Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

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26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

302 - 18.09.2007 - Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"Als Chirurg muss man immer ein wenig aufpassen, dass man nicht verblödet".

(Herzchirurg Bruno Reichart)

Quelle: http://www.zeit.de/2007/24/Bruno-Reichart

 


01. Editorial: Klinische (Behandlungs-)Pfade – Versuch einer Zwischenbilanz

Gedanken zur ersten A3CP Summer School

 

Als sich in der der Folge der Umstellung der stationären Abrechnung von Medicare- und Medicaid-Patienten in den USA ab Mitte der 80er Jahre die Publikationen zum Thema mehrten, befand man sich in Deutschlands Gesundheitswesen – wie könnte es auch anders sein –noch im völligen Tiefschlaf. Während dazu dort schon bald Kongresse veranstaltet wurden, erfreuten sich selbst Leitlinien hierzulande eines breiten Widerstands. „Die Therapiefreiheit“ galt als gefährdet. „Kochbuchmedizin“ war noch die Harmloseste der für die Abwehr der neuen Bedrohung verwendeten Etikettierungen. Doch es gab und gibt auch unter den deutschen Ärzten verdienstvolle Pioniere mit einem weiteren Horizont.

 

Seither sind Jahrzehnte ins Land gegangen. In hiesigen Ärztekreisen beginnt man sich allmählich an eine „evidenzbasierte Medizin“ zu gewöhnen – zumindest an die Bezeichnung. Man arbeitet „nach Leitlinien“. Oder  behauptet dies zumindest. Dabei sind bei genauerem Hinsehen selbst Leitlinien höchster Evidenz (S3) noch weit von dem entfernt, was A. L. Cochrane 1971 im Vorfeld des britischen NHS als oberstes Handlungsprinzip jeglicher vom Steuerzahler finanzierten ärztlichen Diagnostik und Therapie postulierte: Ein Wirkungsbeweis aus hinreichend großen randomisierten Studien (RCTs). Bald 40 Jahre später wird offensichtlich immer noch munter mit Methoden therapiert, deren Wirkung nicht wissenschaftlich bewiesen ist.

 

Cochrane’s Forderung ist selbst bei den Briten längst wieder in Vergessenheit geraten. (Immerhin kennen jetzt auch viele deutsche Ärzte seinen Namen). „Ich glaube daran“ – besser „Experten glauben daran“ – ist ja als Begründung einer Therapie weitaus bequemer. Besonders wenn man einen mehr oder weniger großen Teil seines Einkommens daraus bezieht, auf den man evidenzbasiert verzichten müsste. Nicht umsonst ist nach allen Veröffentlichungen die Summe dessen, was Ärzte ihren Patienten an invasiver Behandlung zumuten, weitaus größer als alles, was sie für sich selbst und ihre Familienangehörigen allerhöchstens akzeptierten.

 

Klinische Pfade beruhen nicht auf Spekulation – auch nicht auf einer, die sich auf GOBSAT stützt. Denn klinische Pfade müssen gerichtsfest sein. Klinische Pfade sind vielmehr in ergebnisorientierte Handlungsanweisungen umgesetztes medizinisches Wissen für alle am Behandlungsprozess berufsgruppenübergreifend Beteiligten. (Der ursprünglich verwendete Begriff Critical Pathways erinnert nicht umsonst noch an den entsprechenden terminus technicus der Netzplantechnik). Zumindest sollten sie es sein. Oder sie sind nur ein teurer Unsinn (den allerdings auch ernstzunehmende Verantwortliche angesichts der Notwendigkeit, die Schrittfolge von Diagnostik und Behandlung erstmals zu Papier zu bringen, oft nicht so sehen).

