Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

26.03.17 18:13

Qualitätsmonitor 2017


 

(Vorabveröffentlichung der Buchbesprechung zum hmanage Newsletter 495)

F: Dormann, K. Klauber, Qualitätsmonitor 2017, ISBN 978-3-95466-293-7, Berlin 2017

Diese Besprechung hat sich leider verzögert. Dabei war sie eigentlich – mit einer fest eingeplanten Zeitscheibe – schon vor etlichen Wochen geplant. Doch das Besprechungsexemplar ging mir erst später zu. Deshalb musste eine gründliche Lektüre verschoben werden. Dabei war die Spannung eigentlich groß, ob es dem Herausgeber-Gespann wohl gelingt, frischen Wind in die Materie zu bringen. Besonders was die hierzulande bislang weitgehend fehlende Betrachtung der Materie unter dem Blickwinkel des Managements betrifft, eine gleichbleibend hohe Qualität sicherzustellen. Und zu belegen. Samt ihrer kontinuierlichen weiteren Steigerung.

Doch als ich das Buch in den Händen hatte, war nach dem Studium der Einleitung, der Gliederung und der Steckbriefe der 27 Autoren rasch klar: Etwas Neues – gar, wie angekündigt, „Impulse für die Versorgungsgestaltung“ – war von diesem ersten Werk „einer neuen Buchreihe“ kaum zu erwarten. Was den Eifer, sich bald an dessen Studium zu begeben, weiter bremste.

Sein erster Teil „Versorgungssystem unter Qualitätsaspekten gestalten“ ist ein Sammelsurium eigenständiger Aufsätze rein deskriptiven Charakters. Von einer Diskussion der Systemgestaltung unter Qualitätsaspekten keine Spur! Die Zusammenhänge muss man sich schon aus isolierten Details in den Texten zusammenklauben. Erfreulich ist in etlichen Texten der Blick über den nationalen Tellerrand. Der zweite Teil „Stationäre Versorgungsstruktur ausgewählter Krankheitsbilder in Deutschland“ enthält zwei interessante Tabellenwerke zum Thema. Das Ganze ist überwiegend aus der Vogelperspektive externer Betrachter geschrieben. Mit löblichen Ausnahmen.

Also im Grunde ‚Business as usual‘. In dieser Gliederung:

  • Autorenverzeichnis
  • Vorwort
  • Inhalt

  • I.     Versorgungssystem unter Qualitätsaspekten gestalten
  • 1    Pay for Performance – Aktueller Stand und Perspektiven
  • 2    Von volumen- zu wertbasierter Kostenvergütung in den USA
  • 3    Pay for Performance in der ambulanten Versorgung
  • 4    Qualität des Entlassungsmanagements
  • 5    Public Reporting in Krankenhäusern in den USA und in Großbritannien
  • 6    Public Reporting in der Schweiz
  • 7    Follow-Up-Ergebnisindikatoren für Hüft- und Kniegelenkersatz
  • 8    Patient-reported Outcomes (PROs) bei Hüft- und Kniegelenkersatz
  • 9    Akuter Herzinfarkt
  • 10  Qualitätsmanagement in der akuten Schlaganfallversorgung

  • II.   Stationäre Versorgungsstruktur ausgewählter Krankheitsbilder
  • 1    Eckdaten stationärer Versorgungsstrukturen für ausgewählte Krankheitsbilder in Deutschland

  • 2    Krankenhausmonitor 2017

  • Kein Stichwortverzeichnis, Quellen nur bei den Texten

Dazu, soweit zweckmäßig und nötig, ein paar Anmerkungen:

  • Zu I.    Versorgungssystem unter Qualitätsaspekten gestalten
  • Zu 1    Pay for Performance – Aktueller Stand und Perspektiven:
    Wie von dem renommierten Autor zu erwarten, eine Reihe anregender Gedankensplitter. Leider keine zusammenhängende Bewertung. Und ohne Vorschlag, wie es nun weitergehen sollte.

  • Zu 2    Von volumen- zu wertbasierter Kostenvergütung in den USA:
    Erfreulich: ein deutscher Autor beschreibt die von ihm in den USA vorgefundenen Indikatoren verschiedener Initiativen und daraus abgeleitete Aspekte qualitätsbezogener Vergütungsmodelle – „Value Based Purchasing (VBP)“ – für MEDICARE-Patienten. Im Rahmen einer „Inpatient Value Based Initiative (IQR)“: Sehr informativ! Damit bewegen sich die USA aus seiner Sicht endgültig weg vom „Fee-for-Service“-Modell“. Und hin zu einer Abrechnung, die anreizgesteuert zu einer Verbesserung der Qualität und einer Verringerung der Kosten führe. (Das Ganze ist wohl vor dem Wahlsieg von Donald Trump geschrieben. VBP mag jetzt im Zuge der weitgehenden Auflösung von AHRQ und der Verschmelzung der Reste des NIH wieder tiefer gehängt werden). Hier – wie auch bei allen Folgetexten – am Ende (nützliche) „Take home messages“.

