Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

Der hmanage Newsletter 495 ist da. Nachdem Sie diese Nachricht aufgerufen haben, können Sie den...

26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

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258 - 10.10.2006 Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

You give me the right people, and I don't much care what organization you give me. Good things will happen. Give the wrong people, and it doesn't matter what you do with the organization. Bad things will happen

(Colin Powell)

 

Quelle: Baptist Health Care Leadership Institute

 


01. Editorial: Anmerkungen zu sechs Wünschen an die Politik*

Reasoning about Wiedeking’s Six Wishes For a Future German Policy

 

  1. Sagen Sie den Menschen, wie die Situation ist, und formulieren Sie eine Vision. Schaffen Sie Aufbruchstimmung statt Depressionsgenörgel.
  2. Reformieren Sie endlich .. so durchgreifend, dass die Entscheidungen zügig fallen können und die Verantwortlichkeiten klar zu erkennen sind. …
  3. Streichen Sie die Subventionen, die nur die Trägen belohnen, die Vergangenheit zementieren und einen Aufbruch in zukunftsfähige Märkte verhindern
  4. Fördern Sie Bildung, Forschung und Entwicklung und nutzen Sie unsere Stärken, mit denen wir die besten Chancen im internationalen Wettbewerb haben.
  5. Sorgen Sie dafür, dass … Wettbewerbsbedingungen entstehen, die Unternehmen und Arbeitnehmern in Deutschland … eine faire Chance geben.
  6. Machen Sie endlich ernst mit dem Abbau der Bürokratie, damit die Menschen die Freiheit haben, um selbstverantwortlich wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen.

 

Was der Porsche-Chef als Fazit eines längeren Artikels zur großen Koalition äußert, gilt nahtlos auch für die Gesundheitspolitik. (Soweit sinnvoll, bleiben bei der folgenden Aufzählung seine Formulierungen erhalten):

 

  1. Aufbruchstimmung mit der Vision, eine Krankenbehandlung für alle langfristig bezahlbar zu halten und nicht nur ein überteuertes System mit immer neuen Geldspritzen am Leben zu erhalten.
  2. Schaffung von Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Transparenz der Behandlungsmethoden und -ergebnisse als Grundlage eines Wettbewerbs auf der Ebene der Leistungserbringer.
  3. Streichen jeglicher staatlicher Finanzierung von Krankenversicherung und Leistungserbringung. Wettbewerb. Und Bezahlung der Krankenversicherung für die sozial Schwachen aus Steuermitteln.
  4. Fördern Sie Bildung, Forschung und Entwicklung in Prävention und Krankenbehandlung und nutzen Sie unsere Stärken, mit denen wir die besten Chancen im internationalen Wettbewerb haben.
  5. Sorgen Sie dafür, dass unter Krankenversicherern sowie Leistungserbringern Wettbewerbsbedingungen entstehen, die Unternehmen und Arbeitnehmern in Deutschland … eine faire Chance geben.
  6. Machen Sie endlich ernst mit dem Abbau von Bürokratie und staatlicher Einflussnahme, damit die Menschen die Freiheit haben, um selbstverantwortlich wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen.

 

Dass derart praktische Forderungen fürs hiesige Gesundheitswesen auch nur die geringste Chance hätten, ist nicht zu erwarten. Hier steht schließlich nicht das Patienteninteresse im Mittelpunkt! Ohne Zielklarheit muß jeder Lösungsansatz zwangsläufig im Interessengetümmel versanden – wie gehabt.

