheren Maß an Standardisierung von Prozessen und Ressourcen. Es schreit nach patientenbezogen geordneten, massiv IT-gestützten arbeitsteiligen (Behandlungs-)Prozessen – quer zu den traditionellen Abteilungs-„Säulen“. Die gilt es – hierzulande noch gänzlich ungewohnt – dann auch strikt einzuhalten. Das hilft, mit deutlich weniger Personal (oder Überstunden) auszukommen, die Zahl der Übergaben zu verringern, das Zusammenspiel gründlich trainieren und so vermeidbare Hektik gar nicht erst entstehen zu lassen. Ludwig liefert dafür mit seinen Negativbeispielen mehr als genügend Begründungen. Die Lösung des Problems kommt wohl vor allem deshalb zu kurz, weil er schließlich kein Krankenhaus- oder gar Organisationsexperte ist, sondern Journalist. Doch seine Recherchen helfen vorzüglich, allfällige Veränderungen zu begründen.
Ludwig zweifelt wohl zu Recht daran, dass jüngere Aktivitäten zur Patientensicherheit („Aus Fehlern lernen“) bei genauerem Hinsehen sonderlich mutig sind und nicht nur Alibicharakter haben, sondern tatsächlich etwas zum Besseren ändern. Angesichts drastischer Vertuschungsbeispiele und allerlei Schönrednereien neigt er allerdings eine Spur zu sehr zum Bestrafen „schludriger Ärzte“. Doch erstens schaffen Strafen die falschen Anreize. Und zweitens entstehen die meisten Fehler auch in der (weitaus besser organisierten) Industrie nicht infolge eines persönlichen Fehlhandelns, sondern in der Folge einer mängelbehafteten Organisation. Und die ist im Kernbereich des deutschen Krankenhauses noch weithin die Regel! Das zu erkennen, bedarf nicht einmal des Einsatzes eines – im Buch besonders hervorgehobenen – Lufthansa-Trainers!

 

Zu 2 Warum immer wieder Patienten leiden müssen – Quellen systematischer Behandlungsfehler:
Mit dem zweiten Kapitel gerät der Autor ein wenig auf Abwege – zumindest wenn man erkannt hat, dass die bestehende Routineorganisation und nicht Veränderungen oder das Bestehen auf angestammten Pfründen die Hauptursache von (Behandlungs-)Fehlern ist. Es geht los mit einem branchenbekannten, gleichwohl leicht abwegigen Negativbeispiel einer „Privatisierung“: Wegberg! Dabei ist dies nur ein Sonderfall der leichtfertigen Erweiterung der ‚natürlichen‘ Machtbefugnisse des deutschen Chefarztes. Absurd. Für die Betroffenen katastrophal. Doch keineswegs typisch für „Privatisierungen“! Auch „Robodoc“ und „Das Geschäft mit Medizinprodukten und die traurige Rolle der Überwachungsinstitutionen“ stehen eher für den branchentypisch leichtfertigen Einsatz ungeprüfter neuer Verfahren und neuerdings auch das vorrangige Starren auf vermeintliche zusätzliche Erlöschancen.
Ein leichter Mangel: Das Märchen von der schlechten Bezahlung deutscher Krankenhausärzte (Seite 119) wird durch Wiederholung in diesem Buch nicht wahrer! Im Übrigen wären die Bezahlung und die Personalbesetzung einmal durchaus genauer zu durchleuchtende Sachverhalte! Wichtig und richtig ist wieder das Aufspießen der Diskussion um Mindestfallzahlen. Hinter den Beispielen dieses Kapitels stehen weniger „systematische Behandlungsfehler“ als persönliche Motive, wenn man denn die Macht hat, sie an hilflosen Patienten auszutoben.

