Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

279 - 06.03.2007 Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

Quality depends on good data. It also depends on executive leadership in using that data

(Juran Institute)

Quelle: Quality Quotes

http://www.hmanage.net/


01. Editorial: Die Weiterentwicklung der Medizin bezahlbar halten. Durch Produktivitätssteigerungen!

"Only the Slave has needs; the free man has demands" (Kennth Boulding) – Quelle: Sylvester E. Berki, Hospital Economics, 1972

  

Eine Lektüre in diesen Tagen: Der Spiegel-Text von Michael de Ridder und Wolfgang Dissmann aus Heft 29/1999 mit dem Titel „Alptraum Medizin“ (http://service.spiegel.de/digas/servlet/find). Dort finden sich eindrucksvolle Beispiele nützlicher medizinischer Innovationen. „Die beiden Ärzte“ – ist zu lesen – „halten die Rationierung medizinischer Leistungen (angesichts der medizinischen und demografischen Entwicklung) für unausweichlich, wenn weiterhin Milliarden für sinnlose Diagnostik und Therapie verpulvert werden und die Kurzsichtigkeit der Gesundheitspolitik fortbesteht“. Sie schreiben: 

„… Schon derzeit (1999) ist die Situation höchst angespannt. Ein unübersehbares, stetig wachsendes Angebot ungeprüfter, überflüssiger oder wirkungsloser Arzneimittel widersteht jeder angemessenen Beschneidung. Eine kaum quantifizierbare Flut nicht indizierter, besonders medizintechnisch-diagnostischer Leistungen kommt allein ihren Anbietern zugute, nicht den Patienten. Mehrfachunter­suchungen unterliegen keiner Kontrolle. Aufwendige Interventionen ohne irgendeinen Gewinn am Lebensende eines Patienten - vielfach sogar zu seinem Nachteil - sind medizinischer Alltag…“.

Der prozentuale Anteil an Überflüssigem oder Sinnlosem an den Gesundheitsausgaben ist zwar unbekannt, aber keineswegs niedrig. Die Autoren schätzen ihn auf mindestens 30%. Rechnet man noch den Schwund aus mangelnder Effektivität dazu, aus mangelnder Effektivität innerhalb (vor allem des klinischen Betriebs) der Krankenhäuser oder gar im Zusammenspiel der verschiedenen Leistungserbringer (also z.B. der Zuweiser und der Krankenhäuser), beginnt man zu ahnen, wofür die Beiträge zur Krankenversicherung bei uns so hoch zu sein scheinen: Zum Anwärmen der Luft! Und in der Zwischenzeit ist auch nichts geschehen, diesen Zustand ernsthaft zu verändern.

Die Autoren machen auf einen gleichzeitig bestehenden Mangel aufmerksam: „Auf der anderen Seite werden Gesundheitsleistungen oft ausgerechnet dort eingeschränkt, wo sie unverzichtbar sind. Zum Beispiel: Nur fünf Prozent aller Tumorpatienten werden nach dem neuesten Stand des medizinischen Wissens versorgt; von den 550000 Patienten in Deutschland, die stark wirksame Opiate benötigen, erhalten nur 3,6 Prozent die erforderliche Therapie. 75 Prozent aller Herzinfarktpatienten werden Cholesterinsenker vorenthalten…“. Dennoch – kritisieren sie – werden „Ärzteschaft und Politik … nicht müde zu beteuern, die deutsche Medizin sei die leistungsfähigste der Welt“. Ihr vernichtendes Urteil:

„Unzureichendes Wissen, mangelhaftes Qualitätsbewußtsein, unvertretbares Gewinnstreben - eingebettet in die schleichende Erosion ethischer Prinzipien - sind die Ursachen dieser Misere. ... Wer fragt schon nach der Güte der Indikationsstellung?“ Stattdessen verschlingen umfängliche Prüfungen des MDK und ein – korrespondierend damit – ausuferndes (angesichts gründlich missverstandener deutscher DRGs aber unausweichliches) „Medizinisches Controlling“ und ein die (Ergebnis-)Qualität eher weiter einnebelndes „Qualitätsmanagement“ zu Lasten der Patienten immer mehr Geld.

