Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

320 - 05.02.2008 - Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"A culture of disclosure is not prevalent in our provider community. Transparency has not been a standard that has been upheld"

(Rachel Weissburg, program associate, the Leapfrog Group, an employer-sponsored health care coalition)

 

Quelle: The Silent Treatment: 'Just Be Quiet About It' 

 


01. Editorial: „EFQM“ – was ist Anfang 2008 noch davon zu halten?

Das Unternehmen des Autors dieser Zeilen ist seit nunmehr ziemlich genau 10 Jahren EFQM-Mitglied. Er hat sich als aktives Mitglied Health Care Community of Practice der EFQM in ganz Europa herumgetrieben und nur persönlich in 101 Assessor-Trainings insgesamt an die 2000 Teilnehmer mit einem EFQM-Zertifikat versehen. Schön für die Bewerbungsmappe! Er hat Bücher dazu geschrieben, die gut verkauft wurden, und jede Menge andere Veröffentlichungen. Er hat im In- und Ausland allerlei ergänzende Inhouse-Aktivitäten betreut. Er schreibt heute darüber im 320. Newsletter. 

Gleichwohl scheint der Effekt all dieser Bemühungen eher bescheiden zu sein – genauer gesagt mikroskopisch klein. Oder er wächst in deutschem Tempo: Ganz, ganz langsam!

Die eigenen Erfahrungen decken sich mit jenen, die man in Deutschlands Gesundheitswesen insgesamt zum Thema EFQM so hört. Viel Lärm um nichts? Alle, die ernsthaft mit dem EFQM-Modell konfrontiert wurden, sagen auf Befragen: Es ist sehr, sehr nützlich! Wir haben im Training / in der Beratung wichtige neue Erkenntnisse gewonnen. Doch „wichtige Erkenntnisse“ werden einem auch stets im Zusammenhang von KTQ® genannt, ohne dass darin (im Unterschied zum EFQM-Modell für Excellence oder zu den internationalen Kriterien der Joint Commission) irgendetwas richtig Konkretes enthalten wäre. Nirgends ist die Qualität sichtbar gestiegen – weder mit EFQM noch mit KTQ®. Sonst hätte man darüber sicher einmal etwas Konkreteres gehört als „wichtige Erkenntnisse“.

Nur viele haben die EFQM-Bemühungen eingestellt, um „erst einmal“ KTQ® zu „machen“. KTQ® ist einfach, praktisch, gut. Von denen, die mit KTQ® begonnen haben, wurde noch niemand NICHT zertifiziert. Warum auch? Die KTQ®-Berater und Zertifizierer leben doch davon! Sie würden sich doch nur selber schaden! Doch über KTQ® wurde hier vorläufig genug geschrieben. Hier soll es erst einmal weiter um EFQM gehen!

Wenn man die fehlenden Effekte aller Mühen zum Maßstab einer Beurteilung des EFQM-Modells für Excellence machen müßte, wäre die Antwort einfach: „Offensichtlich ungeeignet!“ Doch so einfach sollte man es sich nicht machen. Das EFQM-Modell trägt in ganz Europa reiche Früchte – allmählich auch in Gesundheitseinrichtungen. Natürlich ist es falsch, wenn manche Ignoranten behaupten: EFQM sei industrieorientiert, fürs Gesundheitswesen „ungeeignet“!

Das Vorbild des EFQM-Modells – der Ansatz des amerikanischen Baldrige National Quality Program – ist mit mittlerweile 8 Preisträgern auch in Gesundheitseinrichtungen äußerst erfolgreich. Was die an Verbesserungen geleistet haben, läßt sich (im Moment erst großenteils, zwei neue Preisträger fehlen noch) jederzeit im Internet nachlesen. Wir berichteten immer wieder darüber. Vielleicht hat man hierzulande nur immer noch nicht verstanden, welche Chancen das EFQM-Modell für Excellence in sich birgt, sich im künftig verschärften Wettbewerb erfolgreich zu behaupten? Oder man hat es bemerkt, aber nicht die Kraft gehabt, es wirklich konsequent mit Leben zu füllen?

Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Nichtstun löst keine Probleme. Und falscher Aktionismus verschwendet genau die kostbare Zeit, die für wirkliche Verbesserungen dringend nötig wäre. „Mehr Geld“ – wie es alle fordern, die seitens der Leistungserbringer Verantwortung tragen, „mehr Geld“ wird es ganz sicher nicht geben. Und dann? Dann wird im Gesundheitswesen eines der immer noch reichsten Länder der Welt entlassen und rationiert? Das kann doch nicht wahr sein!