 

Das sollte intelligente und fantasiebegabte Mitmenschen an der Spitze einzelner Gesundheitsinstitutionen keineswegs davon abhalten, den Rahmen des Möglichen zur Stärkung der Zukunftssicherheit der eigenen Organisation auszureizen. Auch dafür böten die sechs Wünsche von Wendelin Wiedeking – entsprechend umformuliert – eine solide strategische Basis:

 

  1. Sagen Sie Ihren eigenen Mitarbeitern, wie die Situation ist, und formulieren Sie eine Vision. Schaffen Sie Aufbruchstimmung anstelle ständiger – berechtigter – Klagen über die Politik.
  2. Reformieren Sie Ihre eigene Organisation endlich so durchgreifend, dass patientenbezogene Entscheidungen noch zügiger fallen können und die Verantwortlichkeiten klar zu erkennen sind.
  3. Setzen Sie nicht länger auf Fördermittel und Subventionen, die nur die Trägen belohnen, die Vergangenheit zementieren und einen Aufbruch in zukunftsfähige Märkte verhindern.
  4. Fördern Sie Bildung, Forschung und Entwicklung in den eigenen Reihen und nutzen Sie die Stärken der Mitarbeiter, mit denen Sie die besten Chancen im internationalen Wettbewerb haben.
  5. Stellen Sie sich dem Wettbewerb, damit Ihr Unternehmen und seine Arbeitnehmer in Deutschland weiter eine faire Chance haben.
  6. Machen Sie endlich ernst mit dem Abbau jeglicher interner Bürokratie, damit die Menschen die Freiheit haben, um selbstverantwortlich wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen.

 

* Das könnte fast zum Schlüsseltext unserer Website werden!

 


02. (ZDF) Krankenbehandlung in Indien

Medical Treatment in India

Kürzlich brachte das ZDF eine zweiteilige Sendung (Teil 1 und Teil 2) über Indien: Darin zeigten ... eindrucksvoll, in welcher Aufbruchstimmung sich Indien heute befindet (und wie irreal dagegen die hiesige Stimmung erscheint) – und welchen unvergleichlichen Problemen man sich (gemessen an den unseren) dort gegenübersieht. Es wurde auch eine private Krankenhausgruppe vorgestellt, deren Website wir Ihnen nicht vorenthalten wollen: Apollo Healthcare.

Hier versorgt man auf höchstem internationalen Niveau (selbstverständlich Joint Commission Accredited) auch internationale Patienten – im vorgestellten Beispiel einer US-Patientin - für gerade einmal ein Zehntel des Preises, den sie in den USA hätte zahlen müssen. Das wäre doch auch etwas für deutsche Patienten. Und Feuer unter dem Hintern der Verantwortlichen der hiesigen Leistungserbringer. Ein Tochterunternehmen Apollo Health Street nimmt als Serviceleistung u.a. Kodierungen vor, schreibt Arztbriefe und betreibt die Datenverarbeitung.

Anmerkung:
Apollo Hospital's International Marketing provides a wide range of services to the international patients and their family members, ensuring them of a pleasant and comfortable experience throughout their stay. Our services include:

  •  Airport Pick up & drop
  • Travel arrangements (Local transportation and sight seeing)
  • Translators
  • Coordinating all appointments
  • Arranging accommodation for patients and attendants (Hotels/Guest Houses for Attendants)
  • Visa and Foreign Exchange assistance
  • Cuisine to suit your palate
  •  Locker Facility for all Valuables

Please Contact International Marketing at
Email: intqueries_delhi@apollohospitals.com
Tel: 91-11- 26925858/5801 Ext : 1715, 1849
Fax: 91-11- 26825563/26825709


03. (AHRQ) Umgang mit Behandlungsfehlern in der Öffentlichkeit

Methodist rolls out medical safeguards.

This article reports on the deaths of two infants from heparin overdoses and describes how the hospital community has responded to the errors. A related article, available via the link below, reports on the death of a third infant. …

Mehr

 


04. (AHA) Zertifizierung für elektronische Krankenakte

Commission releases inpatient certification criteria for comment

...released for public comment proposed initial criteria for certifying inpatient electronic health record products...


05. (AHA) Amerikaner versuchen Medikationsfehler zu vermeiden

Americans take steps to prevent medical errors

One in three Americans say they ... created a set of medical records to ensure their health care provider has all their medical information, ... survey ... by the Kaiser Family Foundation and Agency for Healthcare Research and Quality...


