Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

336 - 27.05.2008 - Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

„Für einen Seemann, der die Richtung nicht kennt, gibt es keine günstigen Winde"

Seneca

Quelle: IQWiG

 


01. Editorial: Measuring Healthcare Quality: Eine kritische Bestandsaufnahme der Qualitätsbemühungen des US-Gesundheitswesens als Anregung, im Patienteninteresse endlich auch hierzulande konkreter zu werden

Aufhänger dieser Ausführungen ist ein Tutorial der Henry J. Kaiser Family Foundation zum Thema Qualität aus berufenem Munde, nämlich von Carolyn Clancy, der Chefin der Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ) in den USA. 

Daraus können wir mehrere Dinge lernen:

  1. Ein Rückbesinnen auf den alleinigen Sinn von Qualitätsbemühungen im Gesundheitswesen
  2. Anregungen, wie Qualität gemessen werden sollte
  3. Hinweise für ein Überdenken und Weiterentwickeln der Rolle des Staates in diesem Punkt
  4. Anregungungen zu einer kritischen Bestandsaufnahme der eigenen Qualitätsbemühungen
  5. Ein Beispiel dafür, wie sich komplexe Sachverhalte mit heutigen Techniken effektiv vermitteln lassen
  6. und eine Spur amerikanisches Lokalkolorit

Hinzu kommen jede Menge Anregungen und Links zum Weiterlernen.

Das Qualitätsmanagement ist kein Selbstzweck. Das bloße Vorhandensein von irgendetwas, das als Qualitätsmanagement oder gar als Qualitätsmanagementsystem bezeichnet wird, muß nicht das Geringste mit Qualität zu tun haben. Qualität ist vor allem Qualität aus Patientensicht – auch wenn diese hierzulande unverdrossen weiter als “Laien” bezeichnet werden. Diesen systematisch weiter die Tatsache vorzuenthalten, dass oft auch die Ärzte als Leistungserbringer in Sachen Wirksamkeit bei vielen Behandlungen kaum mehr wissen und über deren Ergebnis im Allgemeinen gar keine Aufzeichnungen führen, die der Schweigepflicht unterliegen könnten, zeugt weder von Qualität noch auch nur von einer Spur der – gern beschworenen – Ethik. Auch die Tatsache, dass beim Erbringen wirkungsloser oder gar schädlicher Leistungen handfeste ökonomische Interessen (nicht nur bei der Pharmaindustrie) im Spiel sind, wird immer noch gern eingenebelt. Wenn es ums Bemühen um immer mehr Qualitätstransparenz und immer bessere Ergebnisse geht, können wir von Amerika noch viel lernen!

 


02. (AHA) Bericht zum besseren Design von Kinderkliniken

Report looks at impact of hospital design on young patients...

Quelle: AHA

 


03. (Urgent Matters) Warum auch ein Notfallmanagement nicht ohne Messen auskommt

Managing Without Measuring: Why Healthcare Emergency Management Needs Performance Measures...

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04. (Health Affairs) Ein strategisches Dreifachziel anstreben: 1) Die Krankenbehandlung zu einem erfreulichereren Erlebnis machen, 2) die Gesundheit im Einzugsbereich verbessern und 3) die Gestehungskosten senken

The Triple Aim: Care, Health, And Cost

Donald M. Berwick, Thomas W. Nolan and John Whittington..

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Anmerkung:
Auch wenn es in den USA um andere finanzielle Größenordnungen geht, ist das hiesige Gesundheitswesen ähnlich schlecht darauf ausgerichtet, Patienten  wirklich zu helfen.

 


06. (AHRQ) Patientensicherheit in der Pflege

Patient Safety and Quality. An Evidence-Based Handbook for Nurses.

Nurses play a vital role in improving the safety and quality of patient care—not only in the hospital or ambulatory treatment facility, but also of community-based care and the care performed by family members...

