Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

290 - 22.05.2007 - Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"The reasonable man adapts himself to the world. 2. The unreasonable man persists in trying to adapt the world to himself. Therefore all progress depends on the unreasonable man"

 

(Bernhard Shaw)

 

Quelle: ASQ

 


01. Editorial:

Wieviel Staat brauchen wir? Gedanken zum Thema am Beispiel des Gesundheitswesens

 

Framework for a Future German Health Care System

 

Überlegungen nach der von BMG und G-BA veranstalteten Tagung "Sicherung der Qualität im Gesundheitswesen: Ergebnisse und Perspektiven" am 2. und 3. Mai 2007“, den dort gemachten Beobachtungen und der Präsentation der Vorträge auf der Website: http://www.g-ba.de/informationen/aktuell/publikationen/tagung/ .

 

Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) aus dem Jahre 2007 ist (wie auch das ganze SGB) ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn der demokratische Staat sich einer – als solche empfundenen - „Gemeinschaftsaufgabe“ annimmt. Zumindest in Deutschland, dem Land der übermächtigen Verbände und Interessengruppen. Er setzt unter deren Einfluß auf frühere Regelungen auf und schreibt diese mit den – von der regierenden Mehrheit als notwendig erachteten – Veränderungen fort. Zu einem wirklichen Neuanfang fehlt ihm schon lange die Kraft. Ob das Ergebnis den Bürgern eher nutzt oder schadet, spielt dabei längst keine Rolle mehr. Verstehen dürfte das sowieso niemand mehr. Nicht einmal die Volksvertreter selbst.

 

Die Regelungen zur Gesundheitssicherung der Bürger verteilen sich – mit den Schwerpunkten beim SGB V (und SGB XI) – auf zehn Sozialgesetzbücher I bis XI (XIII fehlt noch). Zumindest der mittels GKV Pflichtversicherten. Daneben gibt es – der derzeitigen Gesundheitsministerin ein Dorn im Auge – als „Systembruch“ die PKV. Wobei „System“ als Bezeichnung für das aufs Vielfältigste bürokratisch reglementierte Gesamtgebilde eher eine Tarnbezeichnung sein dürfte.

 

Ein „produktives soziales System“ (im Sinne von Ulrich) als „geordnete Gesamtheit von Elementen, zwischen denen irgendwelche Beziehungen bestehen oder hergestellt werden könnten“, ist es sicher nicht. Eher ein äußerst komplexes Gebilde, das infolge wohlmeinender staatlicher Einflussnahme eher daran gehindert werden dürfte, seine Aufgabe zu erfüllen, die Gesundheitssicherung aller Bürger bezahlbar zu halten.

 

Angesichts grenzenloser, mit dem medizinischen Fortschritt rasch weiter wachsenden Bedürfnisse gilt es vor einem Systementwurf einzugrenzen, welche (Mindest-)Erfordernisse (= welche Wertschöpfung) auch für jene Bürger zuverlässig zu erfüllen sind, die überfordert wären, diese aus eigener Kraft zu finanzieren. Diese Kernfrage nach den (Mindest-)Erfordernissen ist nicht einmal andeutungsweise geklärt. Das mag die Hilflosigkeit der Antworten der Politiker auf diesbezügliche Fragen erklären. Praktisch grenzenlose Heilsversprechen wie die von Ulla Schmidt dürften daher schon bald vom wachsenden Volkszorn über eine (vermeintliche) Rationierung hinweggefegt werden. Das Problem – wie geschehen – dadurch zu „lösen“, dass zunächst einmal die ärztlichen Einkommen gesteigert werden, dürfte auf die Dauer auch keine soliden politischen Mehrheiten finden.

 

Dann und erst dann, wenn mit einer hinreichend präzisen Festlegung der (Mindest-)Erfordernisse an Behandlungs- und Betreuungs-Ergebnissen (und deren Fortschreibung mit dem medizinischen Fortschritt) der Finanzierungsrahmen geklärt ist, wird eine Debatte sinnvoll, die heute dank der medienpräsenten, überzeugungsgeprägten Politikberater professoral-volkswirtschaftlicher Provenienz viel zu früh im Vordergrund steht: Auf welche Weise ist das Ganze – einschließlich einer Grenzziehung bei der Bedürftigkeit – am besten auch für jene sozial Schwachen solidarisch zu finanzieren, die dazu aus eigener Kraft fähig nicht sind? (Darauf soll hier nicht eingegangen werden). Die Antwort kann nur politisch gegeben werden. Das schließt die Organisation der Antragstellung und Aufnahme in den berechtigten Personenkreis ebenso ein wie die Art der Mittelzuweisung.

