Exzellentes Management im Gesundheitswesen
24.03.17 17:25

Leitspruch

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit....

22.03.17 17:39

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26.05.17 14:19

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Eine E-Mail von healthcareDIVE brachte eine Erinnerung zurück: an...

23.05.17 18:24

(Fierce Healthcare) “Mit weniger Verschwendung die Patientensicherheit steigern”

“Putting a lid on waste: Needless medical tests not only cost $200B—they can do harm”

16.04.17 18:31

(blogridge) Führungsprinzipien beim aktuellen Gewinner des Baldridge Award

“Leadership Practices of 2016 Baldrige Award Recipients: Memorial Hermann Sugar Land Hospital”

14.04.17 18:42

(Health Leaders Media) Stationäre Versorgung im ländlichen Bereich: Anregungen

“In Remote Idaho, A Tiny Facility Lights The Way For Stressed Rural Hospitals”

12.04.17 12:27

Asklepios-Werbung im Hamburg-Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT

“Unsere Kliniken verfügen über ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, denn die Sicherheit Ihrer...

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236 - 04.04.2006 Aktuelle Sinnsprüche und Informationen auf unserer Website www.hmanage.net


Motto des Tages

"Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen"

 

(Aus China)

 

Quelle: Wikiquote

 


01. Editorial: „Health Care der Zukunft“

„Health Care of the Future“

 

Einige Gedanken anläßlich eines Symposiums zu diesem Thema, das am 31.03. – 01.04.06 vom Fachgebiet Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens an der TU Berlin veranstaltet wurde.

 

Während die Politik darum ringt, zusätzliche Einnahmequellen für ein in der bestehenden Form nicht mehr auf die Dauer bezahlbares Gesundheitswesen zu erschließen, ging es Frau Prof. Nickl-Weller als Einladender ausweislich des Programms vor allem darum, die künftige Rolle ihres Fachs im gesellschaftlichen Kontext auszuloten(„... Zustand des Gesundheitswesens unheilvoll ...“). Zu den von ihr herausgearbeiteten „4 Säulen (im) Fundament einer zukünftigen Gesundheitslandschaft”

 

  1. Sozialer Rahmen
  2. Gesundheitsarchitektur im umfassenden Sinne, von der funktionalen Dimension über den städtebaulichen Kontext, bis hin zu den über Krankenhausbau hinausreichenden, eng mit den Problemen des sozialen Rahmens verbundenen, psychologischen Wirkungen von Architektur
  3. Medizin und Technik
  4. Ökonomie

 

steuerten mehr als 20 nationale und internationale Referenten verschiedener fachlicher Herkunft und etliche Diskutanten ihre Vorstellungen bei. Nimmt man jene aus, in denen – auch interessant, aber weniger erhellend für das Kongressthema – nur eigene Bauentwürfe präsentiert wurden, war diese Veranstaltung zum Thema ihr Geld wert. Im krassen Unterschied zu sehr viel teureren, deren Einladungen einem tagtäglich auf den Schreibtisch flattern. Mit ganz wenigen leeren Worthülsen („Ökonomisierung“), modernem Jargon in nicht ganz klaren Zusammenhängen („Behandlungspfade“, „Benchmark“, „Paradigmen“), kaum Klagen („ ... alle verregelt ... niemand denkt in Konzepten ... Quadratkilometer ohne natürliches Licht ...“), manchem nützlichen Hinweis (erfolgreiche „Barfußärzte“ in China oder Alternativmedizin) und einigen bemerkenswerten Zitaten („Turne in die Urne!“ „Das Krankenhaus gehört zu den bedrohten Arten“ „Das Geld folgt nicht der Leistung, sondern die Leistung dem Geld“, „Kapital ist vorgetane Arbeit“, „Germanischer Vollkommenheitswahn“, „Humanität gleich ‚kurze Wege’“).