Quelle. http://www.ahrq.gov/qual/nurseshdbk/#ordering

 


07. (Tagesspiegel) Ab ins Heim. Wie die Bundesregierung Pflegebedürftigen ihre Würde nimmt

Lieber daheim als im Heim!“ „Ich muss ins Krankenhaus, was nun?“ Diese Sätze beschreiben zwei bundesweite Kampagnen, mit denen die auf Pflege und Assistenz angewiesenen Menschen monatelang auf Schwierigkeiten in ihrem Leben aufmerksam machten...

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08. Links

Joint Commission Online April 2007

http://www.tagesschau.de/schlusslicht/netzewigkeit2.html  Tod 2.0 Für immer im Netz

Health Care Quality

http://www.rwjf.org/pr/topic.jsp?topicid=1053  RWJF Quality

Ambulante Qualitätsindikatoren und Kennzahlen: Anreizsystem für eine bessere Versorgung (?)

http://www-05.ibm.com/de/pov/nextfiveinfive  The next five in five

Buchhinweis: Engaging Patients as Safety Partners: A Guide for Reducing Errors and Improving Satisfaction

Quality of Care. Key Data

http://health.msn.com/  MSN Health & Fitness

http://www.sas.com/ads/102290/ Creating an Evidence-Based Practice Culture with Business Intelligence

http://www.abms.org/ The American Board of Medical Specialties (ABMS), a not-for-profit organization, assists 24 approved medical specialty boards in the development and use of standards in the ongoing evaluation and certification of physicians. ABMS, recognized as the "gold standard" in physician certification, believes higher standards for physicians means better care for patients.

Medtronic Settles a Civil Lawsuit on Allegations of Medicare Fraud

Pflegeeinrichtungen: Betroffene fordern „Pflege-TÜV"

Kassenpatienten warten weniger lang, wenn sie schweigen (Aufschlussreiche Untersuchung!)

Ärztetag kritisiert Kosten-Nutzen-Bewertung (Abwehrreflex?)

Ärztetag gegen Übertragung ärztlicher Tätigkeiten an Nicht-Ärzte (Kampf um die eigenen Claims)

"Geiz-ist-Geil-Mentalität ist tödlich" Ärzte-Lobbyist Windhorst fordert mehr Zeit für Patienten (Soll die der Gesetzgeber vorschreiben?)

Bekanntmachung über die Ausschreibung der Begleitforschung gem. § 17b Abs. 8 KHG im Europäischen Amtsblatt

Evidence-Based Practice

http://people.inf.ethz.ch/mattern/publ.html  Publications of Friedemann Mattern

Bildschirmarbeitsplätze in Krankenhäusern genügen Anforderungen nicht

Safety and Satisfaction: Where are the Connections?

http://www.zeit.de/themen/wissen/computer/internet/social-networks  Texte zum Thema Soziale Netzwerke

(angeblich) neue Fehlerkultur (embryonale Zuckungen!)

http://www.noharm.org/  Healthcare without harm

http://www.idw-online.de/pages/de/news260977  Wirtschaftsethik auf Abwegen

 


09. Buchbesprechung

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

 

Zelicoff, Alan, Bellomo, Michael, More Harm Than Good: What Your Doctor May Not Tell You about Common Treatments and Procedures, New York 2006, ISBN-10: 0814400272, ISBN-13: 978-0814400272, AMAZON 

 

Der Verlag der American Management Association ist im Allgemeinen nicht dafür bekannt, Bücher wie das hier vorzustellende zu produzieren. Dieses schien ihm offensichtlich wichtig genug, es in die hier ansonsten produzierte Managementliteratur einzureihen. Hier geht es darum, dass sich – aus welchen Motiven auch immer – (nicht nur amerikanische) Ärzte viel zu häufig zu zweifelhaften Behandlungen hinreißen lassen, statt ihren Patienten die bessere Alternative des Abwartens oder gar Nichtstuns zu empfehlen. So sei eine Nation von überdiagnostizierten und überbehandelten Menschen entstanden. Da setzt das Buch an: Wie lässt sich erkennen, wie viel Medizin noch als gute Medizin bezeichnet werden kann undn was tatsächlich wirkt?