Das Ganze wird auch noch als etwas Unausweichliches empfunden. Selbst kluge Menschen (wie der Statistiker Walter Krämer) rechnen uns zudem ungerührt vor, die Wünsche an die Medizin seien eben unbegrenzt. Da ist etwas dran, besonders wenn sie sich nur noch an einen Hoffnungs-Strohhalm klammern. Das greifen jene (wie der Nationale Ethikrat) gern auf, die eine Rationierung für unausweichlich halten. Auch die könnte irgendwann nötig sein. Doch bis dahin sollten wir uns als Gesellschaft und als dort Verantwortliche erst einmal bemühen,

  • Krankheitsarten und ihre Behandlungsalternativen eindeutig zu beschreiben
  • Wirkungsloses und Behandlungen ohne erkennbaren Nutzen als solche zu identifizieren
  • das an Ergebnissen Machbare in Nötiges („Need“) und Wünschenswertes („Nice“) zu trennen
  • das Ganze – auch für „Laien“ verständlich – transparent zu machen
  • erst dann und daraus (und nur daraus) einen neuen GKV-Leistungskatalog abzuleiten
  • Mindesterfordernisse der Verfügbarkeit / Erreichbarkeit der Behandlungen vorzugeben
  • die künftige Leistungserbringung unter den möglichen Anbietern auszuschreiben
  • dem entgegen stehende Besitzstände zu schleifen – und sei es mit Entschädigung

 

Dass derart naiven Vorstellungen des Wünschbaren im hiesigen Gesundheitswesen übermächtige (Geld-)Interessen entgegenstehen, ist bekannt. Das sollte allerdings noch lange kein Grund für die Politik und / oder die für die Leistungserbringung Verantwortlichen sein, überfällige Entscheidungen weiter vor sich herzuschieben, die das deutsche Gesundheitswesen (bzw. seine Einrichtungen) endlich zukunftssicher machen könnten. Ihr Tiefschlaf muß endlich gestört werden!

Neben der – von den Autoren geforderten – massiven Investitionen in die biomedizinischen Wissenschaften sowie Nutzung des „seit langem bekannte(n) Wissen(s) …, dass Krankheit mit einer Fülle von sozioökonomischen Faktoren in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zusammenhängt“, geht es um eine Konzentration aufs tatsächlich Nötige und Nützliche:

„Die Prämisse ‚Mehr Medizin gleich mehr Gesundheit’ ist falsch. Vielmehr besagen die günstigsten Schätzungen, dass die Leistungen der Medizin mit nicht mehr als zehn Prozent in die Indizes eingehen, mit denen Gesundheit „gemessen" wird: Kindersterblichkeit, Lebensqualität (gemessen in Krankheitstagen) und Lebenserwartung (Mortalität). Die übrigen 90 Prozent betreffen Faktoren wie individuellen Lebensstil (zum Beispiel Lebenszufriedenheit, Ernährungsgewohnheiten, Rauchen, Bewegung), soziale Bedingungen (zum Beispiel Ausbildung, Einkommen, Arbeitsbelastung), Umweltbedingungen (zum Beispiel Luft- und Wasserqualität) und die genetische Ausstattung des einzelnen …“. Hier gilt es zusätzlich anzusetzen. („…könnte … der vielbeschworene ‚mündige Patient’ Wirklichkeit werden“). Alles schön und gut. Zunächst einmal sind allerdings die Verantwortlichen selbst gefordert, die Produktivität ihrer Gesundheitsinstitutionen (und damit die Gestehungskosten je Fallart bei einer endlich nachweisbaren Ergebnisqualität der Behandlung durch das Umorganisieren im Inneren und im externen Zusammenspiel endlich massiv zu steigern:

  • Durch eine patienten- / ergebnisbezogene regionale Organisation der Behandlung
  • Durch eine Aufgabe der „Gemischtwarenläden“ und eine strategische Schwerpunktbildung
  • Durch ein Herausarbeiten des besten Wegs zum jeweils möglichen Behandlungsergebnis
  • Durch eine kontinuierliche weitere Verbesserung der Organisation der Krankenbehandlung

 

Die Industrialisierung erfolgte schon im 19. Jahrhundert. Davor hat man dort so gearbeitet, wie man sich das zu Lasten der Patienten in der Krankenbehandlung – ständestaatlich geprägt – noch heute leistet. Heute setzt man dort im globalen Wettbewerb zunehmend auf einen strikten Customer Focus. Doch woher soll eigentlich die plötzliche Erkenntnis kommen, dass so etwas nicht nur möglich, sondern zwingend geboten ist? Schon Berki zitierte 1972 vergeblich Lewis Carrolls Alice im Wunderland: "’Would you tell me, please, which way I ought to go from here?’ – ‘That depends a good deal on where you want to get to’, said the Cat. ‘I don't much care where –‘ said Alice. – ‘Then it doesn't matter which way you go,’ said the Cat”. Oder sollen wir immer noch nicht resignieren?