Das EFQM-Modell für Excellence böte – endlich konsequent angewandt – eine erstklassige Chance, noch aus dem sich abzeichnenden Schlamassel erfolgreich herauszukommen. Doch dafür müßte man sich endlich strategisch (EFQM-Kriterium 2) dazu durchringen, qualitativ und nicht nur quantitativ auf konkrete Behandlungsergebnisse zu Gestehungskosten zu zielen, die genügend finanziellen Spielraum für Verbesserungen eröffnen (EFQM-Kriterium 9). Man müsste ernsthaft auf ein immer besseres Patientenurteil zielen (EFQM-Kriterium 6) und nicht nur irgendwann einmal lustlos als vermeintlichen Qualitätsbeweis einige Patienten so allgemein befragen, dass nur halbwegs positive Antworten dabei herauskommen können. Man müsste die Mitarbeiter nicht länger mit allerlei einseitigen Kürzungen zu ihrem Nachteil ärgern, sondern sie mit einer besseren Führung (EFQM-Kriterium 1) zu aktiven Partnern im Veränderungsprozess machen (EFQM-Kriterium 3). Die werden dies schon sehr bald zu schätzen wissen (EFQM-Kriterium 7) und sich freiwillig an einen gezielteren Ressourceneinsatz (EFQM-Kriterium 4) im Zuge einer grundlegenden Verbesserung der Prozesse machen (EFQM-Kriterium 5). Dabei werden sie auch die berechtigten Bedürfnisse der Gesellschaft nicht vergessen (EFQM-Kriterium 8). EFQM ist Ergebnisorientiert. EFQM verknüpft das Vorgehen mit Ergebnissen. EFQM liefert nur keine Zertifikate. Denn welcher externe Zertifizierer sollte schon das eigene Haus besser führen können als wir selbst? Woher nimmt er eigentlich die Autorität zum Verteilen von Zensuren? Von KTQ®? Und woher nehmen die die Autorität???

Dazu müßte allerdings endlich der immer dichtere Mehltau weggepustet werden, der sich immer mehr über die Stimmung im Gesundheitswesen legt. Dafür könnte das EFQM-Modell für Excellence einen ausgezeichneten formalen Rahmen bieten. Allerdings möglichst ohne die „Levels of Excellence“, genauer gesagt der erste davon (Commitment). Denn die wecken auch nur falsche Erwartungen. Dass der geeignet ist, wurde europaweit mittlerweile vielfach ausprobiert. Dazu muss man allerdings schon verändern wollen. Es mag ja sein, dass wir dafür immer noch viel zu satt sind. Muss es erst richtig schlecht kommen, bevor wir uns zum nachhaltigen Verändern bequemen?

Wer jetzt als Verantwortlicher eher aufwacht als seine lieben Kollegen im Geleitzug, kann sich mit einem konsequenten Einsatz des EFQM-Modells für Excellence in allerkürzester Zeit vor der Konkurrenz einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

 


02. Aktion Saubere Hände

„Die Aktion hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2010 die Händedesinfektion als einen Schwerpunkt für mehr Qualität und Sicherheit in der Patientenversorgung in den Krankenhäusern in Deutschland zu etablieren…“

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Anmerkung: Nur zur Erinnerung: Wir schreiben das 2008, Januar 2008! Und der Patient steht SELBSTVERSTÄNDLICH im Mittelpunkt!

 


03. (Healthcare IT News) Telemedizin in den USA – wenn auch mit etwas Zurückhaltung

Visiting Nursing Association cuts back on hospitalization with telemonitoring

The Visiting Nurses Association of Western New York has announced a plan to use telemonitoring technology to help care for chronically ill patients and prevent re-hospitalizations...

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04. (Most Wired) IT-gestützte Abstimmung im Medikationsprozess

Making a List and Checking It Twice, Part 1 + 2

"In the medication reconciliation process, the first step is the hardest..." 

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Teil 2

"Making a List and Checking it Twice, Part 2..."

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05. (Deutsches Ärzteblatt) Die Sprachen der Medizin

Die Medizin bedient sich einer Lingua franca, doch sie spricht mit vielen Zungen. Wie nach der Renaissance Latein als die verbindliche Sprache der Heilkunde an die Seite der regionalen Sprachen trat, so ist heute Englisch die internationale Stimme der Medizin...

