Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

297 - 10.07.2007 - Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"QM ist dann gut, wenn es Gutes schafft, nicht allein dadurch, dass es gut gemeint ist"

(Roland Schaffler)

Quelle: Holzer et al, Wirkungsgeleitetes Ressourcenmanagement in öffentlichen Gesundheitsbetrieben. Patienten- und Leistungsorientierung, Wien 2006


01. Editorial: Positive Aspekte des deutschen Gesundheitswesens*

Positive Aspects of German Health Care System

 

Was das deutsche Gesundheitswesen im Ausland attraktiv erscheinen läßt – und wie man daraus wirklich einen internationalen Wettbewerbsvorteil machen könnte

 

Wer – wie der Autor dieses Textes – seit Jahrzehnten zähneknirschend verfolgt, wie das hiesige Gesundheitswesen allmählich zugrunde reformiert und dabei immer stärker zum Spielball von Einzelinteressen wird, übersieht leicht dessen nach wie vor attraktive Elemente. Darauf wurde er wieder einmal gestoßen, als er sich einige Tage mit jungen griechischen Ärzten unterhalten konnte. Trotz aller berechtigten Kritik bleibt auf der Habenseite folgendes festzuhalten:

 

  • In Deutschland waren auch schon vor der letzten „Reform“ praktisch alle Bürger krankenversichert – und das auf einem vergleichsweise hohen Versorgungsniveau. Dafür gibt es eine eindeutige Gesetzesgrundlage. Bestehende Unterschiede werden sich auch durch ein Beseitigen von Absonderlichkeiten (wie unterschiedliche Preise gleicher Leistungen für gesetzlich und privat Versicherte) nicht gänzlich beseitigen lassen.
  • Der Zugang zu den Einrichtungen des Gesundheitswesens ist sowohl für Patienten als auch für Menschen, die dort eine Beschäftigung suchen, vergleichsweise fair. Die Wege sind weitgehend transparent. Bestehende Regeln sind stark genug, grobe Diskriminierungen – welcher Art auch immer – überwiegend zu vermeiden.
  • Die Strukturen sind – von den Arztpraxen über Krankenhäuser und Rettungsdienste sowie sonstige Gesundheitseinrichtungen – flächendeckend gut ausgebaut. Die Ärzte, Pflegekräfte and die Angehörigen der anderen Gesundheitsberufe sind insgesamt gesehen sicher gut ausgebildet. Frühere Defizite in der Managementqualifikation werden rasch abgebaut. Die Tendenz zur ständigen Weiterqualifizierung ist unübersehbar.
  • Die Bezahlung der Beschäftigten in Gesundheitsberufen ist – auch wenn die Betroffenen das teilweise anders sehen – im Verhältnis zu vergleichbaren Berufen gut. Vor allem die Ärzte verfügen über eine starke Interessenvertretung. Insgesamt gesehen wird am deutschen Gesundheitswesen auch im Weltvergleich sicher nicht gespart, ohne dass es – Zeichen für einen gesellschaftlichen Konsens – dagegen bisher zu ernsthafteren Protesten gekommen wäre.
  • Das gesellschaftliche Ansehen der Gesundheitsberufe – allen voran der Ärzte – ist hoch. Deutliche Mehrheiten sehen das eigene Gesundheitswesen trotz einer allmählich wachsenden Irritation über die insgesamt geringe Transparenz dem anderer Länder überlegen an. Auch der Tenor der Medien signalisiert bei aller gelegentlichen Kritik „deutsche Wertarbeit“.

 

Dies alles sollte eine gute Voraussetzung dafür sein, im Zuge der zunehmenden internationalen Vernetzung zu einem „Exportartikel“ ausgebaut zu werden. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Was hierzulande heute noch fehlt, ist eine ehrliche und selbstkritische strategische Bestandsaufnahme der eigenen Stärken und Schwächen und jener der internationalen Wettbewerber. Dann käme man sehr bald darauf, wo hier noch dringend „ein Schüppken zugelegt werden“ müßte: Bei der Transparenz der Methoden und (Behandlungs-) Ergebnisse. Beim Service. Bei der Produktivität. Beim Herausarbeiten von Spitzenprodukten und – in dieser Reihefolge – bei deren offensiver internationaler Vermarktung. Dann und erst dann macht auch ein professionelles Branding Sinn!

 

_____________ 

* Ähnliches gilt allerdings sicher auch für die Schweiz, Österreich, Luxemburg etc.

