Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

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23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

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Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

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262 - 07.11.2006 Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"The ear of the leader must ring with the voices of the people"

 

(Woodrow Wilson, American President)

 

Quelle: Baptist Health Care Leadership Institute

 


01. Editorial: „Gesundheit für alle – wie lange noch? – Rationierung und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen“

Health for Everybody - Rationing and Justice for Everybody

 

Der Nationale Ethikrat hat wieder öffentlich getagt. Am 2. Oktober konnte jedermann in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Künste am Gendarmenmarkt in Berlin hören, was man sich zum Thema ausgedacht hat. Plus internationalem Input.

 

Der erste Eindruck:
Ethik ist grauhaarig. Die deutliche Mehrheit der Anwesenden hatte jedenfalls das Pensionsalter bereits deutlich überschritten.

 

Der zweite Eindruck:
Das Ganze hatte weniger den Charakter einer Bestandsaufnahme oder gar einer Wegweisung, was denn nun zu tun sei, sondern eines Treffens der ‚Fachgesellschaft für Ethik’ (falls es so etwas denn geben sollte). Feinsinnig – doch sehr weit entfernt von den wirklichen Problemen der Gesellschaft. Das wurde besonders deutlich, nachdem die Vorträge der drei ausländischen Gäste aus Großbritannien, Schweden und den USA gehalten worden waren: Die sprachen über etwas ganz Anderes. Und das hätte auch für hiesige Verhältnisse gepasst. Doch zunächst noch …

 

Der dritte Eindruck:
Der Nationale Ethikrat scheint ordentlich dotiert zu sein. Der Veranstaltungsort war nobel. Das Essen war gut. Die Organisation war prima. Es gab Gebärden-Dolmetscher und eine Simultanübersetzung für jene wenigen, die im Auditorium des Englischen nicht mächtig waren. Alles in allem ein sehr angenehmer Rahmen für eine wichtige Materie!

 

„Gesundheit für alle – wie lange noch? – Rationierung und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen“: Was wurde dort vorgetragen (und ein wenig andiskutiert)? Download

 

Die Begrüßung (Kristiane Weber-Hassemer):
So allgemein wie üblich.

 

Die Einführung (Prof. Dr. Dr. Eckard Nagel):
Für eine Einführung ziemlich lang. Dazu Phrasen wie diese: “Den Einzelnen zum Rechnungsposten eines ökonomischen Systems degradieren …“. Merkwürdige Gegensätze wie: „Sozialstaat etwas anderes als liberaler Rechtsstaat“. Unmögliche Folgerungen wie: „… implizite Rationierung … durch Budgetierung …“. Das ist also Ethik??? – Das gälte doch nur, wenn das Geld wirklich knapp wäre, was man vom hiesigen Gesundheitswesen als dem drittteuersten der Welt nun wirklich nicht sagen kann. Das Geld ist nur falsch verteilt!

 

Kann das Gut Gesundheit gerecht verteilt werden? (Prof. Dr. Stefan Gosepath):
Ein anregender, intellektuell anspruchsvoller Vortrag mit einer Menge wichtiger Details (z.B. zur Gesundheit als Grundgut / transzendentales Gut / konditionales Gut“), „Was passiert bei Knappheit der Mittel?“ „Makro-, Meso-, Micro-Ebene der Verteilung“, „Schleier des Nichtwissens“, „Cut-off-point: Wann ist die Behandlung zu Ende?“ „Grundrecht auf Gesundheit kann es nicht geben – nur Staatsziel“, „Horizont des sinnvoll Machbaren“ – nur leider mit einer derzeit gänzlich falschen Prämisse! Manches nicht zu Ende gedachte wie „Privatversicherung nicht gerecht“, „Kollektiv-institutionelle Lösung“ (der Versicherung und nicht etwa der gesetzlichen Rahmenbedingungen: Der Sozialismus ist wirklich nicht effektiver!). Mittelalterliches wie „… Patient kann Nutzen, Kosten nicht abschätzen …“. – Der Arzt kann das? Welcher??? Und wessen Schuld ist es, wenn es dem Patienten an soliden Entscheidungshilfen mangelt? „Rationierung unabwendbar“. – Vielleicht, aber bei etwas rationalerem Umgang mit den begrenzten Mitteln noch lange nicht! (Angesichts des hiesigen Umgangs mit der Materie ist allerdings zu befürchten, dass man in Deutschland eine Rationierung doch bequemer finden wird, zumal alle Experten zu Recht darauf hinweisen, dass eine solche bei einem Weitermachen wie bisher unausweichlich werden könnte).