 


02. (Joint Commission) Test realisierter Qualitätsmessungen für die Pflege

The Joint Commission Awarded Robert Wood Johnson Foundation Grant to Test Nursing-Focused Quality of Care Measures

The Joint Commission will begin a comprehensive test of nursing-focused performance measures to determine whether they can be used nationally to identify opportunities to improve the quality of patient care provided by nurses.  The project is being funded by a grant from the Robert Wood Johnson Foundation...


03. (H&HN) Komplexe Probleme gliedernd lösen

Thinking Clearly about Complex Issues

Diagrams or tables help leaders break down problems into smaller pieces, allowing them to more readily understand the issues...

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04. (Premier) FMEA: Anwendung für höhere Medikamentensicherheit

ISMP targets anticoagulation safety with FMEA tool...

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05. (ASQ) Ärztliche Bezahlung: Mehr Anreize zur Produktivitätssteigerung als zu mehr Qualität

Study: Physician Compensation Tied More to Productivity Than Quality

... results of a national study released by the Center for Studying Health System Change (HSC)


06. (H&HN) Ärzte für Qualitätsverbesserungen interessieren

Engaging Physicians in Quality Improvements

Eight key strategies help motivate physicians to take part in quality initiatives...

http://www.hhnmag.com/hhnmag_app/jsp/articledisplay.jsp?dcrpath=HHNMAG 

 


07. (mm) Die Deutschen und der Tunnelblick

International Executive Panel

Sind unsere Entscheider Fachidioten? .t. manager-magazin.de präsentiert die Kernergebnisse...

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08. Links

Veranstaltungshinweis: Die A3CP SUMMERSCHOOL in Österreich am Attersee

FDA: Unpredictable Events in Medical Equipment due to New Daylight Savings Time Change

Measuring Value (2006 Mot Wired Hospitals)

(Fast) Keine Qualitätsinformationen – softwaregestützt!

Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 - 2004

http://www.engagement-macht-stark.de/ Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement

EFQM NEWSLETTER - MARCH 2007

"Wertvolle Gesetze und Richtlinien für das MDK-Prüfungsverfahren im Krankenhaus"

(hr) Patienten in Gefahr. Krankenhäuser entlassen zu früh

The AHRQ Quality Indicators in 2007

(NYT) Most Support U.S. Guarantee of Health Care

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=27684 “Neues Online-Portal: Patienten bewerten Ärzte“ – Mit Bearbeitung

http://www.aerztezeitung.de/docs/2007/03/02/040a0501.asp "Zweifel an unabhängiger Patientenberatung"

Fehler im Zusammenhang der Medikation 

A Framework for a Root Cause Analysis and Action Plan In Response to a Sentinel Event - Ein sehr nützliches Tool

http://www4.asq.org/blogs/healthcare/  Blog zu Fragen der Qualität des (US-)Gesundheitswesens

http://www.cchc.at/index.php?id=1 Innovation. Warum nicht einmal in Österreich?

http://www.medstory.com/  Suchmaschine mit Medizinthemen

http://www.hamburger-krankenhausspiegel.de/  Hamburger Krankenhaus-Spiegel. Begrüßenswert - aber wo sind ie weniger guten Ergebnisse geblieben? Emfehlung: Daneben direkt bei BQS nachsehen!

http://www.nih.gov/  National Institute of Health

(idw) Innovativste Klinikapotheke Europas eingeweiht: Festakt in der Asklepios Klinik Nord - Heidberg

http://www.dza.de/gerostat/gerostat-aktuelle.html Alterssozialberichterstattung mit GeroStat

http://www.factsandcomparisons.com/assets/hpdatenamed/20060801_aug2006_ismp.pdf Medicagtion Error Report Analysis

http://www.irs.gov/charities/index.html Efordernisse für Freigemeinnützigkeit in den USA, u.a. Chefgehälter

 


09. Buchbesprechung

Book Review

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Womack, James P.  Jones, Daniel T., Lean Solutions: How Companies and Customers Can Create Value and Wealth Together, ISBN-10: 0743277783, ISBN-13: 978-0743277785,  AMAZON, Auf Deutsch, um einiges teurer.