 


02. (AHRQ) Landesweite Qualitätsvergleiche

AHRQ'S Annual State Snapshots Highlight States' Gains and Lags in Health Care Quality

AHRQ released new State Snapshots that show States have made promising gains in health care quality while identifying needed improvements in areas ranging from cancer screening to treatments of heart attack patients. The 51 State Snapshots—every State plus Washington D.C.—are based on 129 quality measures, each of which evaluates a different segment of health care performance. While the measures are the products of complex statistical formulas, they are expressed on the Web site as simple, five-color "performance meter" illustrations. AHRQ's annual State Snapshots is based on data drawn from more than 30 sources, including government surveys, health care facilities, and health care organizations. Select to read our press release and to access this year's State Snapshots tools.


03. (Quality Progress) 10 x Grundsätzliches zur Qualität

10 Quality Basics

„Learning is not compulsory ... neither is survival”.

In this nugget of wisdom from his book Out of the Crisis, W. Edwards Deming reminds us that every day we should be making efforts to expand knowledge and develop expertise in our work and in our lives …

Mehr


04. (Most Wired) Medizinisches Wissen durch Vernetzung steigern

Extending Medical Expertise via Connected Health

Online programs that take advantage of the evolving “patient-centric” system of health care are finding fulfilled physicians and grateful patients...

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05. (ASQ) Die Kosten der Qualität fürs Management messen

Cost of Quality

“A research study investigating the maturity of COQ revealed the major reason for not tracking COQ was management’s belief [that] it lacks sufficient value.   Other major reasons are a lack of knowledge of how to track costs and benefits of COQ and a lack of adequate accounting and computer systems.  Given the advances in today’s data collection, data warehousing, data mining, and activity based cost/management (ABC/M) system implementations, these reasons begin to look like lame excuses...

(From “Measuring the Cost of Quality for Management” by Gary Cokins.)

Read the article… 


06. (ASQ) Die Kosten der Qualität fürs Management messen

Cost of Quality

“A research study investigating the maturity of COQ revealed the major reason for not tracking COQ was management’s belief [that] it lacks sufficient value.   Other major reasons are a lack of knowledge of how to track costs and benefits of COQ and a lack of adequate accounting and computer systems.  Given the advances in today’s data collection, data warehousing, data mining, and activity based cost/management (ABC/M) system implementations, these reasons begin to look like lame excuses...

(From “Measuring the Cost of Quality for Management” by Gary Cokins.)

Read the article…

 


07. (AHA) Neue Ergebnisvergleiche für US-Krankenhäuser

Hospital Compare adds mortality data

The Hospital Quality Alliance, which includes AHA, today added to the Hospital Compare Web site (www.hospitalcompare.hhs.gov) mortality data for heart attack and heart failure patients...

Siehe dazu auch New Yor Times 


08. Links

"Von schräg unten: Der Zweiklassenstaat" - Noch ein Kommentar zu Prof. Lauterbachs lichtvollen Ausführungen

"TK-Krankenhausführer"

http://www.dame.at/tipps/index.php  Tipps & Tricks zur Infosuche im Web: Die Cochrane Collaboration

http://www.bfg-muenchen.de/  Bund für Geistesfreiheit (bfg)

http://www.bqs-outcome.de/  BQS-Bundesauswertungen 2006

http://www.competence-site.de/wissensmanagement  Competence Center Wissensmanagement

http://www.qualitymeasures.ahrq.gov / National Quality Measures Clearinghouse™ (NQMC)

Vortrag Prof. Dr.-Ing. Rolf Hildebrand, Berlin, All you can do is to be ready for it - Qualitätsmanagement im Krankenhaus Was einzig zählt, ist die Ergebnisqualität – was sollte Patienten sonst interessieren?

