Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

NEU! hmanage Newsletter 495.

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26.05.17 14:19

(hmanage) 20 Jahre komplett vertan?

(Vorabversion - aktualisiert)

 

Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

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245 - 06.06.2006 Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"Das Problem: Leistung wird in Deutschland nie ganz anerkannt"

 

(Felix Magath, Erfolgstrainer)

 

Quelle: Der Tagesspiegel

 


01. Editorial: Statisches Denken überwinden: Plädoyer für einen strategischen Wandel

How to overcome static thinking: Plea for a strategic change!

 

„Würde man in der Automobilindustrie so arbeiten wie in deutschen Krankenhäusern, könnte sich längst kaum noch jemand ein Auto leisten, über die Qualität gar nicht zu reden!“ Dieser Argumentation wird im hiesigen Gesundheitswesen gern entgegengehalten: „Der Patient ist kein Auto!“ Das entspricht auch unserer Erfahrung. Doch unter Autoverkäufern wird unseres Wissens wenigstens nicht darüber diskutiert, ob ihre Kunden überhaupt echte Kunden sind. Man versucht vielmehr, die Kunden von den Vorzügen des eigenen Angebots zu überzeugen. Der Wettbewerb ist hart. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Qualität ist weitaus höher als vor 10 Jahren. Und (fast) jeder Laie in Sachen Automobiltechnik hat klare Vorstellungen davon, welche Mindestqualität ein Auto aufweisen muß, bevor ein Kauf in Frage kommt.

 

Wer – wie der Autor – die Gelegenheit hatte, Autofabriken im Laufe der Jahre des Öfteren von innen zu sehen, weiß: In der Automobilfertigung ist in den letzten 10 Jahren buchstäblich kein Stein auf dem anderen geblieben. Die arbeitsteiligen Herstellungsprozesse wurden immer wieder überdacht und neu geordnet. Die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter haben sich massiv erhöht. Und die Versorgungssicherheit wurde dadurch nicht etwa gefährdet. Im Gegenteil: Heute bekommt ein Kunde das Auto seiner Wahl rascher und viel genauer seinen besonderen Anforderungen entsprechend. „Der Kunde ist König“ – ob die Autoverkäufer dies nun schätzen oder nicht.

 

Nicht so im Gesundheitswesen. Hier kämpft das Gros der Krankenkassen und der Leistungserbringer noch heute darum, dass sich strukturell möglichst wenig ändert. Zumindest nicht freiwillig und nicht, solange es dafür keine gesetzliche Vorschrift gibt. Krankenkassenvertreter können sich beim besten Willen keine Welt ohne Krankenkassen vorstellen – auch wenn es sich dabei um ein deutsches Unikat handelt. Niedergelassene Ärzte tun sich schwer, mit Kollegen zusammenzugehen. Krankenhäuser verharren bei ihren Bettenkapazitäten und Abteilungsstrukturen. Hochschullehrer und Krankenhaus­berater verharren – von Ausnahmen abgesehen – zusammen mit den Bürgern in den strukturell vorgemeißelten Denkmustern. Belege dafür finden sich tagtäglich, u.a. bei http://www.mydrg.de/ bzw. http://www.medinfoweb.de/.

 