 

„Was macht Rationierung unvermeidbar“ (Prof. Dr. Walter Krämer):
Krämers bekannte (und nützliche) Beispiele, kurzweilig dargebracht und immer wieder gut anzuhören, aber angesichts der zutreffenden Aussage „Bei unbegrenzter Nachfrage ist Rationierung (theoretisch) unvermeidbar“ leider nichts Zielführendes! Wenn auch ein alter Hut, doch ein wichtiger Unterschied bei der Entscheidung, ob eine Behandlung erfolgen solle: „Statistisches versus individuelles Menschenleben“. Frappant: „Letztendliche Sterblichkeit 100%!“. Aha!

 

„Ärztliches Handeln unter den Bedingungen begrenzter Ressourcen“ (Prof. Dr. Hans-Peter Bruch):
Der Referent – Typ deutscher Hochschullehrer, Unterabteilung Medizin – stellt eminenzbasiert die abenteuerliche Behauptung auf, wir bezahlten im deutschen Gesundheitswesen heute für einen Golf und führen einen Rolls Royce. Dann berichtet er u.a. über eine interessante Entwicklung zur Früherkennung von bösartigen Darmtumoren, die – erst von seinem Koreferenten ergänzt – leider den kleinen Nachteil hat, nicht nur viel zusätzliches Geld zu kosten, sondern dies möglicherweise nicht einmal wert zu sein. Bruch führt die – gemessen an der Realität völlig unsinnige – Dauerklage vom „Primat der Ökonomie“ im Munde und fordert für sich, „nicht als Durchschnittsmensch behandelt zu werden, sondern als Individuum“. – Das liegt doch an ihm und seinen Kollegen selbst! Er hätte nur gerade als medizinischer Hochschullehrer ergänzen sollen: Alle und nicht nur Privatpatienten!

 

Koreferat (Prof. Dr. Heiner Raspe):

Raspe wirkt fürs Thema nicht recht vorbereitet: Nach eher allgemeinen Ausführungen trägt er vor, welchen geringen Nutzen die Früherkennungsmethode des Mammografie-Screenings tatsächlich hat. Aber nun seien sie erst einmal eingeführt (Darum müssen wir jetzt wohl rationieren!). Was sollten die beiden Vorträge (und der von Prof. Krämer) nur auf dieser Tagung?

 

„Strategien zur Rationierung im Gesundheitswesen – der internationale Kontext“ (Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert):
Die Referentin leitet so allgemein ein, dass den Anwesenden gar nicht weiter aufzufallen scheint, dass keiner der drei folgenden Referenten auch nur einen Ton zu „Strategien“ zur Rationierung im Sinne des vorsätzlichen Vorenthaltens nützlicher, gar notwendiger Behandlungen sagt.

 

„Das Beispiel Großbritannien“ (Prof. Sir Michael Rawlins): Nichts zur Rationierung in Großbritannien. Das Experiment ist in Großbritannien schon vor längerem eingestellt worden. Stattdessen berichtete der Chef von NICE (das von den deutschen Ärztefunktionären in Grund und Boden verdammt worden ist), wie man bei NICE bei neuen Behandlungsmethoden (incl. Diagnostik) im gesetzlichen Auftrag jene sinnvollen herauskristallisiert, die wirklich einen Nutzen bringen – sei es zusätzlich oder als Ersatz für bestehende. Solange man es nicht schon für Rationierung hält, wenn den gesetzlich Versicherten fragwürdige Methoden vorenthalten werden, könnte das Vorgetragene ein richtiger Weg sein. Sehr anregend, nur ziemlich zentralistisch!

