Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

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26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

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Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

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305 - 09.10.2007 - Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"Stolz ist ein schlechter Ersatz für Klugheit"

(Bessie Nkhwazi)

Quelle: Die Zeit Nr. 38, 13. September 2007, S. 44

 


01. Editorial: Das sollen schon Klinische Pfade sein?

Are those Improvements Real Clinical Pathways?  

Bei der Lektüre eines gut informierten, sachlichen und damit  lesenswerten Artikels im hiesigen Kammerblatt „Berliner Ärzte“ über den anstehenden Rollenwandel der Ärzte ("Den Traumberuf Arzt neu gestalten") ist uns im Einschub „Pflegekräfte als Prozessmanager in den Vivantes-Kliniken“ ein Bild aufgefallen, das entweder nur als schematische Darstellung gedacht ist (dann wäre es völlig O.K.) oder aber ein hierzulande verbreitetes Missverständnis von Pfaden wiedergibt (was zu befürchten ist) und durch die Veröffentlichung in einem offizösen Organ auch noch weiter festigt.

In diesem Einschub heißt es u. a.:

 „Beim kommunalen Berliner Klinikkonzern Vivantes übernehmen Pflegekräfte das Prozessmanagement im Rahmen von multiprofessionellen Behandlungspfaden. Die Behandlung eines Patienten gemäß Versorgungspfad wird durch die Anordnung des Arztes ausgelöst. Die Steuerung der Behandlungsprozesse von der Aufnahme bis zur Entlassung liegt in den Händen der Stationsleitung, die sich dabei an den Pfaden orientiert. Die Pfade regeln, in welcher Reihenfolge welche diagnostischen Maßnahmen und Behandlungen von den einzelnen Berufsgruppen bei der Patientenversorgung im Optimalfall vorgenommen werden sollen. Jeder Mitarbeiter auf der Station erhält dabei einen Überblick über die notwendigen und bereits durchgeführten Maßnahmen, so dass er wissen sollte, was als nächstes zu geschehen hat. Die Pfade legen auch Tagesziele für einzelne Diagnose- und Therapieschritte fest. Abweichungen werden bei gemeinsamen Visiten von Ärzten und Pflege besprochen. Läuft alles nach Plan, wird der Arzt auf der Station deutlich weniger gebraucht als ohne Pfade...

...Gerade bei den Fachdisziplinen, bei denen durch die operative Tätigkeit die ärztliche Präsenz nicht immer gegeben ist und bei interdisziplinärer Stationsbelegung schafft der Pfad die notwendige Transparenz über den geplanten Ablauf und bietet damit die große Chance, die ärztliche Präsenz auf der Station effektiver zu nutzen“  … „Paradigmenwechsel im Hinblick auf die Zusammenarbeit von ärztlichem Dienst und Pflege. Zeitaufwändige Rückfragen mit dem ärztlichen Dienst können dadurch vermieden werden“ ….„Die Vivantes-Ärzte sind über diese Maßnahme noch unterschiedlicher Meinung, doch die Akzeptanz steigt zusehends“… .Die Standardisierung bringe den Ärzten Entlastung.„Wenn Prozesse festgelegt sind und ohne ständiges Eingreifen des Arztes laufen, ist das eine Entlastung für die Ärzte“ (Ende des Zitats).

Dieser Text wird durch zwei vergleichsweise grobe Prozessdarstellungen illustriert. Der erste „Prozess Entlassungsmanagement“ besteht z.B. aus einem Prozesssymbol namens "Entlassungsplanung", gefolgt von einer – in dieser Reihenfolge unbegründeten und reichlich willkürlichen – Fragekette (mit je einem schlagwortartig beschriebenen Folgeschritt):

  • Entlassung ohne Maßnahme
  • Verlegung Akutklinik
  • Entlassung Reha
  • Entlassung häusliche Pflege
  • Entlassung Heime

Das Ganze mündet in einen „Entlass-Check durch Pflege“. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. Ist das nicht – freundlich ausgedrückt – ziemlich trivial? Weiß das nicht auch so jeder? Schon auf einer patientenbezogenen Checkliste ließen sich die aufgeführten Schritte abhaken, ohne dass dazu gleich die bombastische Bezeichnung „Behandlungspfade“ bemüht werden müsste.