 

Ingenieurmäßig-betriebswirtschaftlich denkende Zeitgenossen hätten auf die Kernfrage nach den (Mindest-)Erfordernissen eine ganz praktische Antwort: Bezahlt wird, was das – zuvor zu spezifizierende – Behandlungsziel (= die Wertschöpfung der Erhaltung, Wiederherstellung von Gesundheit bzw. der Sicherung bestimmter Aktivitäten des täglichen Lebens) im Fall einer bestimmten Erkrankung am effektivsten zu erreichen verspricht. (In diesem Sinne sollte auch der mit dem GKV-WSG erweiterte Auftrag ans IQWiG verstanden werden). Das wäre – mit angemessener fachlicher Unterstützung – die Aufgabe staatlicher Instanzen. Die Höhe der sich daraus ergebenden Bezahlung sollte auf die Dauer ebenso wenig „sozialistisch“ festgelegt werden wie die arbeitsteilige Organisation der Behandlung, Pflege und Betreuung. (Ein „Sparen“ am Programm ist ausgeschlossen. Das würde dem angestrebten Ergebnis zuwider laufen).

 

Das setzte allerdings voraus, dass Krankheiten und Betreuungserfordernisse endlich im Sinne von angestrebten Ergebnissen zu Papier gebracht würden – samt der erforderlichen Indikatoren zu deren Messung („Messlatten“) und der Bandbreite der zu erfüllenden Mindesterfordernisse der Zielerreichung („Zielmarken): Als „harte“ Fakten und / oder als erhobene „weiche“ Einschätzungen jener, deren Gesundheitszustand sie nötigt, sich der Behandlung / Betreuung zu unterziehen. (Wer behauptet, das ginge nicht, hat entweder keine Ahnung, oder er sucht damit nur eigennützige Interessen zu schützen). Auch hierfür hätte der Staat die Rahmenbedingungen festzuschreiben. Einschließlich der Kontrollmechanismen zur Überwachung der Regeleinhaltung. Den Rest sollte man – wie auch die Bereitstellung aller anderen Güter, die die Menschen brauchen – mittelfristig dem Markt überlassen. Eine zwingende Voraussetzung dafür wäre nur eine hinreichende Markttransparenz der möglichen Leistungen und der Leistungserbringung. Daraus ergäbe sich zwangsläufig, was ein künftig sinnvolles, weil den Bürgern nützendes Qualitätsmanagement zu leisten hätte. Und was von der Gesamtheit der Aktivitäten zu halten ist, mit denen man es hierzulande heutzutage zu ersetzen sucht: Dieser Kaiser hat wirklich (fast) keine Kleider!

 

Dass damit gewisse Veränderungen des Bestehenden verbunden wären, versteht sich von selbst. Desgleichen; dass diese Überlegungen ein Maximum an mächtigen, aufs Intensivste ideologisch verbrämten etablierten (Geld-)Interessen berühren. Einmal erkannt, welche Brisanz sich hinter einem solchen – im Interesse der Bürger zum Besseren veränderten, auf die Dauer im Unterschied zu heute wohl sogar bezahlbaren – „neuen“ Gesundheitswesen verbirgt, dürfte schon der Versuch, dessen Details auch nur zu durchdenken, vielerorts auf wütenden Widerstand stoßen. Wirklich patientenorientiert, kostengünstiger und von einer weitaus höheren Qualität als (vermutlich) heute wäre es allemal! Und es entspräche nebenher sogar weitaus eher einer freiheitlich-demokratischen Grund- und Wirtschaftsordnung als alles, was wir stattdessen heute bezahlen müssen.

 


02. (H&HN) Medizintechnik macht die Krankenbehandlung effizienter, schneller und sicherer: Die richtige Medizintechnik!

Efficiency, speed and patient safety drive fast-paced evolution of medical equipment...

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03. (NIH) Professionelle Beratung in Sachen Komplementärmedizin

Integrative Medicine Consult Service Established at the NIH Clinical Center

The National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) has established an Integrative Medicine Consult Service at the National Institutes of Health (NIH) Clinical Center, the world’s largest hospital devoted to research...

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04. (AORN) Mehr Patientensicherheit im perioperativen Bereich

Perioperative Patient ‘Hand-Off’ Tool Kit

AORN and the U.S. Department of Defense Patient Safety Program collaboratively developed a new Web-based tool kit that provides the resources to guide perioperative professionals in standardizing hand-off communications among caregivers. The tool kit, based on the Department of Defense Patient Safety Program TeamSTEPPSTM initative, will help develop consistency in communications needed for effective patient care. …

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http://www.aorn.org/toolkit/patienthandoff/

http://www.ahrq.gov/qual/teamstepps/ 


05. (AHA) Qualitätsrelevante Daten automatisch aus verbesserter IT ableiten!

GAO recommends HHS specify health IT plans for quality data ... 

Anmerkung:
Die Anregung sollte man unbedingt auch bei uns aufnehmen! 


06. (ASQ) Kosten senken durch Qualität

Quantifying Quality

“At ASQ’s world headquarters, quality surrounds us—literally...

www.asq.org  ASQ: Ein sehr empfehlenswerte Mitgliederorganisation!

http://www.asq.org/pub/qualityprogress/index.html : Quality Progress: Deren Mitgliederzeitschrift.