 

„Is it possible to become more systematic and transparent in priority setting of health care? – recent developments in Sweden” (Prof. per Carlsson, PhD):
In diesem Vortrag ging es um einen ähnlichen, aber etwas lockereren regionalen / lokalen Ansatz der Priorisierung neu einzuführender Methoden in Schweden und erste Resultate. Die betrafen allerdings eher die Selektionsmethoden selbst. Sobald dabei etwas herauskommt, kann es sein, dass bestimmte untersuchte Leistungen als nicht zielführend nicht bewilligt werden.

 

„Rationing of Health Care Resources in the United States: Markets, Management, and Ethics” (Steven D. Pearsson, MD, MSc, FRCP):
Angesichts des extrem pluralistischen US-Finanzierungssystems ("not a system - a sector") und mittlerweile 46 Millionen unversicherter Amerikaner (von 300 Millionen) gibt es dort eine Rationierung (was den Zugang aller zu allen Leistungen angeht). Und es gibt keine Rationierung, weil buchstäblich alle Leistungen – ob sinnvoll oder nicht – angeboten werden (und Unversicherte, die wegen einer schweren Erkrankung in die Erste Hilfe gebracht werden, selbstverständlich auch behandelt werden). Leider dürfte vieles an interessanten Details (z.B. eine Darstellung aus dem Dartmouth Atlas of Health Care) von den Anwesenden nicht verstanden worden sein. Denn Pearson blieb oft bei Andeutungen (Beispiel ‚community benefits - Seattle’ oder - sehr subjektiv - „so-called ‚consumer directed medicine’“. Die deutsche Diskussion ist jedenfalls in den USA – so ach seine Aussage – gänzlich unbekannt. Zitat: "Rationing - not a part of the political lexicon"

 

Der Berichterstatter hat die anschließende Diskussion nicht abgewartet, desgleichen (nach Lektüre der Vorab-Information, weil vermutlich ebenfalls am Thema vorbei) den Schlussvortrag von Prof. Dr. Nida-Rümelin zum Thema: „Rationierung im Gesundheitswesen und die ethischen Grundlagen des Sozialstaates“.

 

Fazit:
Eine trotz allem lohnende Veranstaltung – wenn auch leider mit einem Thema, das angesichts des vielen, heute im deutschen Gesundheitswesen verschwendeten Geldes nur in die Irre führen kann. Das einzige Thema, das heutzutage politisch interessieren sollte, wurde nicht einmal gestreift:

Wie eine Krankenbehandlung hoher (Ergebnis-)Qualität noch für lange Zeit schon dadurch bezahlbar gehalten werden könnte, dass vor allem ‚evidence based’ Erfolgreiches bezahlt wird und möglichst viel von dem ausgeschieden wird, was den Ergebnisbeweis bisher nicht angetreten hat. Letzteres könnte man gern sofort ‚rationieren’! Und niemandem sollte verboten sein, die Leistungen trotzdem in Anspruch zu nehmen, wenn er sie bezahlen kann oder dafür einen edlen Spender findet.

 

Wenn es darüber hinaus gelänge, auch nur einen Teil der Verschwendung aus Überkapazitäten, schlechter Abstimmung, Um- und Irrwegen, Wartezeiten etc. herauszukehren, dürfte man schon bald in zu viel Geld schwimmen. Dann könnte Rationierung zum Unwort des Jahres erklärt werden – samt ihrer ethischen Ausgestaltung. Das Dumme ist nur: Damit werden mächtige (Geld-)Interessen berührt. Und deswegen dürfen die Ethiker wohl weiter darüber diskutieren. Schade! Oder besser skandalös! Denn Geldverschwendung als Ursache für das Vorenthalten einer ggf. notwendigen Behandlung sollte doch in höchstem Maße unethisch sein!