 

Neben Vorträgen zur Ausgangslage mit ihrer dramatischen Geldknappheit („Umlageverfahren versus Kapitaldeckung“) und ihren angesichts verkrusteter (Finanzierungs-)Strukturen und einer täglichen massiven Verschwendung (u.a. dank eines verschwenderischen Materialeinsatzes, einer inneffektiven Kapazitätsauslastung oder überhöhter DRG-Sätze für gleiche, unterschiedlich zustande gekommene Behandlungsergebnisse) dennoch vorhandenen Chancen, zu Markenbildung und Risiko-Management, zur professionellen Projektsteuerung oder über das reale Abenteuer einer dennoch erfolgreichen universitären Bauplanung gab es etliche Anregungen und Denkanstöße für eine Zusammenschau:

 

  1. Alle Ansätze sind zur Produktion von Gesundheit auf den Patienten und seine berechtigten Bedürfnisse auszurichten („putting patients first“) und patientengruppenbezogen zu segmentieren
  2. Das Gesundheitswesen ist als Einheit zu betrachten – auch Lösungen für den Erhalt und die Weiterentwicklung seiner Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit
  3. Bei der Wertbestimmung für den Kunden (value added) muß man das Thema Gesundheit vom Ergebnis (Lebensqualität) her als Ganzes sehen (nicht nur einschließlich der Prävention)
  4. In einer sich wandelnden Gesellschaft geht es konkret um „value added health care solutions“ einer „evidenzbasierten Krankenversorgung“
  5. In diesem Sinne gehören alle bestehenden Vorstellungen und (auch gesetzliche) Regeln wie die zur Hygiene immer wieder auf den Prüfstand
  6. Die eher „technokratischen“ Elemente der Krankenbehandlung sind um Aspekte des Heilens durch Atmosphäre etc. zu ergänzen, in der sich auch die Beschäftigten wohl fühlen sollen
  7. Die Krankenbehandlung der Zukunft ist regional nach Krankheitsart und Investitionsaufwand auf Patientenströme auszurichten mit unterschiedlichen Lösungen für unterschiedliche Milieus
  8. Bestimmte Patientengruppen (z.B. Kinder) bedürfen dabei spezifischer personeller und technisch-organisatorischer Lösungen
  9. Es wird zentrale Krankenhäuser (core hospitals, Portalkrankenhäuser, medical hub etc.) mit einer  personellen und technischen Höchstausstattung (in den USA als „world class“ bezeichnet) geben
  10. Daraus folgen organisatorische und damit auch bauliche Strukturen, die sich eher an Patientengruppen mit bestimmten Erkrankungen und dem erforderlichen Mitteleinsatz orientieren
  11. Der - künftig immer mehr webbasierte - IT-Einsatz orientiert sich ebenfalls an den zu betreuenden Patienten einer bestimmten Erkrankung ("elektronische Netzkrankenakte von der Wiege bis zur Bahre") und den diesbezüglichen standardisierten Behandlungsprozessen
  12. Es ist z.B. zu prüfen, ob nicht nur das Krankenhaus in seiner bestehenden Form ausgedient hat, sondern heute nicht auch das Denken in nur einem Baukörper ökonomisch obsolet ist
  13. Bisher fehlen in Deutschland die Instanzen, welche die Politik vor dem Hintergrund eines Systemdenkens unparteiisch und kompetent beraten. Der Ruf nach der Politik trifft ins Leere.
  14. Für eine Weiterentwicklung / Forschung des Gesamtsystems einschließlich seiner Bauwerke fehlen fast völlig die erforderlichen finanziellen Mittel.
  15. Über den Ersatz der heutigen Wurstelei durch eine großräumige marktorientierte Umgestaltung des gesamten Gesundheitssystems (Münch) ist wirklich ernsthaft nachzudenken.