Diesem Leitartikel von Seiche Sanders, der Herausgeberin von Quality Progress, ist nichts hinzuzufügen. Auch in Deutschlands Gesundheitseinrichtungen könnte mehr Qualität helfen, die Kosten zu senken. Dann müßte sich allerdings einiges ändern. Auf die Politik kann man da kaum setzen. Die ist – überwiegend – auch noch falsch beraten. Das Ändern wäre die Aufgabe der obersten Leitung der Institutionen. Auch gegen den heutigen Zeitgeist einer vermeintlichen „Qualitätssicherung“ und eines „Qualitätsmanagement“, das kaum den Namen verdient!


07. Off-label-Einsatz von DE-Stents mit häufigeren Komplikationen –"Sponsor-Bias” in Patientenregister

Not allowed use of drug-eluting-stents increasing risks for patient

Die Analyse zweier Patientenregister zeigt, dass die medikamentenbeschichteten Stents (drug-eluting-stents, DES) schnell auch bei Patienten eingesetzt wurden, die nicht die Zulassungsbedingungen erfüllten. Dieser Off-Label-Einsatz geht nach den jetzt im amerikanischen Ärzteblatt publizierten Studien (JAMA 2007; 297: 1992-2000 und 2001-2009) mit einer erhöhten Rate von Komplikationen einher.  …

Mehr

 


08. Links

BMG veröffentlicht Ergebnisse der Tagung „Sicherung der Qualität im Gesundheitswesen: Ergebnisse und Perspektiven“: „Unter dem Titel "Sicherung der Qualität im Gesundheitswesen: Ergebnisse und Perspektiven" fand am 2. und 3. Mai 2007 in Berlin die Abschlussveranstaltung des Bundesministeriums für Gesundheit zum Modellprogramm Qualitätssicherung sowie die 2. Nationale Qualitätskonferenz des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) statt“. (Wir berichteten und kommentierten diese ausführlich).

Occupational Safety and Health Administration (OSHA) Pandemic flu preparedness guidance for health care workers and employers

http://www.modernmedicine.com/modernmedicine  "Healthy patienten, healthy practice"

Prozess-, Ergebnisindikatoren, zitiert nach NYT-Artikel

http://www.ggma.de/  "Studie: Qualitätsmanagement in der ärztlichen Praxis" - Wofür das gut ist, steht da leider nicht drin!

Businesses urge eHealth 'paradigm shift'

Hygiene: Kleine Flasche soll Leben von Patienten retten: 

www.welt.de/berlin/article870713/Kleine_Flasche_soll_Leben_von_Patienten_retten.html

 

http://www.dartmouthatlas.org/ The Dartmouth Atlas of Health Care

http://www.jointcommissioninternational.org/ Neue Website der JCI 

America's Health Rankings - A Call for People & Their Communities

"IQWIG will seine Methoden bis Jahresende überarbeiten"

www.deutscher-apotheker-verlag.de/daz_neu/public/tagesnews/Mai/tagesnews20070511a.html

http://www.webmm.ahrq.gov/ US-Beispiele für Behandlungsfehler

http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/  Wie der Name schon sagt ... (Wohl noch etwas schwach auf der Brust), desgl. www.v-up.de

healthcareitnews.eu/content/view/460/26/  Open source platform could spur regional EHR network

 

 

 

www.stiftung-gesundheit.de/presse/start_presse.htm


09. Buchbesprechung

Book Review

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

Herzlinger, Regina E., Market-Driven Health Care: Who Wins, Who Loses in the Transformation of America's Largest Service Industry, Paperback-Ausgabe, Reading, Massachusetts 1999 (Erste Auflage 1997), ISBN-10: 0738201367, ISBN-13: 978-0738201368, AMAZON

 

Die Autorin, Professorin an der Harvard Business School, hat mit ihren Aufsätzen in Harvard Business Review jahrzehntelang immer wieder das „Krankenhaus-Weltbild“ des Rezensenten erweitert. Das ist ihr seinerzeit auch erneut mit diesem Buch gelungen, das seine Bibliothek schon lange bereichert hat, bevor es die Buchbesprechungen im hmanage Newsletter gab. Da sich die gesundheitspolitische Diskussion hierzulande nach wie vor in engen Bahnen um Bestehendes dreht, soll es nun auch hier vorgestellt werden. Es ginge durchaus auch anders. Mit einer nachweislich höheren Qualität und zugleich niedrigeren Kosten. Dazu Herzlingers Credo: „The market and only the market can provide the health care that the American people want at a price they are willing to pay”. (Dass es angesichts der etablierten Interessen nicht einfach ist, zeigt das Beispiel der USA). Effektiver und wirklich patientenfreundlicher. Sein (sinngemäß übersetzter) Inhalt:

 

