Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

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26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

352 - 07.10.2008 - In eigener Sache: Wir begrüßen Sie heute mit einem neuen Newsletter. Zwischen den wöchentlichen Erscheinungsterminen finden Sie aktuelle Nachrichten und Kommentare sowie Vorabveröffentlichungen zu späteren Newslettern auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

The most basic of all human needs is the need to understand and be understood. The best way to understand people is to listen to them.

 

(Ralph Nichols)

 

Quelle: Baptist Health Care Leadership Institute

 


01. Editorial: Ethik und Nutzen in der Krankenbehandlung

Deutsches Ärzteblatt: „Ethiker Schockenhoff warnt vor reinem Nutzenkalkül im Gesundheitswesen“. 

 

Donnerwetter! Was für eine Aussage! Und das ist in der Meldung nicht einmal die einzige. Die Leipziger Philosophin Weyma Lübbe „kritisierte, „… Gesundheitsökonomen sähen bei der Verteilung knapper Ressourcen die Effizienz oft unabhängig von der Gerechtigkeitsfrage“. Wie kommen die darauf? Was wollen uns Schockenhoff, katholischer Moraltheologe in Freiburg,und Weyma Lübbe damit sagen? Mag sein, dass sich die folgenden Überlegungen am Ende als ein Missverständnis herausstellen und das Protokoll der Sitzung des Deutschen Ethikrats vom 15. September 2008 Aufklärung bringt. Denn dort sollen die zuvor zitierten Sätze im Zusammenhang mit dem Thema „Aus ökonomischer Sicht …: Was ist der normative Anspruch gesundheitsökonomischer Evaluationen?“ gefallen sein. Falls das doch nicht der Fall sein sollte, wird darauf zurückzukommen sein. Bis dahin müssen wir sie als Tatsache nehmen.

 

„Reines Nutzenkalkül“: Fordern da etwa Ethiker in ihrem Elfenbeinturm, auf die Wirksamkeit der Behandlung nicht zu achten? Wollen sie Ärzte munter weiter mit unbewiesenen Therapien hantieren und auch dort jede Menge Diagnostik auffahren lassen, wo es noch gar keine wirksame Behandlung gibt? Oder gar IGeL-Leistungen für Kassen- und Leistungen für Privatpatienten ohne Nutzen für diese, die nur dazu dienen, das ärztliche Einkommen zu mehren. Doch hoffentlich kaum!

 

Worum geht es hier dann?

 

„Nutzen“ muss irgendetwas Schlimmes sein. Geistert da der Onkel Dagobert durch den Hinterkopf, den nichts anderes treibt als ein Anwachsen seiner Goldberge? Haben diese Ethiker von jenen Medizinern ihr Weltbild, die sich nur durch „die Verwaltung“ an der Verabreichung aller möglichen Wohltaten gehindert sehen? Wird hier letztere nur durch „die Gesundheitsökonomen“ ersetzt, die auch noch die Politik davon abhielten, wenn das Geld nicht reiche, „noch ein Schüppken nachzulegen“? Wird hier unausgesprochen (das schon bislang höchst verdienstvolle) IQWiG ins Schussfeld gerückt? Was hat schließlich der Nutzen mit der „Gerechtigkeitsfrage“ zu tun (was immer das sein mag)?

 

Fehlt etwa nur der Funke Sachverstand? 

 

Der ließe sich heutzutage ohne größere Mühe bei Wikipedia aneignen: „In der ökonomischen Theorie versteht man unter dem Nutzen das Maß der Fähigkeit eines Gutes … die Bedürfnisse eines wirtschaftlichen Akteurs zu befriedigen“. Wirtschaftlicher Akteur ist auf die eine oder andere Weise jedermann, auch der Patient. Das Gut ist die Behandlung. Oder besser das mit der Behandlung im konkreten Fall erzielte Ergebnis (Outcomes). Der Nutzen besteht darin, bei Einsatz der für ihn verfügbar gemachten Mittel wieder zu gesunden (Nutzen = Outcomes / Preis).