 

Zu 3 Patienten als Opfer von Geld- und Geltungsgier:
Der Titel sagt zutreffend an, was den Leser in diesem Kapitel erwartet: Knackige Beispiele für eine im deutschen Gesundheitswesen nach wie vor weit verbreitete Situation, Individualinteressen ungestraft über die Interessen der Patienten zu stellen. Nicht nur „Broelsch“ ist branchenbekannt. Auch Dietrich Grönemeyer ist nicht nur ein begnadeter Selbstvermarkter, sondern mit seinen Aussagen und Handlungen auch durchaus branchentypisch. Die anderen Beispiele: „Alpha-Klinik. Lebensverkürzung in der „Paracelsus-Klinik Langenhagen“. „Das lukrative Geschäft der Schönheitsoperationen und die Machenschaften des Dr. Dr. St.“. „Zwielichtige Heilmethoden – Geschäftemacherei mit der Angst von Krebspatienten“.
All diese realen Beispiele sind schon starker Tobak. Sie stehen auch in gewisser Weise für weit verbreitete Gepflogenheiten. Doch sie können alle relativ leicht als ‚wenige Ausnahmen‘ abgetan werden, solange nicht dahinter liegende gesetzliche Fehlanreize und strukturelle Rahmenbedingungen angesprochen werden. Hier steht noch ein Stück Ergänzung aus! Genauer gesagt liegt hier der Stoff für ein ganzes weiteres Buch verborgen. Man könnte sich durchaus ein Krankenhaus vorstellen, das Schäden für Patienten (und Mitarbeiter) durch eine gezielte Umorganisation mit hoher Wahrscheinlichkeit weitgehend ausschließt. Doch das wäre nicht nur mit (Veränderungs-)Arbeit verbunden, sondern es berührte auch mächtige Interessen. Also wird wohl alles weiter bleiben, wie es ist. Oder?

 

Zu 4 Die Tragödie danach – der Umgang mit den Opfern von Schadensfällen:
Dieses Kapitel widmet sich – immer mit drastischen Beispielen – dem Thema der Haftpflichtfälle und des wenig patientenfreundlichen Umgangs damit in Deutschland. Dazu gehören „die Schwierigkeiten von Opfern und Hinterbliebenen, Recht zu bekommen“ ebenso wie „die unrühmliche Rolle von Gutachten“. Auch darüber und über die reichlich verquere Rechtslage ließen sich viele Bücher schreiben! Damit korrespondieren ein paar Vorschläge für den Gesetzgeber in Kapitel „5 Juristische Modelle für mehr Gerechtigkeit und schnellere Entscheidungen“. Leider fehlt dabei – für die Patienten wohl am wichtigsten – eine Umkehrung der Beweislast.

 

Zu 5 Was sich ändern muss:
Zunächst wird zutreffend festgestellt, dass man in angelsächsischen Ländern, speziell in Nordamerika, auf dem Gebiet schon sehr viel weiter ist. Leider findet der Leser darüber hier nichts Genaueres – auch nicht im Literaturverzeichnis. Dann findet sich hier mit weiteren, teilweise drastischen Fakten zum Ist-Zustand erneute Kritik. Berechtigt, aber die stand doch schon weiter vorn!

Fürs Thema „Was sich im Krankenhaus ändern muss“ bleiben gerade einmal 5 Seiten. Die Stichworte:
-- „Über Fehler reden“: Es muss erst einmal eine Fehlerkultur geschaffen werden!
-- „Fehlersysteme installieren“: Bisher weithin ohne erkennbare Ergebnisse, also Cave!
-- „Den Patienten als Partner sehen“: Damit ist anzufangen!
-- „Organisatorische Mängel abbauen“: Einverstanden! Besser ‚fehlerabweisende Organisation!
-- „Medizinische Standards festlegen“: Überfällig!
-- „Fehler veröffentlichen“: Ein sehr guter Vorschlag!
-- „Neue Sicherheitsinstitutionen schaffen“: Vorher noch einmal tief nachdenken!

Es folgen als für manche Leser sicher nützliche Ergänzungen kurze Hinweise darauf, a) „was sich rechtlich ändern muss“ und b) „wie sich Patienten verhalten sollten“.

