Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

Willkommen

260 - 24.10.2006 Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

Without training, they lacked knowledge. Without knowledge, they lacked confidence. Without confidence, they lacked victory

(Julius Caesar)

 

Quelle: Baptist Health Care Leadership Institute

 


01. Editorial

(Manager Magazin) Gratulation: Zwei deutsche Milliardäre aus Krankenhauserlösen!

 

Im deutschen Gesundheitswesen läßt sich offensichtlich sehr gut verdienen, ohne dass dies zu Lasten der Qualität zu gehen scheint

 

Congratulation: Two billionaires from German hospital revenues!

 

Am 21. Juni 2006 lasen wir (u.a.) in der FAZ: „Merkel: Gesundheit wird teurer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bevölkerung auf Mehrbelastungen bei der Gesundheit eingestimmt. „Es wird teurer werden“, sagte sie … in der Generaldebatte des Bundestages. Es gehöre zur Redlichkeit, dies den Bürgern auch vorher zu sagen”. – So weit so schlecht. Will die Regierung den einsamen Spitzenplatz des drittteuersten Gesundheitswesens der Welt wirklich noch weiter ‚verbessern’? Wie dem auch sei: Der Geldstrom zum Füttern des Systems wird weiter anschwellen.

 

Dass nur ein recht geringer Prozentsatz davon Patienten wirklich nutzt, darf trotz aller Intransparenz der Behandlungsergebnisse als gesichert angesehen werden. Der Rest ist – bezogen auf die eigentliche Aufgabe – Schwund. Klar ist nur, dass private Leistungserbringer offensichtlich besser mit dem Geld umgehen können als (teilweise) freigemeinnützige oder jene in öffentlicher Trägerschaft. Während die einen satte Gewinne einfahren, krebsen die anderen bei teilweise sogar höheren Erträgen an der „schwarzen Null“ herum oder machen gar erhebliche Verluste.

 

Wie gut man im deutschen Gesundheitssystem auch ohne erkennbare Qualitätsminderungen – das Gegenteil scheint eher der Fall zu sein – verdienen kann, macht die Novemberausgabe des Manager Magazins („Brigitte für Manager“) deutlich. Sie macht mit dem – passenderweise golden gehaltenen – Titel „Die 300 reichsten Deutschen“ auf. Auf den Seiten 50 und 62 finden sich zwei branchenbekannte Namen: Nr. 58 unter den 300 ist „Bernd Broermann, Asklepios Kliniken, Königstein, 1,75 Milliarden Euro“. Und die Nr. 77 wird von „Lutz Mario Helmig (ehemals Helios Kliniken), Fulda, 1,25 Milliarden Euro“ besetzt. Die Milliardenvermögen wurden in wenigen Jahren erworben. Alle Achtung!

 

Das viele Geld sei den beiden (und den ungezählten anderen, die hier nicht aufgeführt werden können) schon deshalb von Herzen gegönnt, weil sie die geschätzte Öffentlichkeit mit der Nase darauf stoßen, wieviel Geld sich im deutschen Gesundheitssystem ohne Qualitätsminderung verdienen lässt. Da haben es tüchtige Unternehmer – ausweislich der Liste bekannter Namen im Manager Magazin – in anderen Branchen weitaus schwerer. Unter den hiesigen, praktisch wettbewerbsfreien Randbedingungen scheint das deutsche Gesundheitssystem im Branchenvergleich für Private eine Gelddruckmaschine zu sein. Diese auch zu nutzen, ist da nur legitim. Das hat ausschließlich die Politik mit ihrem verbogenen Fokus auf eine vermeintliche soziale Gerechtigkeit zu verantworten!

 

Doch alles, was im deutschen Gesundheitswesen an Spitzenvermögen gebildet wird, dürften Peanuts sein im Vergleich zu den riesigen Geldmengen, die offensichtlich im nichtprivaten Bereich (mit immerhin etwa dreiviertel aller Krankenhausbetten) versickert, ohne dass die Patienten oder die Mitarbeiter auch nur den geringsten Nutzen davon hätten. Im Gegenteil! Ohne jeglichen Preis- und Qualitätswettbewerb unter den Leistungserbringern ist das deutsche Gesundheitswesen heute eine Art geschützte Werkstatt zur Geldverbrennung. Und das auch noch als Wachstumsbranche. Das ist für die Bürger erst richtig teuer. Und das ärgert wirklich! Denn damit sind für die nächsten Jahre – ohne jede Aussicht auf Besserung – Leistungsminderungen vorprogrammiert, die bei anderen, vernünftigeren Rahmenbedingungen gänzlich überflüssig wären.