Die zweite Darstellung zum Ablauf bei einer Appendektomie (ohne Perforation) kommt in der Optik der tageweisen Unterteilung der Dokumentation in Spalten daher. Sie enthält Tag für Tage gerade einmal die anschließend wiedergegebenen Ziel-Informationen, jeweils verbunden mit dem Hinweis, ob der Arzt oder die Pflegekraft dafür zuständig ist:

  • Präoperativ:
    Alle für die OP notwendigen Untersuchungsergebnisse und Unterlagen liegen vor 
  • OP-Tag:
    Die  zur OP erforderlichen Unterlagen werden in den OP mitgegeben
    Antibiotiker (!)wurden in den OP mitgegeben
    Patient ist unter Medikation
    Patient ist kreislaufstabil 
  • 1. postoperativer Tag:
    Patient ist unter Medikation schmerzfrei
    Patient ist mobilisiert und kreislaufstabil 
  • 2. postoperativer Tag:
    Patient ist mobilisiert und versorgt sich selbständig
    Patient ist schmerzfrei
    Drainagen sind entfernt 
  • 3. postoperativer Tag:
    Patient / Angehöriger ist über den tatsächlichen Entlassungstermin informiert
  • 3. (?) postoperativer Tag:
    Patient hat abgeführt
    Kurzarztbrief wurde bei Entlassung mitgegeben.

Für einen Klinischen Pfad sieht das schon reichlich spartanisch aus. So etwas hätte sich der mit der Materie grob vertraute Leser auch selbst ausdenken können: Was ist daran anders als vor der Erfindung einer solchen tabellarischen Darstellung? Was ist gar für eine Appendektomie („ohne Perforation“) spezifisch? Es kann natürlich sein, dass für diese Ablaufskizze die neumodisch-angeberische Bezeichnung ("Wir haben schon 20 Pfade!") hier nur versehentlich gewählt wurde . Vielleicht „schafft der Pfad die notwendige Transparenz“ hier auch nur, um etwas mehr Ordnung in einen zuvor - wie angedeutet - chaotischen arbeitsteiligen Bbehandlungsablauf zu bringen? Schon so etwas wäre natürlich sehr nützlich! Und was bringt (wie ausgeführt) „die Vivantes-Ärzte“ um Himmels willen dazu, über solch simple Darstellungen von Selbstverständlichkeiten (oder eine Spur mehr Ordnung) auch noch „unterschiedlicher Meinung“ zu sein? Wir sehen hier eine Menge unbeantworteter Fragen.

Wirkliche Klinische Pfade sind sehr viel stärker ausdifferenziert, was bei einem bloßen Blick auf die auf Station dann tatsächlich verwendeten Dokumente oft übersehen zu werden scheint. Sie wurden nämlich erfunden, um mit in der Schrittfolge sorfältig auf Evidenz 'abgeklopften', hochgradig standardisierten (also möglichst gleichartig vonstatten gehenden) arbeitsteiligen Behandlungsabläufen für eine durch Anamnese, Diagnose und Indikation genau umrissenen Patientenpopulation die Wahrscheinlichkeit negativer Abweichungen von einer nach dem Stand der Erkenntnis angestrebten bestmöglichen Ergebnisqualität zu minimieren. Allerdings nach unserer Kenntnis bisher nicht in Deutschland.

Ein solches Vorgehen hat bei einigen Pionieren in den USA ganz nebenher auch noch dazu geführt, dass die Verweildauer durch Zeiteinsparung auf das kürzestmögliche Maß gesenkt werden konnte. Schon dadurch ließen sich auf dem Wege eines gegenüber dem bloßen Arbeiten mit Checklisten geordneteren Ablaufs kostbare Kapazitäten für die Behandlung weiterer Patienten ‚freischaufeln’. Und mit einem Erlösanstieg aus höheren Fallzahlen infolge einer besseren Kapazitätsauslastung. Zugleich wurden (im Sinne von Lean Management) allerlei unplausible oder völlig unnötige Arbeitsschritte (waste) 'ausgekämmt'. Das führte als Nebeneffekt der Pfadentwicklung zu deutlich niedrigeren durchschnittlichen Gestehungskosten je Fall.