  • Zu 3    Pay for Performance in der ambulanten Versorgung:
    Erhebung der Zufriedenheit der Hausärzte mit dem gegenwärtigen Vergütungssystem und Diskussion der Ergebnisse. Dabei kleben die Autoren sehr am deutschen Ist-Zustand. Doch für P4P auch international noch kaum Anregungen. Man müsste also…. Dabei „könnten auch nicht- intendierte Effekte auftreten“. Sehr allgemein! So allenfalls vage Vorüberlegungen!

  • Zu 4    Qualität des Entlassungsmanagements:
    „Auch wenn die konkreten Prozesse des Entlassungsmanagements in den deutschen Krankenhäusern letztlich ein Blackbox-Bereich sind“. Systematische, wenn auch sehr allgemeine Ausführungen, was nun zu tun wäre. Mit dem Fazit: „Ein qualitativ hochwertiges Entlassmanagement kann Versorgungsbrüche und poststationäre Komplikationen verringern, aber nicht alle Versorgungsbrüche und poststationäre Komplikationen sind auf ein mangelhaftes Entlassmanagement zurückzuführen“. Aha! Das hätte man auch gern etwas genauer gewusst.

  • Zu 5    Public Reporting in Krankenhäusern in den USA und in Großbritannien:
    Die universitären Autoren haben sich das dortige „Public Reporting“ für eine breite Öffentlichkeit vorgenommen, das in den USA auch kostenbezogene Elemente enthält. Gründlicher angegangen als hierzulande bislang gewohnt: Beginnend mit einem historischen Abriss, der verdeutlicht, wie viel früher – und wie breit – man im angelsächsischen Sprachbereich damit begonnen hat, Medizin transparenter zu machen, als in Mitteleuropa. Hinreichend gründlich anhand von Vorgehensbeschreibungen belegt. Und zugleich verdeutlicht, wie viel auch dort noch zu tun ist. Wobei die von den Autoren gefundenen Veröffentlichungen zu bestätigen scheinen, dass die vermehrte Transparenz zwar Effekte hat, bisher aber kein Einfluss auf die Patientenströme.

Zu 6    Public Reporting in der Schweiz:
Der – informative – Text macht (wie auch bei IQM-Veranstaltungen) wieder einmal deutlich, wie intensiv sich dort ‚Amtspersonen‘ in die Materie einarbeiten. Ganz ohne schweizerischen G-BA. Und dabei auch über die Landesgrenzen blicken. Was hier für den Leser wiederum dazu führt, neben der schweizerischen Version von IQM bzw. CH-IQI und den damit verbundenen Peer Reviews ein wenig mehr über Michael Porters US-Initiative inklusive ihrer weltweiten Ausdehnung zu ICHOM zu erfahren. Sowie auch über diesbezügliche OECD-Bemühungen (Data for Measuring Health Care Quality and Outcomes). Sehr informativ!

  • Zu 7    Follow-Up-Ergebnisindikatoren für Hüft- und Kniegelenkersatz:
    Informatives zum aktuellen QSR-Geschehen und dessen Erkenntnisse. (Der – mittlerweile lange erprobte – Ansatz müsste endlich in verbindliche Vorgaben einfließen! kassenübergreifend).

  • Zu 8    Patient-reported Outcomes (PROs) bei Hüft- und Kniegelenkersatz:
    Endlich einmal ein Text, der schwerpunktmäßig auf die Wichtigkeit der Patientenperspektive hinweist, wohlinformiert erscheint, was die internationale Methodenentwicklung betrifft! Wenn man dem Autor glauben darf, ist der daraus destillierte Ansatz in den Schön-Kliniken bereits Bestandteil von „derzeit etwa 145 Übersichten… entlang der Behandlungskette“, die dort „zu jedem Krankheitsbild“ im Einsatz sind. (‚evidence belt‘ vs. ‚eminence belt‘). Verbindlich? Für den gesamten Behandlungsprozess und dessen Follow-Up. Beim Hüft- und Kniegelenk-Ersatz in der Orthopädie von der Aufnahme über die Stufen des Behandlungsprozesses über die Entlassung bis zum mehrfachen Follow-Up.
    Den Mehrfachnutzen der PROs sieht der Autor bei der Kontrolle der Indikation, der vermehrten Transparenz des krankheitsspezifischen Behandlungsprozesses, der Identifikation und Verbreitung von „Best-Practice-Verfahren“, bei der Absicherung wissenschaftlicher Studien und dem direkten Feedback für den behandelnden Arzt: Ein insgesamt äußerst informativer Text! Mit einer guten Beschreibung der eingesetzten Methoden. Sehr lehrreich wohl für die allermeisten anderen Krankenhäuser im Lande. Leider fehlen Belege a) für die tatsächliche Einbindung des Ganzen in die tägliche Routine und b) über die solchermaßen erzielten Verbesserungen. Sonst lohnt doch der ganze Aufwand nicht!