 

Was in dieser Situation wirklich not täte, wäre eine grundlegende Umstellung des deutschen Gesundheitswesens auf privatwirtschaftliche Strukturen sowohl auf der Ebene der Krankenversicherung als auch – wichtiger noch – auf der Ebene der Leistungserbringer. Und staatlich gesetzte Rahmenbedingungen, die zum einen die sozial Schwachen (aus Steuermitteln) schützen und zum anderen ein hohes Maß an Transparenz des Leistungsgeschehens und seiner Ergebnisse erzwingen. Und harte Sanktionen für all jene, die sich nicht an die neuen Spielregeln halten.

 

Dann würden zwar manche noch weitaus mehr verdienen als heute. Aber einer Unmenge anderer würde unter dem aufkommenden Preis- und Qualitätswettbewerb auf der Ebene der Leistungserbringung (wo eigentlich sonst?) vom Markt die Befugnis entzogen, anderer Leute Geld zu verschleudern, das diese immer dringender für wichtigere Zwecke benötigen. Das sollten doch selbst die größten Gerechtigkeitsfanatiker nicht ganz schlecht finden. Oder?

 


02. (AHA) Überarbeitete Standards für mehr Patientensicherheit

"The National Quality Forum ... endorsed a revised list of serious reportable events, defined as measurable events of concern ...

NQF also endorsed a revised list of safe practices..."

 


03. (Most Wired) Elektronische Krankenakte in der Psychiatrie

"When Psychiatric Records Go Digital..."

Mehr 


04. (AHA) Geschätzte 700.000 Patienten jährlich wegen Medikationsfehlern in der Notaufnahme

"Estimated 700,000 patients treated in ED annually for adverse drug Events... , according to a federal study in today’s Journal of the American Medical Association..."


05. (AHA) Wirkliche elektronische Krankenakte auch in den USA erst selten implementiert

"Financial, technical and legal barriers are keeping many physicians and hospitals from adopting electronic health records, according to a study ... online ... by Health Affairs".

Anmerkung:
Und bei uns? Bezogen auf die Kriterien?

 

 


06. (AHA) Kampagne: In 12 Wochen 400.000 neue Organspender

Campaign strives to register 400,000 new organ donors in 12 weeks... a Department of Health and Human Services official announced an initiative to..."


07. Vom Wohlfahrtsstaat zum Sozialstaat

From Welfare State to Social State: Empowerment, Individual Responsibility and Effective Compassion

Der ganze Text (Link funktioniert nicht mehr!)


08. Links

Vereinbarung gemäß § 137 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 SGB V über Inhalt und Umfang eines strukturierten Qualitätsberichts für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser

 

Oktober-Ausgabe des lesenswerten Premier-Newsletters

 

Tödlicher Standort: Die Überlebenschance von Krebskranken variiert extrem in Europa

 

(Frontal 21) Schutzlose Pflegepatienten

 

Fehler im Zusammenhang mit Medikation

 

IBM: Das global integrierte Unternehmen

 

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland gGmbH ist an den Start gegangen.

 

FAZ: Der Patient als Störenfried

 

http://www.ethikkomitee.de/ Internetportal für klinische Ethik-Komitees, Konsiliar- und Liaisondienste

 

Wie ländliche Krankenhäuser doch zu einer IT kommen: Rural Providers Collaborate for Connectivity

 

http://www.cne.org/ The Centre for the New Europe is a non-profit, non-partisan research foundation headquartered in Brussels

 

http://www.innovation-aktuell.de/ Wie der Name sagt ...