 

Was heutzutage zugegebenermaßen immer noch fehlt, und zwar in Deutschland noch weitaus mehr als in den angelsächsischen Ländern, ist eine durchgängige Spezifizierung von Outcomes in einer ähnlichen Weise, wie dies für Diagnosen und Leistungen längst selbstverständlich ist: Die Krankheit lässt sich vergleichsweise exakt beschreiben. Die Behandlung auch. Nur nicht das Ergebnis. Das steht zumeist nicht einmal als solches in den gängigen Dokumentationen! Daher lässt sich der Nutzen einer Krankenbehandlung hierzulande nicht einmal routinemäßig errechnen!

  

Über diesen Mangel wird in Deutschland erst ganz allmählich nachgedacht. Und schon heben selbsternannte / hauptberufliche Gutmenschen den Finger: Wehret den Anfängen! Selbstverständlich sind auch „Gesundheitsökonomen“ ethischen Grundsätzen verpflichtet. Die Leistungserbringer, also Ärzte und Pflegekräfte, sowieso. Wird es etwa erst unethisch, wenn Geld ins Spiel kommt? Das ist nun einmal nur begrenzt verfügbar. Daher ist es leider unausweichlich, sich immer wieder Gedanken darüber zu machen, wie es am besten zielführend = nutzenstiftend eingesetzt wird.

 

Also gilt es, den Weg zum Ziel immer weiter zu optimieren. Das jeweilige Ergebnis: Der beste, die geringsten Kosten verursachende arbeitsteilige Prozess aus Behandlungs- und Supportschritten zur Erzielung des nach dem Stand der Erkenntnis bestmöglichen Ergebnisses. Lässt sich letzteres mit einem noch kostengünstigeren Prozess erzielen, steigt der Nutzen. Ist das unethisch? Das schließt sozusagen automatisch jegliches „Sparen“ zu Lasten des Programms aus. Den (häufig behaupteten) „Konflikt zwischen Ökonomie und Medizin“ gibt es in Wirklichkeit nicht, höchstens einen Konflikt der Sprachlosigkeit zwischen Klinik und Verwaltung. Die kann hier und da schon dazu führen, dass die Wiederbesetzung von Stellen blind blockiert wird, weil die Mittel fehlen. „Gesundheitsökonomisch“ ist das sicher nicht, sondern eher eine Verzweiflungstat.

 

Was hier als internationale Selbstverständlichkeit skizziert wird, ist in Deutschland noch keineswegs gedankliches Allgemeingut. Weder bei Ärzten und Pflegekräften noch bei den fürs Ökonomische Verantwortlichen. Niemand denkt häufig ganzheitlich in Kategorien der gemeinsamen Produktion von Gesundheit für den Einzelnen und die Bevölkerung im Einzugsbereich. Die verschiedenen Gruppen werkeln offensichtlich nach wie vor überwiegend aneinander vorbei. Das hat mit wirtschaftlichem Handeln nichts zu tun – im Gegenteil! Vielleicht rührt aus diesem Blickwinkel die „ethische“ Fehleinschätzung der Gesundheitsökonomie?

 

Oder schlummern hinter der Kritik an „den Gesundheitsökonomen“ etwa die bekannten sozialistischen Heilsversprechen, welche die faktische Begrenztheit der Mittel einfach leugnen und behaupten, man müsse das hinreichend vorhandene Geld nur „gerechter“ verteilen? Darauf scheinen ja schlichte Gemüter trotz aller empirischen Gegenbeweise in der jüngeren Geschichte immer noch massenweise hereinzufallen. Für weitere diesbezügliche Experimente wird es hoffentlich trotz allen politischen Unbehagens nie wieder die notwendigen gesellschaftlichen Mehrheiten geben!