Hier die Nachrichtenauswahl einer Woche: Viele Kliniken überschreiten Basisfallwert = „Wir brauchen mehr Geld!“ Ungleichgewicht zwischen Kosten und Erlösen = „Wir brauchen mehr Geld!“ Krankenhausreform weitgehend ausgereizt. Neue Studie: Fallpauschalen bringen jede dritte Klinik in Bedrängnis = Soll man nun schließen? McKinsey: Chancen fuer kleine Kliniken = Sind die auf einmal besser? Der Spielverderber bei Klinikfusionen = Kartellamt stört? Fiskus straft ambulant-stationäre Kooperation = Verheddern in den bequemen “Gemeinnützigkeitsregeln”? Für Höchster Kliniken wird’s schwierig = “Das Geld reicht nicht!” Deutsche wollen keine Privatisierung des Gesundheitswesens = „Es soll alles so bleiben!” Erneut keine Einigung im Ärzte-Tarifstreit = “Wir wollen mehr Geld – koste es, was es wolle!” Stand der Verhandlungen zur Gesundheitsreform = “Wie verbessern wir die Einnahmenseite?” Institut fordert: Keine Experimente im Gesundheitswesen! = “Wir hätten gern einen gut dotierten Auftrag!” DKG-Positionen zur Gesundheitsreform 2006 = “Es soll alles beim Alten bleiben; ohne eine Menge zusätzlichen Geldes, auch aus Nachbartöpfen, geht das natürlich nicht!“ NRW plant neues Krankenhausgesetz. .. Landesregierung soll Einfluss behalten. Wofür auch immer! Ärzte bezweifeln Sparpotenziale im Gesundheitswesen = “Wir wollen schließlich auch mehr Geld!” Viele Krankenhäuser stehen am Rand der Insolvenz . = Wir können weniger ausgeben. Was nun?

 

„Seit wir das Ziel aus den Augen verloren haben, verdoppeln wir unsere Anstrengungen“ (Mark Twain). Ein strategischer Wandel sähe anders aus. Er käme nicht von der Politik. Die kann nur bessere oder schlechtere Randbedingungen schaffen. Ein strategischer Wandel muß vom einzelnen Unternehmen ausgehen. Dazu muß man sich erst einmal als solches verstehen. Dann gilt es herauszufinden, auf welchen strategischen Geschäftsfeldern eine Ausweitung der bisherigen Aktivitäten aussichtsreich und auf welchen ein Abbau geboten erscheint.

 

Generell hat dies in jeder Organisation ein Verringern des Fallspektrums bei einem gleichzeitigen Ausweiten der Fallzahl zur Folge. (Unter Marktbedingungen gäbe es für jede Nachfrage trotzdem immer ein Angebot). Ob sich die Organisation auf diesem Wege strategisch verkleinert oder vergrößert, hängt von den im Inneren und im Umfeld gegebenen Bedingungen ab. Keine der Alternativen ist a priori „richtig“. (Sehr weit gefasste) Infrastrukturdienste lassen sich in der eigenen Organisation zentralisieren oder auch outsourcen. Auch hier gibt es kein grundsätzliches „Richtig!“ oder „Falsch!“ Grundsätzlich gilt allerdings, dass jene Aktivitäten und Dienste, die den Wettbewerbs­vorteil begründen sollen, in der eigenen Verantwortung verbleiben sollten. Jeder Verantwortliche im Gesundheitswesen sollte in seinem Bereich unverzüglich so handeln und – wo dies noch geht – das Ruder herumreißen!


02. (Washington Post) Pflegekraft als Patientin

"Get Me Out Alive: As a Nurse, She Knew the System. Then She Became a Patient...

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03. (AHRQ) Patientensicherheit aus Pflegesicht. USA und Kanada

Nursing2006 Patient-safety survey report.

The investigators analyzed the results of a 2005 survey of approximately 4500 U.S. and Canadian nurses to assess their perceptions of patient safety in hospitals. They provide a short discussion on the results for each question. …

Quelle

Anmerkung:
Eine Anregung auch für Deutschland!

 

 


04. (JCAHO) Kriterienentwicklung für Transplantationszentren.

JCAHO issues proposed certification requirements for transplant centers

The Joint Commission on Accreditation for Healthcare Organizations has released for field review proposed requirements for its planned certification program for hospital-based organ transplant centers...

Anmerkung:
Hinweis für KTQ etc. und deren Anhänger: Hier finden Sie einmal mehr ein Beispiel für ein professionelles Vorgehen!

 


05. (AHRQ) Teamwork im OP? Das liegt im Auge des Betrachters … !

Operating room teamwork among physicians and nurses: teamwork in the eye of the beholder.

This Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ)–supported study advocates for the use of the Safety Attitudes Questionnaire (SAQ) as a validated method to evaluate teamwork, communication, and the quality of collaborative care...