 

 


09. Buchbesprechung

Book Review

 

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

 

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Gesundheit in Deutschland, Berlin, Juli 2006

 

Dies ist der zweite Gesundheitsbericht im Zuge der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die gemeinsam vom Robert Koch-Institut und dem Statistischen Bundesamt betreut wird. Unserer geschätzten Gesundheitsministerin fällt zum Zweck im Vorwort auch nichts anderes ein, als dass er “zu einer unverzichtbaren Informationsquelle“ werden sollte. Die ist imposante 225 Seiten stark mit vielen, vielen Auswertungen. Was in der Szene Rang und Namen hat, scheint daran mitgearbeitet zu haben. Leider nicht immer mit dem besten Ergebnis.

Hier eine gegenüber der Gliederung im Original verkürzte Übersicht der – unterschiedlich langen – Kapitel, an deren Ende jeweils auf weitere Literatur verwiesen wird:

 

1          Wie steht’s um unsere Gesundheit?

1.1       Lebenserwartung und subjektive Gesundheit

1.2       Krankheitslast

1.3       Krankheitsfolgen

1.4       Sterblichkeit

2          Welche Faktoren beeinflussen die Gesundheit?

2.1       Soziale Lage und Gesundheit

2.2       Umwelteinflüsse und Unfälle

2.3       Ernährung

2.4       Körperliche Aktivität

2.5       Tabak- und Alkoholkonsum

2.6       Übergewicht, Bluthochdruck und Hypercholesterinämie

3          Was leistet das Gesundheitswesen für Prävention und Gesundheitsförderung?

3.1       Spektrum der Präventionsangebote

3.2       Inanspruchnahme von Präventionsangeboten

3.3       Gruppenspezifische Inanspruchnahme von Prävention

4          Wie haben sich Angebot und Inanspruchnahme in der Gesundheitsversorgung verändert?

4.1       Angebot und Inanspruchnahme ambulanter Leistungen

4.2       Angebot und Inanspruchnahme stationärer Leistungen

4.3       Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen

5          Wie viel geben wir für unsere Gesundheit aus?

5.1       Gesundheitsausgaben

5.2       Finanzierungsströme

5.3       5.3 Krankheitskosten

5.4       Gesundheitsausgaben im internationalen Vergleich

6.         Wie können sich Patientinnen und Patienten informieren und an Entscheidungen beteiligen?

6.1       Politisch-rechtliche Rahmenbedingungen

6.2       Beteiligungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen

6.3       Informations- und Beratungsangebote

Glossar

Gesundheitsberichterstattung des Bundes

 

Das Ganze ist sicher eine große Fleißarbeit. Man kann daraus eine Menge erfahren. (Auch wenn davon die meisten Leser sicher nur das Wenigste interessiert. Oder man sich darüber schon längst woanders – vor allem beim Statistischen Bundesamt – informiert hat).

Da der ganze Bericht (neben Kurfassungen) „auf Knopfdruck“ herunterladbar ist, soll hier zugunsten einer grundsätzlichen Stellungnahme nicht auf Einzelheiten eingegangen werden – mit Ausnahme der (relativ schlampigen, weil etliche Sachverhalte dauernd wiederholenden) Ausführungen zum “Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen“. Interessant der häufige Hinweis auf eine unzulängliche Datenlage. Warum ist das so?

Hier einige Anmerkungen zum Kapitel 4.3 Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen:

„Mehr als 2 500 Ärztinnen und Ärzte haben die … Zusatzbezeichnung „Ärztliches Qualitätsmanagement“ erworben“. Was bedeutet das? Welchen Nutzen hat es für die Patienten?

„Im Jahr 2004 hatten schätzungsweise rund 60 Prozent der deutschen Kliniken ein eigenes Qualitätsmanagement etabliert oder führten es ein“. Was verbirgt sich dahinter. Was ist dadurch für wen besser oder wenigstens transparenter geworden?

„Zudem gewinnen verschiedene, zum Teil international erprobte Zertifizierungsverfahren an Beliebtheit“. Zertifizierung von was genau? Welche Qualität wird dadurch ‚gesichert’?