Das Ganze geht unter die Haut. Es ist gut und flüssig geschrieben, auch für den branchenfremden „Laien“ leicht zu lesen. Doch auch – und nur deshalb wird das Buch hier besprochen – für den Insider mit Verantwortung trotz einiger kleiner und größerer Schwächen ein erstklassiger Denkanstoß, über grundlegende Verbesserungen nicht nur zu reden, sondern diese unverzüglich zu starten. Allerdings mit einem weiter gesteckten Ansatz, als er vom Autor vorgeschlagen wird: (+++)

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

Liste der bisher besprochenen Bücher

 


10. Methoden:

Bisherige Inhalte in der Gliederung des webbasierten Knowledge Center der AQS:

Abschnitt Learn About QualityBasic Concepts:

- Problemlösung (346)

- Prozess-Sicht (347)

- kontinuierliche Qualitätsverbesserung (348).

- Kosten der Qualität (350)

- Kundenzufriedenheit (351)

- Quality Assurance and Quality Control (352)

- Lieferantenqualität (353)

- Variation (354)

- Glossary der ASQ (355)

Abschnitt Baldridge Award:

Hier geht es anhand des Beispiels des Baldridge National Quality Program um die Besprechung des Excellence-Ansatzes der internationalen Qualitätspreise. Der dient nicht dem Zertifizieren der Erfüllung irgendwelcher (Mindest-)Qualitätsanforderungen auf dem Wege von Audits, sondern der strukturierten Selbstprüfung (Assessment) einer Organisation in regelmäßigen Abständen auf dem nie endenden Weg zu Excellence. Der – dem früher entstandenen japanischen Deming Prize nachgeformte – Ansatz des Baldridge National Quality Program gilt als Vorbild des (bei anderer Gelegenheit an dieser Stelle zu besprechenden) EFQM-Modells für Excellence.

Unter http://www.quality.nist.gov/ finden sich zum kostenlosen Herunterladen neben allen offiziellen Dokumenten des Programms vor allem dessen Kriterien in drei Varianten, zu denen auch eine für Gesundheitseinrichtungen gehört und Kurzfassungen der Bewerbungen aller bisherigen Preisträger.

Besonders mit letzteren bietet http://www.quality.nist.gov/ einen unvergleichlichen Schatz an Anregungen, was – von gewinnorientierten und gemeinnützigen Unternehmen über Lehreinrichtungen und Gesundheitsinstitutionen wie Krankenhäusern – preiswürdige Einrichtungen zur Erlangung des Malcolm Baldridge National Quality Award zu tun haben.

Die ASQ-Seite zum Baldridge Award bietet neben einer Kurzbeschreibung zusätzliche Informationen zum Umgang mit dem Baldridge-Modell - vor allem auch für die Zeit nach einer Selbstbewertung und nach der Preiserringung.

Daher wollen wir uns hier auf eine Kurzvorstellung der 7 Baldridge-Kriterien beschränken. Das scheint auch deshalb gerechtfertigt, weil sich ohnehin nur US-Unternehmen um den Preis bewerben können, der die Institutionen des eigenen Landes weiterbringen soll:

  1. Leadership: How upper management leads the organization, and how the organization leads within the community.
  2. Strategic planning: How the organization establishes and plans to implement strategic directions.
  3. Customer and market focus: How the organization builds and maintains strong, lasting relationships with customers.
  4. Measurement, analysis, and knowledge management: How the organization uses data to support key processes and manage performance.
  5. Human resource focus: How the organization empowers and involves its workforce.
  6. Process management: How the organization designs, manages and improves key processes.
  7. Business/organizational performance results: How the organization performs in terms of customer satisfaction, finances, human resources, supplier and partner performance, operations, governance and social responsibility, and how the organization compares to its competitors.

Auch auf eine Übersetzung haben wir verzichtet, weil sich zumindest die Schlüsselbegriffe mittlerweile auch in Deutschland weitgehend von selbst erklären.

Als wichtigstes bleibt festzuhalten, das der Ansatz der internationalen Qualitätspreise weniger dazu da ist, „Qualität“ gegenüber Dritten darzulegen, sondern sich selbst Qualitätssteigerungen in der eigenen Organisation auf dem Wege der Rückkopplung nachvollziehbar zu machen. Das schließt allfällige Qualitätsnachweise ein.