Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

280 - 13.03.2007 Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

The higher the goals, the better the management

(Harold Geneen)

Quelle: Quality Quotes)

 


01. Editorial: (Ärzteblatt) Krankenhausärzte und “Ökonomisierung”

Im Editorial zum hmanage Newsletter 264 konnten Sie lesen, was wir in Sachen G-DRGs an das Deutsche Ärzteblatt geschrieben haben. Anlass dazu war ein verquaster und ziemlich sinnentstellender Aufsatz in DÄ 46/2006 mit dem wundervollen Titel: „Auswirkungen der DRG-Einführung: Die ökonomische Logik wird zum Maß aller Dinge“.

 

Zur Erinnerung finden Sie anschließend noch einmal eine Kopie des Textes.  Jetzt ist immerhin ein Ausschnitt als Leserbrief, nämlich der nachstehend kursiv gedruckte Teil, in DÄ10/2007 veröffentlicht worden. Die diesmal fett gedruckten Teile des Textes wurden weggelassen. Angeblich aus Platzgründen. Hier noch einmal der gesamte Text: 

"Da scheint in Deutschland etwas gründlich missverstanden zu werden. Bei der Ausgestaltung der G-DRGs und bei deren Umsetzung im Krankenhaus.

Zur Ausgestaltung:

Erstens wurden DRGs als Fallpauschalen für einen im Durchschnitt vergleichbaren Leistungsumfang erdacht, um der Fehlsteuerung der Ertragsmaximierung mittels Verweildauerverlängerung Herr zu werden, wobei sich die Ärzte in der Tat in aller Ruhe ans Behandlungsergebnis ‚heranhangeln’ konnten. Und nicht als Festpreis, für den es möglichst wenig zu tun gilt, als welcher eine DRG hierzulande missverstanden zu werden scheint („blutige Entlassung“).

Zweitens sollten DRGs – anders als pauschale Tagessätze – dadurch mehr Verteilungsgerechtigkeit für die Krankenhäuser bringen, dass unterschiedliche Fallarten nach dem jeweils erforderlichen Aufwand bezahlt werden. Wer früher im Vergleich zu anderen zu viel Geld bekam, muß jetzt mit weniger Geld auskommen bei einer gleich bleibenden Gesamtsumme für die stationäre Versorgung.

Drittens sollten Fallpauschalen den administrativen Aufwand minimieren. In den USA hat sich deren Zahl seit der Einführung im Jahre 1983 daher mit um die 460 kaum verändert. In Deutschland hat man stattdessen immer mehr erlössteigernde Sondersachverhalte entdeckt (2007 allein schon an die 1.100 G-DRGs) – und damit immer mehr Verwaltungsaufwand, diese auseinander zu halten!

Zur Umsetzung:

Die G-DRGs sind – nach der Krankenhausrealität in Deutschland ermittelte – ‚Durchschnittspreise’. Im Vergleich zur früheren Krankenhausfinanzierung gibt es unter den Krankenhäusern also ‚Gewinner’ und ‚Verlierer’. Merkwürdigerweise hört und liest man nie etwas von den ‚Gewinnern’. Doch wenn viele Krankenhäuser mit ihren Pauschalen für vergleichbare Fallarten auskommen oder damit gar einen satten Gewinn machen, müssten auch die ‚Verlierer’ damit zurechtkommen. Wenn sie ihre bisherigen Gepflogenheiten, Prozesse und Strukturen wirklich änderten. 

Das scheint leider kaum zu geschehen. Zum einen betreiben viele Krankenhäuser eine ‚wundersame Geldvermehrung’, indem sie einfach den Leistungsumfang von G-DRGs kürzen. Darüber wissen Niedergelassene und Reha-Kliniken ein Lied zu singen. Zum anderen streichen vor allem die ‚Verlierer’ unter den Krankenhäusern Stellen, ohne den klinischen Betrieb darauf anzupassen (nachdem sie z.B. bei den ‚Gewinnern’ nachgesehen haben, was die denn anders machen).