 

In Deutschland wurde der – um allerlei Alternativbezeichnungen angereicherte – Begriff wie viele andere im Qualitätsmanagement nach kurzer Zeit bis zur Unkenntlichkeit verwurstet. Was durch Pfade konkret besser werden sollte, hat hierzulande offensichtlich kaum jemand ernsthaft gefragt. Ergebnisorientierung? – Fehlanzeige! Stattdessen gibt es „wissenschaftliche“ Untersuchungen darüber, wie viele Patienten auf dem Pfad verbleiben und wie viele herunterfallen. Internationale Beratungsgesellschaften wie McKinsey verdienen zumindest an neuen Formularen, in denen bei genauerem Hinsehen auch nichts steht, was man nicht schon von der bisherigen Dokumentation kennt – wenn auch kurvenähnlicher.

 

Umso erfreulicher war die (auf der A3CP-Summer School bestätigte) Erkenntnis, dass es im deutschsprachigen Raum doch wenigstens diesen und jenen Zeitgenossen gibt, der den Sinn klinischer Pfade wirklich begriffen hat. Einer davon ist Marcus Bollmann (Adresse auf Anfrage). Der bringt – gestützt auf einen Input aus erster Quelle – Interessenten wirklich ohne Wenn und Aber bei, worauf man bei der Entwicklung ergebnisorientierter Pfade zu achten hat. Wir wünschen ihm dabei viel Erfolg! Den österreichischen Initiatoren der Summer School, dem CCHC (Competence Center Health Care), ist dafür zu danken, dass sie das Risiko eingegangen sind, die Idee – evidenzbasiert und verbunden mit einer gehörigen Prise Soft Skills – erfolgreich unter die Leute zu bringen. Eine erfreuliche Erfahrung, von der wir auch in Deutschland lernen können!

 

Dabei zeichneten sich zwei Erfahrungen ab. Erstens: Es gibt auch unter den potentiellen „Anwendern“ verpflichtender klinischer Pfade aus dem ärztlichen Bereich und der Pflege allmählich erste Pioniere, die sich ernsthaft auf den Weg begeben wollen. Die wiederum wünschen sich konkretere „Gebrauchsanweisungen“ zur Umsetzung und Routine richtiger Pfade, als sie angesichts der allgemeinen Zurückhaltung bei den Verantwortlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu haben sind.

 

Wahrscheinlich muss man wohl die Zeit investieren, sie wirklich an konkreten Beispielen in erster Näherung zu erarbeiten. Für einen Startschuss könnte eine Neuauflage der Summer School sicher den richtigen Rahmen bieten. Danach sollte aber mindestens eine Begleitungsphase von zwei bis drei Jahren folgen. Hier müssten zum einen die Konkretisierung und zum anderen die neue Routine eingeübt werden. Samt der damit verbundenen institutionsweiten Prozess- und Strukturänderungen. Sonst werden wir wohl immer weiter von Pfaden reden, deren Nutzen aber nicht einmal an der Oberfläche realisieren.

 


02. (Baptist Leadership Institute) Haben Sie in Ihrer Institution auch schon die Todsünde der Selbstzufriedenheit ausgemacht? Sie ist besonders häufig dort zu finden, wo man sich schon heute besonders gut findet.

"Have You Caught the Complacency Bug? ..." 

 

Anmerkung:
Fragen Sie einmal nach dem Veränderungsdrang Ihrer Mitarbeiter, wenn Sie erst einmal ein Zertifikat erreicht haben. Umso schlimmer, wenn dieses – wie im deutschen Gesundheitswesen noch weithin üblich – nicht einmal eine konkrete Qualität bestätigt, sondern gerade einmal „sehr nützlich“ ist, weil es „ein völlig neues Problembewusstsein verursacht hat“! 

Quelle 


03. (Joint Commission) Die häufigsten Fehlerursachen in der Krankenbehandlung

"The list of the top compliance issues for 2006 just came out from The Joint Commission.

  • 58% of hospitals did not improve the effectiveness of communication among caregivers, having problems with verifying verbal orders, using prohibited abbreviations, communicating critical test results, and standardizing hand-off communications

  • 46% of hospitals did not accurately and completely reconcile medications  across the continuum of care

  • 44% of hospitals did not properly and safely store medications

  • 30% of hospitals are not properly following the Universal Protocol to prevent wrong-site, wrong-procedure, wrong-person surgery"

(Erhebung im Zuge des Programms zur Continuous Service Readiness - CSR)

Anmerkung: Und bei uns?´


04. (h&hn) Können Pflegekräfte einen Chirurgen stoppen? Gar einen Chefarzt?