 

Was auf diesem ersten Kongress des Veranstalters noch deutlich zu kurz kam, waren diese Punkte:

 

  1. Das Spezifizieren, Messen, Aggregieren und Auswerten bestimmter Behandlungsergebnisse für auszudifferenzierende Patientengruppen / patientenbezogener Episoden
  2. Die Ergänzung um – mit ersteren abzustimmende – Ergebnisse für alle irgendwie am Gesamtprozess beteiligten Interessenpartner
  3. Der ergebnisorientierte arbeitsteilige Prozess der Gesundheitsbetreuung des Patienten „von der Wiege bis zur Bahre“ und dessen episodenbezogene Teilprozesse (z.B. im Krankenhaus).
  4. Darauf ausgerichtete standardisierte Prozesse, die sich auf entsprechend „maßgeschneiderte“ Bauwerke mit entsprechenden Geräten und Einrichtungen stützen können
  5. Die zugehörigen Prozesse der Problemlösung und der systematischen Weiterentwicklung / Innovation (Qualitätsmanagement im umfassenden Wortsinn)

 

Insgesamt ein inhaltlich vorzüglicher Kongress!

 


02. (AHA) Preisgekrönter H&HN-Artikel zur Stärkung der Patientensicherheit

"25 things you can do to Save Lives Now

Hospitals are in the business of saving lives. Yet, gaps in care continue to result in harm...

...Mehr


03. (AHA) Aktuelles zum US-„Pranger“ für Ärzte

HRSA publishes proposed rule expanding National Practitioner Data Bank

A proposed rule ... adverse licensure actions taken against any health care practitioner or entity licensed or authorized by the state to provide health care services...

Additional information ... at www.npdb-hipdb.com.

 


04. (IHI) Zuverlässigkeit in der Krankenbehandlung

Reliability

Reliability theory — a scientific method of evaluating, calculating, and improving the overall reliability of a complex system — has been embraced by and used effectively in industries such as manufacturing, nuclear power, and aircraft carriers to improve the rate at which a system consistently produces appropriate outcomes and prevents adverse events. …

Mehr


05. (AHRQ) Harvard: Eine Selbstverpflichtung auf den Umgang mit vermeidbaren Fehlern

When Things Go Wrong: Responding to Adverse Events.

This consensus paper of the Harvard-affiliated hospitals was prepared by clinicians, risk managers, and patients to provide an in-depth understanding of preventable adverse events, their impact on patients, families, and providers, and how to manage such events...

Quelle

Dokument

 


06. (AHA) Die häufigsten Ursachen für einen stationären Aufenthalt in US-Kinderkliniken

AHRQ reports most common reasons for hospital visits by children

...

The statistics are from the Kids’ Inpatient Database, part of AHRQ’s Healthcare Cost and Utilization Project.

 


07. Leichtsinn: „KTQ-Manual für den Krankenhausbereich Version 5.0 in Englisch erschienen"

"Für Interessenten (z. B. auch aus dem angrenzenden europäischen bzw. internationalen Raum), die das KTQ-Zertifizierungsverfahren kennenlernen möchten, hat die KTQ-GmbH das KTQ-Manual für den Krankenhausbereich (Version 5.0) als gebundene Kurzfassung ins Englische übersetzen lassen. Diese Fassung enthält die Kapitel: Routinebetrieb der KTQ-GmbH, die Leitfäden zur Selbst- und Fremdbewertung sowie den KTQ-Fragenkatalog. Das englische KTQ-Manual kann für 98,-- € bei der KTQ-GmbH bestellt werden".

 


08. Links

http://www.jointcommission.org/ Neue Website der Joint Commission - u.a. mit Qualitätsberichten, die ein Muster für den sinnvollen Ersatz der aktuellen deutschen sein könnten

 

"Elitetreffen zum Krankenhaus der Zukunft am 8./9. Mai 2006"

 

Der AKIK-Bundesverband setzt sich für die Rechte von Kindern im Krankenhaus ein, gleich welchen Alters, gleich welcher Krankheit und gleich welcher Herkunft.