06. (AHRQ) Ermächtigung zu einer besseren Pflege

Empowering Better Nursing Care.

This photo essay includes interviews with three nurses participating in a nationwide initiative to empower nurses and improve care. …

Mehr


07. (AHA) Überfüllung in der Ersten Hilfe

CDC report examines ED crowding

Almost half of U.S. hospitals experience crowded conditions in the emergency department, ... according to a report released today by the Centers for Disease Control and Prevention...

Anmerkung: Und bei uns?


08. Links

Berliner Rede des Bundespräsidenten

 

Ausschreibung KlinikAward 2006, ein zwar kommerzielles, aber interessant erscheinendes Angebot!

 

IQWiG stellt überarbeitete Version seiner Methoden zur Diskussion

 

Quackwatch Your Guide to Health Fraud, Quackery, and Intelligent Decisions

 

http://www.ilep.de/downloads/RADAR_Matrizen.pdf

RADAR-Matrix des EFQM-Modells

http://www.ilep.de/ludwig-erhard-preis/preis-grundlagen.html

Grobe Übersicht über den Ansatz des EFQM-Modells

 

Etwas sachgerechtere Überlegungen zum Thema Gesundheitsreform

 

http://www.exba.de/ Excellence Barometer (ExBa)

 

Bilanzrechtsreformgesetz, speziell Fair-Value-Richtlinie

 

 

Vertragswettbewerb: Die Mission der AOK

 

An Assessment Tool for CEOs, Board Chairs and Trustees to Develop Effective Relationships!

 

http://www.ramcampaign.org/ Remaking American Medicine

 

Dann sucht mal schön: Zu Dutzenden bieten Internetportale Informationen für Patienten, eine große Hilfe sind sie kaum.

 

"Lieber gar nichts als das" - Gesundheitsexperte Jürgen Wasem weist geplante Gesundheitsreform zurück

 

ZDF:Schlecht und teuer: Pfusch beim Zahnersatz

 

U.S. Health System Performance: A National Scorecard

 

Intel lanciert einen "Spital-PC"

 

Alternativmedizin kritisch betrachtet

 

http://www.factsandcomparisons.com/ US Apothekerinformation

 

"Wirtschaftliche Revolution in Krankenhäusern" - Aber nur in der Infrastruktur. Richtig interessant würde es erst im klinischen Betrieb!


09. Buchbesprechung

Book Review

 

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

 

Dubiel, Helmut, Tief im Hirn, München 2006, ISBN 3888974518, AMAZON

 

Dieser Besprechung seien zwei Zitate vorangestellt: “Dubiels Innenansichten, eine fesselnde und beklemmende Lektüre (Stern, 35/ 2006). "Tief im Hirn", dieses Buch ist jedoch nicht die Leidensgeschichte eines Parkinsonkranken. Vielmehr nimmt der Autor seine Erkrankung zum Anlass, um über die brutale Zufälligkeit des Lebens, die daraus folgende existenzielle Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit des Menschen nachzudenken. - Beides bleibt, trotz allen technologischen Fortschritts, der immer janusköpfig ist” SR 2 KulturRadio, Bücherlese, 05.08.2006).

 

Mit diesem – äußerst empfehlenswerten – Büchlein macht Helmut Dubiel, Professor für Soziologie in Gießen und Parkison-Patient, dem Leser ein Geschenk, das dieser nicht so schnell vergessen wird. Parkison verringert allmählich die Produktion von Dopamin, das der Koordination von Körperbewegungen dient und Bewegungen, das Glücksgefühl, die Neugier, Abenteuerlust, Angst und Freude steuert. Der Kern des Buchs, der persönliche Umgang mit einer solch schrecklichen Krankheit, berührt tief. Doch nicht deshalb wird es hier vorgestellt.