Von wirklichen Klinischen Pfaden scheint man in Deutschland ja leider noch immer himmelweit entfernt zu sein. Dann sollte man die geschafften Veränderungen auch nicht so nennen!

Was keineswegs heißen soll, dass man damit bei Vivantes mit dieser Maßnahme nicht schon gegenüber einem vorherigen Zustand deutlich mehr Ordnung schaffen und dazu auch noch eine sinnvollere Arbeitsteilung einführen konnte. Man hätte allerdings gern auch noch etwas dazu gehört, welche konkreten Verbesserungen neben dem Job Enrichment für einige Pflegekräfte das Ganze denn gebracht hat. Wie steht es insbesondere mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der (bisher reichlich simplen) Entwicklung? In wieviel Jahrzehnten wird sie nach dem Einsatz teurer Berater ihren Break Even erreicht haben?

 


02. (NCQA) Die Qualität der Krankenbehandlung wird für 84 Millionen Amerikaner weiter besser. Aber für 100 Millionen bleibt sie weiter im Dunklen.

"Report: Health Care Quality continues to improve for 84 Million Americans, but more than 100 Million in the dark

Dangerous gaps in care nationwide cost up to 75,000 lives in 2006...

The State of Health Care Quality  2007 is available at no cost rom NCQA’s Web site, http://www.ncqa.org.  For each measure of clinical quality, the report includes complete year-over-year performance data and highlights the top-performing state. ... Reporters are invited to view an online press kit with more information on the report, including an executive summary and key findings, at http://web.ncqa.org/sohc_media.aspx ..."


03. (NYT) Mehr Profit und weniger Pflege

More Profit and Less Nursing at Many Homes

Habana Health Care Center, a 150-bed nursing home in Tampa, Fla., was struggling when a group of large private investment firms purchased it and 48 other nursing homes in 2002...

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04. (Ärztezeitung) Krebsregister Schleswig-Holstein erweist sich als Erfolgsmodell

"Das geplante Krebsregistergesetz stößt bei Ärzten auf Kritik": Die Meldung aus Baden-Württemberg vom vergangenen Jahr könnte manchen Arzt im Norden an die Zeit vor zehn Jahren erinnert haben…

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Anmerkung:

Warum ist es immer noch der Großmut des Ärztestandes überlassen, ob Dinge geschehen, die den Patienten nutzen, oder nicht? (Dafür ist das leidige Thema der Krebsregister, die am Ende doch für nichts genutzt werden, nur ein Beispiel) – Für wen zahlen die Menschen eigentlich ihre immer höheren Beiträge ein?


05. (AHA) Viele US-Krankenhäuser „Beste Arbeitgeber für Menschen über 50“

"Nearly half of the organizations making AARP’s list of “50 Best Employers for Workers Over 50” this year are hospitals or health systems, including five of the top 10. They are Mercy Health System in Janesville, WI (2); Scripps Health in San Diego, CA (4); Lee Memorial Health System in Fort Myers, FL (6); Leesburg Regional Medical Center and The Villages Regional Hospital in Leesburg, FL (7); and Massachusetts General Hospital in Boston (10)..."


06. (Premier) Nosokomiale Infektionen systematisch vermeiden!

"Making the business case for preventing hospital-associated infections..."

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07. (AHRQ) Öffentlich zugängliche qualitätsbezogene Krankenhausvergleiche

"Publicly available hospital comparison web sites: determination of useful, valid, and appropriate information for comparing surgical quality..."

Quelle: http://psnet.ahrq.gov/resource.aspx?resourceID=5940

 


08. Links

"Qualitätsberichte haben weiter große Defizite" - Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor?

