Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

12.04.17 11:51

Bibliomed-Interview: Anregendes von Helios

"Wir stehen immer bereit”

Anmerkung:Hier – und nur hier – scheint sich strategisch nahezu...

01.05.10 17:44

Ein sehr schönes Lehr- und Nachschlagewerk zu Sozialmedizin und Publich Health


 

(2) Klemperer, David. Unter Mitarbeit von Braun, Bernard, Sozialmedizin - Public Health. Lehrbuch für Gesundheits- und Sozialberufe, Bern 2010, ISBN-10: 3456848242, ISBN-13: 978-3456848242, AMAZON

Jeder der sich etwas genauer mit Fragen des Managements im Gesundheitswesen befasst, kennt das Problem: es besteht aus weithin abgeschotteten Milieus, verbunden mit einer babylonischen Sprachverwirrung. Leistungserbringer und Krankenkassen. GKV und PKV. Sektoren. Klinik und Verwaltung. Ärzte und Pflegekräfte. Fächer und Subspezialitäten. Und alle – alle – Beteiligten haben irgendwie mit Patienten zu tun. Hinzu kommen allerlei „Gutmenschen“, denen – wissenschaftlich oder praktisch – vor allem das Soziale am Herzen liegt.

Kommunikation erfolgt weithin innerhalb der und kaum zwischen den Milieus. Die „Schnittstellen“ dazwischen sind unbesetzt. Patienten, um die es doch vor allem gehen sollte, blieben trotz aller jüngeren Bemühungen, diesen Zustand zu ändern, ohnehin außen vor. In dieser Situation sollten „Grenzgänger“ zwischen den Milieus eine besonders kostbare Ressource sein.

So sieht der Rezensent auch den Autor David Klemperer. Also hat er mit Spannung auf die Veröffentlichung gewartet. Es ist keineswegs nur für „alle Personen (geeignet), die eine Ausbildung für einen Gesundheitsberuf durchlaufen oder bereits im Gesundheitswesen arbeiten“ (erster Satz der Einleitung). Hier eine Übersicht der Gliederung:

  • Geleitwort von Rolf Rosenbrock
  • Danksagung
  • Einleitung

  1. Wissenschaftlichkeit
  2. Epidemiologie und Forschungsmethoden
  3. Evidenzbasiert Medizin und evidenzbasierte Praxis
  4. Wie wir Gesundheit und Krankheit verstehen
  5. Prävention und Gesundheitsförderung
  6. Soziale Ungleichheit der Gesundheit
  7. Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik

  • Literaturverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Sachregister
  • Autor

Schon das erste Kapitel „Wissenschaftlichkeit“ sollte man zur Pflichtlektüre für jedermann erheben, der im weiteren oder engeren Sinne irgendetwas mit der Krankenbehandlung zu tun hat. Empfehlung des Rezensenten an die Patienten: Glaubt nichts! Fordert stets handfeste Beweise!

Im zweiten Kapitel „Epidemiologie und Forschungsmethoden“ wird höchst plausibel erklärt, wie professionelle populationsbezogene medizinische Erkenntnisse zustande kommen, wie Unbelegtes dennoch unter die Leute gebracht wird und was es an öffentlicher Gesundheitsinformation in Deutschland gibt.

Im Kapitel 3 gelingt es Klemperer auf wenigen Seiten eindrucksvoll, die Evidenzbasierte Medizin zu erklären, die Argumente der Gegner zu verdeutlichen und die institutionalisierten Bemühungen um EBM in Deutschland ins rechte Licht zu rücken. Hier finden sich auch ein Plädoyer fürs Shared Decision Making mit den Patienten und die Erklärung des Umgangs mit Risiken.

Unter der harmlosen Überschrift „Wie wir Gesundheit und Krankheit verstehen – Modelle, Konzepte, Theorien“ findet sich im Kapitel 4 eine Beschreibung dessen, was so zur Erklärung von Krankheiten und deren Heilung erfunden wurde und widerlegt, ohne den Glauben daran zu beeinträchtigen. Hier steht Seriöses und (als solches deutlich erkennbar) Unseriöses etwas unvermindert nebeneinander, die Beschreibung von Schlüsseln und eine Auseinandersetzung mit der „Alternativmedizin“.

Im Kapitel 5 „Prävention und Gesundheitsförderung“ wird dem Leser verdeutlicht, wofür welche Bemühungen um eine Krankheitsvermeidung gut sind, wozu Früherkennungsmethoden dienen und inwieweit sie sowohl Nutzen stiften als auch Schaden anrichten können.

Der (jüngeren) Suche nach den Folgen sozialer Ungleichheit für die Gesundheit in der Welt und in Deutschland wird in Kapitel 6 nachgespürt. Hier wird die verbreitete Unterscheidung der Belastungen und Schutzfaktoren in eine „Makro-, Meso- und Mikro-Ebene“ ebenso vorgestellt wie die Beschreibung von Stress-Reaktionen. Am Ende findet sich eine Prise Historie – bis hin zum alten Friedrich Engels.

Das (im Vergleich relativ lange) Kapitel 7 „Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik“ beginnt mit einer zu Beginn erfreulicherweise stark amerikanisch geprägten Beschreibung dessen, was man – reichlich übertrieben – so als „Gesundheitssystem“ zu bezeichnen pflegt. Samt längerem geschichtlichem Appendix und griffiger Übersicht des Ist-Zustands. Hier (auf Seite 234) findet sich auch die IOM-Definition von Gesundheit. Mit Erläuterung. Unsere Leser kennen sie aus vielen Hinweisen. Die „Einführung in die Gesundheitspolitik“ beschränkt sich im Wesentlichen auf das Geschehen in Deutschland. Das macht ein wenig den Eindruck, als ob es sich hier um die Gesundheitspolitik schlechthin handele. Der „Public-Health-Action-Cycle“ wird vorgestellt, aber angesichts des realen „Muddling through“ bei der Systemgestaltung (Seite 241) nicht zur Messlatte der Realität. Doch aus den Ausführungen wird auch so deutlich, wo das Herz des Autors schlägt.

Klemperer ist es mit diesem Buch aufs Vorzüglichste gelungen, jedes Kapitel und dessen Teile knapp zu halten und gleichwohl so zu gestalten, dass sie für sich allein verständlich sind und insoweit auch als Nachschlagewerk dienen könnten. Das Ganze bleibt erfreulich unaufgeregt, obwohl bei manchem Thema das Blut in Wallung kommen könnte. Jedes Kapitel enthält Text, Zitate und (ganz viele) Bilder, Hervorhebungen („Auf den Punkt gebracht“) und Verweise auf weitere Quellen („Verlinkt“) – wie es sich gehört, sowohl nationale als auch viele internationale. Eine ergänzende CD-Rom wäre neben der Website zum Buch www.sozmad.de hilfreich, weil alle Kapitel verlinkt sind. Das Buch ist für jedermann ein vorzügliches (und zugleich auch noch aktuelles) Hilfsmittel, sich Zusammenhänge klar zu machen und sich – wenn nötig – einzelne Sachverhalte noch einmal zu verdeutlichen. (+++)

(Vorabveröffentlichung der Besprechung im hmanage Newsletter 425)