 

Schließlich gilt es ein Missverständnis zu beachten, das zumindest in Deutschland immer wieder Verwirrung hervorruft: Die Rolle des Unternehmens, also auch des Krankenhauses, als Arbeitgeber. Dazu wird in Medien (und von den Gewerkschaften sowie im linkslastigen politischen Spektrum) gern der irrige Eindruck erweckt, es gehe bei diesen primär darum, Arbeitsplätze zu sichern. Das ist nicht der Fall. Es geht darum, den Unternehmensauftrag zu erfüllen, mit konkurrenzfähigen Produkten gut zu verdienen. Das gilt im Prinzip auch für Krankenhäuser – bei genauerem Hinsehen auch für kommunale Krankenhäuser, Frau Wagenknecht! Seit der Aufhebung des Kostendeckungsprinzips bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig. Vorher wurde nur eine Menge mehr Geld als heute verschwendet, ohne dass es etwa den Patienten zugute kam.

 

Gleichwohl ist jede Unternehmensleitung – auch jene in Krankenhäusern – mehr als gut beraten, die Beschäftigten gut zu behandeln. Denn diese begründen mit ihrem Talent und Engagement im Wettbewerb den Unternehmenserfolg. Wer um seinen Arbeitsplatz bangt oder sich auf andere Weise schlecht behandelt fühlt, wird kaum besonders zu den nötigen positiven Alleinstellungsmerkmalen beitragen. Wer sich dagegen wohlfühlt und in jeder Hinsicht geschätzt und gefördert sieht, wird auch ohne äußeren Druck sein Bestes zum gemeinsamen Erfolg beitragen. Also wäre es aus der Sicht des Ökonomen eigentlich völlig klar, wohin die Reise der Unternehmensentwicklung gehen müsste. Wer dies nicht glaubt, sollte sich einmal in gut geführten US-Krankenhäusern umsehen! Eigentlich merkwürdig, wie selten man eine solche Entwicklung bislang in Deutschland beobachten kann. An den „Gesundheitsökonomen“ liegt das sicher nicht – eher an deren Fehlen! Es bleibt festzuhalten:

 

Zusammengefasst: Die Zitate zeigen, hier reden Blinde über Farben!

  

Die beste Krankenversorgung erzielt man mit Prozessen, die zugleich von allen Um- und Irrwegen, vermeidbaren Doppelarbeiten und Wartezeiten befreit wurden. Dadurch ist es zugleich die ökonomischste. Zumindest ist schon ein großer Schritt in diese Richtung getan. Wenn sich die im Gesundheitsunternehmen arbeitenden Menschen hier ernst genommen und gefördert sehen, werden sie das Ihre beitragen, das beste gemeinsame Ergebnis zu erzielen. Dabei können (und sollten) ihnen unternehmensspezifische Werte die notwendige Sicherheit verschaffen. (So etwas gibt es auch allmählich in Deutschland). Heutzutage ist es fast eine Selbstverständlichkeit, auch die soziale Verantwortung (Corporate Social Responsibility – CSR) des (Gesundheits-)Unternehmens ausdrücklich in den Unternehmensgrundsätzen zu verankern, zumindest aus der Sicht der Ökonomen! Vielleicht sollten sich (nicht nur) die Ethiker einmal mehr sachkundig machen?

 


02. (AHRQ) Patientensicherheit und Qualität. Ein evidenzbasiertes Handbuch für Pflegekräfte

Patient Safety and Quality. An Evidence-Based Handbook for Nurses

Nurses play a vital role in improving the safety and quality of patient care—not only in the hospital or ambulatory treatment facility, but also of community-based care and the care performed by family members...

[mehr] Incl. vollständer Text.

 

 


03. (Deutsches Ärzteblatt) Aus dem Abschiedsbrief eines Krankenhausarztes: Von Ärzten und Hampelmännern

Ein scheidender Chefarzt beschreibt, wie sich die Machtverhältnisse im Krankenhaus in den vergangenen Jahren verschoben haben...