02. (AHA) Patienten an Kampagne zur Vermeidung chirurgischer Fehler beteiligt

Consumers join efforts to improve surgical care

Members of the Surgical Care Improvement Project (SCIP) ... provided a tip sheet of questions patients should ask their physicians...

...visit www.medqic.org/scip.


03. (H&HN) “Der Patient ist nicht kooperativ” - Zum Umgang mit schwierigen Patienten

Dealing with Difficult-for-Me People

Showing a little compassion can greatly ease an otherwise difficult patient-caregiver relationship...

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04. (AHA) Wie in den USA Unversicherte versorgt werden: Beispiel New York

NY hospitals spent $1.8 billion caring for uninsured patients last year

.... according to a new analysis by the Urban Institute....


05. (JCAHO) Joint Commission: Aufruf zu Verbesserungsvorschlägen

Tell Us What You Think About the Joint Commission's Standards...

To comment, please click on the link below or copy and paste the link into the address bar of your browser:

www.jointcommission.org/Standards/SII/stds_review.htm

 


06. (Frontal 21) Tödliche Ignoranz. Jährlich Tausende Opfer durch Sepsis

Sepsis in German Hospitals

Jährlich sterben nach einer Studie der Uni Jena etwa 60.000 Menschen an einer Blutvergiftung …

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Anmerkung: Qualität?


07. (JCAHO) Gratisbroschüre für die Infektionsvermeidung zum Herunterladen

The Joint Commission has updated its Speak UpTM brochure on infection control. Now called "Four Things You Can Do To Prevent Infection,"...

For more information about the Speak Up program, visit www.jointcommission.org/PatientSafety/SpeakUp/

 


08. Links

http://www.sokrates-leonardo.de/ EU-Bildungsprogramme

 

Das Kunstfehler-Tabu” – Feature in Netdoctor.de

 

DRG-Strukturen im Krankenhaus: Auswertung der DGfM-Umfrage

 

Consumer-Directed Health Care

 

Charité zu teuer: Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. (UVB)

 

http://www.speak-enp.de/de/index.php Die Abkürzung ENP® steht für European Nursing care Pathways

 

The New Mandarin Society: Nachdenklich Stimmendes zu Tests

 

Snapshot: California’s Uninsured 2006. Eine informative Broschüre zum Verständnis des Problems der Nichtversicherten in den USA

 

(Business Week) The Best Medical Care In The U.S.: How Veterans Affairs transformed itself -- and what it means for the rest of us

 

http://www.nivel.nl/ Het NIVEL is het Nederlands instituut voor onderzoek van de gezondheidszorg

 

Physician Practice Patient Safety Assessment

 

Kritik an Strategie zur Kosten-Nutzen-Analyse des IQWiG

 

Vortrag über QM in Deutschlands Gesundheitswesen - aus der Sicht der Autoren

 

Magnet-Krankenhäuser

 

http://www.quality.bmjpg.com/ BMJPG-Veranstaltungen zum QM

 

http://www.ceeqnet.com/ Unified Central and Eastern European surveillance/monitoring system for healthcare quality and efficiency indicators

 

http://www.medworld.de Medizinischer Gesundheitsratgeber

 

http://www.bzga.de/ Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

 

(Spiegel) US-Gesundheitswesen Krieg auf Kosten der Patienten

 


09. Buchbesprechung

Book Review

 

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

 

Piechotta, Gudrun, von Kampen, Norbert (Hrsg.), Ganzheitlichkeit im Pflege- und Gesundheitsbereich, Anspruch – Mythos – Umsetzung, Berlin 2006, ISBN 3933978866, AMAZON

 

„Ganzheitlichkeit“: Kaum ein Wort wird in unserer Branche so oft gebraucht und missbraucht. Da ist man schon gespannt, ob hier etwas geliefert werden kann, das dem Leser wirklich bei der Orientierung hilft. Herausgeber und Autoren haben weitaus überwiegend einen pflegerischen Hintergrund. Hinzu kommen je ein Soziologe / Gesundheitswissenschaftler und ein (renommierter) Mediziner. Damit wird die Pflege breit behandelt und der Gesundheitsbereich leider völlig unterdimensioniert. Die Grundstruktur macht dies überdeutlich:

 

Vorwort

Ganzheitlichkeit – ein Anspruch zwischen Idealisierung und Realisierung?