Vorworte 

Einführung

Teil 1

Was die Konsumenten wünschen: Bequemlichkeit und eine Führungsrolle

1.       Die Revolution der Konsumenten

2.       Wenn Patienten nicht Patienten bleiben

3.       Einfluß oder Tod: Der neue Gesundheitsaktivist

4.       Das Gesundheitssystem, das Konsumenten Bequemlichkeit und eine Führungsrolle verschafft

Teil 2

Was die Zahlungsverpflichteten wünschen: Qualität und niedrigere Kosten

5.       Optionen für eine Produktivitätsrevolution 

6.       Downsizing – Die Diät, einfach „nein“ zu sagen

7.       Upsizing – Die „Big is beautiful“-Diät

Teil 3

Was funktioniert: Focused Factories (hoch spezialisierte Fabriken) und (Medizin-)Technologie

8.       Resizing – Die Diät, die Fett in Muskeln umsetzt

9.       Resizing und die Rolle der Technologie

10.   Wie man ein Resizing schafft – Beispiel aus der Industrie

Teil 4

Wie man es hinbekommen könnte

11.   Ein von den Konsumenten kontrolliertes Krankenversicherungssystem

12.   Wie man es hinbekommen könnte: Neue Regeln, neue Werkzeuge

Fußnoten

Inhaltsverzeichnis

 

Das Buch sollte für jeden in Deutschland, der sich mit Gesundheitspolitik und Gesundheitsökonomie befasst, eine Pflichtlektüre sein, die es unbedingt zu lesen – und dann noch einmal ohne eingefressene Vorbehalte zu lesen gilt. Daher soll es hier auch nicht Kapitel für Kapitel besprochen werden (die Überschriften sprechen schon für sich selbst): Stattdessen wird mit einigen (zumeist in der Originalsprache belassenen) Zitaten Appetit aufs gründliche Studieren gemacht:

 

Gleich im Vorwort nennt die Autorin konkrete Beispiele von Einrichtungen, die entsprechend für ihren Ansatz um die Bedürfnisse der Konsumenten herum gebaut worden sind. (Einige davon wie Salick Healthcare hat der Rezensent persönlich kennengelernt).

 

„Yet the cost of a single episode of care remains unknown. Oh sure, you can find the cost of an aspirin, but what is the full cost of caring for a cancer patient” Sicher nicht das Ergebnis der Kalkulation der einschlägigen G-DRG. (Das mögen in Deutschland nur jene Zeitgenossen missverstanden haben, die fälschlich glauben, ihre ökonomischen Einschätzungen auch ohne eine solide Ausbildung in die Welt setzen zu können). „No wonder patients are called patients“. „Delighting the customer seemed almost irrelevant to some health care practitioners“. “Is there really no role in the health care for entrepreneurs and technologists …”. Focused factories will … offer all the resources required to treat a particular problem … Weary Americans will no longer be forced to stitch fragments of the health care system together into something that can address their problems”. “Well-informed, overworked Americans will be winners … But the new system will create plenty of losers as well – powerful entities that will be flattened by the earthquake”.

 

Das Rezept: Endlich zu übernehmen, was für den Rest der Wirtschaft in der industriellen Revolution sowie in der zwischenzeitlichen Verfeinerung punktgenauer Angebote für die Konsumenten vorgemacht worden ist. Das Gesundheitswesen ist immer noch vorindustriell organisiert: „The system is organized according to the physician’s speciality and the patient’s requirement either for inpatient surgery (provided by a hospital) or for outpatient surgery (provided in an ambulatory surgery center or a doctor’s office” … In much of today’s health care system, obtaining appropriate medical care for a chronic disease is like eating in a restaurant where you must bring your own bread, entrée. vegetables, dessert, and wine. The absence of sites that provide disease-focused or procedure-based care is all the more surprising because of the magnitude of the need for it. … But most of the health care system is organized around the needs of its providers, doctors, and hospitals, not around the needs of consumers”.

 

“Because medicine is such a young science, with few empirical underpinnings, some of today’s medical advice may be dogma rather than science, based on beliefs about the relationship between cause and effect rather than on facts. … At present there are only modes empirical data to support many of the clinical guidelines being promulgated for various clinical problems”. “Despite the lack of knowledge about many causes of and consistently effectives cures for many ailments, especially chronic ones, medical advice is sometimes couched in dogmatic language, whose certainty of tone vastly exceeds the certainty of knowledge. Savvy Americans deal with this dogmatism in two ways: The ignore the advice, or they seek out alternative treatment”.

 

Herzlinger plädiert für eine strikte, krankheitsartenbezogene Spezialisierung (”Focused Factories”). Nicht nur als Prinzip, sondern erst in einer sorgfältigen Umsetzung: „In itself, the mere concept of a focused factory will not guarantee success. The details of its execution will make the difference between success and failure … consistency, reliability, clear standards, and low costs … The difference is in the system”. Bei uns käme an dieser Stelle gleich der Standard-Einwand: “Rosinenpicken”. Doch auch darauf hat Herzlinger eine plausible Antwort: Unter Marktbedingungen gibt es nachweislich keine Versorgungslücken. Für nichts. (Und die finanzielle Absicherung jener, die sich bestimmte Marktpreise nicht leisten können, könnte in der Form von Zuschüssen aus Steuermitteln erfolgen). Klingt eigentlich ganz plausibel! Besonders dann, wenn man sehenden Auges miterleben muß, wie unsere Gesundheitspolitik das System allmählich an die Wand fährt. (+++).