Mehr

Anmerkung:
Ein lesenswerter Text! Er zeigt, dass das Geschehen im Krankenhaus leider oft nach wie vor durch eine große Sprachlosigkeit zwischen Klinik und Verwaltung geprägt zu sein scheint. Auch wenn es mancherorts noch immer die Kaste selbstherrlicher Chefärzte mit ihrem ähnlich gestrickten Gefolge geben mag, scheint die Situation zunehmend das Krankenhausgeschehen  zu prägen, die auch unseren obigen Chef in die Flucht getrieben hat. Umso wichtiger wird es künftig sein, erstens die Lage auf allen Seiten selbstkritisch zu überdenken. Zweitens die andere Seite zu verstehen zu suchen. Die unterschiedlichen Positionen – drittens – mit der Bereitschaft auf den Tisch zu legen, gemeinsam die bestmögliche Behandlung und Betreuung für die Patienten des Krankenhauses zu schaffen. Das kann – viertens – nur das Vorgehen sein, das nach dem Stand der Erkenntnis am wahrscheinlichsten das bestmögliche Behandlungsergebnis (Outcomes) liefert. Das gilt es – fünftens – messbar zu machen, zu dokumentieren, zu aggregieren und dem Vergleich mit anderen Leistungserbringern zu stellen. Einhergehend damit ist dafür zu sorgen, dass – sechstens – die arbeitsteiligen Prozesse so organisiert werden, dass sich dank immer weniger vermeidbarer Kosten die Wertschöpfung als Verhältnis aus Outcomes und Fallkosten immer weiter verbessert. Dann bleibt jeder Herr seines Teils der gemeinsamen Arbeit. Die alte – früher weithin übliche – Arbeitsteilung „Der Arzt gibt aus, und die Verwaltung zahlt“ gehört jedenfalls schon lange in den Müll!

 


04. (Deutsches Ärzteblatt) Einrichtungsübergreifende elektronische Fallakten: Empfehlungen zur datenschutzrechtlichen Ausgestaltung

Elektronische Fallakten gibt es inzwischen in unterschiedlichen Ausprägungen – alle müssen sie sich jedoch mit Fragen zur Regelung von Verantwortlichkeiten, Zugriffsberechtigungen oder der Patienteneinwilligung auseinandersetzen...

…[Mehr]

Anmerkung:
Eine nützliche Übersicht aus sachkundiger Quelle. Zugleich wird allerdings deutlich, wie fern man hierzulande immer noch einer dem Menschen bei der Sicherung und Wiederherstellung seiner Gesundheit nutzenden lebenslangen elektronischen Gesundheitsakte zu sein scheint, in der einzelne Behandlungsphasen als abgegrenzte Perioden festzuhalten wären. Natürlich mit allen inhaltlichen und technisch-organisatorischen Sicherungen gegen Missbrauch. Dazu sollten auch hierzulande schnellstens generelle Regeln geschaffen werden und zumindest europaweit, besser weltweit, z.B. auf der Ebene der WHO, abgestimmt werden. Andernorts ist man da schon vergleichsweise weit. Wollen wir diese segensreiche Entwicklung auch wieder verschlafen? Die Interessenten an einer höchstmöglichen Intransparenz wird’s freuen!

 


05. (AHRQ) Mittel zur Prävention und Früherkennung von Blutgerinnseln für Patienten und Ärzte

New AHRQ Resources Help Consumers and Clinicians Prevent Dangerous Blood Clots

Two new AHRQ guides can help consumers and clinicians prevent and treat deep vein thrombosis...


06. (RWJF) Die Behandlungsqualität am Krankenbett verbessern

The Transforming Care at the Bedside (TCAB) Toolkit

Ten hospitals participated in phase III of the Transforming Care at the Bedside (TCAB) program to create and pilot test new concepts, develop exemplary care models on medical/surgical units and demonstrate institutional commitment and resources to support and sustain these innovations...