Wer sich schon zu Beginn der 90er Jahre mit dem Qualitätsmanagement befasst hat, kam um die Lektüre eines (in der zweiter Hälfte der 80er Jahre entstandenen und 1990 erstmals erschienenen) Buchs der Autoren nicht herum, das in der Folge nicht nur die weltweite Automobilindustrie, sondern – mit einem gewissen Zeitverzug – auch alle anderen Branchen und am Ende auch (zumindest) das (US-)Gesundheitswesen beeinflußt hat: The Machine That Changed the World: The Story of Lean Production, auf Deutsch Die zweite Revolution in der Autoindustrie. Nur im deutschen Gesundheitswesen ist davon trotz aller Bemühungen (Auch des Rezensenten) bis heute kaum etwas angekommen. Dafür waren und sind hier die rückwärtsgerichteten Kräfte (und die dahinter stehenden ökonomischen Interessen) immer noch viel zu stark. Damals wurde ja schon auf die Frage nach dem Qualitätsmanagement empört reagiert: „Wollen Sie mir etwa eine mangelnde Qualität unterstellen…?“ 

Inzwischen hat Lean Management, was seine Inhalte betrifft, seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Und als Managementmode wurde es längst durch einer Reihe neuer Moden abgelöst. Doch seine Substanz ist geblieben. Und sie hat zumindest in jenen Unternehmen, die einem harten internationalen Wettbewerb unterworfen sind, zu einer mehr oder weniger grundlegenden Umwälzung der Arbeitsorganisation geführt (siehe dazu z.B. das Toyota Produktionssystem - TPS).

Die Autoren sind beim Thema geblieben und haben in der Zwischenzeit weiter publiziert. Hier ist über ihr jüngstes Werk zu berichten, das den Gedanken des Lean Management weiterspinnt. Dazu schrieb z.B. BrandEins im Januar eine höchst lobende Kritik. Auch Harvard Business Manager äußerte sich zuvor freundlich („Die Meister der schlanken Unternehmensführung haben nun für alles eine Lösung“). In der Kurzbeschreibung von AMAZON lesen wir: „Kunden wollen keine Bohrer, Kunden wollen Löcher! Der Anspruch des Kunden an ein Unternehmen ist deutlich: Löse mein Problem! Doch ob es nun um den neuen Multimedia-Rechner geht, der nicht mit dem Drucker kompatibel ist, den Traumwagen, der nur in der Werkstatt steht, oder die Endlos-Warteschleife der Servicehotline: Offenbar fällt es Unternehmen schwer, ihre Kunden wirklich zufrieden zu stellen. Jetzt zeigen die Erfinder des Lean Managements, was ein Unternehmen tun muss, damit es nah am Kunden bleibt. Denn viele Unternehmen wollen ihre Kunden davon überzeugen, dass sie dieses Produkt oder jene Dienstleistung brauchen. Das aber ist - so die Autoren - der falsche Ansatz. Statt die Kunden zu überreden, etwas zu kaufen, das sie eigentlich nicht zwingend brauchen, sollten die Unternehmen erst die Kundenwünsche ermitteln und dann ihre Produktentwicklung daran ausrichten.Wer Erfolg im Markt erzielen will, dem muss klar sein: Der Kunde will nicht das perfekte Produkt, sondern die perfekte Lösung seines Problems”. Hier die (von uns sinngemäß übersetzte) Gliederung:

 