Bei all dem bleibt nahezu völlig im Dunklen, welche Qualität die deutschen Krankenhäuser denn nun konkret bieten. Dass es gravierende Qualitätsunterschiede gibt, hat die BQS mittlerweile (schon bei den wenigen Vergleichen, auf die man sie bisher politisch beschränkt) aufs Eindrucksvollste nachweisen können – nur leider anonym. Von den 169 Qualitätszielen haben 2005 beispielsweise nur 21% das BQS-Qualitätsziel voll und 10% gar nicht erreicht. Vielleicht sind die teureren Krankenhäuser ja auch noch schlechter?

In Deutschland ist (im Unterschied zu den USA) sträflich unterblieben, mit der Umstellung auf DRGs auch deren Qualität und Mindestleistungsumfang festzuschreiben und Kontrollmechanismen dafür einzuführen. Was heute an hanebüchenen innerklinischen Entwicklungen ‚hochkocht’, hat mit dem Ansatz der DRGs kaum und mit zu wenig Geld schon gar nichts zu tun. Eher mit einem hilflosen Umgang mit notwendigen Veränderungen in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen insgesamt.

Dazu muß in den Institutionen des drittteuersten Gesundheitswesens der Welt auch keineswegs an der Humanität ‚gespart’ werden. Nicht bei den Patienten und nicht bei den dort Tätigen. Auch nicht an deren Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schon die Vorstellung wäre schrecklich. Ein anderes Vorgehen bedürfte allerdings eines aktiven Gestaltens künftiger patientenzentrierter Organisationsformen (KAIZEN, Lean, TPS etc.) mit den, durch die und nicht gegen die dort tätigen Ärzte! Davon ist allerdings leider hierzulande im Vergleich zu internationaler ‚Best Practice’ im Management von Gesundheitsunternehmen bisher noch kaum etwas zu entdecken“.

 

Zum gleichen Thema finden sich im DÄ 10/2007 dort zwei weitere Leserbriefe. Der eine ("Krankenhäuser: Fürsorge und Profit") zitiert – ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen – Bernhard Lown (siehe dazu unsere positive Besprechung im hmanage Newsletter 270) und haut – wen wundert’s - auf den „politischen Entscheidungsträger(n) und manchen sogenannten Experten“ herum  Der andere ("Krankenhäuser: Strukturwandel verpasst") bleibt sachlich und fordert zur Entlastung der Ärzte eigene Codierer (problematisch, weil zusätzliches Geld kostend) sowie (erfreulich und nur zu unterstützen) „die Einrichtung von Patientenpfaden“.

Die Kürzung unseres Textes scheint – freundlich ausgedrückt – reichlich willkürlich zu sein. Damit werden Informationen zur wirklichen Begründung der DRGs ebenso vorenthalten wie Hinweise auf eine Lösung, welche die angeprangerte "Ökonomisierung" sicher vermeiden würde. Deshalb die Quintessenz des ursprünglich Gemeinten noch einmal ganz deutlich (neuer Text):