[mehr] 


07. (New York Times) Behandlungsfehler haben in der Pädiatrie besondere Folgen

Small Patients, Big Consequences in Medical Errors

When 6-year-old Chance Pendleton came out of surgery for a wandering eye, it was obvious that something was not right. “He was crying hysterically, vomiting and kept saying, ‘I wish I was dead,’ ” his mother, Grace Alexander, of Paris Tex., recalled.

The boy had been through surgery before and had never reacted this way. “The nurse was quite peeved and wanted me to calm him before he disturbed anyone,” said Ms. Alexander, who said Chance was denied more pain and anti-nausea medication. “She thought he was just throwing a tantrum.” …

 

[mehr]

 


09. Buchbesprechung

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Olmsted Teisberg, Elizabeth, Opportunities for Value-Based Competition in Swiss Health Care, Economiesuisse et al 2008, Kostenlos herunterladbar 

Elizabeth Olmsted Teisberg, Darden Graduate School of Business University of Virginia, USA, die Koautorin von Michael E. Porters Wirtschaftsbestsellers „Redefining Health Care – Creating Value-Based Competition on Results“ hat jüngst im Auftrag von Economiesuisse aufgeschrieben, was sich im Schweizerischen Gesundheitswesen ändern müsste. Da viel davon auch in Deutschland (und in Österreich) gilt, sei hier noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen. Die Originalfassung ist englischsprachig. Dazu gibt es eine deutschsprachige Bearbeitung, die – wie wir anhand eines Beispiels bereits an anderer Stelle publiziert haben – mit dem Originaltext oft nicht allzu viel zu tun hat, sondern Besonderheiten der Schweiz widerspiegelt. Deshalb sollten sich selbst Schweizerische Leser die Mühe machen, den Text in der Originalsprache zu lesen. Sie haben mehr davon! Hier die Gliederung:

Executive Summary

1 Swiss Health Care and the Need for Reform

1.1 The Context of this Study

1.2 Redefining Competition in Health Care

2 The Swiss Health Care System

2.1 The Structure of Swiss Health Care

2.1.1 Insurance

2.1.2 Access to Care

2.1.3 Delivery of Care

2.2 The Status of Swiss Health Care

3 Redefining Health Care in Switzerland

  • Principle 1: The goal should be increasing value for patients, not just lowering costs
  • Principle 2: Competition must be based on results
  • Principle 3: Competition should center on medical conditions over the full cycle of care
  • Principle 4: High quality care can dramatically improve efficiency
  • Principle 5: Value must be driven by experience, scale, and learning at the medical condition level
  • Principle 6: Competition to improve value should be regional, national, and international, not just local
  • Principle 7: Results information must be widely available
  • Principle 8: Innovations that increase value must be strongly rewarded

4 The Road to Reform: Enablers, Challenges, and Distractions

4.1. Enablers of a Value-Based System

4.1.1. Enabling Attributes of the Swiss Health Care System

4.1.2. First Steps to Build Upon

4.1.3. Problems Already Avoided

4.2. Challenges in the Transformation

4.2.1. Untested Assumptions

4.2.2. The Absence of Electronic Health Records

4.2.3. Cantonal Interests

4.3. Distractions from Reform

5 Recommendations

Recommendation 1: Retain the strengths of the current system that provide a good basis for reform

Recommendation 2: Measure and report risk-adjusted outcomes by clinical team and by medical condition

Recommendation 3: The federal government should actively support outcome measurement

Recommendation 4: Hospitals and physician teams should reorganize care delivery around medical conditions over the full cycle of care

Recommendation 5: Health plans should compete on value and to measure the health and health care outcomes of their membership

Recommendation 6: Encourage individual responsibility for health, not cost-shifting to individuals

Recommendation 7: Develop comprehensive electronic health records that are owned and controlled by the individual and that enable innovation to improve value for patients

Recommendation 8: Open competition on value among all the cantons, and encourage the domestic competition that will enable Switzerland to attract international patients

6 Appendix

6.1 List of Figures

6.2 Bibliography

6.3 List of Abbreviations

6.4 Glossary

6.5 Persons Interviewed in Switzerland

6.6 Members of the Working Party economiesuisse

 