Vorwort 

Einführung: Lean bei Kunden (Verbraucher) und Lieferanten

Kapitel 1 Lernen, Verbrauchen zu verstehen

Kapitel 2 Lernen, Liefern zu verstehen

Kapitel 3 Lösen Sie mein Problem vollständig

Kapitel 4 Verschwenden Sie nicht meine Zeit

Kapitel 5 Verschaffen Sie mir exakt, was ich wünsche

Kapitel 6 Stiften Sie den Nutzen („value“), wo ich ihn wünsche

Kapitel 7 Lösen Sie mein Problem, wann ich es wünsche

Kapitel 8 Herausforderung einer Lean Leistungserbringung

Kapitel 9 Verschaffen Sie mir die Lösung, die ich wirklich will: Die Rolle des Lean Unternehmers

Kapitel 10 Lösen Sie immer mein vollständiges Problem

Folgerung: Lean Lösungen

Anhänge

 

Auch wenn die Beispiele im Buch nicht aus dem Gesundheitswesen stammen, dürfte jeder mit einem gewissen Mindest-Abstraktionsvermögen ausgestattete Zeitgenosse in der Lage sein, die aus den Beispielen abgeleitete Vorgehensweise auf die Prozesse der Krankenbehandlung zu übertragen. Die Kunden sind hier die Patienten, die Lieferanten die Ärzte, Pflegekräfte etc. (bzw. die Institutionen, in denen diese arbeiten). Hier wie dort sind die arbeitsteiligen Prozesse ergebnisorientiert zu durchleuchten und von den darin enthaltenen Um- und Irrwegen, Wartezeiten etc. zu befreien. (Die Prozessdarstellungen im Buch sind weit weniger abstrakt, als wir sie im Allgemeinen gewöhnt sind). Und der Gedanke, sich z.B. bei der Entwicklung eines Behandlungspfades nicht auf Teilergebnisse und Teilprozesse zu beschränken, sollte selbst für viele Akteure im Gesundheitswesen, die sich wirklich um Verbesserungen bemühen, ebenfalls hilfreich sein. Die Lektüre ist jedenfalls sehr empfehlenswert. (+++). 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten).

 

DKG zu angeblichen Fehlkodierungen in Krankenhäusern: "Neuregelung der MDK-Prüfungen wichtiger Beitrag zum Bürokratieabbau"

"Zur Darstellung in der gestern ausgestrahlten ARD-Fernsehsendung „Report“ hinsichtlich angeblicher Fehlkodierungen von Krankenhausleistungen erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum: …"

 

Mehr

 

Anmerkung: 

Herr Baum äußert sich für die DKG leider mit keinem Wort dazu, dass die Inhalte der – offensichtlich wirklich etwas schieflastigen – Sendung teilweise auch zutreffen könnten. Stattdessen haut er nach Kindergartenmanier zurück: Die bürokratischen Belastungen, welche die Krankenhäuser durch den MDK erlitten, seien unerträglich.

 

Bei genauerem Hinsehen liegt die Wahrheit wohl in der Mitte! 

 

Die gesetzliche Umstellung der (am Ende nur noch teilweisen) Abrechnung von Tagen auf DRGs soll (so zumindest Fetter et al als seinerzeitiger „Erfinder“ der DRGs) den falschen Anreiz für die Krankenhäuser beseitigen, eine wundersame Geldvermehrung zu betreiben, indem sie die Patienten unnötig lange festhielten. Das ist wohl auch in Deutschland gelungen. Die früher – medizinisch ach so notwendige, weltweit aber nahezu längste – durchschnittliche Verweildauer hat sich mittlerweile massiv verkürzt. Allerdings bleibt völlig im Dunklen, ob die Krankenhäuser jetzt nicht teilweise dazu übergegangen sind, je DRG den (letztlich auf einer Art Vollkostenbasis kalkulierten) Festpreis zu kassieren und nicht mehr alle nötigen Leistungen zu erbringen („blutige Entlassung“). Aus den Reha-Kliniken ist so etwas zumindest zunehmend zu hören.

 

Vermutlich liegt auch da die Wahrheit in der Mitte!