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06. (AHRQ) Wie Ärzte sich über Behandlungsfehler austauschen

Lost opportunities: how physicians communicate about medical errors.

This AHRQ-funded study surveyed more than 1000 physicians to understand their beliefs about error reporting and their use of current reporting systems...  A past AHRQ WebM&M perspective discussed the experiences and success of the Minnesota adverse health events reporting system…

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07. (Pennsyslvania Patient Safety Authority) Einige interessante Berichte, u.a. zu Operationen auf der falschen Seite (Wroing site Surgery)

Patient Safety Vol. 4, No. 4—December 2007 

Insight into Preventing Wrong-Site Surgery rong-site surgery can be national news, as it was in November 2007 when Rhode Island Hospital was fined $50,000 for doing their third wrong-side craniotomy of the year.…

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08. Links

DEVELOPING A TOOL TO MEASURE KNOWLEDGE EXCHANGE OUTCOMES

The Global Gender Gap Report 2007

http://www.e-p-a.org/index2.html  European Pathway Association (E-P-A.org)

Der Fluch der Röntgenbilder... Aus dem richtigen Leben des Krankenhausarztes - Quelle: myDRG

http://www.ihm.org.uk/home  Institute of Healthcare Management (IHM)

Kondratieffzyklen - etwas Hokuspokus

Addressing postdischarge adverse events: a neglected area

Incidence, patterns, and prevention of wrong-site surgery

Consumer Financial Incentives: Checklist

ACHI's Community Health Assessment Toolkit

Hospital & Humor

Medication Reconciliation: Bridging Communications Across the Continuum of Care.

http://www.dgkh.de/  Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V.

http://www.gmds.de/  Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

http://www.statehealthfacts.org/comparecat.jsp?cat=7  Managed Care & Health Insurance

http://www.statehealthfacts.org/index.jsp  Kaiser-Datenbank zum US-Gesundheitswesen

2008 Quality Institute for Healthcare Explores Partnership Between Systems Engineering And Care Delivery

http://de.wikipedia.org/wiki/Wertanalyse  Nützliche Ausführungen zur Problemlösungsmethode der Wertanalyse


09. Buchbesprechungen

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

 

Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre, St. Gallen, Systemorientiertes Management, Das Werk von Hans Ulrich, Studienausgabe Bern 2001, ISBN 3-258-06359-1 (vergriffen)

 

Kaum ein anderes deutschsprachiges Management-Buch (außer vielleicht Peter F. Druckers in Deutsch übersetzte "Management-Praxis") hat den Rezensenten als promovierten Ingenieur, der auch Betriebswirtschaftslehre studiert und sich tief in die Materie der ärztlichen und pflegerischen Behandlung eingearbeitet hat, wohl mehr geprägt als Ulrichs - längst vergriffenes - "Die Unternehmung als produktives soziales System", Bern 1968. Wer sich das Buch antiquarisch besorgen kann, sollte es unbedingt lesen! Im Denken und Schreiben Ulrichs verflechten sich "ingenieurmäßige" Denkansätze mit solchen der Betriebswirtschaftslehre. Ulrich hat den Ruf von "Sankt Gallen" als herausragender Management-Schmiede samt dem St Galler Management-Modell maßgeblich mitgeprägt, indem er "die Unternehmung als umfassendes, im gesellschaftlichem Kontext stehendes Ganzes, als produktives soziales System" versteht (so das Vorwort des Stiftungsrates zu diesem – leider zwischenzeitlich ebenfalls vergriffenen – knapp 600 Seiten starken Sammelband). Dessen Inhalt:

 

Teil I     Systemorientiertes Management

Teil II    Managementforschung und -lehre

Teil III    Systemdenken und Management

Teil IV   Strategisches Management und Organisation

Teil V    Normatives Management

Teil VI   Theorie und Praxis des Managements

Teil VII  Wandel, Erkenntnis und Management

Hans Ulrich – Leben und Werk

Quellenangaben

Ulrich hat nicht nur das ergebnisorientierte Systemdenken - heute würde man auch sagen, ein ganzheitliches Denken in integrierten Prozessen – mit einem (vor allem strategischen und normativen) Management verbunden, sondern diesen Ansatz auch in breiter Form in die wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre eingebracht. Er hat aufgezeigt, wie sich Theorie und Praxis eines systemorientierten Managements in einer sich ständig wandelnden Welt wirksam ineinander verbinden lassen. Heutige, aus den Sozialwissenschaften stammende "systemische" Ansätze vermitteln Ähnliches, sind aber bei weitem nicht so präzise und praxisgerecht. Das ist auch für heutige Leser, die sich mit dem "Prozessmanagement" herumschlagen, extrem interessant!