„Solche Verfahren beruhen häufig auf einer strukturierten Selbst- und Fremdbewertung der betreffenden Institution“. Sic! Und was wird nun bewertet? Oder ist der im Kapitel mindestens viermal verwendete Modebegriff „strukturiert“ schon für sich ein Beleg für Qualität?

„Zahlreiche medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften befassen sich – zum Teil seit den 1970er Jahren – mit der Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung“. Wer macht seit den 70er Jahren konkret was?

„Pflegeheime müssen Stichprobenprüfungen vor Ort ermöglichen. … bei jedem Fünften … aufgrund von Qualitätsmängeln Wiederholungsprüfungen“. Warum hält der Gesetzgeber die Ergebnisse vor den (potentiellen) Patienten / Bewohnern eigentlich geheim?

„Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften hat inzwischen mehr als 850 Leitlinien herausgegeben“. Wie viele davon sind wissenschaftlich abgesichert (S3)? Bei wie vielen geht es nur um den Ausdruck einer eminenzbasierten Medizin („Wer die Macht hat, hat recht!“) oder um das Abstecken von Claims?

„Seit 2005 sind die deutschen Krankenhäuser … zur Veröffentlichung von Qualitätsberichten verpflichtet, die unter anderem Daten über ihr Leistungsspektrum, die Qualifikation des Personals, die Zahl der behandelten Patienten, Art und Anzahl der operativen Eingriffe sowie ihr Qualitätsmanagement enthalten. Die Berichte sind im Internet verfügbar und sollen Bürgerinnen und Bürger, Patientinnen und Patienten, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenversicherungen über Qualitätsmerkmale der Kliniken informieren“. Warum nichts über das Wichtigste, die (Ergebnis-)Qualität?

„Zuverlässige Zahlen über die Häufigkeit von Behandlungsfehlern in Krankenhäusern liegen in Deutschland nicht vor“. Warum nicht?

„Allerdings gibt es in einer wachsenden Zahl von Kliniken interne freiwillige Meldesysteme, mit denen fehlerträchtige Situationen im Versorgungsalltag identifiziert und dadurch Behandlungsfehler im Vorfeld ihrer Entstehung vermieden werden können“. Wie viele Kliniken, welche Fehler, welche neuen Regeln, welche Verbesserungen?

„Die Bemühungen um Qualitätssicherung … beziehen sich auf alle unmittelbar und mittelbar qualitätsrelevanten und -bestimmenden Faktoren“. Konkrete Beispiele?

„Neben den … strukturellen Voraussetzungen (Strukturqualität) geraten verstärkt auch die Qualität der Ablauforganisation und der Behandlungsprozesse (Prozessqualität) sowie die Güte der tatsächlich erzielten Ergebnisse (Ergebnisqualität) in den Blick“. Mit welchem Effekt?

„Erst durch das strukturierte Zusammenwirken aller Ansätze und Maßnahmen werden die Voraussetzungen für weitere Qualitätsverbesserungen geschaffen“. Welche Voraussetzungen?

„Qualitätsmanagement bemüht sich kontinuierlich und systematisch um eine stetige Qualitätsverbesserung aller drei relevanten Qualitätsbereiche. Grundprinzip des Qualitätsmanagements ist ein fortlaufend wiederkehrender Prozess. Dabei wird zunächst die Ausgangssituation analysiert und eine Verbesserungsstrategie entworfen („Plan“), diese wird daraufhin umgesetzt („Do“) und schließlich nach angemessener Zeit hinterfragt („Check“) und weiterentwickelt („Act“). Dieser so genannte PDCA-Zyklus soll gewährleisten, dass ein lernendes System entsteht“. Irgendein Beispiel? Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes will die Leser wohl veralbern!

„Die Bemühungen um Qualität im Gesundheitswesen sind nicht gänzlich neu. Beispielsweise hat die Qualitätszusicherung durch Zertifikate und Zeugnisse eine lange Tradition“. Dieser – von ärztlichen Standesorganisationen immer wieder gehörte – Satz wäre glaubwürdiger, wenn Beispiele folgten!

„Die Akteure der Gesundheitsversorgung sind zunehmend gehalten, ihre Leistungsfähigkeit transparent zu machen und die Qualität ihrer Dienstleistungen sicherzustellen“. Womit denn genau? Mit welchem Ergebnis?