Can Your Nurses Stop a Surgeon?

With an ‘audacious’ attitude, leaders at Advocate Health Care have set out to create a culture of safety that permeates every level of the organization …

Mehr

Anmerkung:
Eine auch in Deutschland höchst lehrreiche Lektüre!


05. (Hospital Progress 09/2007) In Malysia beginnt man, sich von sinnlosen Zertifikaten zu lösen

"Malaysian Health Minister Chua Soi Lek recently scolded his nation’s hospitals for focusing too much on attaining ISO 9000 registration and too little on patients..."

Anmerkung:

Vielleicht sollten (nicht nur) die deutschen Krankenhäuser sich einmal dort um Entwicklungshilfe bemühen? Oder gleich in Singapur oder Thailand?

 

Quelle: http://www.asq.org/pub/qualityprogress/

 


06. (Hospital Progress 08/2007) Leistungsbezogene Bezahlung führt nicht zwangsläufig zu Verbesserungen

"Study: Pay-for-Performance Not Leading to Improvement..."

Quelle: http://www.asq.org/pub/qualityprogress/

 


07. (AHA) New Yorker Krankenhäuser machen wirkliche Qualitätsdaten öffentlich

"NYC public hospitals post quality, infection data..."

Merke:

Selbst wenn bei uns in absehbarer Zeit die ersten spärlichen  krankenhausspezifischen BQS-Daten auftauchen, beziehen sich diese nur auf einen Bruchteil der stationären Behandlung und keineswegs den häufigsten! Wer etwas anderes behauptet, muß Gründe haben, dies zu verschweigen!

 


08. Links

Neues Gutachten des Sachverständigenrats: Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe, Perspektiven für die Krankenhausfinanzierung, integrierte Versorgung

http://www.isqua.org/isquaPages/boston07.html  ISQua in Boston, 30 September - 3 October 2007

BQS-Informationsseiten für Patienten 

FOCUS: "Jährlich Tausende Operationen unnötig"

The New York Times: Clinton to Propose Universal Health Care

"Vertrauen der Deutschen in ihr Gesundheitssystem sinkt"

Klinikinfektionen: Briten schaffen traditionellen Arztkittel ab

JAMA: Pay for Performance, Quality of Care, and Outcomes in Acute Myocardial Infarction 

www.excelgov.org This is the site for the Council for Excellence in Government, which works to improve U.S. government performance. The site features articles, information about collaboration with other organizations and other programs of the council.

www.gao.gov/main.html  The Government Accountability Office studies the programs and expenditures of the federal government for Congress and writes reports on these matters. Some reports on how taxpayer dollars are being spent relate to quality and improvement efforts of federal departments and agencies.

www.opm.gov  The U.S. Office of Personnel Management’s website gives HR practitioners information on upcoming conferences across the nation, government sponsored speeches on HR and personnel management, and relevant publications. The site also contains a comprehensive index and information on the President’s Quality Award as well as a PDF copy of the President’s Management Agenda, on which the award is based.

http://quality.disa.mil  The U.S. Department of Defense (DoD) Quality Management´Program’s site features free articles, how-to guides, other documents and links. It also includes a quality awards directory, a DoD best practices database and DoD success stories. The success stories can be viewed all at once but are also searchable by military branch and by desired project results, which includes time saved, readiness, safety and quality of life.

http://www.e-p-a.org/  The European Pathway Association (E-P-A.org) - Diese Website wird hier ungeprüft wiedergegeben!