Aktuelle Liste der Maryland-Indikatoren des Quality Indicator Project

"The Institute for Healthcare Improvement has developed and adapted a suite of tools to help senior leaders successfully lead improvement in their organizations. In addition, many organizations have developed tools in the course of their improvement efforts — for example, successful protocols, order sets and forms, instructions and guidelines for implementing key changes — and are making them available on IHI.org for others to use or adapt in their own organizations. We invite you to submit tools you have found useful!" (IHI)

Nosokomiale Infektionen

Surgical Care Improvement Project (SCIP) & CDC’s National Healthcare Safety Network (SCIP-Dias)

http://www.icsi.org/ Institute for Clinical Systems Improvement (ICSI)

http://www.mnr.com/  Milliman Care Guidelines: Delivering evidence-based knowledge at the point of care

(GMDS) Begriffe und Konzepte des Qualitätsmanagements

(DKG) "Für den Wettbewerb um beste Qualität: Einzelverträge und Preiswettbewerb für Krankenhausleistungen als verfehlten Denkansatz verhindern!" ……Mehr
http://www.dkgev.de/pdf/1807.pdf 
Anmerkung: "Für ja, aber nicht für richtigen Wettbewerb!"

http://www.qaproject.org/ The Quality Assurance Project's mission is to strengthen the quality of healthcare in developing and middle income countries, in support of the U.S. Agency for International Development's (USAID) Bureau for Global Health and country missions.

http://www.qiproject.org/

http://www.wfmc.org/  Workflow Management CoalitionReference

"Welcome to CAMHospitals.com, Health Forum’s complementary and alternative medicine (CAM) resource area. Our goal is to provide hospitals with as much relevant information and resources as possible to enable you to navigate the vast resources and information available to you in CAM".

Building Blocks of Comparative Effectiveness 

http://www.nairo.org/  The National Association of Independent Review Organizations (NAIRO) was formed by the majority of URAC-accredited independent review organizations (IRO). What is an IRO? Within the health care industry, an IRO acts as a third-party medical review resource which provides objective, unbiased medical opinions that support effective decision making, based only on medical evidence. IROs deliver conflict-free decisions that help clinical and claims management professionals better allocate healthcare resources and reduce waste.

http://ec.hcahealthcare.com/cpm/DRGwk.pdf  HCA-DRG-Workplan (nicht ganz freiwillig eingeführten Kodierprinzipien)

Texas: Preventable Hospitalizations, 2005 

http://www.thecoca-colacompany.com/  Beispiel für CSR (gefunden in Financial Times, Special report Corporate Citizenship & Philanthropy, July 5 2007)

(FTD) Teure Kunstfehler

 

www.gqmg.de/news.htm GQMG Neuigkeiten

http://www.zynx.com/  Zynx Health Incorporated

Vereinbarung des Gemeinsamen Bundesausschusses gemäß § 137 Abs. 1 SGB V i. V. m. § 135a SGB V über Maßnahmen der Qualitätssicherung für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser (Vereinbarung zur Qualitätssicherung) in der Fassung vom 15. August 2006, veröffentlicht im Bundesanzeiger 2006 S. 6361, zuletzt geändert am 10. Mai 2007, veröffentlicht im Bundesanzeiger XXX, Inkrafttreten am 1. Januar 2008

 


09. Buchbesprechung

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Bartens, Werner, Das Ärztehasserbuch. Ein Insider packt aus, München, 2007, ISBN-10: 3426779765, ISBN-13: 978-3426779767 AMAZON

 

„Die Medizin wäre eine wunderschöne Disziplin, wenn manche Ärzte nicht wären“ (Werner Bartens). Wer das Taschenbuch des gelernten Arztes und Medizinjournalisten in die Hand nimmt, kann sich leicht ausmalen, welche Reflexe allein schon der – dem Lehrerhasserbuch entlehnte – Titel hervorrufen wird: Die einen werden sich über die Präsentation dieser Kette von „Schoten aus dem richtigen Leben“ empören, die hier bruchlos aneinandergereiht sind. Und die anderen werden sogleich - mit eigenen Praxisbeispielen aufwartend – insistieren, dass alles noch sehr viel schlimmer sei.

 

Hier die (Grob-)Gliederung:

 

Beipackzettel 

Selbstdiagnose

  1. Sprechstunde
  2. Feind ist der Patient
  3. Jenseits der Schamgrenze
  4. Chefvisite
  5. Seelenlose Medizin
  6. Man muß auch an die Kosten denken
  7. Ohne Rücksicht auf Risiken und Nebenwirkungen
  8. Auf Leben und Tod
  9. Stationen der Abstumpfung – die Arztwerdung des Menschen
  10. Kunstfehler im System – Medizin vor Gericht
  11. Erste Hilfe: Was sich dringend ändern muß
  12. Überlebenshilfe für Ärzte
  13. Überlebenshilfe für Patienten – Ärztelatein und andere Begriffe, die nicht im medizinischen Wörterbuch stehen

 

Das Buch beginnt mit der Selbstverpflichtung des Autors, die Wahrnehmung des Lesers als Patient oder auch Arzt zu schärfen. Die Negativbeispiele sollen nicht werten, sondern das System mit mehr „Gespür für die Nöte und Ängste der Kranken“ heilen helfen.