Dr. Alan Zelicoff und Michael Bellomo arbeiten auch für den interessierten medizinischen Laien klar heraus, wie z.B. heutzutage Prostata-Krebs, Herzkrankheiten und Diabetes überbehandelt werden. So werden (sicher nicht nur in den USA) mit der Produktion offensichtlich suboptimaler, wenn nicht gar schädlicher Ergebnisse verschwendet. Ein Faktum, das sich hierzulande nicht so leicht belegen ließe, weil die Aufzeichnung und Auswertung aussagefähiger Daten bekanntlich weithin unterbleibt oder – wie bei BQS – bestenfalls „ungefährliche“, will sagen wenig aussagefähige Daten ausgewiesen werden. Hier eine – wie üblich von uns übersetzte – Zusammenfassung der Gliederung:

Vorsprüche

  1. Die ärztliche Prognose: Warum mehr nicht zwangsläufig besser ist
  2. Zerlegen ärztlichen Handelns
  3. Nichts führt zu so viel Verschwendung wie Überfluss
  4. Haben Sie Ihr Haltbarkeitsdatum überschritten?
  5. Screening wider den gesunden Menschenverstand
  6. Neues von der Front: Der Krieg gegen Prostata- und anderen Krebs
  7. Diabetes: Dinge, die Sie nicht wissen mögen
  8. Warum manche denken, es sei bei Herzerkrankungen einfacher, die Arterie einzufädeln als die Nadel
  9. Degenerative, infektiöse und autoimmune Erkrankungen
  10. Wie Sie für sich selbst die besten medizinischen Entscheidungen treffen
  11. Wie man mehr Gutes tut, statt Schaden anzurichten

Stichwortverzeichnis

Schon in der Einführung wird Klartext geredet: Es wird viel zu viel Unnötiges oder gar Schädliches gemacht – und selbstverständlich abgerechnet. Dagegen hilft nur ein radikaler Wandel und Einsicht – weniger bei denen, die daran verdienen als bei den Patienten selbst. Unter diesen Prämissen:

  • Der Einzelne kann und muss sich selbst sachkundig machen
  • Die weitaus meisten Ärzte kennen nicht den aktuellen Stand in ihrem Fach
  • Viele der heute üblichen Behandlungen beruhen nicht auf sorgfältig ausgeführten Studien: Die Frage, was bei Nichtstun geschieht, wird viel zu selten gestellt
  • Darunter leidet nicht nur der Einzelne, sondern finanziell auch die ganze Gesellschaft

Im ersten Kapitel werden ärztliche Behandlungsmuster („überhaupt etwas tun“) und Patientenverhalten (Enttäuschung bei ärztlichem Nichtstun) diskutiert. Die Kapitel 2 und 3 befassen sich ausführlich mit den Erkenntnissen von Wennberg et al (siehe dazu z.B. die Buchbesprechung im hmanage Newsletter 293 zum Dartmouth Atlas). Das Kapitel 4 ist dem Thema Lebenserwartung und degenerative Erkrankungen gewidmet. Im Kapitel 6 geht es um Sinn und Unsinn von Screenings. Die nächsten Kapitel 7, 8 und 9 machen anhand von Einzelkrankheiten deutlich, was im Zusammenhang mit Therapieentscheidungen alles falsch gemacht werden kann. Daraus ergeben sich für den Einzelnen generelle Handlungsanweisungen (10 und 11).