„Seit Beginn der 1990er Jahre sind durch das Bundesministerium für Gesundheit … eine Reihe von Modellvorhaben gefördert worden“. Mit welchem konkreten Ergebnis?

„Typische Instrumente zur Sicherung der Prozessqualität sind fachliche Leitlinien“. Wie sichern die denn die Qualität? Die können doch nur – wenn sie denn etwas taugen – eine Voraussetzung für Qualität sein, wenn sie eingehalten werden! Und auch dann nur, wenn sich dadurch etwas verbessert!

„Die Ergebnisqualität ist damit der wichtigste Beurteilungsmaßstab für eine medizinische Leistung“. Sehr wahr! Und warum wird die dann so wenig gemessen? Und warum erfahren die Patienten im Falle der Messung (wie bei BQS) das Ergebnis nicht?

„Inzwischen sind vielfältige Instrumente zur Qualitätsmessung und -sicherung im deutschen Gesundheitswesen erprobt worden“. Mit welchem Ergebnis?

„Nur wer die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt und dies in staatlichen oder staatlich anerkannten Prüfungen nachweist, darf den betreffenden Beruf ausüben bzw. im Rahmen der jeweiligen fachlichen Spezialisierung tätig werden“. Auch weiter ohne Nachprüfung nach dreißig Jahren?

„Es entspricht dem ärztlichen Selbstverständnis, durch angemessene Fortbildung die eigene fachliche Kompetenz durch berufsbegleitendes Lernen kontinuierlich zu sichern und zu erweitern“. Dann können die Ärzte ja ruhig weitermachen wie gehabt! Die Patienten merken’s sowieso nicht!

Die vielen Hinweise, dass man „zur Qualitätssicherung gesetzlich verpflichtet“ sei, wollen wir angesichts der völligen Inhaltslosigkeit der Forderung gar nicht erst kommentieren.

„Auf europäischer wie auf Bundesländerebene wird mehr Qualitätssicherung gefordert“. Na klar. Und was davon ist bisher in Deutschland mit welchem Ergebnis umgesetzt?

„…eine seit jeher der ärztlichen Berufsausübung immanente Aufgabe …“. Das hatten wir doch schon!

„Qualitätsmanagement braucht klar definierte Ziele“. Und warum hört man so wenig davon – genau gesagt praktisch gar nichts? – Mit Zielen muss man sich ja inhaltlich und zeitlich festlegen!

„Dadurch soll die Zufriedenheit aller Beteiligten verbessert werden“. Und wie sehr ist das schon gelungen?

„Die Krankenhäuser sind gehalten, die Ergebnisse der Externen Vergleiche in ihr internes Qualitätsmanagement einzubringen“. Wo steht denn so was?

Die Zahl der Kliniken mit eigenem Qualitätsmanagement steigt. Im Jahr 2004 waren dies bereits 61 % aller Krankenhäuser“. Das hatten wir doch schon?

„71 % haben hauptamtliche Qualitätsmanager. Krankenhäuser führen regelmäßig Qualitätsverbesserungsprojekte durch, 71 % haben hauptamtliche Qualitätsmanager und 27 % ein Risikomanagement. Die überwiegende Mehrheit führt Patientenbefragungen durch“. Mit welchem Effekt?

„Eine zwischen den Spitzenverbänden der Krankenkassen einschließlich des Bundesverbands der privaten Krankenversicherungen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft unter Beteiligung von Bundesärztekammer und Deutschem Pflegerat geschlossene Vereinbarung zielt darauf ab, eine umfassende, auf ethische und humanitäre Werte hin orientierte Qualitätskultur in der stationären Versorgung zu etablieren“. Davon ist in der Praxis leider nichts zu hören und zu sehen.

„Bei Prüfungen in Pflegeheimen fallen häufig Qualitätsmängel auf“. Das hatten wir schon!

„Zertifikate können Transparenz nach innen und außen schaffen. Zertifizierungen im Gesundheitswesen …“: Können … und wo bleibt dann die Qualitätstransparenz?