 

Jedes – sich nahezu immer selbst erklärende – Kapitel ist in mehrere Unterpunkte gegliedert. Diese beginnen mit einer leicht ironischen Zusammenfassung des anschließend folgenden Inhaltes, die man oft erst jeweils an dessen Ende so recht zu würdigen weiß. Es geht um gedankenloses Gerede (1.), das oft krasse Gegenteil der heutzutage so gern dahergesagten „Patientenorientierung“ (2., 3., 7., 8.), frühmittelalterliche Rituale und daraus resultierende Verhaltensprägungen (4., 5.), eigennützig- pseudoökonomisches Verhalten zum Schaden der Patienten (6., 11). Es geht um das, was man in der deutschen Medizin offensichtlich immer noch als „Wissenschaft“ bzw. „Forschung“ sowie als Fehlerkultur zu leben beliebt (7., 8., 10., 11), es geht um eine überzogene Selbstbezogenheit in der ärztlichen Hackordnung und die Möglichkeiten, sich der Auseinandersetzung mit den Patienten zu entziehen (9.).

 

Ein Kapitel (11. Erste Hilfe: Was sich dringend ändern muß) läßt sich unterteilen in a) ärztliche Verhaltensänderungen, b) die – wenn auch reichlich unökonomische – Forderung nach einem unverzüglichen Abbau einer eingerissenen „Überökonomisierung“ in Krankenhaus und Arztpraxis („Kranke dürfen nicht zu Kostenfaktoren werden“), den Abbau der heutigen Gepflogenheiten der ärztlichen Aus- und Elitenbildung.

 

Das Kapitel 12. („Überlebenshilfe für Ärzte“) irritiert. Klingt es doch (fast) so, als wolle der Autor mit den hier versammelten Empfehlungen alles wieder kassieren, was er als Argumentationskette für eine bessere Medizin aufgebaut hat: Arglosen Patienten mit hinterlistigen Pseudoargumenten („wir finden es … unethisch, Versicherte über die Möglichkeiten der modernen Medizin im unklaren zu lassen“) für nutzlose IGeL-Leistungen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und Herrn Riegl aus Augsburg einzuladen, (gegen Entgelt) zu „mindestens 5% Veredelungsfälle(n) pro Klinik“, will sagen für überteuerte Leistungen für reiche Russen und Araber, und „Outsourcing in Verdi-freie-Zonen“ zu raten. Die „ärztliche Sprüchesammlung“ in Kapitel 13. enthält schließlich für fast jeden Leser diese oder jene Definition, die er noch nicht kannte.

 

Aufmerksame Insider finden im Buch kaum etwas sensationell Neues. So oder so ähnlich hat es jeder schon selbst erlebt und / oder erzählen hören. Gleichwohl ist die Lektüre des Textes nicht nur zu empfehlen, weil sie sehr leicht vonstatten geht, sondern auch, weil sich (trotz des irreführenden, hoffentlich ironisch gemeinten  Kapitels 12.) dahinter – siehe Eingangszitat – hoffentlich eine Botschaft verbirgt: Es kann – nein es muß – alles nur besser werden! Schade, dass der Doktor selbst die Flucht ergriffen hat. Doch vielleicht sind seine Einflussmöglichkeiten, etwas zu verändern, als Journalist ja auch größer! Lesenswert: (++) 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Widerspruch: Wieder einmal eine Irreführung ratsuchender Patienten - und etwas im Gegensatz dazu Verdienstvolles

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

 

(Bild.de) „Wohin, wenn's weh tut? Das sind die 100 besten Kliniken in Deutschland“

 

Another No-Information about the Quality of German Hospitals

Diese Schlagzeile macht Hoffnung. Leider steht sie (am 5. Jul 2007) nur in „Bild“.