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Widerspruch: "Qualität wird zum Leit- und Steuerungskriterium des deutschen Gesundheitswesens" (GMK).

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

Schön wär's ja, was da von der GMK vor knapp einem Jahr in Dessau in die Welt gesetzt worden ist. Doch bisher hat sich die Augenwischerei nur fortgesetzt. Zahlenfriedhöfe über alles Mögliche statt zur Qualität heißen weiter "Qualitätsberichte". Es gibt weiter KTQ-Zertifikate, für die in schwammige Kriterien alles Mögliche hineininterpretiert werden kann. Immerhin kann das jeder, der sich dafür interessiert, in den belanglosen KTQ-Berichten der zertifizierten Krankenhäuser (und neuerdings auch anderer Einrichtungen) nachlesen. Um die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch einmal richtig zu verdeutlichen, haben wir die wichtigsten Auszüge aus dem offiziellen, unter http://www.gmkonline.de/?&nav=beschluesse_79 als Anlage 2 herunterladbaren Papier der GMK zusammengefaßt. [Klammerbemerkungen und Hervorhebungen durch uns.]

 

„Weiterentwicklung der Ziele für eine einheitliche Qualitätsstrategie im Gesundheitswesen“ - Eine Vision für das Jahr 2011

„Das Leitbild basiert zwar auf einer Bewertung des Ist-Standes, formuliert aber eine Vision, ohne dabei die Zwischenschritte und Imponderabilien zu berücksichtigen“*.

 