  • Die DRGs müssten heutzutage – alles in allem - ohne weiteres auskömmlich sein. Die „Privaten“ verdienen jedenfalls durchweg offensichtlich gut daran, ohne dass ihnen bisher irgendjemand hätte nachweisen können, dass dort schlechter gearbeitet wird. 
  • Die Finanzierung mittels DRGs zwingt allerdings dazu, die gesamte arbeitsteilige Ablauf- und Aufbauorganisation der stationären Behandlung grundlegend zu überdenken. Das scheint bisher praktisch überall sträflich unterlassen worden zu sein. 
  • Das größte Hindernis für eine wirklich medizinisch und ökonomisch effektivere und zugleich patientenfreundlichere Krankenbehandlung ist ein standespolitisches Denken, das nicht etwa die Patienten, sondern die eigene werte Persönlichkeit in den Mittelpunkt jeglichen Handelns stellt.
  •  Da deutsche Ärzte die Menschheit großenteils nach wie vor in „Kollegen“ und „Laien“ (für alles) unterscheiden, bilden sie sich auch noch ein, sie seien die besseren Organisatoren des Klinischen Betriebs. So sieht er denn auch aus: Wie ein – mehr oder weniger löcheriger – Flickenteppich!
  • Damit verursachen überwiegend Ärzte – zwar in der Regel andere, als jene, welche die Konsequenzen auszubaden haben, aber eben Ärzte mit der unsinnigen Ausdifferenzierung der Abrechnungsmöglichkeiten die zusätzliche Arbeit und den zu Recht beklagten Papierkrieg. 
  • Das Problem wird sich nur lösen lassen, wenn die Verantwortlichen der einzelnen Organisation sich dazu aufraffen würden, die gesamte stationäre Versorgung in ihrem Hause im Sinne der von Deutschen Ärzteblatt wohlweislich nicht gedruckten Ausführungen neu zu ordnen.


02. (AHA) Patientenorientierte IT-Lösung am Krankenbett

AHA Solutions endorses bedside communications system

AHA Solutions has endorsed the GetWellNetwork PatientLife System, which allows patients to access information ...

Anmerkung:
Wenn Sie an einer wirklichen Patientenorientierung interessiert sind, brauchen Sie eine zeitnahe, echte Rückkopplung. Dazu sollten Sie sich einmal als Anregung ansehen, was sich hinter dem Link verbirgt!

 


03. (AHA) Zunehmender IT-Einsatz in US-Krankenhäusern

IT use in hospitals continues to grow, AHA survey finds

Hospitals continue to accelerate their use of health information technology, with 68% reporting that electronic health records had been fully or partially implemented as of fall 2006, ... survey ...


04. (ASQ Global Community) Kurze Übersicht über die Qualität in Europa

A Brief Overview of Quality in Europe

With 25 countries—each with its own culture, values, business practices and organizations—it’s no wonder the European Union (EU) looks to quality practices and tools for the union as a whole...

...Mehr

 


05. (Most Wired) Profitorientierung hat auch sein Gutes

The Power of Profit

If the wired future is replete with widespread commercialization, will patients suffer? Not if it means electronic records became a reality. Here’s an only slightly whimsical look at a profit-driven health care IT future...

Mehr


06. (NYT) Probleme der Hauskrankenpflege in den USA

New Options (and Risks) in Home Care for Elderly...

Mehr 


07. Lesefrucht: Friedrich Merz zur Gesundheitsreform

"Die Gesundheitsreform und ihr Zustandekommen waren ein besonders augenfälliges Beispiel für eine Machtverschiebung vom Parlament hin zur Regierung, die mit den Regeln einer parlamentarischen Demokratie nur noch schwerlich in   Übereinstimmung   zu   bringen   ist. Außer einigen wenigen  Fachpolitikern haben die allermeisten Abgeordneten bei der Abstimmung über die Gesundheitsreform nicht gewusst, worüber sie abstimmen, noch konnten sie es jemals in Erfahrung bringen...".

 

Quelle: Cicero 3/2007

Siehe auch:  http://www.friedrich-merz.de/startseite.asp


08. Links

Veranstaltungshinweis: Die A3CP SUMMERSCHOOL in Österreich am Attersee

FTD-Bericht zum unter 09. besprochenen Werk mit einigen nützlichen Grafiken (anklicken!) 

http://www.aezq.de/  Das ÄZQ – Kompetenzzentrum von BÄK und KBV für Leitlinien, Patienteninformation, Patientensicherheit und ärztliches Qualitätsmanagement

www.ahrq.gov/data/hcup/factbk9/ Ambulatory Surgery in U.S. Hospitals, 2003

http://www.mezis.de/  Mezis e.V. - Initiative unbestechlicher Ärzte und Ärztinnen (Das soll es geben!)

http://www.ecin.de/news/2007/03/01/10475/  Wo bitte geht’s zum Hotspot?