...Quelle 


06. (Most Wired) Innovationen in der Pflege treiben IT-Lösungen – in den USA

Nursing Innovation Drives IT Solution

Faced with a massive data collection and processing project, nurse executives designed an IT-powered solution that yielded both operational and morale benefits. …

Mehr

Siehe dazu auch http://www.rwjhn.org/.

 


07. (Urgent Matters) Ein Beispiel für Toyota Lean Management im Krankenhaus

Keeping Health Care Lean: Adapting Lean Principles for the Health Care Service Industry

...

Mehr


08. Links

 

http://www.cse-net.org/kb/ "The latest Corporate Responsibility (CR) Report of Lloyds TSB" als Vorlage für eigene Aktivitäten (speziell zum EFQM-Kriterium 8)!

 

der neueste BVmed-Newsletter, darn besonders aufschlußreich die Grafik über das Vertrauen gegen Personen in Deutschland

 

http://www.ilep.de/ludwig-erhard-preis/ Passable Ausführungen zum EFQM-Modell - dazu Link zur kompletten RADAR-Matrix zum Download!

 

Schlechte Noten für Klinik-Qualitätsberichte

 

ARD Kontraste: "Verschmutzt und blutig - aber billig" Über die Mehrfachverwendung von Einwegmaterial

 

http://www.euro.who.int/ HiT-Bericht Gesundheitssysteme im Wandel - Deutschland

 

http://www.financial.de/ RHÖN KLINIKUM AG: Private Krankenhausbetreiber fordern Erhöhung von ...

 

http://www.business-intelligence.co.uk/ Knowledge Based Business

 

http://www.patientsafety.org/ The Consumers Advancing Patient Safety (CAPS) Web site

 

http://www.ktq.de/ktq_media/LaudatioKTQ_2.pdf Ein Lob für KTQ, das wir erst jetzt entdeckt haben.

 

http://www.ahrq.gov/ Ways You Can Help Your Family Prevent Medical Errors!

 

Methode Patientenbefragung Rhein-Ruhr

 

http://americanheart.org/ American Heart Association

 

http://www.gesundheitsinformation.de/index.de.html IQWiG Gesundheitsinformation für Patienten

 

http://www.inqa.de/ INQUA Initiative Neue Qualität der Arbeit

 

http://www.medfuehrer.de/ Medizinportal

 

http://www.rwjhn.org/ The Robert Wood Johnson Health Network is a financially and clinically integrated network of medical institutions dedicated to maintaining and improving the quality of care delivered to the patients of our partner institutions. The Network also creates operating efficiencies that lower costs and eliminate redundancies, and speaks in a common voice in negotiations with insurers.

 

 

 


09. Buchbesprechung

Book Review

 

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Cochrane, A. L., Effectiveness & Efficiency, Random Reflections on Health Services, London 1971 (Nachdruck 2004), ISBN 185315394X, AMAZON .

 

“I hope that clinicians in the future will abandon the pursuit of the ‚margin of the impossible’ and settle for ‚reasonable probability’. There is a whole rational health service to gain" (A.L. Cochrane).

 

Dieses Buch aus dem Jahre 1971 (Druckdatum im vorliegenden Original, im Nachdruck des Buches wird das Jahr 1972 genannt) hat wie kaum je ein anderes das Bild des Rezensenten von der Medizin und den Medizinern geprägt. (Ähnliches signalisieren all jene, welche die Broschüre nach so langer Zeit erneut veröffentlicht haben). Umso schöner, dass es nun bereits seine dritte Wiederauflage erfährt! Damals hörte er den Autor und eine Reihe weiterer britischer Epidemiologen in einem FU-Seminar, an dem – seinerzeit erstaunlich – Vertreter aus allerlei Fachrichtungen teilnahmen, aber keiner aus der Medizin. Der vermutliche Grund dafür erschloss sich ihm erst später: Deutschen Medizinern konnte (und kann teilweise noch heute) kaum gefallen, was dort vorgetragen wurde:

 

„An effective treatment must be free”. Mit Betonung auf “Effective”. Hätte man Cochrane hierzulande schon früher zur Kenntnis genommen, wäre eine im Jahre 2006 fortdauernde Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer evidence based medicine ebenso schwer vorstellbar wie das beharrliche Festhalten an einer „Evidenzskala“, deren eines – in der Praxis wohl nach wie vor am häufigsten herangezogenes – Ende sich in Leitlinien verliert, die nach dem Prinzip GOBSAT entwickelt wurden. (GOBSAT steht im angelsächsischen Sprachraum für: „Good old boys sitting around the table“).

 

Und hätte man Cochrane ernst genommen und nicht erst einmal für fast zwei Jahrzehnte verdrängt, wäre die Finanzierung eines daran ausgerichteten Gesundheitswesens heute – 35 Jahre später – wohl kaum ein ernsthaftes Problem! Stattdessen diskutiert man hierzulande immer noch ernsthaft die Frage, ob Patienten denn nun Kunden seien und selbstverständlich auch die „Grenzen der EbM“ – Hier die (selbst übersetzte) Gliederung:

 

Danksagungen

  1. Einführung
  2. Geschichtlicher Abriss
  3. Der National Health Service (in Großbritannien)
  4. Evaluation von Evidence
  5. Effektivität und Effizienz
    Prävention
    Therapeutik
    Diagnostik
  6. Beispiele zur Illustration
    Pulmonare Tuberkulose
    Arterieller Blutdruck
    Ischämische Herzerkrankungen
    Diabetes Typ 2
    Psychiatrie
    Zwei Aspekte aus dem HNO-Bereich
    Geburtshilfe
  7. Eine vorläufige Auswertung
  8. Gleichbehandlung („Equality“)
  9. Folgerungen

Zusammenfassung

Postskriptum

Quellen

 

In diesem Buch geht es um die Bedeutung randomisierter Studien (RCTs) auf dem Wege des Ersatzes von Meinung (clinical opinion) durch Fakten, die im sorgfältig geplanten und durchgeführten Versuch bewiesen wurden, nämlich immer statistisch vergleichbare Ergebnisse bringen. Das wird anhand einer ganzen Reihe von Beispielen sehr schlüssig diskutiert.

 

In diesem Buch wird breit diskutiert, welche Schwierigkeiten es dabei zu überwinden und welche Fußangeln es zu vermeiden gilt. Hier geht es um die Forderung nach mehr Effektivität in der Krankenbehandlung (und nicht allein nach mehr Effizienz) – gegründet auf die Erkenntnisse großer randomisierter multizentrischer Studien. Es geht angesichts begrenzter Mittel auch um Kosten-Nutzen-Analysen anstelle einer „Medizin auf oberflächlichem Niveau“ (Originalton).

 

Und natürlich geht es auch um „Nichtmedizinisches“ wie die Unterkunft und Verpflegung und eine behutsame, liebevolle Betreuung: „Care“ in einem erweiterten Sinn in Abgrenzung zu „Cure“ für den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt. Auch die – im angelsächsischen Raum selbstverständliche – Unterscheidung zwischen „Curing“ (= alles, was mit der Behandlung zu tun hat) und „Caring“ (=alles  Übrige, also nicht nur die Pflege, sondern auch Freundlichkeit und Mitgefühl) hat sich ja bis hierher kaum herumgesprochen.

 

Schließlich – man soll es fast nicht glauben! – sind bereits bei Cochrane Anfang der 70er Jahre (so die „Einführung“ in der Neuauflage) „empowerment and involvement of consumers“ vorgezeichnet. Samt einer Machtverschiebung im Arzt-Patientenverhältnis zugunsten des Patienten. Das ist natürlich – eine Frage des Menschenbilds? – in die Köpfe in einer standespolitisch geprägten Welt, die zwischen „Kollegen“ und „Laien“ (für alles) zu unterscheiden beliebt, schwer einzutrichtern.