  1. Qualität wird zum Leit- und Steuerungskriterium des deutschen Gesundheitswesens.
  2. Die Beurteilung der Leistungen in der Gesundheitsförderung, Prävention, Kuration, Rehabilitation und Pflege erfolgt anhand der Qualität der Ergebnisse.
  3. Die Ergebnisqualität wird in vielen Bereichen über die Allokation von Ressourcen und die Finanzierung von Leistungen entscheiden.
  4. Ziel des Gesundheitssystems ist dabei der patientenrelevante Nutzen (objektive und subjektive Gesundheit) und dessen Optimierung. Das Gesundheitswesen hat sich ausschließlich daran zu orientieren. Qualitätsorientierung wird insbesondere durch Qualitätsmanage­ment der bestimmende Faktor der Gesundheitsversorgung. Eine so verstandene Qualitätsorientierung bestimmt in der Zukunft das Gesundheitswesen. Sie ist als Weiterentwicklung der traditionellen Organisations-Modelle und Qualitäts-Konzepte zu verstehen. Qualitätsorientierung und Qualitätsmanagement werden Taktgeber für das Gesundheitswesen.
  5. Qualitätsmanagement wird den kontinuierlichen Verbesserungsprozess des deutschen Gesundheitswesens bestimmen.
    Die kontinuierliche Verbesserung des Gesundheitswesens, also die Notwendigkeit zur Umsteuerung und Nachadjustierung der Ziele ist die Konsequenz aus einem solchen Qualitätsmanagementansatz, der ebenso wie bei dem ein-richtungsinternen Qualitätsmanagement auf dem Paradigma des PDCA-Zyklus basiert. Der Veränderungsbedarf des Gesundheitswesens wird insofern vorrangig aus den Erkenntnissen des neuen Qualitätsmanagementansatzes abgeleitet und basiert auf einer strukturierten Erfassung des „Ist-Zustandes“ - sektorenübergreifende Datenerfassung bzw. Datenauswertung. [Was soll dabei herauskommen, wenn schon heute die Begriffe weithin sinnentleert oder gar falsch verwendet werden!]
  6. Qualitätsmanagement wird sektoren- und berufsgruppenübergreifend organisiert. Das Qualitätsmanagement orientiert sich am Krankheitsverlauf.
    Der künftige Qualitätsmanagementansatz kann nicht auf bestimmten Segmenten des Gesundheitswesens oder Professionen basieren, sondern muss sektoren- und berufsgruppenübergreifend gestaltet werden. Die Beurteilung der medizinischen Leistung erfolgt „longitudional“ [das steht da wirklich!] entsprechend dem Krankheitsverlauf der Patienten und berücksichtigt patientenbezogen auch langfristige gesundheitliche Entwicklungen in Form von Spätergebnissen. Dabei sind in jeder Phase des Prozesses die Sichtweisen der Patientinnen und Patienten einzubeziehen und ihre Interessen zu berücksichtigen. Deren informationelles Selbstbestimmungsrecht wird beachtet.
  7. Die berufgruppen- und sektorenübergreifende Zusammenarbeit ist über alle Bereiche des Gesundheitswesens hinweg deutlich verbessert.
    Die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit ist in allen Sektoren (u. a. auch im ambulanten Bereich) und besonders sektorenübergreifend durchgehend vom Gedanken der partnerschaftlichen Ausrichtung am Patientenwohl bestimmt. Die Abstimmung untereinander und das Zusammenspiel sind im Sinne einer qualitätsorientierten Steuerung zu optimieren.
    Dabei ist nicht auszuschließen, dass in diese neue Kultur der Kooperation zwischenzeitlich sich verändernde oder neue Berufsbilder zu integrieren sind. [Wer schon vonBeginn an so schwammig formuliert, wird sich am Ende mit Erfolgsmeldungen nicht schwer tun].
  8. Qualitätsmanagement ist in der ambulanten Versorgung ebenso wie in den Sektoren des Gesundheitswesens flächendeckend eingeführt.
    Ein Nachholbedarf in der Entwicklung von und im Selbstverständnis für Qualitätsmanagement im ambulanten ärztlichen Bereich ist erkannt und führt ebenso wie in den anderen Sektoren zu einer flächendeckenden Nutzung von Qualitätsmanagement. [Angesichts der bisherigen Entwicklung eine Horrorvorstellung. So werden Patienten an der Nase herumgeführt].
  9. Für die verschiedenen Versorgungsbereiche werden komplementäre QM-Systeme entwickelt.
    Die systematische Einführung von an einheitlichen Grundsätzen ausgerichte­tem internem Qualitätsmanagement ist zukünftig in allen Einrichtungen der Gesundheitsförderung, Prävention, Kuration, Rehabilitation und Pflege, notwendig. [Heißt das etwa, dass sich anstehende Ergänzungen am Bestehenden zu orientieren haben? Dann wird ja kaum etwas Sinnvolles dabei herauskommen].
  10. Die Lern- und Veränderungsbereitschaft der Akteure des Gesundheitswesens ist Voraussetzung für ein erfolgreiches QM.
    Qualitätsmanagementansätze werden nur dann die an sie gestellten Erwartungen erfüllen, wenn alle Beteiligten die Bereitschaft zum eigenen Lernen, zur Offenheit gegenüber den eigenen und institutionellen Stärken und Schwächen und zur Veränderungsbereitschaft besitzen. [Ist hier das eingebaute Hintertürchen?].
  11. Die berufsbegleitende Fortbildung wird von der dauerhaften Kompetenzerhaltung und -steigerung abgelöst.
    Damit verbunden ist die Bereitschaft, die persönliche Kompetenz kontinuierlich weiterzuentwickeln (CPD – continous pro fessional development) anstatt nur Wissen anzuhäufen (CME - continous medical education). [Englischsprachige Texte zur Präzisierung?].
  12. Es sind sektorenübergreifende Qualitätsindikatoren entwickelt und erfasst. Benchmarking-Systeme [was immer das in den Augen der Verfasser sein mag. Man meint wohl Betriebsvergleiche] sind eingeführt.