Mit diesem Text greift die Autorin eine Diskussion auf, die aufmerksamen unter unseren Lesern seit vielen Jahren kennen: Die Ausrichtung der Krankenbehandlung auf Behandlungsergebnisse. Das Messen, Aggregieren und Auswerten von Behandlungsergebnissen. Die Unterstützung eines solchen Paradigma-Wechsels durch die Politik. Preiswettbewerb bezogen auf (Mindest-)Ergebnisse (Value). Transparenz des Geschehens und seiner (aktuell möglichen und tatsächlich erzielten) Ergebnisse sowie der prozessualen Mindesterfordernisse auf dem Weg dorthin. Stärken der individuellen Verantwortung. Massive IT-Unterstützung, zur Beschleunigung am besten großenteils aus Steuermitteln zu finanzieren. Niederreißen der Wettbewerbsgrenzen. Das alles sollte sich – beginnend bei den einzelnen Institutionen und endend bei der großen Politik – die Verantwortlichen auch hierzulande hinter die Ohren schreiben! (+++)

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

Liste der bisher besprochenen Bücher

 


10. Methoden

Quality Assurance and Quality Control

  

Bisherige Inhalte

Der Punkt 10 ist Qualitätsmethoden reserviert. Seit dem hmanage Newsletter 346. Als Quelle dient primär das Knowledge Center der ASQ. Mit dem Dauerthema „Qualität“ wollen wir ein wenig dazu beitragen, das im hiesigen Gesundheitswesen sträflich vernachlässigte Thema über aller rhetorischen, aber weithin nur vorgeschobenen „Qualitätssicherung“ in der Krankenbehandlung – erstarrt in belanglosen Ritualen – nicht gänzlich einschlafen zu lassen. Die Ärzte vor Ort, die das Ganze mit Leben füllen sollten, halten dies ohnehin häufig für einen überflüssigen Bürokratismus.

 

Ein nicht nachlassendes Bemühen um die Vermittlung des Themas scheint uns auch deswegen zwingend geboten zu sein, als die den Krankenhäusern vom G-BA abverlangten „Qualitätsberichte“ zwar viele Zahlen aufweisen, Belege für die Qualität der Ergebnisse oder wenigstens der Einhaltung nachweislich qualitätsgeneigter Vorgehensweisen aber bestenfalls in homöopathischer Dosierung. Die „Laiensicht“ der Patient scheint den G-BA (und die Krankenhäuser) schon gar nicht zu interessieren. Der Grund? Die Qualität der Behandlung gilt in Deutschland als Expertensache. In deren Händen ist sie angeblich „selbstverständlich gesichert“. Die Qualitätsbehauptung ersetzt in Deutschlands Gesundheitswesen Qualitätsbelege. Sie wird einfach behauptet. Punkt.

 

Doch ohne den Nachweis der Qualität sagt ein Preis überhaupt nichts aus. Eine gewisse (Mindest-) Qualität muss überall im Leben von Produkten und Leistungen belegt werden. Nur nicht in der Krankenbehandlung. Noch nicht. Auch im deutschen Gesundheitswesen zeichnet sich ab: Je mehr Wettbewerb sich unter äußerem Druck entwickelt, desto wichtiger wird die Qualitätstransparenz. Und das Urteil der Kunden. Mit zunehmender Qualitätstransparenz wächst der Druck in die Richtung einer immer höheren Qualität. Das ist auch im Gesundheitswesen längst eindrucksvoll bewiesen (Beispiel: Zeitliche Zahlenentwicklung in der Kardiochirurgie im Staate New York).