„DIN EN ISO 9001:2000 … EFQM … wurden Ende der 1980er Jahre für die Industrie entwickelt und später an die medizinischen Anforderungen angepasst“. Weder ist die erste Behauptung richtig noch die zweite wahr: Beide – im Übrigen höchst unterschiedlichen – Ansätze sind schon immer absolut branchenunabhängig! Die Ärztefunktionäre haben sie nur zunächst einmal abgelehnt, ohne auch nur einen Blick darauf zu werfen!

„Seit langem ist bekannt, dass in der Medizin als „Handlungswissenschaft“ die Prozessqualität (die Qualität der Behandlungsabläufe) wesentlich bedeutsamer für das Therapieergebnis ist als die Strukturqualität …“. Dann versteht man nicht so recht, warum man sich in Deutschland im Unterschied zu den angelsächsischen Ländern überhaupt zu Leitlinien bequemt hat!

Leitlinien fußen auf „Evidenz“. Gut, dass da Anführungsstriche stehen!

„Behandlungspfade sind Navigationsinstrumente für die Behandlung innerhalb einer Versorgungseinrichtung“. Wo haben die Autoren nur die Eingrenzung her? Das soll wohl widerspiegeln, wie heftig man in Deutschland schon mit Klinischen Pfaden arbeitet!

„Fachlich geprüfte Informationen sollen für Patientinnen und Patienten zugänglich sein. … So unterhält das Ärztliche Zentrum für Qualitätssicherung einen Patienten-Informationsdienst im Internet (www.patienten-information.de). Schon mal nachgesehen, was man da alles (nicht) findet?

„Behandlungsfehler, Versorgungsfehler und Organisationsmängel sind in den vergangenen Jahren international zunehmend ins Zentrum des Interesses gerückt. Allerdings fehlt in Deutschland eine einheitliche und zusammenfassende Darstellung der Zahl vermuteter oder tatsächlich nachgewiesener medizinischer Behandlungsfehler“. Und was geschieht da?

„Fehlermeldesysteme sollen das Lernen von den Fehlern anderer ermöglichen. Zahlreiche Kliniken haben inzwischen mit der Einführung interner freiwilliger Fehlerberichtsysteme begonnen“. Das hatten wir doch auch schon. Man wüsste trotzdem gern Genaueres!

„Im Auftrag des … wurde eine bundesweite Multicenterstudie zur rechtsmedizinischen Begutachtung behaupteter tödlicher und nichttödlicher Behandlungsfehler durchgeführt. Die im Mai 2005 veröffentlichte Studie lieferte Erkenntnisse in Bezug auf das Auftreten, die Art und das Ausmaß der Schäden und nimmt eine umfassende Typisierung von Behandlungsfehlern vor. Auch die Konsequenzen für eine koordinierte Medizinschadenforschung werden dargestellt“. Und was ist dann geschehen? Welche Verbesserungen sind zu melden?

„Der Deutsche Ärztetag 2005 hatte das Fehlermanagement und die Patientensicherheit zu einem eigenen Tagesordnungspunkt gemacht“. Der Effekt?

„Gleichzeitig wurde von allen Partnern des Gesundheitswesens das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. gegründet. Ziel des als Netzwerk organisierten Aktionsbündnisses ist es, die von der ärztlichen Selbstverwaltung, den medizinischen Fachgesellschaften und den Krankenkassen bereits entwickelten Initiativen zur Fehlervermeidung zu koordinieren und auf freiwilliger Basis voranzutreiben“. Und wo stehen wir jetzt – Ende 2006?

Das traurige Fazit:

Besser als mit diesem (wohl unfreiwilligen) Bericht zum Qualitätsmanagement im deutschen Gesundheitswesen hätte man dessen desolate Lage kaum beschreiben können. Gratulation! Gesundheitspolitik als ergebnisorientierte politische Gestaltung der Rahmenbedingungen? – Null! Nur viel blinder Aktionismus. Statt systematisch dafür zu sorgen, eine Krankenbehandlung nachweislich hoher Qualität für alle bezahlbar zu halten, gibt es hierzulande eine Gesetzgebung, die alles nur noch teurer macht. Keinerlei auf konkrete Ergebnisse zielende Planung. Da ist es natürlich auch nicht möglich zu berichten, ob die Ziele erreicht wurden und was man daraus gelernt hat. Dann kann man natürlich nur berichten, was in diesem Bericht nachzulesen ist.