 

http://www.hospitalcompare.hhs.gov/ Hospital Compare - A quality tool for adults, including people with Medicare

 

http://www.medinform.de/ bvmed-Website

 

Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen e.V., kurz BUKO-QS genannt

Dazu Messen in der Pflege

Daraus Projektübersicht

 

Sinus Sociovision ist Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung - auch im Gesundheitswesen.

 

Handbuch Qualitätssiegel "Geriatrische Rehabilitation in Rheinland-Pfalz" (Auszug)

 

http://www.gesundheit.de/roche/ Roche Lexikon Medizin 5. Auflage

 

http://www.webmd.com/ Zur Erinnerung: Größtes US-Gesundheitsportal

 

Statistics for the non-statistician

 

US-Gesundheitsportal bei Herzerkrankungen

 

Burda Health Day: http://www.hubert-burda-health.de/

http://www.hubert-burda-health.de/agenda_health_day_2006/

http://medinfo.netbib.de/archives/2006/03/09/1209

 

http://leapfroggroup.org/ Zur Erinnerung: "The Leapfrog Group is made up of more than 170 companies and organizations that buy health care" - u.a. mit Qualitätsvergleichen für Krankenhäuser

 

http://www.isesuisse.ch/de/index.htm Institut für Gesundheit und Ökonomie

 

http://medlineplus.gov/ Gesundheitsinformationen aus erster Hand

 

http://ebm.bmjjournals.com/ Evidence Based Medicine Journal

 

http://www.dgaek.de/html/ZWB.pdf Zusatzweiterbildung "Ärztliches Krankenhaus Management" der dgäk

 

http://www.medizinfo.com/ Deutsches Gesundheitsportal

 

Ärzteblatt: "Reformvorbild Niederlande: Nur bedingt geeignet"

 

 

 

 


09. Buchbesprechung

Book Review

 

Bewertung (+++) = sehr gut über (0) = neutral bis (-) = nicht empfehlenswert. Bestellung – soweit nicht ausgeschlossen – durch Anklicken des Titels hier oder über unsere Website www.hmanage.net bei Amazon.

 

 

Amelung, Volker E. Meyer-Lutterloh, Klaus, Schmid, Elmar, Seiler, Rainer, Wheatherley, John, Integrierte Versorgung und Medizinische Versorgungszentren, Von der Idee zur Umsetzung, Berlin 2006, ISBN: 3939069051, AMAZON

Hier gilt es ein Buch zu besprechen, das erst in diesen Tagen erscheint. Das Thema hat Zukunft. Und bisher konnte man dazu hierzulande – von allerlei Gesetzesmodifikationen abgesehen – noch nicht allzu viel Gescheites oder gar Praktikables lesen – besonders nichts darüber, was dadurch, d.h. durch eine Integrierte Versorgung und Medizinische Versorgungszentren deutschen Typs denn nun genau besser geworden ist. Zu Kostensenkungen, zu etwaigen Verbesserungen der Behandlungsergebnisse oder zumindest der Betreuung aus der Sicht der Patienten schweigt sich auch dieses Buch aus. Immerhin kann man hier – wenn auch nicht sehr präzise –nachlesen, was einmal besser werden soll. Hier die Grob-Gliederung:

 

Vorwort

I.            Neue Versorgungsformen – Eine Idee setzt sich durch

II.          Projektmanagement – der Weg

III.         Die Projektphasen der Gründung eines Gesundheitsunternehmens

IV.       Der Businessplan

Glossar

Autoren

 

Die Autoren sind seit einigen Jahren aktiv im Bundesverband Managed Care tätig. Sie werden in diesem Buch unterstützt durch eine große Zahl weiterer „Mitstreiter“ (so die Mitwirkungsliste auf dem Titelblatt). Damit ist hier offensichtlich eine Menge Sachverstand versammelt – zumindest was die akute Situation zum Themenkomplex in Deutschland betrifft. Gleichwohl hat man der Versuchung erfolgreich widerstanden, in epischer Breite „Wissenschaft“ zu präsentieren. Ausführliche Literaturhinweise finden sich am Ende eines jeden Teils. Das Glossar dürfte für viele Leser sehr nützlich sein, zumal darin etliche ökonomische Begriffe abgehandelt werden, die im hiesigen Gesundheitswesen noch vergleichsweise unbekannt sein dürften.