Der große Ärzte-Check: http://www.machen-sie-sich-schlau.de/stern.html   (Sehr nützlich!)

Hospital Compare - A quality tool for adults, including people with Medicare

Die 12 goldenen Regeln des Meetings

Leitlinien zu Patientenorientierten Ergebnissen in klinischen Studien

FDA, die amerikanische Zulassungsbehörde (Food and Drug Administration) hat Entwurf zu Leitlinien herausgegeben, die sich auf die Berücksichtigung von Patientenbezogenen Ergebnissen in klinischen Studien beziehen: 

http://www.ahrq.gov/qual/10tips.htm  10 Patient Safety Tips for Hospitals

Noch ein Zertifikat:

qu.int.as® - Qualitätsmanagement mit integriertem Arbeitsschutz

ASQ-Text: Move from Product to Customer Centric

Alternative Budgetierungsformen im Krankenhaus In Deutschland erfundene nglischsprachige Etiketten Aussagen zweifelhaften Nutzens "adeln" als Wissenschaft.

http://www.ihie.com/  IHIE: "Better information makes patients better"

www.fda.gov/cder/guidance/5460dft.pdf


09. Buchbesprechung

Book Review

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Augurzky, B., Engel, D., Krolop, S., Schmidt, Ch. M., Schmitz, H., Schwierz, Ch., Terkatz, S., Krankenhaus Rating Report, Die Spreu trennt sich vom Weizen, RWI : Materialien, Heft 32, Executive Summary, Essen 2007, ISSN 1612-3573, ISBN 978-3-936454-87-1, Download  

 

Im Jahre 2006 hat das RWI den ersten Krankenhaus Rating Report zur wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser unters Volk gebracht. Aus der Stichprobe hochgerechnet konnte man – bezogen auf bestimmte Szenarien – die absehbaren Veränderungen der Kreditwürdigkeit von Krankenhäusern bis 2010 ablesen. Besonders gern zitiert wurde die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns. Im neuen Bericht steht aussagegemäß noch mehr drin (z.B. angesichts der allgemeinen Zugeknöpftheit erstaunliche 382 aktuelle Jahresabschlüsse für 593 Krankenhäuser). Aussagegemäß, denn wir haben nur die kostenlose Executive Summary studiert; das Ganze kostet immerhin jedes Mal 260 €!

Diesmal beträgt die Stichprobe ~600 Krankenhäuser. Erstmals werden auch die Qualitätsberichte für 2004 ausgewertet. Der RWI-Kommentar: „auch wenn der Informationsgehalt der Qualitätsberichte derzeit noch gering ist“. Man traut sich nun sogar an einen Prognosehorizont von 2010 bis 2020, spielt für diesen verschiedene „Gegenmaßnahmen zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation” durch und bricht das Ganze sogar regional herunter. Dabei scheint man wieder einmal das Wort „Benchmarks” falsch zu verwenden, nämlich für Betriebsvergleiche. Leider (für den Leser) ist das Ganze wieder einmal anonymisiert.

Hier eine Zusammenfassung der Gliederung (Kurzerläuterungen, wo sinnvoll, in Klammern):

 

Vorwort

Executive Summary (besprochen) 

1 Einleitung

2 Der Krankenhausmarkt (1995 bis heute)

   Vergangenheit / Status quo / Prognosen   Medizinische Leistungsseite, 
   „Dualistik“, Zahl der Fälle, Verweildauer, Bettenbedarf

3 Rating der Krankenhäuser   Vergangenheit / Status quo / Prognosen
   (Planbilanzen, Plan-Gewinn-und Verlustrechnungen)   unter Berücksichtigung
   von Personalkosten, Kreditkosten   (umfangreichster Teil)