Es ist ein großes Verdienst der Stiftung, im Jahre 2001 eine fünfbändige Werkausgabe Ulrichs produziert zu haben. Dieses Buch bringt daraus auf knapp 500 Seiten Auszüge, in denen es immer wieder zu schmökern lohnt. - Äußerst lesenswert das Buch - für alle, die das Systemdenken wirklich verstehen und auch im Gesundheitswesen fruchtbar anwenden wollen. Dann wird ihnen auch ein ganzheitliches "Prozessmangement" oder das Denken in Klinischen Pfaden leichter fallen, dessen Prozesse nicht "in der Luft hängen", sondern den Patienten, Angehörigen, Zuweisern und Krankenkassen (und den Mitarbeitern) wirklich einen nachhaltigen Zusatznutzen zu bescheren vermögen! (+++)

(Erstbesprechung im hmanage Newsletter 70)

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

Liste der bisher besprochenen Bücher

 


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

„Qualitätsbericht Spital XY“

 

Es ist nicht zu fassen: Nun kopieren unsere geschätzten Schweizer Nachbarn nicht nur die – mit deutscher Gründlichkeit zu etwas Hochkompliziertem umfunktionierten – G-DRGs. Sie wollen sie – selbstredend – auch noch weiter verfeinern! Na dann man zu! 

Als wäre das noch nicht genug, haben die Schweizer in Deutschland noch ein schlechtes Beispiel zum Nachmachen gefunden: Qualitätsberichte! Auch die werden mit äußerster schweizerischer Präzision um allerlei Ergänzungen erweitert. Die schweizerischen Berichte werden noch dicker sein als die deutschen! Das Wichtigste fehlt jedoch auch hier: Jedwede handfeste Information über die Qualität von Behandlung und Service, die Spitäler für Patienten tatsächlich unterscheidbar machen würden.

Und wozu das Ganze?

Transparenz muss selbstverständlich sein. Doch zunächst ist doch immer zu fragen, was denn da genau transparent gemacht werden soll. Für (veröffentlichungspflichtige) Unternehmen bestehen für die Geschäftsberichte schon lange gesetzliche Mindesterfordernisse der externen Kommunikation. Die erschöpfen sich auch keineswegs im Jahresabschluss plus Erläuterungen. Auch die zugehörigen Lageberichte haben immer ausführlicher darzulegen, dass das berichtende Unternehmen nicht nur in der Lage war, Geld zu verdienen, sondern auch heute und in Zukunft fähig sein wird, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Geschäftsberichte dienen somit vor allem Anteilseignern und – einschließlich des Fiskus – allen Geschäftspartnern.

Geschäftsberichte sind gut und nützlich – zumindest, wenn sie gut sind.

Transparenzerfordernisse im Gesundheitswesen sollten die – auch hier zwingend nötigen – Geschäftsberichte um plausible Nachweise ergänzen, dass der Versorgungsauftrag des einzelnen Gesundheitsunternehmens erfüllt wurde und dies auch in Zukunft zu erwarten ist. Das Dumme ist nur: Bei genauerem Hinsehen gibt es gar keinen detaillierten Versorgungsauftrag. Also könnte man – wie auch in Gesundheitseinrichtungen schon jahrzehntelang üblich – aufzeigen, was man alles tut, welche Krankheitsarten man also mit welchen Leistungen behandelt. Und welche Ressourcen man dafür vorhält und einsetzt. Das hat zwar auch irgendwie mit Qualität zu tun. Aber nur irgendwie! Ansonsten ähnelt es eher dem auch andernorts üblichen Erläuterungsbericht.

Berichte zur Auftragserfüllung machen für den Auftraggeber Sinn.