Elektronischer Impfpass in Österreich

http://www.disaster-medicine.de/  Institut für Katastrophenmedizin

E-Waste Management: Entsorgung der alten Computer

Dänisches Gesundheitsportal für die gesamte Bevölkerung

https://nppes.cms.hhs.gov/NPPES/NPIRegistryHome.do  NPI Registry"The NPI Registry enables you to search for a provider's NPPES information. All information produced by the NPI Registry is provided in accordance with the NPPES Data Dissemination Notice. You may run simple queries to retrieve this read-only data. For example, users may search for a provider by the NPI or Legal Business Name. There is no charge to use the NPI Registry".

Ärzteblatt: "Pflegequalität: Der blinde Fleck" - da fallen uns glatt noch mehr Flecken ein!

http://www.arztpraxis.biz/  Patienteninformationssystem für Ärzte

http://www.bgw-online.de  Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege BGW

Zwei Webssites zum 11. September: http://www.nysm.nysed.gov/wtc/ | http://911digitalarchive.org/

http://www.bild.bundesarchiv.de/  Das Digitale Bildarchiv des Bundesarchivs

Meyers Lexikon online

ZDF: DGB-Index Gute Arbeit 2007


09. Buchbesprechung

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung, Qualität sichtbar machen, BQS-Qualitätsreport 2006

 

Some Thoughts on an Important Quality Report of German Hospitals

 

Heute gilt es über den – kürzlich erschienenen – Qualitätsreport 2006 der BQS zu berichten. Die BQS stellt damit auch unter neuer Leitung einmal mehr unter Beweis, dass sie – trotz einer gewissen Tendenz zur Selbstbeweihräucherung (dynamische Verbesserung der Versorgungsqualität“) neben IQWiG zu den wirklich positiven Erscheinungen im bundesdeutschen „Gesundheits-Qualitätswesen“ zählt. (Schon deshalb ist zu hoffen, dass BQS das merkwürdige Ausschreibungsverfahren des Gesundheitsministeriums heil überstehen wird).

 

Zurück zum Qualitätsreport 2006:

Der Inhalt wurde gegenüber dem Vorjahr leicht modifiziert und etwas (immer noch viel zu wenig) erweitert. Diesmal gibt es 180 „BQS-Qualitätsindikatoren“ (mit insgesamt 282 zugehörigen „BQS-Qualitätskennzahlen“; Begriffstrennung BQS-spezifisch). Die Datenaufbereitung ist – wie schon in der Vergangenheit – vorzüglich, desgleichen praktisch jede Erklärung. Ein Glossar erklärt, was BQS unter den verwendeten Begriffen versteht. Es gibt ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Alles, praktisch der ganze Bericht ist für jeden wirklich interessierten medizinischen Laien sehr gut verständlich. (Also Vorsicht mit „laienverständlichen“ Varianten!)

 

Nur zu ganz wenigen Details hätte man gern etwas mehr gelesen. So wüsste man gern, welche „22 BQS-Qualitätsindikatoren“ warum „mit besonderem Handlungsbedarf“ verbunden sind (Seite 8). Wie funktioniert QUALIFY genau? Außerdem sollte man deutlich machen, dass der georteten „Qualitätsverbesserung gegenüber dem Vorjahr“ gemeldete, keineswegs zwingend die Realität wiedergebende Informationen zugrunde liegen! Die wenigen „Ergebnisse der Datenvalidierungsverfahren“ (Seite 170) stimmen da – einhergehend mit 2% nach wie vor fehlenden Daten und Hinweisen auf allerlei Dokumentationsmängel – eher skeptisch!

 

Damit soll den Beteiligten keineswegs a priori eine schlechte (Dokumentations-) Qualität unterstellt werden. Dem Rezensenten ist es sehr wohl bewusst, welche Kröten die bisherigen „Halbgötter“ allein mit der bisher gefundenen Transparenz haben schlucken müssen. Das erfüllt – so wurden sie halt erzogen! – für viele deutsche Krankenhausärzte und deren Chefs immer noch den Tatbestand einer (Halb-)Gotteslästerung. Gut Ding will Weile haben. Aber eben nicht zu viel! – Die zitierten „Stellungnahmen der KH“ („Dokumentationsprobleme, unvermeidliche Einzelfälle, besonderes Risikoprofil…“) sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Sie spiegeln immer noch das uralte Ausredenmuster. Wurden die gegebenen Begründungen wirklich gründlich hinterfragt? Die Verbesserungen in den Folgejahren lassen sich erst glauben, wenn sie wirklich bewiesen sind.