4 Benchmarks (?)

5 Schlussfolgerungen (sinngemäß):

  • Krankenhäuser heben bereits Effizienzreserven (bei der Behandlung wohl kaum sehr systematisch)
  • Weitere Bereinigung des Krankenhausmarkts schafft Freiräume (Konkurrenz fällt weg)
  • Entfesselung der Gesundheitswirtschaft (?)
  • Bundeskonvergenz oder Freigabe der Preise? (Wohl beides nicht!)
  • Verschmelzung der Sektoren kann Effizienzpotenziale heben (Das kann man wohl sagen!)
  • Neue Wege der Investitionsfinanzierung

Anhang:Methodenerläuterung

 

Der Bericht ortet – wen wundert’s – angesichts gesetzlicher Zusatzbelastungen für die Krankenhäuser „neue wirtschaftliche Risiken“: Das hatte die DKG auch schon vorgerechnet („Kliniken in Not“). Er geht – plausibel – auf folgende Einflussgrößen ein:

  • DRG-Konvergenz 
  • Fallzahlveränderung als Folge der demographischen Entwicklung
  • medizinisch-technischer Fortschritt (Das können wohl nur Spekulationen sein)
  • Zuwachs im Anteil ambulant durchgeführter Operationen (längst überfällig)
  • Verweildauerentwicklung auf Fachabteilungsebene
  • Rückgang der öffentlichen Fördermittel.

Originalzitat: „Wir stellen insgesamt fest, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser recht heterogen ist“, wobei sich immerhin 19% der Krankenhäuser im gefährdeten Bereich befinden. Nicht sehr überzeugend ist die Begründung für diesen Satz: „In den letzten Jahren scheinen die Krankenhäuser insgesamt ihre wirtschaftliche Situation verbessert zu haben“. Dort steht nämlich: „Es deutet sich an, dass Optimierungsmaßnahmen der Aufbau- und Ablauforganisation in den Häusern zu wirken beginnen. Kliniken verhalten sich also keineswegs passiv, sondern ein erheblicher Teil von ihnen geht seine Probleme an und löst sie“. Dadurch, dass man etliche Mitarbeiter mit unbezahlten Überstunden ausbeutet oder mit Einkommenskürzungen zur Kasse bittet? Durch Stellenstreichungen und „Sparmaßnahmen“ ähnlicher Qualität? Durch ein Kassieren der vollen Fallpauschale und ein vorzeitiges Entlassen der Patienten? Was das Optimieren angeht, scheint – alles in allem – eher Skepsis angebracht. Bisher spricht auch nichts dafür, dass sich die Art des „Sparens“ unter vermehrtem wirtschaftlichem Druck so bald grundlegend ändern wird: „Krankenhäuser werden allerdings aller Voraussicht nach aktiv gegensteuern“. Aber wie?

 

Interessant ist diese Beobachtung: „Krankenhäuser, die derzeit noch einen hohen Basisfallwert besitzen, befinden sich in einer signifikant besseren wirtschaftlichen Ausgangssituation als jene mit geringem Basisfallwert. Die DRG-Konvergenz wird dieses Muster jedoch in sein Gegenteil verkehren“.

 

Ein durchaus plausibles Warnsignal: „Trotz einer erwarteten Ausweitung der Behandlungsfälle um 18% steigen bis 2020 unseres Erachtens allerdings die Überkapazitäten (durch demographische und medizinisch-technische Entwicklung) auf 30% bis 35%. Grund hierfür dürften die weitere Verweildauerreduktion (von derzeit 8,7 auf 6,1 Tage) und verstärktes ambulantes Operieren sein”. Das scheint eher vorsichtig geschätzt zu sein!

Gleichwohl stimmt natürlich: „Ein Markt mit erheblichen zu erwartenden Überkapazitäten und teilweise unwirtschaftlich agierenden Teilnehmern steht vor großen Herausforderungen“. Und: „Würden ineffiziente Kliniken vom Markt verschwinden, würde dies auch den profitableren Kliniken zugute kommen. Die verbliebenen Häuser würden von der zusätzlichen Patientennachfrage profitieren, so dass eine bessere Auslastung der Kapazitäten erreicht werden könnte. In einem friktionslos operierenden und transparenten Markt geschieht dies von alleine. In einem regulierten und traditionell nicht auf Effizienz ausgerichteten Markt wie dem Krankenhaussektor müssen die politischen Entscheidungsträger mehr denn je den Mut dazu finden, mehr marktwirtschaftliche Elemente im Krankenhaussektor zuzulassen”.