3 Texte

Methoden ganzheitlich orientierter Pflege

3 Texte

Zielgruppen ganzheitlich orientierter Pflege

5 Texte

 

Zugleich läßt das – für den Rezensenten anregende – Werk erkennen, dass hier noch keineswegs etwas Ausgereiftes, als Handlungsanleitung für die Praxis geeignetes vorliegt, sondern eher das Ergebnis einer „Spurensuche“ (Piechotta). Mit vielen Quellen. Und englischsprachigen Abstracts. Praktisch alle Beiträge sind für den Rezensenten nützlich.

 

Ganzheitlichkeit – ein Anspruch zwischen Idealisierung und Realisierung?

Ausflüge in die Philosophie „Antwort auf die Sinnkrise des naturwissenschaftlich-rationalen Denkens … was letztlich scheitern muss“) sind da eher hinderlich. Der Forderung nach der „Einführung einer systemischen Betrachtungsweise“ kann man nur zustimmen. Doch die gibt es ja längst. Das macht schon die Verbindung mit den Pflegemodellen im zweiten Beitrag deutlich. Erfreulich die Aussage, dass die ökonomische und die ethische Betrachtungsweise keineswegs Gegensätze seine.

 

Methoden ganzheitlich orientierter Pflege

Der Beitrag über die Methoden ganzheitlich orientierter Pflege ist vor allem für Leser, die nicht aus dem Fach kommen, sehr nützlich. Dass man nun vermehrt beginnt, sich um die individuellen Erfahrungen des zu pflegenden Menschen zu kümmern („biografisches Arbeiten“), scheint dem Rezensenten mehr als überfällig zu sein. Desgleichen, dass der Erfolg des Pflegeprozesses nur bei einem ganzheitlichen Denken eintreten dürfte.

 

Zielgruppen ganzheitlich orientierter Pflege

Der letzte Gedanke wird im folgenden Beitrag erfreulich vertieft. Die Ausführungen zur „comprehensive care“ (warum auf Englisch? Ist das wissenschaftlicher?) in der Epilepsiebehandlung klingen plausibel. Doch warum nur bei der Epilepsie? Im nächsten Beitrag tastet man sich wohlüberlegt an das Thema „Behandlungspfade“ und die „Evidenzbasierung“ heran. Der Text zu „Umfassenden Versorgungskonzepten am Beispiel von Patienten mit Myocardinfarkt nennt sich zwar eine „Vision“, macht die Sache aber schon eine deutliche Spur konkreter. Die Hinweise auf eine versteckte Rationierung als Hindernisse für eine würdevolle Pflege sind sehr ernstzunehmen. Das machen beide Beiträge deutlich, die sich mit diesem Aspekt befassen.

 

Was hier – wie auch sonst – immer wieder erstaunt, wie vorsichtig an die Ganzheitlichkeit herangegangen wird. So als ob das etwas gänzlich Neues sei. Da wundert es kaum, dass die Akutpflege den Pfad der Ganzheitlichkeit fast ganz verlässt und sich auf ihre Profession zurückzieht. Hier ist – gemessen am Volumen der zu Betreuenden – wohl der allerwichtigste Hebel! Man stelle sich vor, Autos würden nicht ganzheitlich hergestellt! Die „Spurensuche“ sollte unbedingt fortgesetzt werden, damit möglichst bald ein ganzheitlicher Arbeitsansatz für die Behandlung und Pflege all jener herauskommt, welche zeitweilig oder dauerhaft einer externen Unterstützung bedürfen! (++)

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten). 