 

Die Auswahl der BQS-Qualitätsindikatoren (und damit des durch sie vermittelten positiven Bildes) ist keineswegs repräsentativ für die stationäre Versorgung in Deutschland. Der Grund für die Wahl gerade dieser Indikatoren bleibt im Dunklen. Auch sind sie weniger auf – für den Patienten wichtige – Behandlungsergebnisse (als Erfüllung der mit der stationären Aufnahme verbundenen Erwartung, etwas ganz Bestimmtes zu erreichen) ausgerichtet als auf allerlei Prozessaspekte, die eher für den behandelnden Arzt von Bedeutung sein mögen. (Der Zusammenhang wird allerdings zumeist gut erklärt).

 

Dass die Informationen hier zwar krankenhausbezogen, aber nach wie vor anonym vorgestellt werden, zeigt das – offensichtlich immer noch vorhandene – Ausmaß an Berührungsangst, „den Laien“ schlau zu machen (soweit man das Ganze in vielen Ärztekreisen nicht ohnehin für Teufelszeug hält). So hält sich die Aussagekraft des BQS-Berichts – mit Verlaub – in Grenzen! In diesem Zusammenhang von einem „Meilenstein in Sachen Transparenz“ (Polonius, Seite 6) sprechen kann nur jemand, dem die Transparenz nicht sonderlich am Herzen zu liegen scheint. Das grenzt schon an bewusste Irreführung! Vielleicht arbeitet der Herr ja auch mit umgekehrt proportionalen Siebenmeilenstiefeln? Dann wäre es ja auch nicht schlimm, „dass die Dokumentationsqualität der Krankenhäuser (nach etlichen Jahren BQS) allgemein sicher noch optimierbar ist“! (An dieser Einschätzung ändert auch nichts die neue hausspezifische Veröffentlichungspflicht eines Bruchteils der BQS-Daten in künftigen sogenannten Qualitätsberichten).

 

Auch wenn das durchschnittliche Gesamtniveau – alles in allem – erfreulich hoch ist, bleiben in allen bisherigen Auswertungen individuelle Ergebnisse völlig im Dunklen. Es gibt nur Durchschnittswerte. Was das bedeutet, zeigt ein Beispiel aus dem Fußball: Links vorbei. Rechts vorbei. Im Durchschnitt ist es ein Tor! Wie sinnlos die letztlich sind, signalisieren im Bericht schon etliche Hinweise: „…Weiterhin ist aber auch eine Spannweite von 0,0 bis 100% zu verzeichnen“ (Seite 54, 106) Ähnliches findet sich z.B. auf Seite 59, 97 oder 104. Da wüsste man als potentieller Patient doch sicher gern nicht nur das Krankenhaus, sondern auch alle seine Einzelergebnisse (oder – angemessen erklärt –Median und Standardabweichung). Aus den grafischen Aufbereitungen ist höchstens zu erkennen, dass es a) deutliche Unterschiede gibt und b) deutlich mehr negative Werte vorzuliegen scheinen, als die verbalen Erläuterungen vermuten lassen. Immerhin lesen wir dort u. a.:

 