 

Dort findet sich vor allem Aufrüttelndes zur fehlenden, weil hierzulande zum Schlagwort verkommenen „Patientenorientierung“ (Originalzitate):

´

„Bei Parkison gibt es … Heilung noch nicht. Gleichwohl empfehlen alle Ratgeber, zumal die von Ärzten geschriebenen, eine möglichst frühe Diagnose“. Warum nur?? Warum haben die Ärzte nur ein Interesse daran, Patienten ins Unglück zu stürzen, ohne ihnen helfen zu können? …

 

... der junge Neurologe in der Frankfurter Uniklinik … Diese freche Infragestellung seiner Autorität machte ihn nachhaltig wütend … mit einer Notlüge fand der äußerst gereizte Assistenzarzt einen eleganten Ausweg … der braun gebrannte, weißhaarige Chefarzt … betrachtete mit professioneller Neugier meinen müden, schlurfenden Gang, als wir auf sein Zimmer zugingen. Er examinierte mit sichtlichem Selbstgenuss seiner professionellen Eleganz meine eingeschränkte Beweglichkeit. …

 

… Er betrachtet den Körper nicht in seinem organischen Zusammenhang, sondern aus der Perspektive der Besonderung. Medizinisches Handeln ist vielmehr eine stumme Intervention in ein Feld von Dingen, von Objekten. Dass Menschen mit Geist begabte Wesen sind, kommt einer solchen Medizin erst gar nicht in den Sinn. …

... Ich hatte – bis auf das Kerngeschäft der Operation – nicht jederzeit den Eindruck, dass die Ärzte wussten, was sie taten. Zwei Tage vor der OP wurde ich unfreiwillig Zeuge einer heftigen Debatte von jüngeren Assistenzärzten, ob ich für die Operation überhaupt geeignet sei. … Mich hat diese Mitteilung sehr beunruhigt. Aber ich stand schon unter Drogen und konnte diese Beunruhigung nicht artikulieren. … Nach den Kriterien der Operateure war die Aktion ein voller Erfolg. … Ich habe rasch die Versuche eingestellt, den Ärzten zu beschreiben, was mit mir war. …

 

… Gegen die Ärzte, die mich operiert haben und die mir die Indikation zur Operation gestellt haben, hege ich keinen Groll. … empfand ich das Niveau der medizinischen und therapeutischen Versorgung in der Rehaklinik in G., in die ich drei Tage nach der OP überwiesen wurde, als so schlecht, dass es mir gewiss ohne diesen Krankenhausaufenthalt besser gegangen wäre. Der Oberarzt … schrieb über jede Visite eine Art Protokoll … Ich gewann … immer stärker den Eindruck, die Berichte handelten von einer anderen Person. Die Beschwerden, die ich mit größter Zurückhaltung zu äußern gewagt hatte, tauchten in diesen Berichten kaum auf. … ‚Der Patient gibt vor…’ …

 

… Dieses autoritäre Klima hat sich glücklicherweise stark verändert, ohne dass man sagen könnte, die Institutionen etwa der Gesundheitsfürsorge hätten schon durchgängig das Niveau der Leistungsgesellschaft erreicht. Doch auch wir Patienten … stecken in unserem Verhalten zu Ärzten, zur Medizin und ihren Einrichtungen noch auf halbem Wege fest zwischen feudaler Tradition und rationalerer Moderne.