 

Teil I. („Neue Versorgungsformen“) bietet – in sehr gewöhnungsbedürftiger Sprache – eine Übersicht aus dem Blickwinkel der deutschen Entwicklung. Die Erfahrungen in den USA als dem „Erfinderland“ werden zwar gestreift, aber weniger einbezogen, als dies vor dem Hintergrund der dortigen Erfahrungen und Ergebnisse (Kosten, Qualität) eigentlich zu erwarten wäre.

 

Teil II. („Projektmanagement“) präsentiert allerlei Stoff, den der Rezensent unter dieser Überschrift kaum vermutet hätte. Dafür findet sich – von groben Überschriften abgesehen – dort kaum etwas, das bei der Projektplanung und -berichterstattung wirklich weiterhelfen könnte.

 

Teil III. („Projektphasen“) erscheint dagegen sehr nützlich zu sein, präsentiert es doch etliche Checklisten über die diversen Aspekte, die unter den hiesigen Bedingungen bei der Gründung eines Gesundheitsunternehmens zumindest zu beachten sind. Sehr praxisnah!

 

Teil IV. („Businessplan“) ist als Übersicht ebenfalls sehr hilfreich – zumindest für all jene, die mit so etwas noch nie gearbeitet haben. Hier hätte man es allerdings ebenfalls gern etwas konkreter gehabt!

 

Insgesamt hat man den Eindruck von wenig Phantasie für Neues. Gleichwohl dürfte dieses – sehr sorgfältig gestaltete – Werk in seiner Zusammenstellung hierzulande trotz leichter Mängel für all jene außerordentlich nützlich sein, die sich von Berufs wegen (erstmals) mit der Materie befassen müssen! (++)

 

 

 

Anmerkung: Hier werden nur Bücher und Texte besprochen, die der Rezensent aus persönlicher Einschätzung für die Arbeit in Gesundheitseinrichtungen empfiehlt hält, oder ärgerliche, deren Kauf und Lektüre man sich sparen sollte. – Zu weiteren Buchempfehlungen sehen Sie auch in unsere Website!


10. Widerspruch

An dieser Stelle finden Sie Stellungnahmen zu Nachrichten aus dem deutschen Gesundheitswesen, die nicht unkommentiert bleiben sollen.

 

Krause, Tom, Qualitätsbericht (Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 12 vom 24.03.2006, Seite A-750):

 

„Als mündiger und kritischer Patient und Angehöriger sind für mich die Qualitätsberichte ein Quell der Erkenntnis und eine wichtige Hilfe bei der Wahl der Klinik. Als technophiler Mensch screene ich systematisch die Berichte im Internet und wühle in den Leistungs- und Strukturdaten der Häuser – vorausgesetzt, mein 58K-Modem schafft es, den Fünf-Megabyte-Bildband des einen oder anderen Hauses downzuloaden.

 

So lag Onkel Ernst schon längst in der nächsten Stroke-Unit, als ich feststellen konnte, dass die übernächste Klinik viel mehr ischämische Insulte behandelt als die von Onkel Ernst – und Masse macht doch Klasse, oder? Besorgt musste ich außerdem über das www.klinik-konsil.de feststellen, dass dieser Laden über drei Wochen für die Behandlung von ICD-I63 benötigt, wohingegen das die Multi-Mega-Klinik in acht Tagen schafft. Misstrauisch über die rekordverdächtig hohe Verweildauer stellte ich den Chefarzt zur Rede, der mich jedoch süffisant fragte, ob die acht Tage der Konkurrenz denn auch die stationäre Rehabilitation mit geriatrischer Komplexbehandlung (OPS 8-550) enthalte und ob die Multi-Mega-Neurologen auch eine teilstationäre beziehungsweise ambulante Nachbehandlung anböten. ...“

 

...Mehr

 

Widerspruch!