Euro Health Consumer Index

The Surgical Care Improvement Project (SCIP) & CDC’s National Healthcare Safety Network: SCIP-Dias

http://www.ahrq.gov/qual/measurix.htm  AHRQ

Using a Malcolm Baldrige framework to understand high-performing clinical microsystems

http://www.imew.de/  Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft

OECD-Gesundheitsdaten 2006 und in der Fassung der

http://www.healthline.com/  Healthline

Korruptionsbekämpfung im Gesundheitswesen: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Zurück in die Zukunft. Den Traumberuf Arzt neu gestalten

BQS entwickelt QUALIFY-Instrument zur methodischen Bewertung von Qualitätsindikatoren

USA. Krankes System

Many Mass. hospitals will pay for errors. Ein neuer, besserer Umgang mit Behandlungsfehlern

Gesundheitsförderung auf Amerikanisch: Website , Fallstudien ,  Handlungsanleitung

 


09. Buchbesprechung

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

 

Gilbert, Jack A., Strengthening Ethical Wisdom: Tools for Transforming Your Health Care Organization, Chicago 2007, ISBN-10: 1556483481, ISBN-13: 978-1556483486, AMAZON

“Ethisches Verhalten” gehört zwar zu den Dingen, die Ärztefunktionäre gern als „ärztlichem Handeln immanent“ bezeichnen; genau so wie auch die “Qualität”. „Ethische Weisheit“ (so der Titel des hier zu besprechenden Buches) gehört dagegen noch nicht ins offizielle Programm einschlägiger Sonntagsreden oder gar zu den Themen, mit denen sich das (mehr und mehr als solches bezeichnete) „Management“ im hiesigen Gesundheitswesen besonders zu befassen scheint. Zumindest hört und liest man praktisch nichts davon. Für „Ethik“ sind hierzulande Spezialisten zuständig – oder die Kirchen.

Dass das auch anders geht, verdeutlicht dieses, auf Forschungsergebnissen und praktischer Erfahrung beruhenden, von der American Hospital Association (AHA) getragene Buch. Am Rande des letzten Leadership Summit in San Diego darauf  aufmerksam gemacht, haben wird das (leider nicht ganz wenige) Geld dafür gern ausgegeben. Das war eine gute Entscheidung. Denn hier geht es um das Schaffen der ethischen Gesundheitsinstitutionen durch Führung.

Worum geht es im Einzelnen?

„The purpose of this book is to affirm the belief that when health care organizations and those who work in them can more fully express their passion for caring by doing the right thing every day, the result is stronger organizational performance, including improved safety and care, and higher personal satisfaction” (erster Satz im Vorwort).

Hier die (von uns übersetzte) Gliederung:

Teil I    Die Bühne vorbereiten

Kapitel 1 Ethik, Integrität und „die richtigen Dinge tun“

Kapitel 2 Ethische Erosion und ethische Weisheit

Kapitel 3 Ethische Pfade, Disziplinen und Diagnostik

Teil II   Pfade zu einer ethischen Kultur

Kapitel 4 Die 5 Disziplinen einer ethischen Kultur

Kapitel 5 Eine Diagnostik für den ethischen Kulturpfad

Teil III  Ethische Pfade von Führung und Aufsicht / Governance

Kapitel 6 Führung, Aufsicht und edle Absichten

Kapitel 7 Die 4 Disziplinen einer ethischen Führung

Kapitel 8 Eine Diagnostik für den ethischen Führungspfad

Kapitel 9 Die 4 Disziplinen einer ethischen Aufsicht / Governance

Kapitel 10 Eine Diagnostik für den ethischen Aufsichtspfad

Teil IV Ethische Pfade der Infrastruktur

Kapitel 11 Die 3 Disziplinen einer ethischen Infrastruktur

Kapitel 12 Eine Diagnostik für den ethischen Infrastrukturpfad

Teil III  Ethische Pfade persönlicher Integrität

Kapitel 13 Die drei Disziplinen persönlicher Integrität

Kapitel 14 Diagnostik für den ethischen Pfad persönlicher Integrität

Kapitel 15 Ansätze einer Diagnostik ethischer Entscheidungsfindung

Anhänge

Anhang 1 Diagnostik ethische Vitalwerte

Anhang 2 Schlüssel zu den Antworten in Kapitel 15

Stichwortverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

 

Das Buch liefert tatsächlich so etwas wie eine vollständige ‚Gebrauchsanweisung’ zur Entwicklung einer ethischen Gesundheitsinstitution und der nachgehenden Selbstprüfung des dabei erzielten Erfolgs.