 

Cochrane hat als Konsequenz seiner Überlegungen – ohne die sich entwickelnden Möglichkeiten der heutigen Informationstechnologie (IT) auch nur zu ahnen – bereits 1971 vorhergesagt, was erst allmählich in die Köpfe (auch der „wissenschaftlichen“ Gesundheitsprognostiker) zu sickern beginnt:

 

  • Die Konzentration auf eine wirksame Medizin hält diese sehr viel länger bezahlbar
  • Die Krankenbehandlung bedarf sehr viel seltener einer stationären Aufnahme
  • Die Zahl der stationären Fälle wird sinken, desgleichen deren Verweildauer
  • Die Gesellschaft braucht erheblich weniger Krankenbetten
  • Krankenhäuser entwickeln sich zu hochspezialisierten Einrichtungen für sehr Kranke
  • Gesundheitszentren arbeiten effektiver als ärztliche „Einzelkämpfer“
  • Besser ausgebildete Allgemeinmediziner wachsen in eine Schlüsselrolle

 

Dieses Buch sollte für alle, die in der und für die Krankenversorgung in irgendeiner Weise Verantwortung tragen, zur Pflichtlektüre erklärt werden! (+++)

 

P.S.: Archie Cochrane ist 1988 gestorben. Die – ihm zu Ehren so benannte – weltweit tätige Cochrane Collaboration wird seinen Namen stets in unser aller Erinnerung halten!

(Siehe auch http://www.cochrane.de/de/index.htm)

 

 

 

Aus dem Klappentext:

 

"Effectiveness & Efficiency

Random Reflections on Health Services

 

Here is the original textbook on "evidence-based medicine", a term with which few doctors and other healthcare professionals can fail to be familiar at the turn of the millennium.

 

Originally published in 1972, Archie Cochrane's classic text has had a profound influence on the practice of medicine and on the evaluation of medical interventions. He was the first to set out clearly the vital importance of randomised controlled trials (RCTs) in assessing the effectiveness of treatments, and his work led directly to the setting-up of the Cochrane Collaboration, now a world-wide endeavour dedicated to tracking down, evaluating and synthesising RCTs in all areas of medicine.

The message contained in this book is as relevant to clinicians, healthcare managers and policymakers now as it was in the 1970s.

 

In addition, this new paperback edition of Cochrane's work contains a brand new Introduction by Professor Chris Silagy, who was the first elected Chair of the international Cochrane Collaboration, and a Foreword by Dr lain Chalmers, Director of the UK Cochrane Centre, the first such centre to be established. Professor Silagy looks at the post-Cochrane agenda, in particular the growth and empowerment of consumers taking more responsibility for their own healthcare decisions, and the influence of consumers on the development of an evidence-based approach to their healthcare.

 

Archie Cochrane's book is essential reading for all clinicians, managers and researchers interested in improving the effectiveness and efficiency of healthcare interventions and systems."

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen.

 

Eine Kritik und eine Antwort

Some Critics, and an Answer

 

In diesen Tagen erreichte uns ein Brief dieses Inhalts:

Sehr geehrter Herr Prof. Hildebrand,

in der Ausgabe 244 Ihres Newsletters bezeichnen Sie die berechtigten Forderungen des Marburger Bundes als "Egoismus einer privilegierten Berufsgruppe". Bei Ihrer Beurteilung scheinen Sie wohl ausschließlich die Einkommensverhältnisse von Chefärzten mit sogen. "Altverträgen" einbezogen zu haben. Sie wissen doch auch sehr genau, daß die 30% Forderung plakativen Charakter hat und gegengerechnet wird mit vorher weggefallenem Weihnachts- und Urlaubsgeld, unbezahlten Überstunden und nicht stattgefundenen Lohnerhöhungen. Tatsächliche Steigerungen in der Entlohnung werden sich im unteren einstelligen Bereich abspielen! Ein Blick ins nahe Ausland offenbart auch die im Vergleich eher unterdurchschnittliche Bezahlung hierzulande.