 

Tatsache ist: Mit der Umstellung auf G-DRGs hat man versäumt, den Mindestleistungsumfang je DRG („Prozessqualität“) oder gar Mindestergebnisse („Ergebnisqualität“) festzuschreiben. Was nötig ist, entscheidet jeder Arzt selbst. Standards sind unbekannt, und allgemein gehaltene Leitlinien nebeln das Ganze auch noch kräftig ein. Jetzt zahlen die Krankenkassen Festpreise für ein Produkt, dessen Eigenschaften mit den Kodierungs-Items nur äußerst vage umschrieben sind. Immerhin schreiben sie von Beginn an absurderweise fest, dass es für kostenträchtige Folgen fehlerhaften Handelns zusätzliches Geld gibt. Je mehr getan wird, desto höher wird der pekuniäre Anspruch – ob das dem Patienten nutzt oder schadet, scheint dabei egal zu sein. Damit soll keineswegs behauptet werden, deutsche Krankenhausärzte würden nun in toto so handeln. Aber es gibt solche.

 

Doch auch hier wohl die Wahrheit in der Mitte! 

 

Die immer stärkere Ausdifferenzierung der G-DRGs und ihre Anreicherung durch immer mehr Abrechnungselemente (auf dem Wege zu einer fallbezogenen Einzelleistungsabrechung?) macht nicht nur immer mehr Kodierungs-Arbeit. Sie schafft auch zusätzliche Möglichkeiten, „den Patienten abrechnungstechnisch richtig schön krank zu kodieren. Das wissen auch die Krankenkassen. Folgerichtig steigen – „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ (Zitat aus der SWR-Quelle) – auch die Aktivitäten des MDK und damit auch die Bürokratiekosten. Das wiederum möchte Herr Baum am liebsten gesetzlich unterbinden lassen.

 

Gesetzlich vorgeschriebene Einnebelung? – Lieber nicht!

 

Die wunderbaren neuen Quellen der Ertragsmehrung aus immer weiter „verfeinerten“ G-DRGs werden – so ist zumindest aus dem Inneren des Betriebs zu hören – offensichtlich zunehmend genutzt, indem überflüssige, aber abrechnungstechnisch interessante Leistungen tatsächlich erbracht werden, um sie später „ehrlich“ abrechnen zu können. Der Patient, der dumme Lackel, merkt’s ja eh nicht. Jedenfalls wächst in einer Art Wettrüsten der Mitteleinsatz fürs optimale Kodieren ebenso wie für eine optimale Kontrolle. Kein Wunder, wenn aus Ärztekreisen zunehmend geklagt wird, der überbordende Bürokratismus ginge zu Lasten der Qualität für die Patienten.

 

Eine grobe Unterstellung? Kaum!

 

Statt sich gegenseitig die Schuld für ein jeweils unterstelltes und kaum nachhaltig belegbares Fehlverhalten zuzuschieben, sollten sich die Parteien endlich dazu durchringen, sich auf diagnose- und indikationsbezogene Prozess- und Ergebnisstandards und deren kontinuierliche weitere Verbesserung zu verständigen. Dann käme man sogar auch in Deutschland allmählich zu einem richtigen Qualitätsmanagement und brauchte nicht allerlei Unsinn so zu nennen, für den auch noch zusätzliches Geld zum Fenster hinausgeworfen wird. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema! 

 

P.S: In letzten hmanage Newsletter 278 haben wir in einem etwas anderen Zusammenhang sozusagen als Aufhänger die Aufforderung von Burkhard Sommerhäuser unterstützt, dem Sender dazu doch einmal die Meinung zu sagen. Dabei haben wir keineswegs die Sendung verwechselt, was offensichtlich dieser oder jener Leser vermutete, sondern mit dem ZDF versehentlich den falschen Sender genannt, weil es mit dem dann weiterging. Immerhin stimmte der beigefügte Link: http://www.swr.de/forum/read.php?f=14&i=4867&t=4867#reply_4867 . Wir bitten den bedauerlichen Fehler zu entschuldigen! ARD und ZDF sind tatsächlich etwas Unterschiedliches.

Hier die Stellungnahmen von Michael Thieme und Burkhard Sommerhäuser (MedInfoWeb) zur sendung: Durch überhöhte Abrechnungen von Krankenhäusern entstehen den gesetzlichen Kassen offenbar Schäden in Milliardenhöhe“  http://medinfoweb.de/article.php?articleID=12489 . Die tatsächlichen Praxisprobleme beim Kodieren beleuchtet sehr schön die DGfM: http://www.medizincontroller.de/news.php?id_news=97%20.

Siehe z.B. auch : "Patienten in Gefahr. Krankenhäuser entlassen zu früh".