Das 1. Kapitel liefert die Grundlagen: Die Vereinbarung einer „Partnerschaft des guten Willens“, Definition der persönlichen Integrität („A state of wholeness and peace experienced when our goals, actions, and decisions are consistent with our most cherished values“). Und der Integrität von Organisationen („The means of producing stronger, sustainable performance thoriugh ethical pathways consistent wit the vision, mission, and values of the organization“). Gute Absichten werden von tatsächlichen Ergebnissen abgegrenzt. Aus beiden zusammen ergeben sich bei richtigen Vorgehen ethische Pfade. In diesem Zusammenhang kommt auch das Verhältnis von Werten und Gewinn zur Sprache. Ein Beispiel aus der Praxis führt zur ersten Zusammenfassung.

In Kapitel 2 wird am Beispiel der Entwicklung von Medikamenten verdeutlicht, wie leicht es zu einer Erosion ethischen Verhaltens kommen kann. Dagegen wird das Entwickeln ethischer Weisheit gesetzt, gespeist aus Wissen und Erfahrung. Dafür gilt es (immer mit Beispielen illustriert) – Kapitel 3 – ethische Pfade einzurichten: Bezüglich einer ethischen Kultur (Kapitel 4 und 5), von ethischer Führung (Kapitel 6, 7 und 8) und Aufsicht / Governance (Kapitel 9 und 10), der Infrastruktur (Kapitel 11 und 12) sowie der persönlicher Integrität (Kapitel 13 und 14). Der Text schließt mit Ansätzen zu einer Diagnostik ethischer Entscheidungsfindung (Kapitel 15), für die es im Anhang eine „Auflösung“ gibt.

Das Kapitel 4 zur ethischen Kultur arbeitet diese 5 miteinander verflochtenen Disziplinen heraus: Ethisches Bewusstsein (mindfulness), Öffentliches Aussprechen (voice), notfalls auch mittels Öffentlichmachen gegen mächtige Interessen (whistle-blowing), Achtung (respect), Beharrlichkeit (tenacity) und Vermächtnis für jene, die nach uns kommen (legacy).

Zum Kapitel 6 Führung gehören im Zusammenhang mit der Ethik die Disziplinen Edler Zweck (noble purpose), Unablässiger Ehrgeiz (ceaseless ambition), Offenheit (candor) und Leidenschaft (passion).

Im Kapitel 9 Führung / Aufsicht / Governance wird ausdifferenziert in den „Edlen Zweck“ (noble purpose), dazu die Disziplinen „Engagement in Unabhängigkeit“ (independent engagement), „Ethische Nachfolge“ (ethical succession) und wieder „Ethische Kultur“ (ethical culture).

Kapitel 11 Infrastruktur unterscheidet diese Disziplinen: „Ethisches Engagement“ (ethical engagement), „Verantwortlichkeit“ (accountability) und „Management by Facts“ (nur was gemessen wird, zählt wirklich).

Für das Kapitel 13 Persönliche Integrität schließlich werden besonders die Disziplinen „Persönliches Vermächtnis“ (personal legacy), „Aufmerksamkeit“ (mindfulness) und „Freie Entscheidung“ (choice) herausgearbeitet.

Die jeweiligen Diagnostik-Kapitel zu den Themen „Kultur, „Führung / Aufsicht / Governance“, „Infrastruktur“ und „persönlicher Integrität“ bieten Anregungen zur Selbstprüfung und Bewertung mittels Likert-Skala. Besonders nützlich die Selbstbewertung (ab Seite 51, ab Seite 82, ab Seite 105, ab Seite 163 sowie ab Seite 193).