Kann sich unser Gemeinwesen erlauben, viel Geld in die Ausbildung von Ärzten zu stecken, die dann in nicht unerheblicher Anzahl in Großbritannien, in den skandinavischen Ländern, Österreich und Schweiz arbeiten zu besseren Bedingungen? Angebot und Nachfrage bestimmen u.a. den Preis! Wenn wir in Zukunft weiterhin qualifizierte und motivierte Ärzte in unseren Kliniken haben wollen, dann müssen Arbeitsbedingungen und Entlohnung angemessen sein. Die Abstimmung darüber wird mit den Füßen durchgeführt.

Gerade in Ihrem Newsletter hätte ich eine differenziertere Darstellung und Bewertung dieser Problematik erwartet. Der Begriff der "selbst erfundenen Überstunden" ist unverschämt und wird durch nichts belegt. Der Blick in die Wirklichkeit in deutschen Krankenhäusern unterhalb der Leitungsebene scheint Ihnen verwehrt zu sein. Ich finde das schade, da ich Ihren Newsletter regelmäßig mit Interesse lese und viele Ihrer Anregungen zukunftsweisend sind.

mit freundlichen Grüßen

…. (Name), keine Adresse), Arzt für Chirurgie, über 20 Jahre in der Klinik, jetzt Medizincontrolling plus ca. 4 Wochenendbereitschaftsdienste Stufe D, mithin von der "Basis".

 

 

Die Antwort:

Sehr geehrter …,

Auch wenn ich nicht weiß, wohin genau diese Mail eigentlich geht (warum verstecken sich Ärzte nur so gern?), möchte ich Ihnen doch gern ganz herzlich dafür danken, dass Sie mir geschrieben haben.

 

Dabei möchte ich an den Beginn eine Entschuldigung stellen: Bei der - zugegebenermaßen missverständlichen - Formulierung "selbst erfundene Überstunden" habe ich nicht im Geringsten zum Ausdruck bringen wollen, unter Ärzten gebe es mehr Mogler als in anderen Berufsgruppen. Noch weniger habe ich damit jene Ihrer Kollegen treffen wollen, deren "Überstundenbuchhaltung" - mit oder ohne Dienste - ehrlich ist. Glaubwürdig sind die öffentlich gehandelten Zahlenangaben nach Plausibilitätsrechungen und etlichen Gesprächen mit Ihren Kollegen allerdings nicht! (Mit Chefärzten habe ich in diesem Zusammenhang übrigens vergleichsweise wenig zu tun).

 

Noch weniger besagen tatsächlich geleistete Überstunden, dass die kumulierte Arbeitszeit zur Behandlung der Patienten (Nutzleistung) oder für unabweisliche Supportaufgaben (Stützleistung) wirklich nötig waren, oder nur der Tatsache geschuldet sind, dass deutsche Krankenhausärzte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit sinnlos verplempern (Blind- und Fehlleistung), ohne dass sie diesen Zustand selbst ändern können. Die heutige klinische Arbeitsorganisation in Deutschland ist mittelalterlich - von der ärztlichen Hierarchie gar nicht zu reden! Auch wie man hierzulande die jungen Ärzte mit skandalösen Kurzverträgen und zugleich hinausgeschobenen Terminen für den Abschluß der Facharztausbildung abzuspeisen beliebt, ist menschenverachtend (und zugleich höchst unklug). Das gilt übrigens auch für die - alle Beschäftigten treffenden - Kürzungen vertraglicher Bezahlungselemente wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld (Ausnahme: Befristete Kürzungen zur Abwehr einer Pleite).