 

Also ist jeder Leistungserbringer – erstens – mehr als gut beraten, seine arbeitsteiligen Prozesse auch aus Kundensicht auf gleichbleibend erstklassige (Behandlungs-)Ergebnisse auszurichten. Das bedeutet – so zuwider vielen deutschen Ärzten die Vorstellung nach wie vor sein mag – eine Ausrichtung auf die nachweislich höchstmögliche Evidenz des Handelns und dessen anschließender Standardisierung in der Form klinischer Behandlungspfade (und nicht nur eines umgetauften, ansonsten nur kosmetisch mit neuen Dokumenten aufgemotzten Ist-Zustands). Zweitens ist alles daranzusetzen, einmal erreichte gute Ergebnisse in der Folge systematisch immer weiter zu verbessern. Am besten durch die Routinemitarbeiter selbst.

 

Wir haben im Knowledge Center zunächst das Themenfeld „Learn About Quality“ angezapft und als Erstes dem Unterpunkt „Basic Concepts“ zugewandt. Das erste Stichwort hieß „Problemlösung“ (346). Es folgte eine Darstellung der „Prozess-Sicht“ der Organisation (347). Bei den Prozessen blieben wir zunächst – unter besonderer Berücksichtigung ihrer kontinuierlichen Qualitätsverbesserung (348). Denn auch dieser wichtige Aspekt scheint auf der Führungsebene deutscher Krankenhäuser und anderer Gesundheitseinrichtungen mehrheitlich nach wie vor keine Rolle zu spielen. Man scheut wohl die vermeintlichen Kosten der Qualität (350). Umso wichtiger ist es zu verdeutlichen, dass diese bei einem wirklich professionellen Vorgehen mit der wachsenden Qualität sinken!

 

Die Bewegungslosigkeit in Sachen Qualität hat sich in Deutschlands Gesundheitswesen – alles in allem – auch nach einer Privatisierung keineswegs verflüchtigt. Dafür findet sich heute mehr und mehr Nichtssagendes auf Hochglanzpapier. Die Klagen der Kliniker über eine „rein ökonomische Fixierung“ sind dort eher noch ausgeprägter als bei öffentlicher oder freigemeinnütziger Trägerschaft. Eine gemeinschaftliche Fokussierung aller Beteiligten auf das Patientenwohl fehlt hier wie dort. Sonst würde man sich doch wohl längst mehr Mühe geben herauszufinden, wie gut das einem tatsächlich gelingt. Hinsichtlich der Ausrichtung auf die Kundenzufriedenheit besteht noch ein erhebliches Verbesserungspotential – nicht zuletzt auch beim eigenen Selbstverständnis der Handelnden (351).

 

Aktuell: Quality Assurance and Quality Control (Qualitätssicherung – in jeder Hinsicht)

Heute ist das zunächst absichtlich unübersetzte Thema dran: “Quality Assurance and Quality Control“. Im Deutschen fällt beides unter den Begriff „Qualitätssicherung“. Darunter versteht man zum einen ganz allgemein die Art und Weise, wie die Qualität eines Produkts / einer Dienstleistung sichergestellt wird (Quality Assurance). Das gilt für den allgemeinen Sprachgebrauch ebenso wie für die Industrie. Zum anderen wird darunter auch etwas verstanden, das in der Terminologie der Qualitätswissenschaften als „Statistische Prozesslenkung“ bezeichnet wird (Quality Control).

 

Mit dem Prozess der Qualitätssicherung gilt es, allgemein Vertrauen zu schaffen, den Adressaten sicher zu machen und / oder zu sein, dass die erwartete (hohe) Qualität gegeben ist. Die industriellen Methoden der Qualitätssicherung sollen mittels Implementierung planvoller und systematischer Vorgehensweisen im Rahmen eines „Qualitätsmanagementsystems“ (ISO-Terminologie) sicherstellen, dass die angestrebten Eigenschaften von Produkt und / oder Service auch vorhanden sind. Das ist auch der Grundgedanke einer Zertifizierung nach EN ISO 9001.

 

Was man früher leicht irreführend als „Steuerung“ bezeichnete, heißt heute in der Industrie korrekt „Statistische Prozesslenkung“ – wo immer es geht, als sich selbst nachregelnder Prozess (Feedback im Regelkreis). Insgesamt ist das die Gesamtheit der Methoden zur Messung, Auswertung und Nachregelung der Elemente der Qualität im Prozess, mit deren Hilfe die Qualität eines Produkts / einer Dienstleistung gesichert und nachgewiesen werden soll.