Auch das ist sicher richtig: “Von einer solchen Marktbereinigung bis 2020 wären nach unseren Berechnungen wohl überproportional viele große, öffentlich-rechtliche und akademische Lehrkrankenhäuser betroffen. Vermutlich werden diese nur in den seltensten Fällen komplett geschlossen. Ein Teil dürfte privatisiert werden, manche dürften sich verkleinern und spezialisieren“.

 

Die Annahmen zur Entwicklung der Trägerschäft sowie der DRGs erscheinen uns höchst spekulativ. Der Trend zur Privatisierung kann sich – siehe USA – sehr wohl einmal umkehren. Und dass es bis 2020 noch G-DRGs geben wird, ist ziemlich unwahrscheinlich. Auch die weiteren RKI-Empfehlungen für einen vermeintlich stärkeren Wettbewerb erscheinen uns viel zu dirigistisch zu sein. Viele Empfehlungen für die Politik kleben uns auch viel zu stark an dem Unsinn, den die gerade mit ihrem neuen gesetzlichen Machwerk mit dem unschönen Namen „GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG)“ angerichtet hat.

Voll unterschreiben können wir wiederum diesen Satz: „Aus unserer Sicht müssen auf der Leistungsseite deutlich größere Reformanstrengungen unternommen werden“. Sehr wahr!

Um die RWI-Grundempfehlungen für ein „Mehrklassensystem“ für das ganze Gesundheitssystem wird – so oder so ähnlich – auf die Dauer kaum jemand herumkommen:

  • Verschmelzen des ambulanten und stationären Sektors 
  • Mehr Freiheiten für den Beitragszahler
  • Die Pflichtversicherung einer Basisversorgung für die gesamte Bevölkerung
  • Ein völlig freier Markt für private Zusatzversicherungen

Originalton: „Das mag zwar angesichts der gängigen politischen Rhetorik dem Bürger schwer zu erklären sein, denn lange hat man ihn in dem Glauben belassen, ein nicht nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten organisiertes Gesundheitssystem könne eine einheitliche Behandlung aller garantieren, unabhängig von ihrem Einkommen und ihrer Zahlungsbereitschaft. Dies ist jedoch nichts anderes als eine Illusion“. Sehr wahr! 

Für unseren Geschmack klebt das Ganze zwar viel zu sehr an den aktuellen Gegebenheiten. Die als absehbar vorgestellten Änderungen hat man schon oft gehört. Was wäre beispielsweise, wenn … 

  • …die Möglichkeiten der Medizin sich rascher grundlegend verändern?
  • …man auch in Deutschland endlich auf die Idee käme, die Art der Krankenbehandlung neu zu denken?

Gleichwohl dürfte die gesamte Arbeit für all jene, die sich mit der Bewertung und Finanzierung im Krankenhaussektor befassen, eine vorzügliche Informationsquelle zur Faktenlage sein (+++).

Ergänzung: FTD-Bericht zum besprochenen Werk mit einigen nützlichen Grafiken (anklicken!) 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

 

(Ärztezeitung) „Druck auf unsaubere Kliniken in Irland steigt“ 

Krankenhäuser müssen Infektionszahlen veröffentlichenIn Irland steigt die Zahl der nosokomialen Infektionen seit Jahren - Ärzte und Patienten sind besorgt. Kürzlich kündigte das Dubliner Gesundheitsministerium neue Maßnahmen an, um den Trend umzukehren. So werden staatliche irische Krankenhäuser verpflichtet, regelmäßig aktuelle Infektionszahlen zu veröffentlichen. …

 

Mehr

 