Insgesamt ist die Lektüre außerordentlich anregend. Man möchte am liebsten gleich loslegen. Eine konsequente Umsetzung der hier gemachten Vorschläge würde jeder haltlosen Kritik an einer vermeintlichen „Ökonomisierung“ (oder noch Schlimmerem) aus vordergründigen Interessen rasch den Wind aus den Segeln nehmen, wenn sie denn wirklich nicht berechtigt ist. Wenn man also (und das sei den meisten diesbezüglichen Bemühungen einfach unterstellt) nur versucht, die heute praktisch noch völlig undiskutierte Verschwendung von Engagement und Ressourcen im Gesundheitswesen hierzulande genau so unter Kontrolle zu bringen wie bei den Effektivitäts-Pionieren in der Industrie. Sehr gut (+++)

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

Liste der bisher besprochenen Bücher

 


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

 

 

 

Feigheit vor dem Feind oder hanebüchener Unsinn? 

„Ein Chefarzt klagt an“: Der Titel hatte nicht zum Kauf des Buches animiert. Denn es gibt sehr viel mehr plausible Gründe, über Chefärzte zu klagen. Nun stoßen wir auf eine Besprechung in der Ärztezeitung, die keineswegs unkommentiert bleiben darf:

„Wenn nicht die Gesundheit, sondern nur die Bilanz zählt.

Dr. Frank König bekommt als junger Arzt den Chefposten an einer deutschen Rehaklinik angeboten. Im vermeintlichen Traumjob erlebt der Mediziner, wie das Arzt-Patienten-Verhältnis in einer Klinik, die ausschließlich nach Maßstäben eines Industrie-Unternehmens geführt wird, immer mehr entwertet wird. Seine Erlebnisse schildert König in einem Buch, das unter dem Titel "Ein Chefarzt klagt an" kürzlich erschienen ist…“

 

Mehr

 

„Eine Klinik, die ausschließlich nach Maßstäben eines Industrie-Unternehmens geführt wird“. Das kann sich nur für Leute schreckenerregend anhören, die sich  Industrieunternehmen als eine Art Vorhölle vorstellen. Dass in einer nach industriellen Prinzipien geführten Klinik „nicht die Gesundheit der Patienten, sondern die Bilanz der Klinik im Vordergrund“ stehe, kann nur jemand schreiben, dem es gänzlich unvorstellbar zu sein scheint, dass die erfolgreiche Wiederherstellung der Gesundheit der Patienten die Voraussetzung für eine gute Bilanz ist. Etwas anderes wäre als Unternehmenszweck nicht „industriell“, sondern kriminell! Doch es geht bei König (bzw. beim Rezensenten) genau so gruselig weiter: „die Ware Gesundheit (mutiert) zum optimierungsbedürftigen Businessobjekt“. Schon die Begrifflichkeit hat mit ökonomischem Denken nicht das Geringste zu tun. Sie erinnert eher an absurdes Theater. „Wegen des Personalmangels kommt es zu einer lebensbedrohlichen Situation für einen Patienten“.

Entweder stimmen die Aussagen des Autors über den „nicht genannten privaten Klinikkonzern“ tatsächlich. Dann sollte er Ross und Reiter nennen - schon um dies gerichtlich kären zu lassen. Denn solche Institutionen gehören aus dem Verkehr gezogen. Oder er hat sich da in etwas hineingesteigert, was mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. So bedient er jedenfalls nur dumpfe Vorurteile gegen „die Privatisierung“, die so sicher nicht gerechtfertigt sind. Und der Rezensent folgt ihm auch noch darin: „Dennoch werden sich viele Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich bei manchen von Königs Schilderungen an den eigenen Arbeitsalltag erinnert fühlen“.

Schrecklich! Als ob wir nicht andere Sorgen hätten. (Die FAS merkt in einer Kurzbesprechung zudem an: "Nur schade, dass er eine Frage nicht beantwortet: Wie geht es weiter?) 

In das gleiche antiökonomische Horn tutet leider auch ein Kardinal:  "Lehmann warnt vor Diktat der Ökonomie im Gesundheitswesen".

Merke: "Sparen" (zu Lasten des Programms) ist das bürokratische Gegenteil von ökonomischem Handeln!