Wo andere Länder nun schon seit Jahrzehnten handfeste Verbesserungen bei den Prozessen und Ergebnissen melden können, wird hier – wenn man von einigen hoffnungsvollen Pflänzlein wie BQS absieht – hauptsächlich herumschwadroniert: Und viel Geld ausgegeben, ohne dafür auch nur einen Funken als Ergebnistransparenz oder gar –qualität erkennen zu lassen. Wir sollten es doch eigentlich weitaus besser können! Wer steht da eigentlich auf dem Schlauch?

 

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

 


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten). 

 

 

(Frontal 21) "Lohnt sich das noch?" - Mediziner warnt: Politik löst Probleme nicht

„Die geplante Gesundheitsreform löst nach Ansicht des Transplantationsmediziners und Ethikers Professor Eckhardt Nagel wesentliche, strukturelle Probleme des Systems nicht. Herausforderungen wie eine gestiegene Lebenserwartung und steigende Kosten durch medizinischen Fortschritt würden in der aktuellen Diskussion nicht bewältigt, sagt er im Interview mit dem ZDF-Magazin Frontal21. …“

 

Mehr

 

Anmerkung:

Was die Lösungsfähigkeit der Politik angeht, mag der Professor ja durchaus Recht haben. Dass aber schon heute – wie die Sendung suggeriert – im Krankenhaus immer häufiger eine Rationierung erfolge, kann man sich kaum vorstellen. Es gibt (noch) kein politisches Mandat zu rationieren. Auch der Bundesausschuss hat Derartiges bisher nicht beschlossen. Falls krankenhausintern rationiert werden sollte, ist das keineswegs gesetzeskonform.Wer allerdings – insbesondere in jenen Krankenhäusern und Universitätsklinika, die dank traditionell überhöhter („Hochleistungs-„)Fallkosten einfach vor der Übermacht der Chefärzte / Abteilungsleiter und ihren vielfältigen „Beschwerde-Bypässen“ an der Krankenhausleitung vorbei – einknickt und blind wie gehabt weiterzumachen versucht, hat im Zuge der Konvergenzphase ein zunehmendes finanzielles Problem. Da helfen keine internen Budgets und keine Beschwörungen. Das Programm muß auf den Prüfstand. Es müssen Schwerpunkte gebildet werden. Es muß standardisiert werden. Es müssen – im klinischen Bereich im Allgemeinen reichlich vorhandene – Unwirtschaftlichkeiten herausgekehrt werden. Danach sind die verfügbaren Mittel intern flexibel neu zu verteilen.

 

Das erfordert gerade gegenüber vielen deutschen Medizinprofessoren und Chefärzten, die sich ihren Gesprächspartnern gegenüber ja bekanntlich immer noch weit überlegen fühlen, ein enormes Maß an Geduld, Stehvermögen, Durchsetzungsbereitschaft (und Rückendeckung beim Träger), diese davon zu überzeugen, dass auch durchgreifende Veränderungen nicht gegen sie gerichtet sind, sondern im Sinne der Sache (= der Patienten) sind.

 

Es ist nicht bekannt, dass besonders jene Krankenhausleitungen mit den größten finanziellen Problemen auch inmitten ihrer Duodezfürstentümer auch nur formal die Macht hätten, diese energisch erfolgreich zu lösen. Also fangen sie sich mit ihren naturgemäß begrenzten internen Budgets zugleich die Schelte mit ein, wenn ihre unkündbaren leitenden Ärzte weiter ‚Business as usual’ spielen und die Schuld für Defizite oder eigenmächtige Rationierungen einfach ‚nach oben’ abschieben.

 

Frontal 21 weist zwar auf einen wichtigen Kritikpunkt hin, sucht aber diesmal die ‚Schuldigen’ am falschen Platz! Merke: Woanders wird mit vergleichbaren Erträgen auch ohne Rationierung immer noch gutes Geld verdient! Siehe Editorial.