 

Das Buch ist nicht nur eine nützliche Lektüre für jedermann, um im Falle einer Krankheit die richtigen eigenen Entscheidungen treffen zu können – auch gegen den (keineswegs immer zielführenden) ärztlichen Rat. Der einzelne Arzt findet Anregungen zur kritischen Reflexion des eigenen Handelns. Es bietet ebenso Orientierung für die Unternehmensleitung der einzelnen Institution, deren eigenes Leistungsangebot auf für den Patienten wirklich wertstiftende Behandlungsvarianten zu konzentrieren und die hier tätigen Ärzte dazu anzuhalten und systematisch weiterzuqualifizieren, ausschließlich in diesem Sinne tätig zu sein. (+++)

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

Liste der bisher besprochenen Bücher

 


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

 

 

(Deutsche Ärzteblatt) Marktorientierung im Gesundheitswesen: Markt auf Kosten von Zuwendung 

Um die Frage „Gesundheit – ein Marktprodukt?“ ging es bei einer Tagung der Evangelischen Akademie in Tutzing.

Das Gesundheitswesen wird zunehmend ökonomisiert. „Mehr Markt!“, lautet eine zentrale Forderung vieler. Tatsächlich wurden unter dem Vorzeichen des Wettbewerbs in den vergangenen Jahren immer mehr Marktelemente in das System eingeführt, wie Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), aufzeigte. Er sprach bei einer Tagung, die die Evangelische Akademie in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsforum der Süddeutschen Zeitung Mitte April in Tutzing veranstaltete. Dabei ging es im Wesentlichen darum, Probleme im Spannungsfeld von Gesundheit und Markt zu erörtern.

Seit 1975, erklärte Hoppe, sei ein Kostendämpfungsgesetz dem nächsten gefolgt und schließlich 1993 mit der Einführung von Krankenkassen-Wettbewerb, Budgets, Risikostrukturausgleich und Niederlassungseinschränkung ein regelrechter „Politikwechsel“ eingeleitet worden. Der Staat habe sich zunehmend von seiner Aufgabe der Daseinsvorsorge verabschiedet und sich auf die Rahmengesetzgebung zurückgezogen. Wiederholt zitierte Hoppe das Wirtschaftlichkeitsgebot aus dem 5. Sozialgesetzbuch (§ 12 SGB V), wonach „die Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müssen. Doch was bedeutet das konkret für Ärzte und Patienten? Eindeutig sei in der Ausrichtung der Gesundheitspolitik ein Wandel zu verzeichnen: Was heute zähle, sei der „kollektive Blick auf die Versorgungsstrukturen“. Der „individualistische Aspekt“ rücke mehr und mehr aus dem Blickfeld. Elemente aus den staatlichen Gesundheitssystemen der skandinavischen Länder sowie aus den marktwirtschaftlich orientierten USA hätten Einzug auch in „unser freiheitlich organisiertes System“ gehalten. Darunter litten die individuelle Arzt-Patienten-Beziehung, die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte und die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Statt von Zuwendungsmedizin müsse man heute von Zuteilungsmedizin sprechen, von einem System, in dem der Patient „nicht mehr der kranke Mensch ist, sondern der Diagnoseträger, der einen Anspruch auf Leistungen eines gewissen ,Warenkorbs‘ hat, und in dem Empathie Zeitverschwendung bedeutet“, sagte der BÄK-Präsident. Der Umbau des Gesundheitswesens sei wohl noch lange nicht abgeschlossen…

 

Mehr

 

Anmerkung:

 

Ideologischer Qualm! Wenn das so ware, wie dies hier selbsternannte Experten wieder einmal ohne jeden Beleg behaupten, gäbe es keine Versorgung mit allem und jedem zum relativ niedrigsten Preis. Der Glaube an eine höhere Staatliche Verteilungsinstanz hat schon im realen Sozialismus nicht funktioniert. Und die Entscheidung über die Notwendigkeit einer Geldausgabe sollte man nicht ausgerechnet jenen überlassen, die davon profitieren! Markt setzt allerdings (neben gewissen staatlich gesetzten Rahmenbedingungen) für die Marktteilnehmer Transparenz voraus. Merktwürdig, dass gerade jene diese am vehementesten zu verhindern suchen, die zugleich die Wirkungskräfte des Marktes verteufeln.