 

… Ärzte … neigen … zu einem irrationalen Respekt gegenüber Berufs- und Standesgruppen, die sie als überlegen oder sei es nur als ebenbürtig empfinden. Bei keiner Statusgruppe konnte ich so leicht mit meinem Professorentitel Eindruck schinden wie bei Ärzten. … Die Unsicherheit der Ärzte nahm noch zu, wenn ich signalisierte, dass ich vor allem mit Hilfe des Internet zu einem Experten in eigener Sache geworden war. Oft kam es vor, dass ich durch die Konsultation einschlägiger amerikaniscer Websites rascher über neue Entwicklungen informiert war als der Arzt selbst. …

 

Ich wurde in den Wochen und Monaten nach der OP oft gefragt, wie denn meine Bilanz des gesamten Prozesses sei. Diese Frage stellten mir Freunde, nicht die behandelnden Ärzte. Der Neurochirurg der Uniklinik in Köln hat mich nie mehr gesehen, der Neurologe, der ihm bei der OP assistierte und der mir die Indikation gestellt hatte, verlor sein Interesse an mir, als ich – anfangs noch sehr verhalten – meine Unzufriedenheit mit dem Resultat des ganzen Prozesses artikulierte. …

 

… Auch die Gesunden sind ‚gesund’ nur in dem Maße einer ihnen zugänglichen medizinischen Technologie. …

 

Das Buch sollte jedem sehr zu denken geben, dem – an der Basis oder in Leitungspositionen – in der einen oder anderen Weise Patienten anvertraut sind. Unser patientenunfreundlich organisiertes Gesundheitssystem zwingt viele von ihnen zu einem Leidensweg durch Arztpraxen, Krankenhäuser, Reha-Kliniken etc. – als Organisationsfolge!

 

Über die Qualität daraus resultierender Prozesse mag man gar nicht erst nachdenken. Besonders an den Rändern der aktuellen Entwicklung der Medizin werden Patienten oft offensichtlich mehr als Versuchskaninchen behandelt und nicht immer so über die realistischen Heilungschancen informiert, wie dies geboten wäre. Das Buch bietet eine erstklassige Gelegenheit, sich sozusagen aus erster Hand zu informieren, was eine wirkliche Patientenorientierung in der Praxis ausmachen sollte! (+++)

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!

 


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen, (oder auch gelegentlich Anregungen aus dem Ausland, die hier beachtet werden sollten). 

 

(RAM) „Remaking American Medicine“: Auch das hiesige Gesundheitswesen endlich „runderneuern“ statt daran nur zum Zwecke der Erschließung immer neuer Geldquellen herumzubasteln!

 

Stoff zum Nachdenken

 

Wer – wie der Autor – die Gelegenheit internationaler Kontakte in Europa und jenseits des Atlantiks nutzt, systematisch nach Verbesserungsmöglichkeiten für die Organisationen im Gesundheitswesen zu suchen, weiß natürlich, dass möglicherweise Ideales immer auch vom Machbaren unterschieden werden muß. Ein Beispiel für Letzteres scheint jüngst den Niederländern für ihr Gesundheitswesen gelungen zu sein. Eine Pflichtversicherung für Jedermann auf privatwirtschaftlicher Basis! Ob deren Lösung in der konkreten Ausprägung funktionieren wird, muß sich erst noch zeigen.

 

Was man allerdings in Deutschland als „Fachdiskussion zur Gesundheitsreform“ zu bezeichnen pflegt, ist dagegen eher peinlich. Denn der Zweck eines Gesundheitssystems scheint den Kombattanten (und den Medien) – zumindest was ihre öffentliche Diskussion angeht – über dem Streit über den Umfang und die Ausgestaltung sozialer Transfers nicht einmal vor ihrem geistigen Auge gestanden zu haben: Die Sicherung und / oder Wiederherstellung von Gesundheit für die Bürger dadurch bezahlbar zu halten, dass das System endlich transparenter und effektiver gemacht wird als bisher.

 

Ob sich aus diesem Grunde auch die Repräsentanten der Leistungserbringer zu dieser auch für sie eigentlich existenziellen Frage bisher so vornehm mit Verlautbarungen zurückgehalten haben, soll an dieser Stelle nicht weiter spekuliert werden. Jedenfalls zielt auch deren Handeln – zumindest im dynamischeren Teil der Branche – eher auf Effektivitätssteigerungen im Infrastruktur- und Nachschubbereich und praktisch überhaupt nicht aufs Kerngeschäft der Krankenbehandlung selbst. Vielleicht weiß man es selbstverständlich besser, lebt aber gut mit den Unzulänglichkeiten?