„…ist dieses Ergebnis nicht zu akzeptieren und es sollte schnellstmöglich auf eine verbesserte Rate hingearbeitet werden … sowie auf eine umfassende Implementierung der (allerdings auch nur meinungs- und keineswegs RCT-basierten) S3-Leitlinie “ (Seite 22). „Es besteht besonderer Handlungsbedarf“ (u.a. Seite 24, 39, 43, 53, 67, 82). „… dringender Klärungsbedarf“ (Seite 74). „… werden im Strukturierten Dialog um Stellungnahme gebeten (u.a. Seite 29, 30, ). „…auch in diesem Jahr eine kritische Versorgungssituation“ (Seite 39). …dass immer noch von einer Über- und Fehlversorgung ausgegangen werden muss“ (Seite 48). „…lediglich 4,5% erreichten nicht den Referenzwert“ (Seite 50). …Die Gesamtrate der leitlinienkonformen Indikationsstellung lag … bei 87,31% (Seite 57). „…(Revisions-) Rate von 28,6%“ (Seite 64, auch etliche andere Beispiele). „…das Qualitätsziel nicht erreicht“ (Seite 74). „…Der Extremwert (postoperativer Wundinfektionen) von 13,5% trat in einem Krankenhaus auf…“ (Seite 77). „…Die höchste Rate … wies ein Krankenhaus mit … 38,7% auf (Seite 84). „…Der Extremwert (an Komplikationen) von 32% trat in einem Krankenhaus …“ (Seite 85). „…Bei einer Extremrate von 41,7% … Reinventionen …“ (Seite 86). „…der Extremwert von 28,6% …“ (Seite 93). „…sehr hohe Sterblichkeitsraten für einzelnen Krankenhäuser … 10% … Insgesamt gute Versorgungsqualität…“ (Seite 87). „Sowohl in internationalen als auch in deutschen Leitlinien sind die Indikationskriterien …. benannt; möglicherweise sollte die Implementierung dieser Leitlinien gezielt unterstützt werden“ (Seite 97). „…Qualitätsziel im Wesentlichen erreicht…“ (Seite 123). „Deshalb müssen unterdurchschnittliche Erfolgsraten … als relevantes Qualitätsdefizit betrachtet werden“ (Seite 124). „…Die Ergebnisse dieses Indikators zeigen, dass das Qualitätsziel nicht erreicht wurde“ (Seite 141). „…Die BQS-Fachgruppe … hält dieses Ergebnis für auffällig…“ (Seite 156, auch 160).

 

Bleiben Patienten im BQS-Selbstverständnis eigentlich Versuchskaninchen, bis der „Strukturierte Dialog“ wirklich greift?

 

Soll die gesamte Kampagne nicht am Ende doch noch am Protest derer scheitern, die den damit derzeit verbundenen bürokratischen Aufwand beim besten Willen nicht verstehen können, oder auch all jener, denen sowieso die ganze Richtung nicht passt, sollte man im Sinne einer vermehrten Aussagefähigkeit und Effektivität folgende Punkte möglichst bald kritisch überdenken: Die

 

  • Begrenzung auf wenige stationäre Behandlungen
  • fehlende Verbindung zu G-DRGs
  • Auswertungsverkürzung auf die Zeit bis zur Entlassung 
  • krankenhausspezifische Anonymisierung (nur Patientendaten anonymisieren)
  • generelle Repräsentativität der Auswertungen für die Krankenhausqualität
  • Art der gewählten Indikatoren
  • Kausalität von Indikatoren für Maßnahmen und Behandlungsergebnisse
  • Kausalität ausgewiesen besserer Werte und zugehöriger Maßnahmen
  • Unwiderruflichkeit der Datenverdichtung (besser Datenbank aller Daten!)
  • bedingiungslose Datenbereitstellung für jedermann

 

Außerdem entspricht der gewählte Gesamtansatz des „Nachweises einer guten Qualität“ weder dem berechtigten Patientenbedürfnis noch dem Stand der internationalen Entwicklung. (Die Mindestqualität müsste ohnehin überall selbstverständlich und somit Gegenstand allfälliger „TÜV-Prüfungen“ und –Zertifikate sein; dann würde man endlich merken, warum KTQ etc. Unfug sein müssen!) Mit den heutigen Ansätzen – auch bei BQS – hat man in Deutschland nur eine Abkopplung von der internationalen Qualitätsentwicklung erreicht. Das müsste schnellstens geändert werden. BQS bietet dafür eine Menge professioneller Voraussetzungen. Daher ist der BQS-Qualitätsreport 2006 eine Pflichtlektüre nicht nur für die „Qualitäts-Fuzzies“, sondern für alle im Gesundheitswesen Verantwortlichen! (+++)