Und wie steht es in diesem Punkt in Deutschland? Dazu einige Zitate aus dem Internet: 

„Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) – Surveillance von nosokomialen Infektionen. Die systematische Erfassung, Analyse und Bewertung von Infektionsdaten (Surveillance von nosokomialen Infektionen) dient der Planung von Maßnahmen zur Senkung der Infektionsrate im Krankenhaus. Nach Inkrafttreten des aktuellen Infektionsschutzgesetzes (IfSG) vom 01.01.2001 werden lt. § 23 die Leiter von Krankenhäusern und Einrichtungen verpflichtet, nosokomiale Infektionen kontinuierlich aufzuzeichnen und zu bewerten. Ziel des Gesetzgebers war es, mit diesem Vorgehen die Erfassung von nosokomialen Infektionen stärker in den jeweiligen Einrichtungen zu verbessern und damit das interne Qualitätsmanagement im Hinblick auf die Infektionsprävention zu befördern. 

 

Im Jahre 1996 wurde durch das nationale Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) mit dem Aufbau eines Surveillance-Systems begonnen. Dieses Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) ist zur Zeit in sechs Modulen etabliert (ITS-Kiss, DEVICE-KISS, NEO-KISS, ONKO-KISS, OP-KISS und AMBU-KISS) und wird von über 300 Krankenhäusern genutzt. In der Ausgabe „das Krankenhaus“ vom Februar 2005 wurde umfassend über den aktuellen Stand des KISS informiert. Vorteile im Rahmen einer Teilnahme am KISS manifestieren sich nicht nur in rückläufigen Raten von nosokomialen Infektionen, sondern insbesondere in den damit verbundenen Einsparungen u.a. bei den Medikamenten. Von Seiten der Autoren wird hervorgehoben, dass die zuvor genannten  Einspareffekte sich bereits im zweiten Jahr der Teilnahme einstellen. Weiterführende Informationen insbesondere zu Beratung, Schulung, Fort- und Weiterbildung zur Surveillance von nosokomialen Infektionen, der Interpretation der Surveillance-Daten und den gemachten Erfahrungen vor Ort finden sich im oben genannten Artikel sowie auf der Homepage des NRZ unter www.nrz-hygiene.de.

 

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung bewertet KISS als ein herausragendes System zur systematischen Bearbeitung dieser Fragestellung. Auf Basis der Beratungen innerhalb der DKG-Gremien unterstützt die Geschäftsstelle eine flächendeckende Anwendung dieses Verfahrens“. Link.

“Krankenhausinfektionen, d. h. Infektionen, die bei einem Patienten während eines Aufenthalts einer Einrichtung des Gesundheitswesens erworben wurden, treten in Deutschland mit einer Häufigkeit von 3 bis 10 % auf. In den letzten Jahren wurde nicht zuletzt bedingt durch die bessere Surveillance eine Zunahme nosokomialer Infektionen verzeichnet”. (http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/1183.htm).

 

“In Deutschland wurden im Jahr 1999 über 16 Millionen Patienten in 2.252 Krankenhäusern stationär behandelt. Wie viele Patienten heute noch in Deutschland von nosokomialen Infektionen betroffen sind, kann nur geschätzt werden. Bisher wurde in drei großen Studien versucht, den Umfang des Problems zu quantifizieren. Eine prospektive Inzidenzstudie, die im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft durchgeführt wurde, ermittelte für das Jahr 1987, dass 5,7% bzw. 6,3% (je nach verwendeter Definition für nosokomiale Infektionen) der stationär im Krankenhaus behandelten Patienten eine nosokomiale Infektion entwickeln. Diese Untersuchung schloss jedoch nur Krankenhäuser der alten Bundesländer ein. Vor einigen Jahren bestanden jedoch durchaus noch Unterschiede in der Häufigkeit nosokomialer Infektionen zwischen Krankenhäusern in den alten und den neuen Bundesländern.