 

(Ärztezeitung) “Die deutsche Medizin ist auch im internationalen Vergleich besser und günstiger als oft behauptet!“ – Wirklich?

 

German Health Care System Better as WHO / OECD Comparisons Suggest. Really?

 

 

Golf fahren, aber Mercedes bezahlen – dieses Urteil über Leistung und Kosten des deutschen Gesundheitswesens ist wohl revisionsbedürftig. Denn Medizin in Deutschland ist besser und sparsamer als ihr Ruf, so das Fazit des Gesundheitsberichts der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts.

 

Die schnellsten Arzttermine gibt‘s in Deutschland

Zur Erinnerung: In einer umstrittenen WHO-Studie aus dem Jahr 2000 war das deutsche Gesundheitswesen erschreckend schlecht bewertet worden. Spätere Studien des Kieler Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGSF) und erst vor kurzem auch des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) kamen zu weitaus positiveren Bewertungen. …

 

Mehr

 

Kommentar:

Versuche, in Einrichtungen des deutschen Gesundheitswesens ein gescheites Qualitätsmanagement zu installieren, sind unendlich schwer. Schon das Wort Qualitätsverbesserung verursacht immer noch wütende Abwehrreaktionen. Wenn überhaupt etwas nötig sein sollte, ist dies – siehe den § 137 SGB V – höchstens die Sicherung der (selbstredend vorhandenen) Qualität.

 

Der einzige Grund, warum diese hohe Qualität – so wird behauptet – gefährdet sein könnte, ist die unverständlich zögerliche Haltung der Politik, unverzüglich noch mehr Geld ins System zu pumpen. Unsere geschätzte Kanzlerin hat das längst verinnerlicht: „Natürlich muß mehr Geld her!“

 

Da der Zustrom von Geld auf die Dauer seine natürlichen Grenzen hat, wird mehr und mehr über eine angeblich unausweichliche Rationierung herumschwadroniert. Dann braucht man wenigstens nicht zu verändern. Und viele verdienen sich dabei weiter eine goldene Nase.

 

Im hiesigen Gesundheitswesen ist – anders als (siehe PISA) z.B. bei der Erziehung – es seit jeher ein beliebtes Spiel, auch seriöse Hinweise auf Defizite oder nur Verbesserungsmöglichkeiten wie die WHO oder der OECD als unwissenschaftlich und von zweifelhafter Qualität abzutun.

 

Bei einem solch leuchtenden, öffentlich zur Schau getragenen Selbstbild ist man selbstverständlich umso glücklicher, auch auf positive Wertungen zu stoßen wie die des IGSF („Deutschlands Gesundheitswesen ist effizient und preiswert“) oder des IQWiG.

 

Wer sich daran macht, die Ergebnisse zu vergleichen, hat keine Mühe herauszufinden, was die einen von den anderen Aussagen unterscheidet. Mit (z.B.) kürzeren Wartezeiten lassen sich höhere Mortalitätsraten schlecht wegdiskutieren! Doch darum soll es hier gar nicht gehen.

 

Hier geht es um die Selbstgerechtigkeit, mit der wir in Deutschlands Gesundheitswesen die Chance zu verschlafen drohen, bestehende Schwierigkeiten zu überwinden und uns wieder in die Weltspitze vorzuarbeiten. Als Ganzes und als leistungserbringende Institutionen.

 

Wir haben eine Menge Sand im Getriebe. Wir können für mehr Qualitätstransparenz sorgen. Wir müssen uns mit unseren Behandlungsergebnissen (vermutlich) nicht verstecken. Wir können noch bessere Behandlungsergebnisse erzielen. Wir können für eine weitaus höhere Produktivität sorgen und in einem Aufwasch zugleich erheblich menschenfreundlichere Institutionen schaffen als heute: Für deren Patienten und ihre Angehörigen – und für die hier arbeitenden Mitarbeiter.

 

Wir müssen damit nur endlich anfangen!