 

Beim Anklicken wird sie erst einmal nur größer. Und mit der Erläuterung garniert „Größte Umfrage zur Patienten-Zufriedenheit“. Sowie mit mehreren Krankenhausnamen:

 

  1. Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe Berlin 89,4% 
  2. Endo-Klinik Hamburg 88,8%
  3. St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig 88,3%
  4. Diakonissenkrankenhaus Dresden 87,6%
  5. Krankenhaus Waldfriede 86,6%
  6. Marienhospital Stuttgart 86,2%
  7. Robert-Bosch-Krankenhaus 85,6%

  

In einem Fenster kann man die nach der Patientenbewertung - angeblich - besten 100 Häuser aufrufen.  Der Insider staunt. Was haben die gemeinsam? Und das auch noch zu einem – aus deutschen Patientenbefragungen im allgemeinen unbekannten Prozentsatz? Das erschließt sich aus der Bild-Meldung leider zunächst nicht. Erst beim weiteren Anklicken erfährt man: Bei der „Patientenzufriedenheit“!

 

Dort lesen wir zwar noch: „Wo wird mir wirklich geholfen? Wo nehmen sich Ärzte noch Zeit für ihre Patienten? Wo gibt es die nettesten Schwestern? Das beste Klinik-Essen? Die Techniker Krankenkasse befragte 100 000 Patienten in 2000 Krankenhäusern – die 100 besten Kliniken Deutschlands“ sowie „Schlechter Behandlungserfolg, lange Wartezeiten, patzige Schwester, schlechtes Essen – wo werden Patienten heute eigentlich noch gut behandelt?“ In jedem Krankenhaus 50 Patienten? Oder was? Das kann wieder einmal nur „Bild“ erklären!

 

Dann kommt nur noch eine kurze Stellungnahme von Dr. Straub, Vizechef der Techniker Krankenkasse: „Das ist der erste Klinikführer, der die wichtigste Perspektive bei der Beurteilung von Krankenhäusern einbezieht – nämlich die Perspektive des Patienten. Der Klinikführer hilft Patienten ein Krankenhaus zu finden, in dem sie gut aufgehoben sind“. Wie, hat er leider nicht dazugesagt. Stattdessen folgt der Hinweis auf die Website http://www.tk-online.de/ .

 

Dort findet sich ein Riesen-Button: „Der neue Klinik-Führer“. Dahinter eine kurze Erläuterung, u.a. mit den Hinweis: „Das Besondere: Der Klinikführer greift auf Bewertungen von Versicherten zurück. Die TK hat dazu über 100.000 Versicherte befragt, die in einem von über 200 ausgewählten Krankenhäusern behandelt wurden“. - Hoppla! 100.000 Versicherte aus „über 200 (aus in Deutschland insgesamt etwa 2.200) ausgewählten Krankenhäusern“ liefern die Information zur Klinikauswahl. Wie hieß es noch einmal so schön? „Wohin, wenn's weh tut? Das sind die 100 besten Kliniken in Deutschland“. Die TK scheint das auch so zu sehen: „So ist es sehr einfach, sich über Behandlungsmöglichkeiten in der näheren Umgebung oder im gesamten Bundesgebiet zu informieren”.

 

So kann man die Leute auch veralbern! - Dass hier nur Daten aus einer „Machbarkeitsstudie“ zur Zufriedenheit (und nichts sonst) ausgewertet wurden, liest man erst im ‚Kleingedruckten’ , nachdem man eine Suchanfrage durchgespielt hat ("Qualitätstransparenz im Krankenhaus 2006"). Dort steht auch, dass man „einen wissenschaftlich evaluierten Fragebogen eingesetzt (habe), der mit Hilfe zweier externer Institute entwickelt und validiert wurde“. Mehr nicht. Weder zur Methode. Noch zum Inhalt. Noch zu den damit suggerierten Fehlschlüssen: Ein typisches Beispiel dafür, wie wenig ernst die Patienten / Versicherten hierzulande nach wie vor genommen werden!

 

 

Anders der zweite Krankenhausvergleich des Tagesspiegel

 

Second Comparison of Berlin Hospitals

 

Am 08.07.07 schließt der Tagesspiegel die zweite Serie seines Klinikvergleichs ab. Grundlage sind – wie bisher – bestimmte BQS-Auswertungen, deren Dokumentationsquote, das Vorhandensein eines bestimmten Zertifikates, die Empfehlungen Niedergelassener und die Zufriedenheit der Patienten (Picker). Die Auskünfte zu den angewendeten Methoden sind (z.B. im Unterschied zu USNews) eher dürftig. Nur bei BQS kann man – wie gewohnt – sehr viel mehr nachlesen. Auch „Laien“! Nun lasse sich – so die Zeitung – „alles“ nachlesen: http://www.tagesspiegel.de/berlin/kliniktest/ . So ist das leider nicht. Nur leider ist auch das, was immerhin deutlich über die „Pioniertaten“ der Selbstverwaltung herausragt, auch erst ein Anfang. Schon die „Kerndaten“ der BQS haben ihre Grenzen:

 

  • Der Vergleich gibt Berliner Krankenhauspatienten gerade einmal für jene 12- 14% der stationären Behandlungen (praktisch nur schneidende Fächer) eine grobe Orientierung, die von der BQS verglichen werden (so die Schätzung des früheren BQS-Geschäftsführers Mohr). 
  • Die jährliche Datenlieferung für die BQS ist eine Gesetzespflicht. Was wann in welcher Form geliefert werden muß, ist Minimalkonsens des G-BA, einer vom Gesetzgeber geschaffenen Mammutinstanz, die vielerlei entgegengesetzte Interessen zu bündeln hat.
  • Dabei sind sich nicht einmal die zur Methodenwahl herangezogenen Fachgesellschaften einig, worauf sie sich – beginnend bei den zu messenden und auszuwertenden Items über den Evidenzbegriff bis hin zu den Referenzbereichen – eigentlich genau verständigen sollen.
  • Damit werden keineswegs immer jene (letztlich allein interessierenden Ergebnis-)Informationen über die Behandlung geliefert, sondern weitaus häufiger Angaben zu Sekundärinformationen zu bestenfalls mittelbar interessierenden Ergebnissen oder gar nur zur „Prozessqualität“.
  • Die Krankenhäuser steuern ihre Daten für die letztendliche Zusammenfassung durch die BQS keineswegs freiwillig bei. Das bedurfte schon eines massiven Drucks – selbst der Prozentsatz der Datenabgabe wurde u. a. zur „Qualität“ erklärt – sowie finanzieller Anreize.
  • Es ist nicht bekannt, wie zutreffend BQS-Daten die Realität widerspiegeln, - schon allein deshalb, weil sie nicht aus der der Krankenakte selbst, sondern mittels Übertragung gewonnen wurden. Das macht sie anfällig für Fehler und Manipulationen. Die Aussagen sind also mit Vorsicht zu genießen.
  • Bezugsgröße der BQS-Auswertungen ist der gemeldete Durchschnitt des Krankenhauses bzw. der „zuständigen“ Fachabteilung. Angaben über Operateure, Operationsmethoden und technische Hilfsmittel bleiben ebenso im Dunklen wie (anonymisierte) Details zur Ausgangslage der Patienten.

 

Alle übrigen Angaben sind wohl eher als ein Versuch zu werten, in Sachen Krankenhausqualität endlich mehr Transparenz herbeizuführen. Dass Picker pauschale „Zufriedenheitsdaten“ liefert, erstaunt – hat sich das Unternehmen doch seit seinen Anfängen wegen fehlender Aussagefähigkeit vehement dagegen gewehrt (siehe Health Affairs, Winter 1991, p. 254-267). Es gehe vielmehr um

 

  • Den Zugang zur Versorgung (Stichwort „Zweiklassenmedizin“ 
  • Rücksicht auf individuelle Präferenzen, Respekt
  • Kommunikation, Information, Instruktion
  • Koordination
  • Emotionale Unterstützung
  • Einbeziehung der Familie und Freunde
  • Kontinuität (Stichwort „Integrierte Versorgung“)

 

Ärzteempfehlungen kann man glauben oder auch nicht. Wenn die meisten Urologen – wie hier geschehen – das Krankenhaus besonders empfehlen, das ihnen für eine Zuweisung Geld zahlt, ist mehr als nur ein Schönheitsfehler. Doch eine Zusatzinformation erhält man so allemal. Über die Sinnlosigkeit deutscher „Krankenhauszertifikate“ haben wir uns schon häufig genug geäußert. Das einzige, was man aus deren Vorhandensein schließen kann, ist selbige selbst! Was ein „EFQM-Zertifikat“ – eigentlich ein Widerspruch in sich selbst – zur Qualität der Krankenbehandlung aussagt, haben wir trotz langjähriger EFQM-Mitgliedschaft bis heute nicht verstanden. Das „Qualitätsmerkmal „ Datenlieferung dürfte allmählich überflüssig sein, weil es für die Lieferung Geld gibt. Das Fehlen deutet da eher auf einen Übermittlungsfehler hin. Gleichwohl bleibt das Tagesspiegel-Vorhaben äußerst verdienstvoll!