  • Zu 9    Akuter Herzinfarkt:
    Hier wird eine Übersicht über den Sachverhalt geliefert. Für den Laien informativ, für die meisten Leser sicher nicht sonderlich. Dazu kommt eine historische Gesamtschau der bundesweiten Aktivitäten des Fachs zum Thema. Inklusive Vorgehensweise bei unterschiedlicher Ausprägung des Infarkts. Der Hinweis auf die neuere „Chest Pain Unit (CPU)“ fehlt natürlich nicht. Wie die CPU arbeitet – gar mit welchem Ergebnis – erfährt man hier leider nicht. Zur Darstellung der „Qualitätskontrolle“, dem eigentlich zu erwartenden Inhalt dieses Beitrags, werden leider nur wenige Zeilen geboten. Das Ganze gestattet nur einen Blick aus sehr großer Höhe! Unbefriedigend, vor allem gemessen am Beitrag zum Kapitel 9. Über die Effekte dieser ‚Sicherung‘ für das Qualitätsbewusstsein und die Qualität erfährt man sowieso nichts.

  • Zu 10  Qualitätsmanagement in der akuten Schlaganfallversorgung:
    Auch dieser Text fällt mit seiner allzu allgemeinen Darstellung im Vergleich zu Kapitel 9 deutlich ab. Dass es in diesem Zusammenhang einer „Stroke Unit“ bedarf, hat sich allerdings schon eine Weile herumgesprochen. Dass die Zeit bis zur Schlaganfallversorgung so kurz wie möglich sein sollte, desgleichen. Die vorgestellte Übersicht über zeitkritische Maßnahmen ist informativ. Die Vorstellung des „Schlaganfallkonzepts Baden-Württemberg“ verdeutlicht, was geschehen sollte. Die „Teleneurologie“ wird gestreift. Doch es fehlen Einzelheiten zu den „QM-Daten“, „die hier wichtige Impulse liefern (könnten)“.

  • Zu II.   Stationäre Versorgungsstruktur ausgewählter Krankheitsbilder
    Es folgen zwei – erläuterte – tabellarische Auswertungen verfügbarer Daten zu „ausgewählten“ Krankheitsbildern und Fallzahlen aus unterschiedlicher Sicht. Zum einen nach der Fallzahl („Eckdaten stationärer Versorgungsstrukturen für ausgewählte Krankheitsbilder in Deutschland“) und zum anderen als Auflistung von realen Krankenhäusern („Leistungs-, Ausstattungs- und Qualitätskennzahlen deutscher Kliniken“). Gelegentlich auch mit Bezug auf vergleichbare Aktivitäten in den USA. Zum Nachdenken anregend die kritische Auseinandersetzung mit den Restriktionen, die heute die Aussagefähigkeit begrenzen, im ersten Text. Warum die Krankheitsbilder „Herzinfarkt, Schlaganfall, Cholezystektomie, Operation bei Femurfraktur, Mammachirurgie und Ovariektomie“ – und keine anderen – gewählt wurden, bleibt im Dunklen. Orientiert an der Selbstbeschränkung des G-BA bei der Umsetzung des § 137 SGB V? Dass damit 80% aller stationären Fälle im Dunklen bleiben, wird nicht erwähnt.

Fazit

Eine Gesamtschau der Qualitätsaspekte einer „Versorgungsgestaltung“ der Gesundheitssicherung und -wiederherstellung – und ihres Zusammenhangs mit den damit korrespondierenden Kosten – liegt hier nicht vor. Dies muss erst noch geschrieben werden. Sowohl generell als auch in einer vergleichenden Auseinandersetzung mit den bestehenden Bemühungen sowie im Vergleich mit internationalen Vorbildern. Deskriptiv und bewertend. Desgleichen fehlt nicht nur weiterhin eine ergebnisorientierte Handlungsanweisung für die normative, operative und strategische Umsetzung, sondern auch ein praxisnahes Methodenbuch.

Gleichwohl gibt es auch so genug Gründe, die Lektüre trotz der durchwachsenen Qualität der Beiträge wärmstens zu empfehlen. Denn hinreichend viele Texte enthalten Anregungen, die in dieser Form hierzulande noch nicht präsentiert wurden. Dazu gehört nicht zuletzt die erfreuliche Erkenntnis, dass sich im Verborgenen hier und dort scheinbar doch etwas bewegt, das einer breiteren Resonanz würdig wäre. Beispiel ‚Schön-Kliniken‘! Auch die tabellarischen Zusammenstellungen im zweiten Teil sind – samt Erläuterung – schon für sich eine gründliche Lektüre wert. Besonders die erste: Bewertung daher nahezu vollständig (+++)!

http://www.schoen-kliniken.de//karriere/klinikgruppe/profil/