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

Liste der bisher besprochenen Bücher

 


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

 

 

„Zurück ins Mittelalter“: Asklepios und der ehemalige LBK Hamburg

On "Privatisation" of Hospitals: A Real Case at Hamburg 

 

Ob Asklepios seine Aufgabe im konkreten Fall eher gut oder schlecht macht, kann aus der Ferne kaum beantwortet werden. Gleichwohl steht es vor einer gewaltigen Aufgabe, seine Personalkosten („3.435,- pro Fall“) auf jene Erlöse zurückzuführen, die aus G-DRGs bestenfalls möglich sind („rund 2.400 EUR“). Außerdem war die Übernahme des LBK ja wohl auch kaum philanthropisch motiviert, sondern als eine Chance, damit gutes Geld zu verdienen. Das ist legitim. Ob allerdings der Verkauf des LBK durch den Hamburger Senat wirklich klug zu Ende gedacht war, sollte in der politischen Auseinandersetzung durchaus thematisiert werden.

 

Wenn kma seine aktuelle Ausgabe mit dem Schwerpunkt der dortigen Situation mit der Überschrift „Zurück ins Mittelalter“ aufmacht, mag das bei genauerem Hinsehen eher mit dem Presseprinzip zusammenhängen, mit dem Erregen von Aufmerksamkeit die eigene Auflage zu steigern.

 

Interessant an dieser Stelle ist nur die merkwürdige Gegenüberstellung von „Zentral“ und „Dezentral“ in der Hamburger Auseinandersetzung.

 

Die „Dezentralisierung“, also eine Delegation von möglichst vielen Entscheidungen auf die niedrigstmögliche hierarchische Ebene, gilt nunmehr seit Jahrzehnten als „Stand der Kunst“ des Organisierens arbeitsteiliger Organisationen. Wenn die nun unter den neuen Herren endlich nachgeholt werden sollte, kann das nur als überfällig bezeichnet werden. Nur die Zentrale, in der die strategischen Entscheidungen fallen, kann keineswegs dezentralisiert werden. Daneben sollten nur gewisse Servicefunktionen zentral angesiedelt werden. So stand es auch in einem Gutachten, das der Autor dieser Zeilen mit seinen Mitarbeitern – damals praktisch folgenlos – dem Hamburger Senat schon 1988 hat anfertigen dürfen. Daneben sollte aus qualitativen und ökonomischen Gründen regional eine gewisse Schwerpunktbildung des medizinischen Leistungsangebots erfolgen. Auch das galt – wenn auch nicht in Deutschland, so doch international – schon damals auch im Gesundheitswesen durchaus als „Stand der Kunst“.

 

Asklepios ist angesichts der gigantischen Aufgabe, mit hunderterlei Pfründen verbundene „gewachsene Strukturen“ zum zukunftsorientierten Unternehmen „umzuschmieden“, nicht zu beneiden. So etwas macht man allerdings nur, wenn man sich daraus strategisch einen ganz besonderen Gewinn verspricht. Wir wünschen den Verantwortlichen dafür schon im Interesse der Patienten und der (verbleibenden) Mitarbeiter eine glückliche Hand. Michael Naumann, dem – von uns hoch geschätzten – SPD-Kandidaten bei den Bürgerschaftswahlen ist dringend zu empfehlen, sich von seinen Genossen keine betriebswirtschaftlich unsinnigen Forderungen aufschwätzen zu lassen. Mit Unsinn gewinnt man selten Wahlen!

 

 

P.S. Die – für Asklepios erfreuliche – Grafik ist allerdings ein Paradebeispiel für eine Manipulation durch Verkürzen der Y-Achse. So lassen sich vermeintliche Erfolge beliebig schönen!