 

Eine repräsentative Untersuchung in Deutschland zur Häufigkeit und Verteilung nosokomialer Infektionen aus dem Jahr 1994 ergab, dass 3,5% der untersuchten Patienten eine nosokomiale Infektion hatten. In Krankenhäusern der neuen Länder traten im Vergleich zu den alten Bundesländern 25% weniger nosokomiale Infektionen auf. Diese erhöhte Gefährdung durch nosokomiale Infektionen in den alten Bundesländern korreliert mit einer häufigeren Anwendung invasiver Verfahren, die als die wichtigsten Risikofaktoren für Infektionen im Krankenhaus gelten. Hierzu zählen insbesondere zentrale Gefäßkatheter (ZVK), Harnwegkatheter (HWK) und die maschinelle Beatmung. Die bessere Ausstattung mit Materialien und Mitteln dürfte inzwischen zu einer Angleichung der Anwendungshäufigkeiten dieser Risikofaktoren und damit zu einem Anstieg der Infektionsraten in den ostdeutschen Krankenhäusern geführt haben. In einer weiteren Studie in zwölf Krankenhäusern in Berlin und im Raum Freiburg aus den Jahren 1995 bis 1998 zur Inzidenz nosokomialer Infektionen wurde eine Häufigkeit von 6,3% (Patienten mit nosokomialer Infektion pro 100 Patienten) ermittelt. In dieser Untersuchung wurden die durch nosokomiale Infektionen besonders gefährdeten chirurgischen Patienten und Patientinnen auf Intensivstationen beobachtet (nosokomiale Infektionen sind – im Vergleich zu Normalpflegestationen – auf Intensivstationen etwa 5 mal häufiger anzutreffen). Eine ähnliche Häufigkeit wie in Deutschland wurde in den USA gefunden (5,7 nosokomiale Infektionen pro 100 Patienten). Geht man von einer Mindestinfektionsrate von 5% aus, bedeutet dies bei einer Patientenzahl von 16 Mio., dass jährlich etwa 800.000 Patienten in Deutschland von nosokomialen Infektionen betroffen sind“. (http://www.elfenbeinturm.net/archiv/2002a/sitt.html)

 

Mittlerweile gibt es nicht nur eine Gesetzgebung zum Thema, sondern auch ein „Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen“ incl. MSRA und vielerlei Aktivitäten. Das Referenzzentrum veröffentlicht allerlei, aber leider nicht – zumindest nicht ohne weiteres erkennbar – wie es heute mit Nosokomialen Infektionen in Deutschland steht (http://www.nrz-hygiene.de/index1.htm ). Da helfen auch keine Referenzzahlen: http://www.nrz-hygiene.de/dwnld/referenz_its_.pdf .

 

Den interessierten Zeitgenossen würde viel mehr freuen, aus dem Wust der Verlautbarungen auch herausfinden zu können, wie es mit der Situation in deutschen Krankenhäusern – Sind wir z.B. sauberer oder unsauberer als die Leute in Irland? – wirklich steht. Denn „Nosokomiale, das heißt im Krankenhaus erworbene Infektionen werden in der Öffentlichkeit inzwischen stärker als Problem wahrgenommen“ (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikeldruck.asp?id=47797). Doch klarer Wein über die tatsächliche Qualität im Gesundheitswesen wird uns hierzulande nicht eingegossen. Oder gar im Krankenhaus nebenan, das ich leider nächstens aufsuchen muß. An einer wirklichen Transparenz scheint auf der Leistungserbringerseite offensichtlich kein ernsthaftes Interesse zu bestehen. Stattdessen wird das Ganze auch noch mit sinnlosen „Qualitätsberichten“ und Zertifikaten eingenebelt. Und merkwürdigerweise läßt man sich das auch trotz immer höherer Krankenkassenbeiträge immer noch ohne größeres Murren gefallen. – Armes Deutschland!

Es geht weiter: (Ärztezeitung) "Klinikärzte in Irland warnen vor Hygienemängeln". Bei sich selbst?