Wo – außer dem, was im Krankenhausplan steht – kein konkreter Auftrag vorliegt, ist es sicher nützlich, detaillierter darzulegen, welche Behandlungen man anbietet. Das könnte in einem Leistungskatalog geschehen, den Nachfrager auf geeignete Weise einsehen können. Auch das ist ein Leistungskatalog und noch lange kein Qualitätsbericht. In Qualitätsberichten müsste etwas über die Qualität stehen – in der Krankenbehandlung also über die Qualität der Krankenbehandlung. Das ist – wie bekannt – in den vorgeschriebenen deutschen Elaboraten dieses Namens mitnichten der Fall. Oder – seit 2007 – nur in homöopathischen Dosen. Das wollen die Schweizer jetzt also kopieren. Ohne die Homöopathie, aber dafür ausführlicher. Und ergänzt um ein paar allgemeine Qualitätskennzahlen. Davon kann sich jeder durch Herunterladen selbst überzeugen!

Nun also der Schweizerische Qualitätsbericht:

Die intellektuelle Leistung unserer südlichen Nachbarn besteht vor allem darin, die Reihenfolge der Punkte zu ändern: Zunächst können in einer Einleitung „individuelle Bemerkungen“ auf beschränktem Raum gemacht werden. Dann soll die geschätzte Öffentlichkeit mit Darlegungen zu einem “Q-Konzept des Spitals” beglückt werden, dessen Vorstrukturierung ähnlich bürokratisch daherkommt wie die deutsche Vorlage. Es folgen „Leistungskennzahlen“ (Fallzahlen und mehr), „Schweregradkriterien“ (Einschätzung des Patientenkollektives, Kommentierung der eigenen Mortalitätsrate), eine „Altersstatistik“ nach schweizerischem Recht, „Top Ten-Diagnosen“ und „Top Ten-Eingriffe“, „Zufriedenheitsmessungen“ („Gesamtzufriedenheit“, „Detaillierter Ausweis“), „Qualitätsindikatoren“ („Rehospitalisationsrate“, „Infektionsrate“, „Komplikationsrate gesamt“, „Pflegeindikatoren“) sowie Angaben zu „Personalressourcen“ (Ärzte, Pflege) und „Medizinaltechnische Ressourcen“. Alles mit Kommentierungsmöglichkeit. Dann dürfen in hübschen Tabellen die „drei wichtigsten Verbesserungsaktivitäten im Berichtsjahr“ aufgezählt werden. Dabei wird – wen wundert’s – für die damit erzielte Verbesserung nicht einmal ein Berichtsfeld vorgesehen. Das Ganze wird durch die Punkte „Schlusswort und Ausblick“ sowie „Individuelle Anhänge“ abgerundet. Da mag dann vielleicht etwas zur Qualität stehen. Vorgaben gibt es dafür jedenfalls nicht.

Und für wen soll das alles gut sein?

Qualität ist bekanntlich die Qualität des Produkts oder der Dienstleistung. Alles Übrige – die bekannte und beliebte Strukturqualität und die Prozessqualität – schaffte bestenfalls Qualitätsvoraussetzungen. Letztere wären – ob nun aus Leistungserbringer-, Mitarbeiter- oder Patientensicht aufgezeichnet – allerdings nur dann plausibel nachvollziehbar, wenn sie in unmittelbarem Zusammenhang mit den erbrachten Leistungen stünden, z.B. „kein Operateur hat von diesen speziellen Eingriffen weniger als 100 aufzuweisen. Das gilt auch für die schweizerischen Qualitätsindikatoren:

  • Rehospitalisationsrate pro Behandlungsart
  • Infektionsrate pro Behandlungsart
  • Komplikationsrate pro Behandlungsart
  • Pflegeindikator pro Behandlungsart
  • Zufriedenheitsmessung

Sonst bleibt das Ganze nur Augenwischerei! Die Gesamtinfektionsrate sagt nahezu nichts über die tatsächlichen Verhältnisse bei der Behandlung bestimmter Krankheiten aus! Wichtiger als Angaben zu Fehlerraten wären sowieso endlich Nachweise des Erfolgs der Behandlung. Doch davor scheut man sich ja nach wie vor wie der Teufel das Weihwasser!

Patienten haben davon praktisch überhaupt nichts. Die würde vor allem interessieren,

  • ob sie mit ihrer Erkrankung wieder heil aus dem Krankenhaus herauskommen werden
  • ob sie mit Respekt und Rücksichtnahme rechnen können
  • ob alle ihre Fragen so beantwortet werden, dass sie damit etwas anfangen können
  • ob Unterkunft und Verpflegung („Hotelleistungen“) akzeptabel sein werden

Doch darüber erfahren Patienten weiter nichts. Weder in Deutschland noch in der Schweiz.