    Sektorenübergreifende Qualität und Qualitätsverbesserungen sind mit Qualitätsindikatoren messbar zu machen, Qualität beruht auf der Vergleichbarkeit von Qualitäten. Die Kultur zum offenen Vergleich und die Orientierung des Handels am Besseren – das klassische Benchmarking - ist weiter zu entwickeln. Die statistisch-methodischen Grundlagen der Qualitätsmessung und Qualitätsvergleiche sind im Kontext der einrichtungsübergreifenden (extern vergleichenden) Qualitätssicherungs- Verfahren schon weit fortgeschritten und können dort entnommen werden. Weiter zu entwickeln sind Strategien, wie Qualitätsverbesserungen nachweislich erreicht werden können.
  13. Benchmarking [???] erfolgt freiwillig in themenbezogenen, persönlichen Verbünden oder verbindlich organisationsbezogen und einrichtungsübergreifend. Beim Vergleich von Einrichtungen erfolgt eine Risikoadjustierung. [Das letzte Stichwort eröffnet erfahrungsgemäß die Chance, sich niemals zu einigen und - eine Dreistigkeit angesichts der "Wissenschaftlichkeit" eines großen Teils der heutigen Krankenbehandlung - so lange alle Vergleiche als "unwissenschaftlich" niederzumachen].
  14. Eine Fehlerkultur ist eingeführt [Das steht da wirklich!].
    Institutionell hat diese offene Qualitätsdarlegung hierarchieübergreifend zu wirken. Darüber hinaus muss die Bereitschaft der Organisation aus Fehlern zu lernen ebenfalls selbstverständlicher Bestandteil der Qualitätskultur sein (z.B. durch Einführung von Fehlerpräventionssystemen /Risk-Management oder durch die Renaissance des Obduktionswesens).
  15. Qualitätsindikatoren bilden klinische Ergebnisse, den objektiven und subjektiven Patientennutzen und die Prozessqualität ab und setzen sie ins Verhältnis zu dem Ressourcenverbrauch.
    Benchmarking basiert auf Indikatoren. Objektive und subjektive gesundheitliche Ergebnisse für den Patienten sind von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig, die bei der Indikatoren-Definition zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus bilden Indikatoren nicht nur medizinische und pflegerische Leistungen ab, sondern sollen im Sinne der Ergebnisorientierung auch organisatorische, interpersonelle (kommunikative) sowie ökonomische Aspekte berücksichtigen.
  16. Es ist eine „Qualitätsindikatoren-Bibliothek“ eingerichtet.**
    Qualitäts-Indikatoren müssen nicht immer neu entwickelt werden. Es soll eine „Bibliothek des Erprobten“ eingerichtet werden, in die evidenzbasierte und validierte Indikatoren eingestellt werden. Diese sollen in einer zentralen Organisation gesammelt und systematisch evaluiert werden.
  17. Es sind sektorenübergreifende Behandlungspfade entwickelt.
    Durch Indikatoren wird u. a. auch die Orientierung an Behandlungspfaden bewertbar, die es entsprechend sektorenübergreifend und ergebnisorientiert neu bzw. weiter zu entwickeln und zu implementieren gilt. [Da ja schon heute vielerorts behauptet wird, nach 'Pfaden' zu arbeiten, obwohl bisher nicht für einen einzigen inDdeutschland ein erkennbarer Nutzen publiziert worden wäre, wird das Versprechen leicht zu erfüllten sein: Man reiht einfach an eine Behauptung eine weitere!].
  18. Evidenzbasierte medizinische Leitlinien und Pflegestandards berücksichtigen die An­forderungen eines übergreifenden QM-Systems.
    Behandlungspfade basieren neben organisatorischen, administrativen und koordinierenden Angaben insbesondere auf evidenzbasierten medizinischen Leitlinien und Pflegestandards. Die bisher schon bestehenden Verfahren zur Entwicklung und Bewertung von Leitlinien sollen beibehalten und – unter besonderer Berücksichtigung sektorenübergreifender Aspekte – weiterentwickelt werden. [Das läßt wenig erwarten, so lange die "Evidenzskala" hierzulande von Überzeugungen bis zu wirklichen wissenschaftlichen Nachweisen reicht!].
  19. Der Nutzen und die Wirksamkeit von gesundheitlichen Leistungen ist durch empirische Nachweise (Evidenz) zu belegen. Leistungen, die nicht wirksam sind, werden nicht erbracht. [Große Worte angesichts der Realität].
  20. Transparenz unterstützt den Patienten in seiner Souveränität, seiner Sicherheit und fördert den Wettbewerb im Gesundheitswesen.
    Ein auf Qualitätsvergleichen beruhendes Gesundheitssystem trägt dazu bei, die Patientenversorgung zu optimieren, beinhaltet aber auch den Anspruch, geeignete Informationen für die Entscheidungsfindung der Patienten zur Verfügung zu stellen. Transparenz nach innen eröffnet den Wunsch nach Transparenz nach außen und unterstützt die Patientenkompetenz und die Patientensicherheit. Dies ist anzuerkennen, da Qualität in einem solidarischen Gesundheitswesen das wesentliche, ethisch zulässige wettbewerbliche Kriterium für die Entscheidung der Patienten ist, welchen Leistungserbringer er aufsuchen wird. [Damit müßt man aber bald anfangen! Als erstes könnte man ja die BQS-Durchschnittsergebnisse um deren Range ergänzen und sie endlich Krankenhäusern und Operateuren zuordnen].
  21. Die Qualität der Gesundheitsversorgung wird ergebnis- und patientenorientiert dargestellt.
    Die patientengerechte, ergebnisorientierte Darstellung der Qualität über verständliche Indikatoren fördert von daher die Patientenorientierung des Gesundheitswesens ebenso wie es das Vertrauen den Patienten bzw. der Patientin zum ausgewählten Leistungserbringer unterstützt.
  22. Steuerung im Gesundheitswesen wird auf der Basis von Informationen erfolgen, die die (Ergebnis-)Qualität darstellen.