Man weiß nicht, ob man angesichts der Chuzpe dieses als Glosse ausgewiesenen Artikels weinen oder lachen soll. Denn was der Öffentlichkeit im Lande von der Selbstverwaltung– also auch von der Ärzteschaft – tatsächlich als „Qualitätsbericht“ zugemutet und von den Krankenhäusern auch noch verblüffenderweise ohne erkennbares Murren veröffentlicht wird, enthält Null Angaben zur Qualität. Da mutet es schon ziemlich dreist an, wenn im offiziellen Blatt der Deutschen Ärzteschaft unterstellt wird, Qualitätsberichte veröffentlichten die Inhalte von Krankenakten! Eine – in Deutschland bisher erfolgreich verhinderte – wirkliche Qualitätstransparenz in der Krankenbehandlung erforderte nicht die geringste Verletzung der Persönlichkeitssphäre von Patienten. Echte Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen guten und schlechten Behandlern wie teilweise in den USA wären dagegen durchaus wünschenswert – wenn auch angesichts des „Mauerns“ der Ärzteschaft schon gegenüber den bescheidensten Transparenzwünschen in Deutschland wohl noch lange Zeit völlig unrealistisch.

 

Die Ärzteinstitutionen sind hierzulande offensichtlich so beschäftigt, die Pfründe ihres Standes zu sichern und – wenn möglich – auszubauen, als dass ihnen die rasche Entfernung des öffentlichen Arztbildes von seinen früheren Traumwerten auch nur eines einzigen Gedankens wert zu sein scheint. Wer im Kampf gegen Sparversuche im Medikamentenbereich die „Therapiefreiheit“ wie eine Monstranz vor sich herträgt, macht sich doch unglaubwürdig: Therapiefreiheit für Blödsinn? Oder für eine teurere Behandlung, welche den pflichtversicherten Patienten nachweislich keinerlei Zusatznutzen bietet? Das müßte allerdings klar sein. (Freiwillig soll sich doch weiter jeder das an ärztlicher Behandlung antun können, was er bei sich selbst für Erfolg versprechend hält!)

 

Wenn die Allgemeinheit (aus plausiblen Gründen) den Gürtel etwas enger schnallen muß, kann dies „selbstverständlich“ nicht für die deutsche Ärzteschaft gelten: (Halb-)Gotteslästerung wurde früher mit Verbrennung bestraft! Wenn das öffentliche Interesse an der Sinnhaftigkeit der (fast) welthöchsten Gesundheitsausgaben (eigentlich viel zu) langsam wächst, wehren sich die Ärztefunktionäre mit allen denkbaren Mitteln – und seien sie (wie das öffentliche Hantieren mit den Grundrechenarten) noch so zweifelhaft. Der Bürokratievorwurf gegen die uralte Forderung nach einer berechtigten, endlich nachvollziehbaren Dokumentation ist da noch am harmlosesten.

 

In Glossen gekleidete Unterstellungen sind schon einen Zahn schärfer! Damit soll offensichtlich schon die Forderung nach einem Minimum an Qualitätstransparenz der ärztlichen Behandlung auch in diesem Lande als Versuch denunziert werden, die Persönlichkeitssphäre der Patienten in die Öffentlichkeit zu zerren. Besonders wenn sie – wie im Deutschen Ärzteblatt – mit dem systematischen Weglassen internationaler Vergleichsinformationen verbunden sind, welche die Gefahr in sich bergen, ein wenig am eigenen Selbstbild zu kratzen. Schön zu wissen, dass eine wachsende Zahl von nachdenklichen Ärzten im Lande dies so ähnlich sieht.