 

Meine persönliche Befragung von im Laufe der letzten 10 Jahre sicher weitaus mehr als 2000 intelligenten und engagierten Ärzten aller hierarchischen Ebenen spricht da eine mehr als deutliche Sprache (wobei die Chefärzte fast immer deutlich weniger Zeitverschwendung vermuten als die Ärzte "an der Front"). Ein langjährig krankenhauserfahrener Facharzt hat dies gerade auf einem Kongress sehr schön zusammengefasst: Er würde ein Auto nicht kaufen, das so gebaut würde, wie im deutschen Krankenhaus die Behandlung stattfindet. Die Selbsteinschätzungen der Ärzte werden durch eigene Vor-Ort-Beobachtungen bestätigt. Desgleichen den ernsthaften Willen, die Dinge sofort zum Besseren zu wenden, wenn man dies denn könnte (oder dürfte).

 

Das hat allerdings alles nichts mit der Höhe der Bezahlung von Krankenhausärzten zu tun. Die würde ich mir deutlich höher wünschen, sehe aber angesichts der bestehenden Randbedingungen - wie Sie auch dem von Ihnen kritisierten Editorial entnehmen können - nur eine mittelfristige Lösung: Deutlich weniger Ärzte! Und eine grundlegende Neuaufteilung der Arbeiten in der Klinik (inklusive klinischer Pfade). Wie es der Zufall will, hat "Die Zeit" vom 1. Juni 2006 dieses Thema im gleichen Sinne aufgegriffen.

 

Zu arbeitsmarktpolitischen Fragen: Mir wäre es als erfahrenem Ökonomen am liebsten, wenn es in Europa keinerlei Beschränkungen bei Wahl des Arbeitsplatzes gäbe. Daher finde ich es auch gut, dass (nicht nur) deutsche Ärzte jederzeit dorthin gehen können, wo sie ihre persönlichen und beruflichen Ziele am besten verwirklichen können. Nicht zuletzt dafür wurde Europa einmal gedacht: Wir bilden in Deutschland für Europa aus! Dass dies - schon aus den zuvor angedeuteten Gründen - nicht gerade das deutsche Krankenhaus ist, kann dank meiner breiten nationalen und internationalen Kenntnisse der Arbeitsbedingungen nur zu gut verstehen. Und die damit erzielte Erziehungswirkung bei den einzelnen Arbeitgebern sollte man nicht unterschätzen!

 

Mit seinen Forderungen hat sich der Marburger Bund - mit dem ich viele Jahre lang gut und freundschaftlich zusammengearbeitet habe - als Gewerkschaft in eine höchst unglückliche Position manövriert:

 

Zum einen ignoriert er, dass die geforderten höheren Gehälter (bisher) nicht aus einer höheren Produktivität finanziert werden können, sondern ausschließlich aus Beitragssteigerungen der - ohnehin schon schwer gebeutelten - Versicherten. Die Produktivitätssteigerungen werden zwangsläufig folgen. Das wird vor allem bei den Ärzten Arbeitsplätze kosten. Diesen (legitimen, aber nicht sonderlich ethischen) Gruppenegoismus muß man auch so nennen können! Und gut ausgebildete Ärzte sind auf dem weltweiten Arbeitsmarkt leichter zu beschaffen als Piloten.

 

Zum anderen schwingt in der Vorstellung, "zu Recht" deutlich mehr Geld als vergleichbar gut ausgebildete Angehörige anderer Berufsgruppen im Krankenhaus zu fordern (oder sich im Unterschied zu allen übrigen Kollegen das - nicht überall - geklaute Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie "nicht stattgefundene Lohnerhöhungen" zurückholen zu können), ein Dünkel mit, den man sich als Berufsgruppe am besten ganz schnell abgewöhnen sollte. Dafür gab und gibt es neben der verantwortungsvollen Arbeit keinerlei vernünftigen Grund. So doll ist das nebenbei mit der "hochqualifizierten" Ausbildung im Akademikervergleich nicht...

 

Das wird dem Ruf der Ärzte in der Öffentlichkeit nachhaltig ganz schwer schaden. Und das wünsche ich Ihnen persönlich, Ihrem Berufsstand und uns allen überhaupt nicht!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

P.S.: Ich hoffe, Sie finden im hmanage Newsletter weiter interessante Anregungen, auch wenn sie gelegentlich blutdrucksteigernd sein mögen!