    Wenn das Gesundheitswesen sich an der (Ergebnis-) Qualität messen lassen soll, bedarf es sowohl für die entsprechende ergebnisorientierte Leistungsvergütung, für die Steuerung des Gesundheitswesens durch entsprechende Statistiken als auch für Investitionsentscheidungen etc. Informationen (Daten, Fakten), die die erreichten Qualitäten widerspiegeln. Insofern sind die erhobenen Daten aus dem Gesundheitswesen auf diese Anforderung hin zu überprüfen und ggf. neu zu bestimmen. [Also wird heute ins Blaue gesteuert. Denn solche Daten gibt es - von Ausnahmen wie der Mortalität abgesehen - praktisch noch nicht].
  23. Alle Daten sind so zu strukturieren, dass sie für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung nutzbar sind.
    Informationserhebungen zu Zwecken einrichtungsübergreifender Qualitätsvergleiche sind bekanntermaßen sehr ressourcenintensiv. Von daher sollen neue Datenerhebungen für Qualitätsmanagement oder Qualitätssicherung nicht gefordert werden, solange nutzbare Daten vorhanden sind. Bis zu einer Reorganisation des Datenmanagements sollten routinemäßig erhobene Daten vorrangig als Grundlage für die Qualitätsmessung herangezogen werden. Ein Mehr an Daten entspricht nicht dem Wunsch nach Reduzierung der administrativen Tätigkeiten in der gesundheitlichen Versorgung.
  24. Die dem Datenmanagement zugrunde liegenden Strukturen werden einheitlich und zentral koordiniert.
    Die Entwicklung eines solchen reorganisierten Datensystems entsteht nicht aus sich heraus, sondern bedarf einer einheitlichen und zentralen Koordination.
  25. Qualitätsforschung braucht ein wissenschaftliches Fundament.
    Die Forschungslandschaft in Deutschland (und schon seit geraumer Zeit international) nimmt sich zunehmend der Themen Qualität und Qualitätsmanagement an. Beispiele sind universitäre HTA- Einheiten, Leitlinienproduzenten oder die sich zunehmend etablierende Versorgungsforschung. Ein das Gesundheitswesen steuerndes Qualitätsmanagement bedarf einer solchen wissenschaftlichen Grundlage. Forschungsvorhaben zu Themen der Qualitätsorientierung und –verbesserung sind daher vordringlich zu fordern und zu fördern. [Man sollte hinzufügen: In Deutschland!]
  26. Qualitätsmanagementsysteme werden evaluiert.
    Ein umfassendes Qualitätsmanagement als Steuerungsgröße des Gesundheitswesens erfordert eine kontinuierliche Evaluation und Überprüfung. So zeigt die Vielfältigkeit der Zertifizierungssysteme im heutigen Gesundheitsmarkt, dass eine fundierte Bewertung geboten erscheint, um nicht falsche Systementscheidungen mit gravierenden finanziellen und demotivierenden Folgen zu treffen (Qualitätsmanagement des Qualitätsmanagements). [Nach dem Quatsch, der heute mit dem Begriff QMS betrieben wird, darf man die Evaluatoren zu ihrer segensreichen Tätigkeit nur beglückwünschen!].
  27. Die Methoden, Konzepte und Instrumente des QM benötigen eine wissenschaftliche Grundlage.
    Der Anspruch, ein sektoren- und berufsübergreifendes Qualitätsmanagementsystem zu etablieren macht es notwendig, bei der Entwicklung von Methoden, Konzepten und Instrumenten ein einheitliches Konzept und damit Verlässlichkeit zu garantieren. Dies bedarf ebenfalls eines wissenschaftlichen Fundaments. [Nachdem man damit im Rest der Welt schon lange erfolgreich arbeitet, kann eine solche Forderung nur als Ausrede verstanden werden, ein wirkliches, auf Ergebnisse zielendes Qualitätsmanagement weiter vor sich herzuschieben].
  28. Das Qualitätsverständnis der Gesundheitsprofessionen (z.B. von Ärzten, Pflegekräften) und der Bevölkerung wird genauer untersucht.
    Die geforderte Ergebnisorientierung des medizinischen Leistungsgeschehens kann sich nicht allein am ärztlich/ pflegerischen Selbstverständnis von „guter“ und „schlechter“ Qualität orientieren, sondern muss vorrangig die Patientenperspektive berücksichtigen. Das subjektive Gesundheitsgefühl des jeweiligen Patienten mag entscheidender für die persönliche und damit letztendlich handlungsleitende Bewertung des Ergebnisses sein als objektiv nachweisbare medizinische und pflegerische Erfolge. Hier eröffnet sich für die Einschätzung von Gesundheitsleistungen ein wichtiges Forschungsfeld in Bezug auf das Verständnis und die Bewertung von Qualität einerseits bei den Gesundheitsprofessionen und anderseits in der Bevölkerung bzw. in krankheitsspezifischen Patientenkollektiven. [So baut man sich gleich - wie auch an anderen Stellen - die "Notwendigkeit" von Forschungsmitteln in die Arbeitspapiere"!]

Insgesamt wirkt das GMK-Beschlußpapier, als ob das "Qualitätsmanagement" etwas sei, das es (mit zusätzlichem Geld) außerhalb und zusätzlich zur Routine zu organisieren gelte. In Wirklichkeit könnte ein wirklich professionelles QM dazu betragen, eine hohe Qualität für weniger Geld als heute zu sichern! Doch so weit denken in diesem Lande offensichtlich weder die Politiker noch die von ihnen berufenen "Qualitätswisenschaftler".

 

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* Ob es sich dabei um den Versuch einer Prognose oder um politische Ziele handelt, bleibt trotz des Beschlusses der GMK völlig offen.  (Vielleicht kennen die Autoren auch gar nicht den Unterschied)

** Kommentarloser Verweis auf das längst vorhandene amerikanische National Quality Measures Clearinghouse, http://www.qualitymeasures.ahrq.gov/