 

Zu allem Überfluss lädt auch noch der Nationale Ethikrat zu einer Veranstaltung „Rationierung und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen“ ein – als ob es vor dem Hintergrund des drittteuersten Gesundheitssystems der Welt heute ernsthaft darauf ankäme, darüber auch nur nachzudenken! Vielleicht sollte man sich doch erst einmal darüber klar werden, ob das ganze, unendlich viele Geld, das man den Bürgern schon heute fürs Gesundheitswesen auf verschiedenen Wegen aus der Tasche zieht, für eine Krankenbehandlung hoher Qualität wirklich benötigt wird? Die Wahrscheinlichkeit spricht dagegen. Andernorts kommt man jedenfalls mit erheblich weniger Geld aus!

 

Doch „vielleicht finden wir doch noch einmal im Hirn eines Politikers den Strohhalm, an den wir uns klammern können“ (Wolfgang Neuss). Dazu müssten vielleicht nur neue Erkenntnisse her. Eine starke Anregung findet sich mit dieser Aussage The United States would have to improve its performance on key indicators by 50 percent or more to reach benchmark rates z.B. in der Septemberausgabe von „Health Affairs“ unter dem Titel „U.S. Health System Performance: A National Scorecard“. Die USA würden ihren (dort nachlesbaren) Punktwert für ein gutes Gesundheitswesen um 5% steigern, wenn sie nur so gut arbeiteten wie jene Institutionen, deren beste Praxis als Benchmark genutzt wurde. Dort wurden zur Beurteilung des Gesundheitssystems Indikatoren zu den folgenden Themenkreisen herangezogen (Einzelheiten zur Methode in der Quelle):

 

  • Outcomes: Long, healthy, and productive Lives (Gesundheit für ein langes Leben)
  • Quality of care (Qualität der Krankenbehandlung)
    - Getting the right care
    - Coordinated care
    - Safe care
    - Patient-centered, timely care
  • Access and affordability (u.a. bezahlbare allgemeine Pflichtversicherung)
  • Efficiency (scheint bei uns niemanden zu interessieren)
    - Potential overuse, waste, and inappropriate care
    - Access and efficiency
    - Variations in quality and costs
    - Insurance administrative costs
    - Information systems to support efficient care
  • Equity (“Soziale Gerechtigkeit”)

 

Der Artikel ist hinreichend selbstkritisch, um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, hier würden wieder einmal “amerikanische Verhältnisse” empfohlen. Es kommt erst einmal darauf an, die richtigen Fragen zu stellen. Das geschieht hierzulande – aus welchen Gründen auch immer – praktisch nicht. Besser immer noch nicht, seitdem Mitte der 90er Jahre das Wort „Qualität“ vom Himmel fiel – einschließlich ganzer Kompanien von Experten, die einen großen Teil des unter diesem Tarnetikett segelnden Unfugs auch noch gegen Bezahlung unter die Leute bringen.

 

Wahrscheinlich fehlt uns bisher ein personifizierter Motor einer dafür anzufachenden Bewegung wie Donald Berwick und andere „Champions of Change“, die sich in den USA in den letzten Jahrzehnten unbezahlbare Verdienste auf diesem Gebiete erworben haben. Zur Zeit läuft unter der Überschrift „Remaking American Medicine“ in den USA wieder eine breite Kampagne, auf die hier zum Abschluß hingewiesen werden soll: http://www.pbs.org/remakingamericanmedicine/. Wir haben in Deutschland stattdessen vor allem Zertifikate, „Qualitätsmanagementsysteme“ sowie Qualitäts- „Gesundheitsexperten“, die sich mit der Gesundheit und ihrer effektiveren Produktion überhaupt nicht befassen. Pisa läßt grüßen!