 

Dass sich das Thema im deutschen Gesundheitswesen deutlich davon abweichend entwickelt hat, mag zum einen der Tatsache geschuldet sein, dass man, also die Bundesregierung und deren Einflüsterer aus der Branche – wie die Blinden, die von der Farbe reden – zu Beginn auch nicht so genau wusste, wovon man sprach. Zum anderen galt es, einander offensichtlich entgegengesetzte Interessen zu vertreten. Die Krankenkassenseite wollte mehr und die Leistungserbringerseite, also zunächst die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft (DKG) und später auch die Ärzteschaft, weniger Transparenz der Ergebnisse, wobei sich letztere bislang im Wesentlichen durchgesetzt haben. Das betrifft nicht nur die Machtverteilung in den vom Gesetzgeber neu geschaffenen Qualitätsinstanzen der Selbstverwaltung und des G-BA, sondern auch das Thema selbst.

 

Die Qualität wurde wie eh und je als gegeben angesehen. Wer das in Frage stellte, kriegte Ärger. Was fehlte, waren nach dieser Vorstellung nur Nachweise ihrer „Sicherung“. Die bestand nicht etwa – wie in der Industrie oder Gesundheitswesen überseeischer Länder – darin, Ergebnisse zu messen, an Mindesterfordernissen zu spiegeln und wo erforderlich nachzuregeln und neben dem zielführenden Vorgehen („evidence based“) zu veröffentlichen, sondern („nach Donabedian“) in der berühmten Trias aus Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität.

 

Da angesichts der Faktenlage der Dokumentation nur über erstere halbwegs handfeste Aussagen gemacht werden konnten, stand diese lange allein im Zentrum der deutschen „Qualitätssicherung“. Das Vorhandensein von Ärzten (und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe) nach Zahl sowie Aus- und Weiterbildung wurde (und wird immer noch) als „Strukturqualität“ bezeichnet. Desgleichen eine bestimmte institutionelle (z.B. medizintechnische) Mindestausstattung.

 

Zur Prozessqualität konnte nur wenig gesagt (und vor allem belegt) werden, da es an schriftlichen Prozessbeschreibungen bis in die jüngste Zeit fehlte. Was mittlerweile als solche bezeichnet (und zertifiziert) wird, ist im Vergleich zu den industriellen Gegenstücken fast immer noch weitgehend trivial und damit höchst irreführend. In der Routine gemessen wird die Prozessqualität von den „Health Care Professionals“ (in Österreich geläufiger Sammelbegriff von Ärzten und Pflegekräften) auch nur bruchstückhaft und auch dies nur höchst widerwillig (Beispiel BQS). Gleichwohl bilden deren – mittlerweile über mehrere Jahre fast als einzige mit höchster Akribie gesammelten und („risikoadjustiert!“) ausgewerteten – Zahlenwerte das nahezu einzige Fundament der Behauptung einer längst transparenten und immer weiter steigenden Qualität. Noch seltener sind hierzulande die Auswertungen von (Zwischen-)Ergebnissen der Ergebnisqualität.

 

Insgesamt bleibt zur Qualitätssicherung festzuhalten:

Die Qualität der Krankenbehandlung ist in Deutschland bislang nur bruchstückhaft bekannt. Daher kann auch von einer „Sicherung“ nicht ernsthaft gesprochen werden. Das würde der einzelne Patient, das würde die Öffentlichkeit bei besserer Information sicher ebenso sehen. Gleichwohl besteht unter den Verantwortlichen nach wie vor noch ein unverständlich hohes Maß an Selbstgewissheit einer hohen Qualität („gefühlte Qualität“). „Das ist doch gänzlich evident!“ – Hier bleibt also noch viel zu tun.

 



04.